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Falträder, Test, Kaufberatung

Falträder 2021 im Test: Fahrräder für Pendler und Platzsparer

Mit Knick auf Zack im Nahverkehr

Falträder 2021 im Test: Fahrräder für Pendler und Platzsparer

Das Klapprad war eine gute Idee. Trotzdem ist es in Verruf geraten. Zu einfach war die Technik. Zwar ist das Grundprinzip geblieben. Vom Ruf, ein „Klapprad“ zu sein, distanzieren sich aktuelle Falträder aber mit aufwändigen Lösungen. Damit empfehlen sie sich für aktive Pendler und Platzsparer.
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Suchen Sie sich eine Stadt aus: München, Berlin, Köln, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart, egal. Im Berufsverkehr sind Busse und Bahnen überall voll. Zudem dürfen Fahrräder oft während der Stoßzeiten, zurecht, nicht mitgenommen werden. Und ein separates Ticket benötigt man auch. Gut, dass es Falträder gibt! Denn die gelten gefaltet eben nicht als Fahrrad, sondern als Gepäck. Sie benötigen ergo keine Fahrkarte und fallen nicht unter das Rad-Verbot. Und sie nehmen weit weniger Platz ein als ein übliches Fahrrad.

Auch wenn es platzmäßig in der Rushhour bei aller Kompaktheit immer noch sehr eng ist, Falträder sind die idealen Verkehrsmittel, wenn man Radfahren und öffentlichen Nahverkehr verbinden will. Weshalb sie auch so erfolgreich sind. Die beste Voraussetzung dafür sind hochwertige Produkte mit überzeugenden Fahreigenschaften und einfacher Handhabung.

Sechs Kandidaten von Brompton, Dahon, Falter, Riese & Müller, Tern und Vello vertreten in unserem Test die kompakten Räder für Pendler und Aktive mit wenig Stauraum.

Klar, wichtig ist, dass sich ein Faltrad gut und sicher fährt, aber ganz zentral ist: Wie gut lässt es sich falten, tragen und verstauen?

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Handling der Falträder: Üben, bis es klappt

Das Falten muss man durchgängig erstmal üben und es dauert eine Weile, bis man das verinnerlicht hat und stressfrei auch vor der gerade einfahrenden U-Bahn hinbekommt. Zum Glück liegen entweder kompakte, hilfreiche Anleitungen bei – Birdy druckt sie sogar wetterfest auf Kunststoff und klemmt sie unter den Sattel – oder es gibt Tutorial-Videos im Internet.

Man sollte sich die Zeit für ein Studium gönnen. Denn es ist nicht immer sofort klar und ersichtlich, wie etwa die Kurbeln und Pedale stehen müssen und welchen Teil man am besten zuerst faltet, einschiebt, löst oder umdreht.

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Mit gut verpacktem Rad gut gelaunt reisen

Zwei Falträder-Arten

Es gibt im Grunde zwei Arten, die Räder zu falten: Entweder über Gelenke im Hauptrahmen oder über Schwingen an Front und Heck (Riese & Müller, Vello). Der Vorteil der Schwingen-Faltung ist, dass der Rahmen einteilig und entsprechend stabil bleibt und man die Kontaktstellen gut als Federung einsetzen kann. Ein Mittelgelenk ist weniger aufwändig zu gestalten, muss aber in den Rahmen eingeschweißt werden und kann ihn in seiner Festigkeit schwächen.

Oder die Gelenke werden sehr massiv ausgeführt. Brompton vereint beide Prinzipien. Der Hinterbau wird eingeschwungen und der Hauptrahmen gefaltet. Zum Falten gehört auch eine einschiebbare Sattelstütze. Sie hält den eingeklappten Hinterbau fest oder dient als Abstellstütze. Dazu kommt die meist abklappbare Lenksäule. Wichtig ist, dass alle Faltgelenke durch Arretierungen, Blockierhebel, Sicherungstifte oder Anderes vor versehentlichem Öffnen geschützt sind.

In etwa ein Koffer

Kann man sich schließlich das Faltdiplom ausstellen, stehen vor einem meist schön kompakte Pakete. Zusammengehalten von Magneten, Haken, Gummis oder Sattelstütze, lassen sie sich meist gut tragen, manchmal rollen und auch in kleinen Nischen, etwa zwischen den Sitzen im Zug, verstauen. Optionale, teils mitgelieferte Überwurftaschen schützen Rad und Umgebung.

Brompton ist bekannt für das kleinste Packmaß und bestätigt das auch im Test. Das Rad ist etwas größer als ein kabinentauglicher Rollkoffer. Ähnlich kompakt, aber nicht ganz so klein ist das Birdy von Riese & Müller. Das zweifach knickbare Tern BYB ist auch einigermaßen verdichtet. Es entspricht etwa einem mittleren Rollkoffer. Am einfachsten und analog lassen sich das Dahon und das Falter klappen, bleiben aber etwas länger und breiter. Vello ist flach und schlank, bleibt aber im Vergleich ein gutes Stück länger.

Tragen und ziehen

Beim Tragen ist in erster Linie das Gewicht entscheidend. Treppe rauf, Treppe runter, jedes Kilo zieht dabei gnadenlos am Arm. Ob das Rad 12,5 oder 15 Kilogramm wiegt, macht einen großen Unterschied. Leicht sind im Test, trotz Vollausstattung, nur das Brompton und das Birdy sowie das „nackte“ Dahon. Und je kompakter das Faltmaß, desto besser ist der Schwerpunkt. Da ist das Brompton groß im Vorteil.

Wenn sich ein Rad dann noch auseinanderspreizt, weil die Magnete nicht gut zusammenhalten, ist das Tragen richtig ungünstig. Praktisch, dass sich manche Räder im gefalteten Zustand gut rollen lassen. Das vereinfacht die Sache, geht aber nicht bei allen gleich gut oder in beide Richtungen, weil sich die Räder behindern, die Kette oder die Pedale blockieren oder das Fahrrad kippelig ist.

Ideal ist es, wenn wie bei Tern der Gepäckträger echte Trolleyrollen besitzt – geht aber aufs Gewicht. Zusätzlich lässt sich bei einigen Modellen auch die Lenksäule als Trolleygriff nutzen.

Falten kostet

Unter so viel Falttechnik leidet die übrige Ausstattung oder der Preis ist entsprechend gehoben. Zu groß ist der technische und damit preisliche Aufwand der Konstruktion.

Die einfache Shimano Claris ersetzt dann die sonst bei 1000 Euro übliche Deore, V-Bremsen dominieren das Bild und insbesondere die Lichtanlagen fallen oft mau aus, soll der Preis noch akzeptabel bleiben. Oder die Alltagsausstattung fällt gleich ganz weg. Unter 800 Euro ist ein Faltrad trotzdem kaum zu haben.

Große am Limit

Von Falträdern gibt es in aller Regel nur eine Rahmenform und -höhe. Durch sehr lange, ausziehbare Sattelstützen eignen sie sich je nach Modell für Fahrer zwischen ungefähr 1,40 und 2,10 Meter Größe. Für kleine Fahrer können sie wegen der geringen Überstandshöhe eine echte Option sein.

Zwar sind einige Lenker ausziehbar oder an verschiedene Größen angepasst. In keinem Fall lässt sich aber der Lenker ähnlich in der Höhe anpassen. Oft hat die Lenksäule sogar nur eine fixe Länge. Dadurch sind großen Menschen die Falträder eher zu klein und sie sitzen entsprechend sportlich darauf. So sind die Räder noch anspruchsvoller zu fahren als ohnehin schon. Denn die kleinen Laufräder machen sie trotz steifer Rahmen quicklebendig.

Das ringt allen eine gewisse Gewöhnungsphase ab, macht dann aber Freude, wenn man sich agil durch den Stadtverkehr schlängelt. Mit zunehmendem Tempo beruhigt sich das System auch und entwickelt dann teils sportliche Attitüden. Damit erwischt man die U-Bahn sicher besser – wenn man beim Klappen auf Zack ist.

Diese Falträder haben wir getestet

Marke Modell Preis Prädikat
Dahon Hemingway D9S 879 Euro  
Falter F 6.0 Deluxe 1029 Euro  
Tern BYB P8 1349 Euro  
Brompton H6L Black LacquerTestbrief 1555 Euro Empfehlung
Riese & Müller Birdy Touring 2788 Euro Empfehlung
Vello Rocky Titan 2790 Euro  

Die ausführlichen Testberichte der getesteten Falträder lesen Sie in der Radfahren 9-10/2021. Hier können Sie die Ausgabe als Printmagazin oder E-Paper bestellen.

Die Falträder in der Bildergalerie

Dahon Hemingway D9S, Test, Falträder

Dahon Hemingway D9S

Falter F 6.0 Deluxe, Test, Faltrad

Falter F 6.0 Deluxe

Tern BYB P8, Faltrad, Test

Tern BYB P8

Brompton H6L Black Lacquer, Falträder, Test

Brompton H6L Black Lacquer

Riese & Müller Birdy Touring, Falträder, Test

Riese & Müller Birdy Touring

Vello Rocky Titan, Falträder, Test

Vello Rocky Titan

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