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Verkehrssicherheit, Weltfahrradtag, Sicherheit

Verkehrssicherheit: Verkehrswacht und Umwelthilfe stellen Forderungen

Verkehrswacht und Umwelthilfe fordern mehr Sicherheit

Verkehrssicherheit: Verkehrswacht und Umwelthilfe stellen Forderungen

Höhere Verkehrssicherheit für Radfahrer. Am Weltfahrradtag formulieren die Deutsche Verkehrswacht sowie die Deutsche Umwelthilfe klare Forderungen.
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Zum Weltfahrradtag am 3. Juni fordert die Deutsche Verkehrswacht (DVW) eine höhere Verkehrssicherheit und macht auf den hohen Stellenwert des Radverkehrs für eine gesunde und umweltverträgliche Mobilität aufmerksam. Zudem sei das Fahrrad  eine erschwingliche Fortbewegungsart und entlaste den Verkehr. Um mehr Menschen auf den Sattel zu bekommen, müssen aber auch Unfallrisiken bekämpft werden.

Verkehrssicherheit immer im Vordergrund

„Die Förderung des Radverkehrs ist von zentraler Bedeutung – trotzdem muss die Verkehrssicherheit dabei immer im Vordergrund stehen,“ bekräftigt der DVW-Präsident Prof. Kurt Bodewig und weist auch auf den Wert von sicheren Rahmenbedingungen hin: „Radfahrende brauchen eine gute Infrastruktur und müssen sich richtig verhalten. Für mehr Schutz sind aber auch technische Systeme unverzichtbar wie der Abbiegeassistent für LKW, der nachweislich Leben retten kann.“

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Die DVW hatte bereits 2018 etliche Forderungen für mehr Sicherheit im Radverkehr verabschiedet. Unter anderem fordert sie, den Einbau und die Nachrüstung von Abbiegeassistenten in LKW zur Pflicht zu machen, um Fahrradfahrer und Fußgänger zu schützen. Nach Hochrechnung der Unfallforschung der Versicherer (UDV) könnten Unfälle mit etwa 28 getöteten und über 100 schwerverletzten Radfahrern pro Jahr vermieden oder in ihrer Schwere deutlich gemindert werden.

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Die Deutsche Verkehrswacht fordert mehr Verkehrssicherheit für Fahrradfahrer.

Abbiegeassistent muss Pflicht werden

Im EU-Recht ist der Assistent für neue Fahrzeuge erst ab 2024 vorgesehen. Die Bundesregierung lehnt bis dahin eine nationale Regelung ab. In der Begründung heißt es, dass nur auf europäischer Ebene der Abbiegeassistent vorgeschrieben werden darf. Bis dahin wird auf die freiwillige Nachrüstung gesetzt. Trotzdem bestehen Möglichkeiten, situativ den Assistenten zur Pflicht zu machen, zum Beispiel wenn es sich um Strecken mit höherer Gefährdungslage handelt.

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„Der Abbiegeassistent könnte zumindest für viele gefährliche Bereiche in Innenstädte jetzt schon Pflicht sein, wenn wir mutig vorgehen würden. Es passiert aber nichts. So verlieren wir Zeit und gefährden damit Menschenleben. Das ist inakzeptabel“, so der DVW-Präsident Bodewig.

Weltfahrradtag: Deutsche Umwelthilfe fordert

Zum Tag des Fahrrads fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) eine beschleunigte Umwidmung von Verkehrsflächen in Fahrrad-Straßen und Pop Up Radwege. Darüber hinaus soll in allen Stadtgebieten Tempo 30 eingeführt werden.

Die DUH zieht zudem Zwischenbilanz zu ihren in zwischenzeitlich 203 Städten gestellten Anträgen zur kurzfristigen und erst einmal temporären Schaffung von breiten und abgesicherten zusätzlichen Fahrrad-Straßen. 108 Städte haben sich mit dem DUH-Antrag beschäftigt und zurückgemeldet.

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Radfahrer werden immer mehr

Nach anfänglichem Widerstand erkennen aber immer mehr Kommunalpolitiker die Chance für einen beschleunigten Umbau ihrer Autostädte. So hat der Baubürgermeister von Stuttgart den DUH-Antrag rundweg abgelehnt, nach massiven Protesten aus der Bevölkerung und einem Protest-Fahrradweg ausgerechnet vor dem Mercedes-Werksgelände nun aber seine Meinung geändert und die ersten beiden Pop Up Radwege beschlossen. Die Bürger danken eine fahrradfreundliche schnelle Reaktion auf die Corona-Pandemie mit bisher nicht gesehenen Rekordwerten an Radfahrerinnen und Radfahrern praktisch bundesweit.

Die DUH fordert den derzeit vor allem mit der Rettung von spritschluckenden SUV-Stadtpanzern beschäftigen Bundesverkehrsminister Scheuer auf, die Kommunen bei der Umwidmung von Straßenflächen mit Bundesmitteln zu unterstützen. Nur mit genügend Platz können sich die Menschen auf dem Rad sicher und mit ausreichendem Abstand bewegen. Personen, die nicht mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren können oder wollen, müssen mit dem Fahrrad eine gute Alternative zum Auto haben. Ansonsten führt die Corona-Krise zum klimaschädlichen Verkehrskollaps in den Städten.

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Deutsche Umwelthilfe fordert eine beschleunigte Umwidmung von Verkehrsflächen in Fahrrad-Straßen und Pop Up Radwege.

Corona-Pandemie erfordert Tempo 30

Dazu der Bundesgeschäftsführer der DUH Jürgen Resch: „Die Menschen erobern die Städte mit ihrem Fahrrad zurück. Gerade jetzt während der Corona-Pandemie brauchen wir mehr Fahrrad-Straßen und Tempo 30. Während Paris, Mailand und Brüssel mutig das Auto aus der Innenstadt drängen und Fußgängern und Radfahrern mehr geschützten Raum schaffen, tasten sich erste deutsche Städte vorsichtig an den Radfahrerschutz heran.“

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Mit Aufhebung der Kontaktbeschränkungen werden Straßen, Rad- und Fußwege noch voller als sie es bereits jetzt im dritten Monat der Corona-Pandemie bereits sind. Für 2025 oder 2030 angekündigte Zielvorgaben müssen auf dieses Jahr vorgezogen werden. Dass dies möglich ist, zeigt eindrucksvoll die Europäische Hauptstadt Brüssel, die binnen weniger Wochen Tempo 20 in der gesamten Innenstadt und 40 Kilometer geschützte Fahrradwege geschaffen hat.

Bürgerinnen und Bürger gefordert

Hintergrund:

Die DUH hat beginnend am 3. April bis heute in 203 Städten Anträge auf temporäre Umwidmung von Verkehrsflächen und Tempo 30 gestellt. Außerdem haben über 2.600 Bürgerinnen und Bürger Städte benannt, in denen während der Corona-Krise Verkehrsflächen Fahrrad-Straßen werden sollen. Die DUH ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf, dem eigenen Stadtoberhaupt konkrete Straßenabschnitte zu nennen, die in sichere Fahrrad-Straßen umgewidmet werden sollen. Hier stellt die DUH ein individualisierbares Musterschreiben zur Verfügung.

Berlin als Beispiel

Vorreiter in Deutschland ist Berlin. Laut Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg reduzieren temporäre Radwege insbesondere die Planungskosten für langfristige, bauliche Radwege deutlich. Während alleine die Planungskosten im Normalfall bei nur 40.000 Euro pro Kilometer liegen, kostet die Umsetzung von temporären Radwegen noch weniger, nämlich 9.500 Euro pro Kilometer. Die spätere Umsetzung und insbesondere die Planung werden durch temporäre Radwege deutlich günstiger.

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Die Umsetzung baulicher Radwege benötigte bisher zwei bis zehn Jahre. Die Umsetzung temporärer Anlagen lediglich drei bis zehn Tage. Nach den bisher gesammelten Erfahrungen können die Planungsfristen für die spätere bauliche Umsetzung für einen Großteil der Anlagen auf zwei bis zwölf Monate verkürzt werden. Außerdem kann durch die temporäre Einrichtung schnell auf mögliche verkehrsplanerische Schwachstellen reagiert werden. Daher muss die vorherige Planung nicht jedes Detail in Perfektion erfassen.

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