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Mecklenburgische Seenplatte, Müritz, E-Bike, Radfahren, Pedelec, Radtour

Mecklenburgische Seenplatte: E-Bike Paradies rund um die Müritz

Touren-Tipp: Einmal mit dem E-Bike um die Müritz

Mecklenburgische Seenplatte: E-Bike Paradies rund um die Müritz

Das Licht erinnert schon an Skandinavien. Das Klima aber ist noch mitteleuropäisch mild. Die Seen sind klar, der Horizont weit. Die Mecklenburgische Seenplatte ist ein Paradies – auch und vor allem für E-Bike- und Fahrradurlauber.
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Dieses Licht an der Mecklenburgische Seenplatte! Eigentlich kenne ich das nur von deutlich weiter oben im Norden, aus Skandinavien.

Hell, trotzdem weich. Gar nicht grell. Irgendwie adventlich. Gleichzeitig wärmt die Sonne. Es hat angenehme 23 Grad, ist also gar nicht wie im Winter. Diese Mischung kennen wir Süddeutschen gar nicht.

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Schon der Morgen auf der Terrasse verspricht einen wundervollen Tag auf dem Fahrrad. Er wird Recht behalten. Auf der Mecklenburgischen Seenplatte werden Radfahrerträume wahr.

E-Biken im Norden an der Mecklenburgische Seenplatte? Na klar!

So hoch im Norden und dann ein E-Bike? Warum nicht?! Denn das Moränengebiet aus der letzten Eiszeit, in dem sich diese wunderschöne, seenreiche Landschaft gebildet hat, ist durchaus hügelig.

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Wenig befahrene Straßen laden zum Radfahren ein – wie hier in Vipperow.

Zwar gibt es keine langen Anstiege, immer aber wieder kleine, steile Stiche, auf denen ich mich über etwas Unterstützung sehr freue. Außerdem liegt der Müritz-Rundweg vor uns. Das sind immerhin gute 90 Kilometer. Die können sich ziehen, vor allem, wenn der Wind pfeift. Also: ein E-Bike im Norden? Na klar!

Wir wollen ja ohnehin ganz entspannt dahinrollen; Land und Leute, die Kulinarik und eben dieses ganz besondere mecklenburgische Licht entdecken. Hektik passt da nun wirklich nicht rein. Trotzdem brechen wir früh auf. 90 Kilometer sind kein Pappenstiel, zumal wir ja nicht hetzen wollen.

Start am Yachthafen

Nach dem reichhaltigen und abwechslungsreichen Frühstück, zubereitet und serviert von unserer freundlichen Gastgeberin Petra Hentschel im Quartier 11, rollen wir wenige Meter über die alten Kopfsteinpflasterstraßen hinunter zum Stadthafen von Waren, dem Ausgangspunkt unserer Tour.

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Die Atmosphäre an der Mole und der Kaimauer ist wahrlich maritim. Sanft schaukelnde Segel- und Hausboote und die prächtigen Hafenspeicher bilden die würdige Kulisse für den Start in den Tag – und später für dessen gediegenen Abschluss. Bis es soweit ist, heißt es aber zuerst in die Pedale treten.

Nationalpark Müritz und Mecklenburgische Seenplatte

Zwischen Binnenmüritz und Feisnecksee hindurch fahren wir mitten hinein in die Stille und Urwüchsigkeit des Nationalparks Müritz. Mit etwas Glück können Radfahrer und Wanderer hier See- und Fischadler kreisen sehen. Wir recken zwar unsere Hälse, uns bleibt dieses Schauspiel aber leider verwehrt.

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Wo Seen sind, gibt es auch Fisch: Entlang des Müritz-Rundwegs gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den lokalen Fisch zu kosten. Frischer geht es kaum.

Im Informationszentrum Federow mitten im Nationalpark erfahren wir dann aber alles über die majestätischen Tiere – und die übrige Flora und Fauna des vor allem mit Nadelwald und ausgedehnten Mooren bedeckten Naturparadieses. Das Info-Zentrum bietet auch geführte Wanderungen und Radtouren im Schutzgebiet an.

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Wir fahren zwischen Rederangsee und Specker See hindurch entlang des Herrmannskanals Richtung Süden. Der dichte Wald spendet Schatten und kühlt die sommerlich warme Luft. Nur wenige Meter neben dem heute nicht mehr betriebenen Kanal, der einst zu einem Sinken des Seespiegels und ausgetrockneten Mooren geführt hatte, beginnt heute wieder ein weitläufiges Feuchtgebiet.

Aussichtstürme bieten Blick über das Moor

Es kann nicht betreten werden, aber entlang des hier schnurgeraden Radwegs stehen mehrere Aussichtstürme, die einen spannenden Ein- und Ausblick aufs Moor ermöglichen.

An der Bolter Schleuse gibt es erstmals seit Müritz wieder ein Fischerhaus der Müritzfischer. Später passieren wir weitere Räucher- und Verkaufsstellen dies größten deutschen Binnenfischergesellschaft. Ein Stopp lohnt immer, denn der Fisch hier ist fangfrisch – und extrem lecker.

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Auch das ist die Mecklenburgische Seenplatte: Tiefe Wälder mit durchaus herausforderndem Profil – den eiszeitlichen Endmoränen sei Dank.

Am Hafendorf Müritz bildet der Claassee einen natürlichen, wettergeschützten Hafen. Dort liegen zahlreiche Segelyachten und Hausboote, einige Hafenbars laden vor allem zum Sundowner ein. Der Radweg verläuft direkt an der Kaimauer. Dort liegt auch das Wrack eines hölzernen Lastkahns.

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Den barg der Denkmalschutz im Jahr 2000 aus dem Claassee. 32 Tonnen wiegen die hölzernen Überreste dieses technischen Denkmals.

Fjordartige Südspitze

In Rechlin an der Südspitze der Müritz kommt wieder etwas skandinavisches Flair auf, denn hier schiebt sich der See wie ein Fjord in die Landschaft hinein.

Um diesen Müritzarm zu überqueren, folgen wir dem Radweg entlang der Bundesstraße 198. Hier wird es kurzzeitig laut und hektisch, doch schon nach knapp zwei Kilometern biegen wir in Vipperow wieder ab auf eine gepflasterte Nebenstraße.

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Kurz vor der malerischen Dorfkirche halten wir am Tante-Emma-Laden und stärken uns mit frisch gebackenem Kuchen und Kaffee. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein an dem idyllischen Dorfplatz, nur der moderne, riesige Traktor im Hof gegenüber erinnert uns daran, dass wir nicht in einem Freilichtmuseum sitzen.

Mittag auf der Seeterrasse

In Ludorf melden sich unsere Mägen an. Der Kuchen im Tante-Emma-Laden war zwar lecker, aber eben nicht mehr als ein zweites Frühstück. Und da es bis Röbel laut Karte noch gut zwölf Kilometer sind, entscheiden wir uns für eine kleine Abkürzung.

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Radfahren ist in ganz Mecklenburg-Vorpommern – wie etwa hier an der Ostsee – ein Rausch der Eindrücke.

Wir lassen das Naturschutzgebiet Großer Schwerin rechts liegen und radeln auf direktem Weg nach Gneve. Ab dort fahren wir direkt am Wasser entlang. Hier ist die Müritz schmal und verschlungen, sodass wir Röbel zwar schon sehen, aber erst eine weite Schleife um die große Wünnow, einen Seitenarm der Müritz, herumfahren müssen.

Vorbei geht es an lang gestreckten Bootshäusern hinein in die malerische Altstadt. Wir fahren noch einmal zwei Kilometer weiter, um uns endlich dem schmackhaften Fisch der Müritzfischer hinzugeben. Etwas außerhalb von Röbel verkauft die Gesellschaft frische Fischbrötchen und Backfisch direkt aus dem Bootshaus.

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Neben der Verkaufstheke raucht noch die Räucherkammer, Spatzen nisten unter der großen Pergola, unter der wir Platz nehmen. Besonders lecker: Kräutermorizaner, in Kräutern mariniertes Hechtfilet direkt aus dem Wasser. Ein Gedicht.

Jetzt wird´s hügelig

Hinter Röbel beginnt der hügeligste Teil der Strecke. Wenige Hundert Meter vor Gotthun erreichen wir den mit 85 Metern höchsten Punkt des Müritzrundwegs.

Immerhin 25 Höhenmeter haben wir bis dorthin seit unserer Mittagsrast überwunden – und damit auf dieser Strecke auch gut ein Drittel der gesamten Höhenmeter der 85-Kilometer-Schleife. Anschließend bleibt es wellig, wenngleich die Steigungen natürlich weiterhin nicht wirklich der Rede wert sind. Felder, kleine Wäldchen und Dörfer wechseln sich ab, immer wieder ergeben sich von der relativen Höhe aus feine Fernsichten über den See.

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Dieses Licht! Der Hafen in Waren ist das Zentrum der Region. Die herrliche Altstadt schließt sich direkt an.

Kurz vor Sembzin fahren wir durch eine alte Allee. Der sandige Feldweg ist tief ausgefahren und erinnert uns daran, dass es eine Zeit vor der Bundesstraße einige Hundert Meter weiter westlich gab. Kurz nach Mittag steht die Sonne hoch, der Feldweg staubt leicht, der Blick streift über schier endlose Felder.

Am Ortseingang von Sembzin drückt ein Hofhund die passende Stimmung zur Tageszeit aus: Erst bellt er laut, als er uns sieht, schnell zieht er sich aber wieder in den Schatten zurück und streckt alle Viere von sich.

Mecklenburgische Seenplatte: Die einzige Steigung der Müritz-Rundfahrt

Warum mehr Anstrengung als nötig? Das denken wir uns kurz darauf ebenfalls. Denn ein kurzer Stich bildet den „knackigsten“ Anstieg der Runde. Hinaus aus Sembzin geht es auf etwa 100 Metern mit sieben Prozent Steigung. Hier werden unsere Motoren mal etwas mehr gefordert als nur zur ganz sanften Unterstützung. Bis Klink hält sich der Weg nun recht nah am Ufer, das hier erstaunlich hügelig ist.

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Insgesamt verläuft die Runde selten direkt an der Müritz. Nur etwa auf einem Viertel der Strecke ist sie überhaupt zu sehen. Das macht aber gar nichts. Denn es ist der Dreiklang aus Natur- und Kulturlandschaft und regelmäßigen Seeblicken, der den Reiz dieses Fahrradwegs ausmacht.

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An fast jedem See finden sich einsame Badestellen.

Ein vierter Klang kommt – zumindest für uns – in Klink hinzu: Unterhalb des majestätischen Seehotels halten wir an einer der vielen öffentlichen Badestellen an. Hier ragen alte, knorrige Bäume über den Strand und hinaus aufs Wasser. Dort schließen wir unsere Räder fest, um das alles dominierende Element endlich selbst zu spüren.

Badehosen haben wir natürlich dabei, denn die gehören auf einer Tour auf der Seenplatte zur obligatorischen Ausstattung. So waten wir hinaus in den See, der hier wie an vielen Stellen sehr flach ist. Vor allem Familien mit kleineren Kindern kommt das zugute, können die Kleinen hier doch gefahrlos planschen.

Trails zum Abschluss

Bis Waren wird es nochmal waldiger. Kurz vor dem Campingplatz Kamerun wird es sogar richtig trailig. Hier kämen auch Mountainbiker auf ihre Kosten. Und doch sind die Pfade fest genug für Genussradler. Hinter dem Campingplatz, den der Müritz-Radweg durchquert, geht es vorbei am Kletterwald Waren.

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Das erste E-Bike-Informationszentrum in Mecklenburg-Vorpommern hat seinen Sitz in der malerischen Burg Wesenberg.

Dahinter folgt noch einmal ein echter Höhepunkt der Tour: Über eine Verlandungszone führt ein 200 Meter langer Holzsteg, von dem aus wir die besonderen Pflanzenarten entdecken, die sich hier zwischen Wasser und Land angesiedelt haben. Die letzten Meter durch Waren zurück zum Stadthafen verlaufen entspannt. Die Stadt ist gut auf Fahrradfahrer eingestellt, so ist etwa die Gerhart-Hauptmann-Allee eine Fahrradstraße.

Autos sind hier nur als Gäste geduldet. Zurück an der Kaimauer lassen wir uns nach einer wahrlich eindrucksvollen Runde auf einer der großen Terrassen nieder. Bei guter, mecklenburgischer Küche sehen wir die Sonne ihr goldenes Licht zum Ende eines erfüllten Tags erstrahlen.

Ein würdiger Abschluss für eine traumhafte Tour.

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