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Pexco, Portrait

Pexco: Fahrrad-Hersteller für Husqvarna und R Raymon im Portrait

Fahrradschmiede Pexco: Das Feuer brennt wieder

Pexco: Fahrrad-Hersteller für Husqvarna und R Raymon im Portrait

Erst seit drei Jahren mischt Pexco mit seinen Marken Husqvarna und R Raymon auf dem deutschen Fahrradmarkt mit. Dahinter stehen mit Susanne und Felix Puello Fahrrad-Urgesteine. Mit neu entfachter Leidenschaft reaktivieren sie die traditionsreiche Fahrradstadt Schweinfurt.
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Schweinfurt, ein Gewerbegebiet im Hochsommer. In ihrem Büro- und Lagerhaus südlich des Mains stellt die junge Firma Pexco gerade ihren zweiten vollständigen Jahrgang neuer Fahrräder vor. Noch immer weht ein Hauch Improvisation, Hemdsärmeligkeit und Aufbruchstimmung durch die Räume, die Farbe an den Wänden ist noch frisch. Die Mitarbeiter werkeln an den Ständen, an denen tags drauf die Händler die nächste Generation Husqvarna- und R Raymon-Bikes begutachten und ordern werden.

Wenige Monate zuvor, bei unserem ersten Treffen bei Susanne Puello und ihrem Team, war die frische Farbe fast noch feucht, Umzugskisten standen auf den weiten Fluren – und rund 20 Mitarbeiter weniger hatten am neuen Firmensitz ihre Schreibtische stehen. Pexco (hier geht’s zur Pexco-Website) wächst und ist mit seinen 2020er-Fahrrädern erwachsener geworden.

Aber sind sie auch vernünftig? „Natürlich“, sagt Susanne Puello. Schränkt aber gleich auch ein: „Zumindest was die Ernsthaftigkeit und Sorgfalt betrifft, mit denen wir unsere Ideen umsetzen.“ Denn die Ideen selbst – sprich: die Entwicklung neuer Fahrräder – dürfen und sollen sogar aus dem bewährten Rahmen fallen. Dafür hat Susanne Puello mit ihrem Mann Felix Puello Pexco gegründet.

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Pexco: Pioniergeist mit Erfahrung

„Ich bin schon immer Unternehmerin“, erklärt Susanne Puello. Sie denke strategisch, suche ständig nach Innovationen und würde am liebsten die Fahrradbranche immerfort revolutionieren. Das sagt sie so zwar nicht. Das drückt sie aber aus. Mit dem Feuer in ihren Augen, ihrer ausufernden Gestik und der Begeisterung in der Stimme, wenn sie über ihr Team, dessen Engagement und ihre Produkte spricht. Abseits des Protokolls aber, im Interview, ist sie reservierter. Auch reflektierter. Auf der Bühne, vor Publikum, würzt sie ihre Ansprachen mit Anekdoten, streift immer wieder kurz ab, um Kleinigkeiten zu unterstreichen, ohne den Faden zu verlieren. Sie erzählt eine Geschichte. Über ihre Fahrräder. Damit reißt sie ihre Zuhörer mit.

Susanne und Felix Puello

Susanne und Felix Puello

Ihre Fahrräder. Sie sind das Wichtigste. Susanne Puello hat in der Branche eine Geschichte, die weit vor Pexco beginnt. Als Urenkelin des Gründers Bernd Wiener machte sie dem traditionsreichen Fahrradhersteller Winora ab den 1990er-Jahren Beine, steigerte den Umsatz als angestellte Geschäftsführerin binnen 20 Jahren um fast das Zwanzigfache auf 400 Millionen Euro.

Trotzdem seien ihr die Zügel entglitten. Besitzer Accell Group, Winora-Eigentümer seit 2002, habe seinen Einfluss auf den Geschäftsbetrieb immer weiter ausgebaut. „Zuletzt hatte ich nicht mehr den Eindruck, dazuzugehören“, sagt sie mit Blick auf ihre letzten Jahre im Unternehmen.

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Pexco, Portrait

Susanne und Felix Puello wollen so ihre lange Erfahrung mit frischen Ideen kombinieren. Was dabei herauskommt, präsentiert Pexco am stylischen Firmensitz.

Susanne und Felix Puello kündigten 2017 fristlos

Die Konsequenz: 2017 kündigten Susanne und Felix Puello fristlos. Die Zeit hin zu diesem Schritt scheint der Grund, warum sie im direkten Gespräch sehr überlegt und zurückhaltend antwortet. Sie habe lange über ihre Rolle im ehemaligen Familienunternehmen reflektiert. Was genau sie dabei bewegte, lässt sie im Vagen. Aber Blick und Gestik zeigen auch hier: Es scheint ein bisweilen schmerzlicher Prozess gewesen zu sein.

Anschließend habe sie einige Monate Abstand von der Branche benötigt. Der sei aber kürzer ausgefallen als ursprünglich geplant. Denn schnell schon habe sie und ihr Mann der Ehrgeiz gepackt. Das unternehmerische Feuer brannte wieder. „Wir fühlten uns zu jung für den Ruhestand“, sagt Susanne Puello.

Gründung von Pexco

So gründeten sie unterstützt von Stefan Pierer Pexco. Pierer, Vorstandsvorsitzender der KTM AG, einem der größten Motorradbauer der Welt, ist großer Anteilseigner von Pexco. Er bot den Puellos auch an, die Fahrradsparte von Husqvarna zu reaktivieren. Die etablierte und traditionsreiche Marke unter dem Dach der KTM AG baute bis in die 1960er Jahre hinein Fahrräder, war bis zur Wiederbelebung der Zweiradsparte vor allem für Gartengeräte und Geländemotorräder bekannt.

Die Ursprünge der Marke reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Damit sei Pexco sozusagen das älteste Startup der Welt, sagte Susanne Puello 2018 augenzwinkernd dem Handelsblatt. „Damit auf den Markt zu gehen, war ein wichtiger Schritt. Denn inzwischen hat sich gezeigt, dass Husqvarna als Marke enorm zieht.“ Der Name stehe – ähnlich wie Volvo bei Autos – für skandinavische Zuverlässigkeit und Sorgfalt. „Dieses Image haben wir mit unseren Fahrrädern bestätigt“, sagt Puello. Aber mehr noch: „Wir haben es geschafft, den Husqvarna-Fahrrädern auch einen Wow-Effekt einzuimpfen.“

Pexco nimmt alle Radfahrer ernst

Vor allem Frauen seien von den Rädern begeistert. Das überrascht auch die langjährige Fahrradexpertin. „Wir haben den Rädern kein speziell feminines Image verpasst“, sagt Susanne Puello. Vielleicht ist aber gerade das der ausschlaggebende Faktor: Pexco nimmt alle Radfahrer gleichermaßen ernst.

Husqvarna setzt voll auf E-Mobilität mit Shimano-Steps-Motoren. Vom City- und Tourenrad bis zum kompromisslosen E-Mountainbike ist Husqvarna breit aufgestellt. Nach der ersten, in Rekordzeit umgesetzten Modellreihe 2018 und der Erweiterung 2019 präsentierte Pexco auf der Eurobike in Friedrichshafen auf einem der größten Stände der Weltleitmesse die Kollektion 2020. Runderneuert und noch einmal durch neue Modellreihen verbreitert.

Husqvarna Gran Tourer

Mit den Grand Tourer-Modellen verbindet Husqvarna Mountainbike-Komponenten mit Alltagstauglichkeit.

Die gesamte Preisspanne

So spricht die Eco-City-Linie Einsteiger und preisbewusste Pedelec-Fahrer an. Mit dem Eco-City-One für 2099 Euro mit Shimano-Steps E6100-Motor und Rücktrittbremse bedient es den Anspruch an ein sicheres und günstiges Alltagsrad. „Die Rückmeldung unserer Händler hat gezeigt, dass solche Räder, insbesondere die Rücktrittbremse, stark gefragt sind“, erklärt Susanne Puello. Darum die Entscheidung der Schweinfurter, dieses Segment zu entwickeln. „Auch bei diesen Rädern haben wir darauf geachtet, dass unsere Formsprache klar erkennbar ist. Vom Eco-City im unteren Preisbereich bis zu unseren Topmodellen ist jedes Rad 100 Prozent Hus­qvarna.“

Am anderen Ende der Husqvarna-Preisspanne stehen ebenfalls Neuentwicklungen: Das HCX HardCross 27,5 für harten Traileinsatz und das MCX MountainCross 27,5 für anspruchsvolle Geländetouren fahren in ihren Top-Versionen alles auf, was derzeit technisch machbar ist. Die digitale Sram-AXS-Schaltung, High-End-Federelemente, Maguras MT7-Pro-Bremse und Shimano E8000-Motor mit vollintegriertem 630-Wh-Akku versprechen allerbeste Performance, durchbrechen aber auch locker die 10.000 Euro-Schallmauer.

„Wir haben es geschafft, den Husqvarna-Rädern neben dem grundsoliden Image auch einen Wow-Effekt zu verpassen.“ Susanne Puello

Pexco Firmenportrait

Pexco nimmt jeden Radfahrer ernst

Klassische Räder ohne Motor

Klassische Räder ohne Motor hat Pexco auch im Angebot: Die gänzlich neue Marke R Raymon ist in ihrem dritten Modelljahr noch etwas breiter aufgestellt als die Schwester Husqvarna. Als Bio-Bike-Marke gestartet kam schon 2019 die E-Bike-Sparte dazu. Inzwischen gibt es vom Kinderfahrrad über eine Retro-Linie und die City-(E-)Bike-Kategorie bis hin zu E-Trekking und E-Mountainbike fast alles, was zwei Reifen hat.

Im E-Bike-Bereich setzt Pexco ebenfalls auf Shimano mit seinem breiten und etablierten Steps-Konzept. Die Topmodelle aber kommen mit dem Yamaha PW-X2-Motor und voll integierten Akkupacks. Auch Yamahas PW-ST- und PW-TE-Antrieb verbaut R Raymon in ausgewählten Modellen.

Neu in diesem Jahr: E-Bikes für Kinder. „Wir sehen darin die Möglichkeit, Kindern und Jugendlichen den Spaß an Bewegung näherzubringen“, sagt Susanne Puello. Die Welt werde ständig digitaler. Der Nachwuchs habe heute eine natürliche Affinität zu Technik. Mit Kinder-E-Bikes ließe sie sich in aktive Bewegung ummünzen. Diese Räder verfügten zwar über einen E-Antrieb. Die Unterstützung sei aber so gewählt, dass die Muskulatur nicht zu kurz komme. „Gleichzeitig kann die ganze Familie elektrisiert unterwegs sein.“

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Pexco: Herzblut fürs Fahrrad

Die Schweinfurter haben somit eine Modellvielfalt im Markt, die viele seit Jahren etablierte Mitbewerber nicht anbieten können. Das spiegelt den Anspruch Susanne Puellos an sich selbst und ihr Team wider. „Wir arbeiten hochkonzentriert, aber vor allem mit viel Herzblut an unseren Fahrrädern. Ich bin überzeugt, das würde meinem Großvater gefallen“, sagt die Wiener-Enkelin.

Der Geist des Start­ups von vor drei Jahren ist in Schweinfurt immer noch präsent. Davon zeugen nicht allein die Kaffee-Bar im großzügigen Showroom, die frische Farbe an den Wänden und das immer präsente „Du“ unter den Mitarbeitern. Es ist vor allem das Feuer, das in den Menschen bei Pexco brennt. Angeleitet von zwei Fahrrad-Enthusiasten – Susanne und Felix Puello –, die endlich wieder das tun dürfen, was ihnen am meisten liegt: Unternehmertum. Für Fahrrad-Mobilität.

Mehr Informationen finden Sie auf der Pexco-Website.

Husqvarna Urban

Mit der passenden Konfiguration eignen sich die Grand Tourer auch ideal für städtische Pendler und urbane Tourenfahrer.

Pexco-Fahrräder bei uns im Test


Pexco: Fahrräder aus Schweinfurt – Informationen zum Hersteller

„Wir haben dafür gesorgt, dass es endlich wieder eine Fahrradmarke aus Schweinfurt gibt“, sagt Susanne Puello augenzwinkernd. Denn Pexco ist der einzige Hersteller mit Firmensitz direkt in der Fahrradstadt am Main.

In den 1980er-Jahren zog Winora über die Stadtgrenze nach Sennfeld, damit verlor Schweinfurt, Heimatstadt von Philipp Moritz Fischer, dem Erfinder des Tretkurbel-Fahrrads, den letzten verbliebenen Fahrradbauer. Erst die Ansiedelung von Pexco 2017 machte aus Schweinfurt wieder eine Fahrradstadt.

2018 präsentierte das damals nur wenige Köpfe große Startup seine ersten Fahrräder der Marken Husqvarna und R Raymon. Schon die 2019er-Reihe war deutlich breiter und innovativer. Die Markenkerne – sportlich bis funktional bei Husqvarna, sportlich, innovativ und breit bei R Raymon – zeichneten sich deutlich ab.

Pexco bietet jede Form der Fahrrad-Mobilität

Mit der dritten Modellreihe vertieft sich diese Ausrichtung noch einmal. Bis auf Lasten- und Liegeräder bietet Pexco inzwischen jede Form der Fahrrad-Mobilität an.

Das Team um die drei Gründer Susanne und Felix Puello sowie Stefan Pierer wächst stetig. Inzwischen füllen mehr als 50 Mitarbeiter den Stammsitz in Schweinfurt mit Leben. Ausgerechnet in der Rudolf-Diesel-Straße sitzt das Unternehmen. Dabei arbeitet Pexco intensiv und ganz offensichtlich erfolgreich daran, das Erbe des großen Motorenbauers vergessen zu machen und den Verkehr insgesamt auf eine neue Ebene zu heben.

Mit ihren Fahrrädern wollen Susanne und Felix Puello Fortbewegungsmittel für jede Lebenslage anbieten. Vom Alltagsrad bis zum Sportgerät ist (fast) alles dabei. Sie wollen dem Fahrrad einen Schub nach vorn geben. Ganz nach dem Firmenmotto: „Next Level eMobility“.

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