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Umweltfreundliche Fahrräder, Test

Umwelfreundliche Fahrräder im Test: Nachhaltige Räder im Vergleich

Der richtige Weg

Umwelfreundliche Fahrräder im Test: Nachhaltige Räder im Vergleich

Elektromobilität gilt als die Lösung für die grüne Verkehrswende. Dazu gehören auch E-Bikes. Fahrräder ohne Motor geraten dabei leider etwas aus dem Blickfeld. In Abgrenzung neuerdings gerne „Bio“-Bikes genannt. Da steckt die Nachhaltigkeit doch schon drin. Aber ist das Fahrrad wirklich schon am Ziel angekommen? Umweltfreundliche Fahrräder im Test.
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Corona – was sonst – hat uns wieder einmal die Augen geöffnet und uns auch aufgezeigt, wie schnell es manchmal gehen kann. Dieses Mal ist nicht das Dramatische, das Bedrohliche gemeint. Sondern es geht zur Abwechslung mal um die positiven Nebeneffekte. Wie schnell sich Eingefahrenes ändern kann. Plötzlich sind nämlich sonst stauverstopfte Straßen gähnend leer, oder sie werden statt von rauchenden Viertaktern von quietschenden Zweirädern genutzt.

Die Autos haben sich einen großen Teil ­„ihrer“ Straßen längst wieder zurückerobert. Dennoch sind wir guter Dinge, dass wir gelernt haben, wie eine Zukunft auszusehen hat, die der Natur Luft zum Atmen verschafft, und dass es manchmal ganz einfach ist. Man muss es nur machen – sei es auch erzwungen. Das Fahrrad ist als Klimaretter endlich ins aktive Blickfeld gerollt.

Umweltfreundliche Fahrräder: Hinter Hürden

Doch nicht jedes Fahrrad ist (gleich) umweltfreundlich. Was uns dazu gebracht hat, nachhaltige, sprich umweltfreundliche Fahrräder zu suchen. Kommen wir damit zu unserem Test.

Bei der Suche nach einem passenden Rad steht man vor mancher ­Hürde und am Ende mit der Erkenntnis da, dass es DAS nachhaltige Fahrrad nicht gibt. Das mag bedauerlich und ernüchternd klingen.

Doch es gibt Hoffnung. Denn erstens ist ein Fahrrad eben per se schon ein nachhaltiges Verkehrsmittel. Erst recht, wenn es ein Auto ersetzt. Dann darf es auch elektrisch sein und sogar aus Aluminium. Denn der energie­intensiv zu gewinnende Rohstoff wird für ein Zweirad nur in vergleichsweise geringen Mengen, etwa zwei Kilogramm, benötigt. Aller­dings muss es, wie der fertige Rahmen, oft global transportiert werden. Für den CO2-Fußabdruck doch eine große Belastung. Das geht noch besser. Und dafür gibt es gute, richtige Ansätze, von denen wir einige beispielhaft vorstellen.

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Nachhaltigkeit, Beleuchtung, Tourentipps: aktiv Radfahren 11-12/2020 bietet alles, was das Radfahrer-Herz begehrt. Hier können Sie die Ausgabe als E-Paper oder Printmagazin bestellen

Es wächst was

Naheliegend sind alternative Rahmenmaterialien wie Bambus und Holz. Auch sie müssen eventuell um die halbe oder Viertelwelt geschifft werden, um nach Deutschland zu kommen. Dennoch sind sie extrem leicht zu gewinnen und wachsen ständig nach.

Besonders Bambus ist für sein rasantes Wachstum bekannt. Gutes Holz muss dagegen langsam gedeihen, was auch der Natur Ruhe gewährt. Zudem ist eine nachhaltige Forstwirtschaft wünschenswert.

Fündig geworden sind wir, natürlich, bei my Boo, deren Bambus-Rahmen auch sozial nachhaltig in Ghana produziert werden. Aus Niederösterreich stammen My Esel, die auf heimisches Holz setzen und damit sogar Maßrahmen anbieten, im Test in Form des RennEsels.

Umweltfreundliche Fahrräder, Test

Rechnet sich am Ende: Die Nachhaltigkeit steigt auch mit der Dauer der Nutzung

Stahl regional

Kommen wir zu Stahlrädern. Stahl benötigt in der Gewinnung und Herstellung deutlich weniger Energie als Aluminium, auch sind die direkten Umweltauswirkungen geringer. Außerdem sind in der Regel Stahlrahmen deutlich haltbarer, weil sie durch ihre bessere Elastizität weniger leicht Schaden nehmen. Aluminium hat viele Vorteile und lässt sich sehr gut recyclen.

Vom zweiten Leben als Fahrradrahmen ist uns aber derzeit nichts bekannt, weswegen dieses Leicht­metall durchs nachhaltige Raster fällt. Carbon als Mix aus Kohlenstofffasern und Epoxidharz ist nach Gebrauch Sondermüll, zudem anfällig und damit häufig nur mit kurzer Nutzungszeit gesegnet. Daher ebenfalls raus aus dieser Runde.

Nachhaltigster Ansatz

Zurück zum Stahl. Hier ist Urwahn ein Vertreter. Das noch junge Unternehmen lässt seine 3D-gedruckten Stahlrahmen komplett regional produzieren. Lange Schiffsreisen fallen somit aus. Ein anderer Vertreter ist Patria. Die Firma aus Ostwestfalen setzt auf europäische Rohrsätze, die in der eigenen Werkstatt handgelötet werden. Auf Kundenmaß und -wunsch gebaute Rahmen sind ihr Steckenpferd und Garant für zufriedene Kunden und lange Nutzungszeiten.

Zusammen mit zuverlässiger Qualität – Patria gibt immerhin 15 Jahre Garantie! – ist das der wohl nachhaltigste Ansatz. Geschäftsführer Jochen Kleinebenne bringt es so auf den Punkt: „Die Nachhaltigkeit eines Fahrrades ergibt sich aus den Gebrauchskilometern.“

Titan? Ja, wirklich

Über Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und damit lange Nutzungsdauer kommt auch Titan ins Spiel. Das robuste Leichtmetall fällt einem wegen seiner verheerenden Umweltbilanz sonst nicht zuerst ein, wenn es um Nachhaltigkeit geht.

Es gibt wohl kaum eine andere Firma, die die positiven Aspekte so sehr herausarbeitet und am ganzen Rad umsetzt wie Idworx. Perfektion im Sinne der Nutzer ist der Antrieb der Rheinländer um Gerrit Gaastra. Zu erfahren im neuesten auch offroadtauglichen Titan-Tourenrad mit Rohloff.

Umweltfreundliche Fahrräder: Optionen und Kompromisse

Ein möglichst nachhaltiges Fahrrad funktioniert selbstverständlich nicht ohne nachhaltige Teile. Da rangeiren Ketten vor Carbon-Riemen und Getriebe- vor Kettenschaltungen, Stichwort Verschleiß.

Als Option kommt einem als erstes die Rohloff in den Sinn. Aber auch andere haltbare, regional produzierte Produkte wie eine SON-Lichtanlage oder Beleuchtung von Busch & Müller stehen oben auf der Liste. Ein Ledersattel dürfte am Ende seines langen Lebens ebenfalls eine bessere Bilanz aufweisen als ein gelgefüllter Kunststoff-Sattel. Auf die ökologischen Aspekte und Ansätze einzelner Produkte und Firmen gehen wir in Auszügen im Artikel ab Seite 64 in der aktiv Radfahren 11-12/2020 detaillierter ein.

Widersprüche

Unsere Testräder sind nach Möglichkeit entsprechend ausgestattet. Man stößt dennoch auf Widersprüchliches.

So akzeptieren wir hier etwa Carbon-Gabel, Carbon-Riemen, japanische Schaltnabe und anderes als hochwertige und anspruchsvolle oder alternativlose Produkte. Wie gesagt, das komplett nachhaltige Fahrrad gibt es nicht.

Umweltfreundliche Fahrräder, Test

Mit dem Rad ins Grüne – naturnäher geht es nicht

Qualität hat ihren Preis

Wenn Qualität im Vordergrund steht und mehr als „Nullachtfuffzehn“ angeboten wird, spiegelt sich das auch in den hohen Preisen der Testräder wider. Dafür bekommt man, wir haben es schon betont, eine Menge Qualität mit viel Fahrfreude.

Auffällig ist, dass alle fünf Räder viel Komfort anbieten. Das gilt erwartungs- und erfahrungsgemäß für das stählerne Patria. Auch beim my Boo ist man wenig überrascht, weiß man doch um die Elastizität von Bambus.

Das Idworx holt den Fahrkomfort aus den Reifen und der stimmigen Geometrie. Aber auch das Urbanbike (Urwahn) und der Holz-Renner (My Esel) bieten per Konstruktion und Material volle Annehmlichkeit.

Für die fünf Räder gilt aber auch: Das runde Fahrerlebnis entsteht ebenso durch Effizienz im Antrieb und gelungene Ergonomie.

Macht Hoffnung

All das sind Ansätze, die Hoffnung machen. Der Weg ist noch nicht zu Ende, aber wenn jedes Fahrrad zumindest in der Stadt ein Auto ersetzen würde, wäre uns und der Natur schon sehr geholfen.

Corona hat gezeigt, dass es machbar ist – und zwar jetzt und nicht irgendwann.

Umweltfreundliche Fahrräder: Diese Räder haben wir getestet

Marke Modell Preis Prädikat
Urwahn Stadtfuchs 3799 Euro
My Boo My Yonso 3999 Euro
Patria Touros Pinion 5587 Euro
My Esel RennEsel 6490 Euro
Idworx Rohler Ti BLT 7955 Euro Kauftipp

Die ausführlichen Testberichte und viele weitere Informationen, Reportagen und Produktvorstellungen zu Nachhaltigkeit in der Fahrradbranche lesen Sie in der aktiv Radfahren 11-12/2020. Hier können Sie die Ausgabe als E-Paper oder Printmagazin bestellen.

Umweltfreundliche Fahrräder: Die Testräder in der Bildergalerie

Urwahn Stadtfuchs

My Boo My Yonso, Umweltfreundliche Fahrräder, Test

My Boo My Yonso

Patria Touros Pinion, Test, Kaufberatung

Patria Touros Pinion

My Esel RennEsel, Umweltfreundliche Fahrräder, Test

My Esel RennEsel

Idworx Rohler Ti BLT, Test

Idworx Rohler Ti BLT

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