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Radfahren im Winter: Bekleidung, Gesundheit, Tipps

Radfahren im Winter und der Kälte trotzen!

Radfahren im Winter: Bekleidung, Gesundheit, Tipps

Jetzt ist der Winter da und viele Radfahrer wechseln ins warme Auto. Doch das muss nicht sein, denn richtig ausgestattet macht das Radeln im Winter nicht nur Spaß, sondern ist sogar gesund.
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Mit ein paar Tipps und Anregungen ist Radfahren im Winter überhaupt kein Problem.

Zwiebelschalen gegen Kälte und Chillen im Wind

Zwiebelschalen helfen zwar nicht gegen kalte Finger, aber das gleichnamige Bekleidungsprinzip ist das Mittel der Wahl, um der Kälte und vor allem dem Fahrtwind ein Schnippchen zu schlagen. Die Kälte alleine ist für den Radler kein Problem, die zügige Fortbewegung in kalter Luft führt jedoch zum sogenannten Windchill-Effekt, der die Haut und damit den Körper bei Wind oder auf dem Rad deutlich stärker kühlt als bei Windstille. Der Windchill beschreibt die Differenz zwischen der Lufttemperatur und der gefühlten Temperatur in Bezug zur Windgeschwindigkeit. Schon bei 20 km/h werden aus 5°C Lufttemperatur 1,1°C, auf einer Abfahrt bei 30 km/h sogar nur 0,1°C. Kommt noch Gegenwind von 20 km/h hinzu, fühlt man auf der Haut -1,3°C.

Wird die Haut jedoch mit geeigneter Kleidung vor dem Wind geschützt, kann sich unmittelbar auf der Haut und in den Fasern der darüberliegenden Kleidung eine warme Luftschicht bilden, die den Körper isoliert und den Menschen Wärme empfinden lässt. Wird diese warme Luftschicht immer wieder vom Fahrtwind durchwirbelt und mit kalter Außenluft durchmischt, verlieren wir Wärme, sinkt die Hauttemperatur und wir empfinden Kälte.

Luftdruck im Reifen reduzieren und Sattel absenken – unsere Fahrtipps für den Winter.

„Schicht für Schicht“-Funktion

Ideal ist deshalb eine feuchtigkeitsableitende Schicht auf der Haut, darüber je nach Temperatur eine oder zwei Isolationsschichten und zuletzt eine wind- und regendichte Lage. Bei trockenem Wetter kann auf die Regendichtigkeit verzichtet werden. Zum Radfahren geeignete Radjacken weisen zudem unter den Armen oder im Rückenbereich atmungsaktive Einsätze auf. Mit diesen drei Schichten ist man perfekt für das Radfahren bei kalter und feuchter Witterung angezogen.

Außenhülle: die ideale Jacke für den Winter

Regen- und Schneeschauer gehören zum Winter. Deshalb sollte eine Radjacke für jeden Tag zumindest wasserabweisend sein (z.B. Softshell). Das reicht bei Rädern mit Schutzblechen meist für 20 bis 30 Minuten Regenfahrt. Danach dringt Wasser ein. Wer länger oder ohne Schutzbleche unterwegs ist, sollte auf eine wasserdichte Jacke aus einer Klimamembran achten, damit es innendrin nicht zu feucht durch Schweiß wird. Materialien gelten allgemein ab einer Wassersäule von etwa 1500 mm als wasserdicht.  Entscheidend sind allerdings auch die Nähte, die verschweißt oder verklebt sein sollten. Eine leichte Isolationsschicht aus Primaloft oder ähnlichem Material an der
Front, den Armen und Schultern vermindert den Wärmeverlust. Der Rücken liegt im Windschatten und darf weniger stark bzw. gar nicht isoliert sein, damit überschüssige Wärme entweichen kann.

Die Passform der Jacke sollte nicht zu weit sein, damit sie nicht zu viel Luftwiderstand bietet. Sehr sportlich geschnittene Jacken werden bei einem dickeren Pullover oder Sweatshirt darunter schnell zu eng. Vorne ist die Jacke etwas kürzer geschnitten und hinten etwas länger, damit auch der untere Rücken bzw. Po noch warm und trocken bleiben. Reflektoren die von allen Seiten sichtbar sind, erhöhen die Sicherheit.

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Hose – etwas weiter ist besser

Eine Winterradhose muss vor allem der feuchten Witterung standhalten und vor Regen schützen. Damit ist sie auch gleichzeitig winddicht und wärmt. Für Alltagsradler  sollten die Überhosen etwas weiter sein, damit sie über der normalen Hose getragen werden können. Lange Reißverschlüsse an den Unterschenkeln ermöglichen ein problemloses Anziehen auch mit Winterstraßenschuhen. Im Gesäßbereich sollte das Material verstärkt sein, damit die Hose nicht zu schnell durchscheuert. Aus allen
Blickrichtungen sichtbare Reflektoren machen den Hosenträger in der Dunkelheit für Autofahrer unübersehbar.

Zentrale Heizung

Unser Körper funktioniert wie eine Zentralheizung mit dem Herz als Wärmepumpe. Mit jedem Herzschlag pumpt das Herz warmes Blut in Kopf, Rumpf und Extremitäten. Der Körperkern bleibt dabei mit 37°C immer gleichwarm. Hände und Füße jedoch, die am Ende der Leitungsbahnen liegen und gewissermaßen die Zimmer im Anbau oder Keller darstellen sind oft kühler, da das Blut auf dem Weg dorthin bereits etwas abgekühlt ist.

Ist es kalt, drosselt der Körper die Durchblutung von Händen und Füßen, um Wärmeenergie zu sparen, indem die Blutgefäße enger gestellt werden. Ziel davon ist es, in Extremsituationen am Leben zu bleiben, auch wenn man ggf. einen Fuß verliert (Erfrierung). Das führt zu kalten Zehen und Fingern. Mit ca. 30°C sind warme Finger und Füße grundsätzlich kälter als der Körperkern. Sind sie so richtig kalt, weist die Hauttemperatur dort sogar nur 10°C auf. Erfrierungen gibt es erst dann, wenn die Hauttemperatur unter 0°C sinkt. Beim Radfahren sind die Hände und Füße aufgrund der windexponierten Lage trotz körperlicher Aktivität besonders gefährdet, zu erkalten. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch sehr schmerzhaft sein.

Sogenannte Lobster-Handschuhe halten die Finger besonders warm.

Die Fütterung und ein dichter Neoprenschaft sorgen im Winter für warme und trockene Füße.

Variable Klettverschlüsse lassen das weite Hosenbein radfahrtauglich straffen. Leuchtende Logos und großflächige Reflexbereiche erhöhen die 360° Sichtbarkeit.

Warm mit Hummer-Handschuhen

Effektive Handschuhe für den Winter, sind durch eine Membran winddicht, weisen eine ausreichende Isolationsschicht auf und halten die Wärme durch flauschiges Innengewebe nah an der Haut. Wer sehr schnell kalte Finger bekommt, sollte Fäustlinge oder sogenannte Lobster- bzw. Hummer-Handschuhe mit nur
drei Fingern verwenden, kälteunempfindliche Radler kommen auch bei eisigen Temperaturen mit dünnen Windstopperhandschuhen aus. Vor der Fahrt kann man die Handschuhe auf der Heizung anwärmen und die Zeit mit warmen Fingern so verlängern.

Eisfußstopp – Winterstiefel für‘s Rad

Während Ötzi noch in Sandalen über die Südtiroler Gletscher marschierte, können Radfahrer heute auf ein umfangreiches Angebot an speziellen Schuhen oder Überschuhen für den Winter zurückgreifen. Winterradschuhe sind nur für Klickpedale wirklich geeignet. Die halbhohen Schuhe sind wasserdicht, weisen einen Neoprenschaft auf, der Dreck und Wasser abhalten soll und sind warm gefüttert. So kann man auch bei leichten Minusgraden auf Überschuhe verzichten.

Überschuhe werden über normalen Straßenschuhen oder Sportschuhen getragen. Damit das funktioniert, sollte man sie auf jeden Fall ausprobieren, denn ein Überschuh, der an der Ferse nicht zu schließen ist, kann nicht warm und trocken halten. Mit Überschuhen sollte man nicht zu viel gehen, es sei denn eine spezielle Gummisohle ist eingearbeitet. Damit der Regen nicht von der Hose in die Schuhe läuft, muss die Hose über dem Schuh getragen werden. Ein enger Gummizug kann ein Eindringen von Wasser meist nicht verhindern. Überschuhe sollten mit Reflektoren versehen sein, denn die sich bewegenden Füße fallen sehr auf.

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Gesundheit – Winterradeln hält fit

Entgegen vielen Befürchtungen ist die Gefahr, an Infektionen der Atemwege beim Radeln im Winter zu erkranken nicht erhöht. Das gilt jedoch nicht für absolute  Gelegenheitsradler, die einmal im Monat eine Tour machen und dann nach einem Regenguss prompt krank werden. Wer die Schleimhäute seiner Atemwege regelmäßig durch Temperaturwechselbäder (kalte Luft) trainiert und durch die Belastung befeuchtet, wird widerstandsfähiger gegenüber Erkältungen. Nach einem Bürotag sind die Schleimhäute oftmals ausgetrocknet und Keime vermehren sich ungehindert. Durch den Weg mit dem Rad nach Hause an der kalten Luft müssen die Schleimhäute durchblutet und befeuchtet werden. Auf ihnen befindliche Keime werden mit dem Schleim abtransportiert. Die körperliche Belastung regt zudem die Immunabwehr an und Erkältungen treten weniger häufig auf. Wichtig ist allerdings, dass der Körper nicht auskühlt. Das gilt besonders für die Füße.

Vorsicht – Tipps fürs Fahren auf Eis und Schnee

Radwege werden immer als letztes geräumt. Deshalb muss man bei Schnee legal auf die Straße ausweichen oder mit grobem Profil durch den Schnee auf dem Radweg pflügen. Das geht bei Schneehöhen von bis zu 10 cm noch recht passabel, liegt mehr Schnee, wird es zum Kraftakt, da sich das Rad besonders bei nassem Schnee immer mehr zusetzt. Abgefahrene Reifen oder Pneus mit glattem Profil haben schon bei Puderzucker verloren. Topgrip hat man mit Spikes. Wer also täglich mit dem Rad unterwegs ist und keine bösen Überraschungen erleben möchte, sollte sich ab Anfang Dezember Spikereifen (hier unser Test zu aktuellen Modellen) montieren, die auch ohne Schnee gefahren werden können.

Alle Jahre wieder: warme Winter

Während in diesen Tagen die meisten Radler winterliche Bedingungen vorfinden, braut sich über dem Atlantik wohl der nächste warme Wintersturm zusammen und läutet die zweite Runde des Klimawandels ein. Auch wenn Schnee künftig immer häufiger ausbleiben wird, steht schon heute fest, dass die Regen- und Windtage zunehmen werden. Und auch dafür braucht man die passende Bekleidung. Im gut sortierten Radfachhandel liegt dafür alles schon bereit.

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