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Shimano, Fahrrad, Fahrradteile, Komponenten, E-Bike, Radfahren

100 Jahre Shimano: Der Marktführer für Fahrradteile im Porträt

100 Jahre Shimano: Der Weltmarktführer im Firmenporträt

100 Jahre Shimano: Der Marktführer für Fahrradteile im Porträt

Klick, klick, klick, reibungslos schalten und sicher bremsen sind Markenkennzeichen von Shimano. Vor 100 Jahren startet die Erfolgsgeschichte des japanischen Unternehmens mit einem Freilauf. Auftakt für richtungweisende Innovationen, die Radfahrer weltweit begeistern.
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Klick, klick, klick, reibungslos schalten und sicher bremsen sind Markenkennzeichen von Shimano. Vor 100 Jahren startet die Erfolgsgeschichte des japanischen Unternehmens mit einem Freilauf. Auftakt für richtungweisende Innovationen, die Radfahrer weltweit begeistern.

Shimano feiert 100-jähriges Jubiläum

Haben Sie auch eines in der Besteckschublade, ein Messer aus Sakai? Von Meisterhand geschmiedet, fein ziseliert, rasiermesserscharf. Die Stadt, Teil der japanischen Präfektur Osaka, geprägt von 600 Jahren Kultur und Präzision in der Herstellung von Metall-Gegenständen – Helme, Harnische, Schwerter, Flinten und eben Messer –, ist
auch der Geburtsort von Shimano.

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Gründervater: Mit 26 beginnt Shozaburo Shimano, ein gelernter Messerschmied, die Entwicklung von Fahrradkomponenten.

Shimano: Mit einem Freilauf fing es an

Ziemlich genau vor 100 Jahren: Der 26-jährige Messerschmied Shozaburo Shimano mietet auf dem Gelände einer zerstörten Zelluloidfabrik eine Halle an.

Klein, 40 Quadratmeter, als Werkstatt. Nein, nicht um Messer zu produzieren, wie’s alle ringsum machen. Vielmehr beseelt von der Vision, das Fahrrad zu beflügeln, erfindet und entwickelt er den 3.3.3.-Freilauf. Und setzt damit eine grandiose Erfolgsgeschichte in Gang – faszinierende Technik inklusive, zuverlässig, nutzerfreundlich, beglückend.

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Mit dem 3.3.3.-Freilauf startet Shimanos Erfolgsgeschichte.

Exporte ab 1931

Das Produkt ist erfolgreich: 1930, also keine zehn Jahre nach Gründung von „Shimano Iron Works“, fertigt er mit 20 Mitarbeitern diverse Varianten. Unglaubliche 60.000 Freiläufe pro Monat! Folglich wagt man 1931 den Export. Von Japan in die Welt.

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Ja, die „3.3.3.“ ist Urvater richtungweisender Innovationen wie 3-Gang-Naben, indexierte Gänge (Patent von Suntour, von Shimano weiterentwickelt), Dual-Control-Hebel, Hyperglide-Kassetten, aber auch SPD-Pedale.

Shimano startet weltweiten Siegeszug

Mehrere Generationen der Shimano-Familie, getrieben vom Firmencredo „Näher an der Natur, näher am Menschen“, sorgen für eine internationale Ausrichtung. Mit Leidenschaft, Entschlossenheit, Akribie und Expertise setzen ihre Ingenieure Meilensteine der Radtechnik, beschleunigen den Siegeszug des Fahrrads weltweit.

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Internationalisierung mit der 3-Gang-Nabenschaltung.

So steigt Shimano 1961 in New York auf der International Toy & Cycle Show mit der Vorstellung seiner ersten 3-Gang-Getriebenabe in den Schaltungsmarkt ein –den bis dato die Europäer (etwa Fichtel & Sachs oder die englische Marke Sturmey Archer) für sich beanspruchen.

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Neun Jahre später erweitern die Japaner übrigens erstmals ihr Produkt-Portfolio – und starten die Herstellung von Angelrollen. In deren Innenleben filigrane Präzisionstechnik wie bei Fahrradschaltungen. Da wundert es kaum, dass im Bicycle Museum Cycle Center in Sakai/Osaka Rollen zu bestaunen sind, die Namen tragen wie Radgruppen: Ultegra, Nexave, Tiagra.

Beflügelt durch gute Freunde

Für die Fahrrad-Branche entwickelt Shimano nun Umwerfer und Kurbelsätze für Touren- und Rennräder, die aber in Europa zunächst keine Abnehmer finden. Man glaubt es kaum: Anfang der 1980er war die Marke aus dem Land des Lächelns nahezu unbekannt in der Radszene Europas. Dominierend sind deutsche, englische Hersteller und in der Touren- wie Rennsport-Welt französische und italienische Komponenten-Marken.

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Der König unter ihnen: Campagnolo. Dass man dennoch bei Fahrradherstellern und später auch im prestigeträchtigen Rennrad-Bereich in die Gänge kommt, ist zwei Unternehmer-Persönlichkeiten zu verdanken: zunächst Paul Lange, in der Branche bestens vernetzter Großhändler für Fahrradteile.

Shimano und Paul Lange

Der Stuttgarter entschließt sich 1967 – nach vorsichtigen, gegenseitigen und vertrauensbildenden Besuchen – Komponenten aus Sakai zu importieren. Grundstein einer intensiven Zusammenarbeit und tiefen Freundschaft der Familien, die einst wie heute wirkt: Drei Shimano-Söhne, darunter der kürzlich zum neuen Präsidenten gekürte Taizo Shimano (56), stehen als Lehrlinge in Stuttgart und Herrenberg an der Werkbank, genießen Familienanschluss, schwäbische Maultaschen, bayerisches Bier.

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Vorgänger der Dura-Ace: die Crane.

Pauls Sohn Bernhard, heute charismatischer Chef der Paul Lange & Co, und dessen Kinder machen eine Ausbildung im fernen Osaka.

Dann wäre da noch Andries Gaastra, der einst Shimanos Einstieg in den Rennsport einfädelt. Als Chef der Marke Koga Miyata unterhält der Niederländer bereits beste Beziehungen nach Japan – schließlich bezieht er von Miyata extrem hochwertige Rennrad-Rahmen.

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Gaastra sorgt dafür, dass ab 1981 das Team „Capri Sonne“ mit Koga-Rädern bei der Tour de France startet – inklusive Shimano-Komponenten. „Das war eine gigantische Sache, eine Revolution“, sagt Gaastra rückblickend in einem „Tagesspiegel“-Interview.

Kickstarter-Kampagne von Incylence erfolgreich gestartet

Ermutigt durch erste Rennsport-Erfolge und ihr neues Standing in der Fahrradbranche richten 1972 die Strategen aus Sakai in Düsseldorf eine europäische Zentrale ein. Heute logiert diese in Eindhoven/Niederlande – eine Verneigung vor Andries Gaastra?

1973 – Premiere für Dura-Ace

Erste Podium-Plätze im Radrennsport, von medialem Rückenwind beflügelt – die hochwertige Dura-Ace-Serie für Rennräder legt einen Siegeszug bei ambitionierten Rennradfahrern hin. Diese gilt auch in ihrer neusten Version bis heute unter Rennradfahrern als die absolute High-End-Gruppe.

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1973: Die erste Dura-Ace-Rennradgruppe feiert Premiere

Der Knaller dann 1982: Shimano wird zum technischen Wegbereiter des Mountainbikes, die MTB-Gruppe „XT“ feiert Premiere. Die Biker sind begeistert, jeder will sie haben, sie ist eine lebende Legende. Sechs Jahre später dann ein starker Auftritt: Mit „Shimano Cycling Footwear“ steigen die Japaner in den Markt für Fahrradschuhe ein.

Shimano bringt SPD-Klicksystem auf den Markt

Und bringen 1990 das erste Klickpedal für Mountainbikes – ein Technologie-Transfer des bereits bei Rennrädern eingeführten SPD-Klicksystems („Shimano Pedaling Dynamics“).

1999 versucht Shimano mit der Gründung einer „Golf Division“ einen astreinen Aufschlag im boomenden Golfmarkt. Clever: Man nutzt bei der Herstellung des Schläger-Schafts die Technologie seiner Angelruten aus Carbon. Und setzt für die Köpfe dieselbe Kaltschmiedetechnologie ein wie bei Radkomponenten. Weil in den USA aber die Marken-Konkurrenz zu mächtig ist, stellt Shimano im Jahr 2004 die Golf-Ambitionen wieder ein.

Richtungsweisende Innovationen

Bei Schaltungsgruppen dagegen ist die Marke weltweit die Nummer 1. Während sich die Firma anfangs voll auf den preiswerten Sektor konzentriert und mit großen Stückzahlen die Konkurrenz verdrängt, beherrscht sie heute bei allen Radkomponenten den Markt, in allen Preiskategorien.

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Schrittmacher für das Mountainbike: die XT-Gruppe von 1982, auch in der neusten Version heiß begehrt.

Die Japaner führten übrigens als erste aufeinander abgestimmte Gruppen in einer Leistungsklasse ein – aus Schaltwerk, Ritzel (bzw. Nabenschaltung bei Stadträdern), Umwerfer, Lagern, Kurbeln, Bremsen, Schalt- und Bremshebeln. Ergänzend im Sortiment: Nabendynamos, Radcomputer, Werkzeuge und Pflegemittel.

Spitzengruppe in der Shimano-Hierarchie sind im Mountainbike-Bereich die XT(R) und die Dura-Ace für Rennräder.

Die Shimano Schaltgruppen-Familie

Hier mal eine kleine, nicht vollständige Auswahl klingender Gruppen-Namen einst und heute … im Rennradbereich: Crane (später Dura-Ace), die legendäre 600er = heute Ultegra, Santé, 105, Exage.

Bei Mountainbikes: XTR als Di2-Version bereits seit sieben Jahren auch elektronisch erhältlich, Deore, XT, SLX, Alivio. Die Augen von BMX- und Freeride-Fans leuchten bei: Airlines (nur 1000 Stück gebaut, schaltet mit Luftdruck!), Saint, ZEE, DXR, Hone.

Stadträder fahren ab auf: Nexave, C500, C530 (Kombi aus Ketten- und Nabenschaltung), C800, C910 (elektronisch schaltend), Alfine 9/11, Capreo (für Falträder), Auto-D (Automatikgetriebe), Inter-3, -4 (in Japan mit Wegfahrsperre), -5 (für Pedelecs und Lasten-E-Bikes), -7, -8.

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Für Urbanbikes: die stylische Metrea. Ein Geschwader von hochspezialisierten Ingenieuren entwickelt stetig Neuerungen in der Antriebs- und Bremstechnik, gegengecheckt weltweit von unzähligen Touren- und Profi-Testfahrern. Und diese Innovationen setzen sich bald im gesamten Fahrradmarkt durch.

Integrierte Brems- und Schalthebel

Leuchtendes Beispiel: Anfang der 1990er erstaunt die erste Brems-Schaltkombination „Shimano Total Integration“ (STI) die Fachwelt. Heute ist die integrierte Anordnung von Brems- und Schalthebel Standard, bei allen Herstellern von Rennradgruppen.

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Auch bei Scheibenbremsen für Mountainbikes – dann bei Rennrädern – setzen die Macher aus Sakai den Maßstab. Immer für neue Trends offen, entwickeln sie Komponenten für Gravelbikes (GRX), auch elektronisch schaltend.

Elektronische Schaltungen gibt es im Rennsport- wie im MTB-Bereich – echte Revolutionen im Fahrradbereich. Ebenfalls richtungweisend: Schon vor 30 Jahren entwickelt das Unternehmen Klickpedale. Kurios: Klicksysteme für Snowboards gibt’s von ihnen auch. Und Quick-Release-Schuhe fürs Ruderboot. Wer hätte gedacht, dass die Firma auch Zulieferer im Automotivbereich ist? Ihre Kaltschmiedetechnologie ist dort ziemlich gefragt.

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Shimano macht bei Radsport-Klassikern, aber auch bei Olympia den Service.

Seit Jahren lässt der Ritzelriese unter eigenem Label lässige bis hochfunktionelle Radsportbekleidung schneidern für Tourenfahrer, Biker und Rennradfans. Man ist aber auch beim US-Radsport-Mode-Label Pearl Izumi involviert.

Zudem sind die Japaner Eigentümer der belgischen Helmmarke Lazer. Sie besitzen eine Bike-Fitting Sektion und mit PRO eine Zubehör-Marke, die für hochwertige Werkzeuge, Pumpen, Sättel und Taschen steht.

E-Bikes und Sponsoring

Beim Rennen um die Pole-Position im E-Bike-Bereich muss allerdings Shimano dem schwäbischen Konzern Bosch den Vortritt lassen. Nach einem mäßig erfolgreichen Nabenmotor-Antriebssystem sorgt mittlerweile die differenzierte „Steps“-Mittelmotor-Palette für Furore und ordentlich Schub in Stadt-, Touren- und Mountainbikes.

Shimano unterstützt seit über 35 Jahren Radsportveranstaltungen, ist Sponsor von Road-, Triathlon-, MTB- und BMXTeams sowie unzähligen Einzelsportlern, macht bei Events den Service – ein wahrer Helfer in der Not, für Profis … und Amateure. Hut ab! Aktuell ist man „Neutraler Technikpartner“ bei den großen Klassikern „Tour“, „Giro“ und „Vuelta“ sowie bei der kommenden Olympiade, daheim in Japan.

Keine Frage, das 100-jährige Engagement zeigt, dass Shimano innovativ mit der Zeitgeht. Vorfahrt durch Freilauf, Leerlauf ist ein Fremdwort für sie.

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