Hövding, Airbag-Helm
Airbag-Helm

Airbag-Helm fürs Fahrrad: Der Hövding – Sicherheit, Technik, Innovation

Hövding: Der sichere Airbag-Helm für City-Biker

Stylish, individuell, sicher: Bei Sicherheit im Straßenverkehr macht Hövding mit seinem Airbag-Helm keine Kompromisse - und stellt den weltweit modernsten Fahrradhelm dieser Art her. Eine Reportage und ein Selbstversuch über das schwedische Unternehmen.
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Natürlich sind die Ohrenstöpsel gelb. So gelb wie die Visitenkarten, so gelb wie die Fahrräder, die in der Firma an der Wand stehen und so gelb wie die Verpackung und das Logo. Die Farbe leuchtet und sagt, seht her, nehmt mich wahr. Gelb ist eine sehr selbstbewusste Farbe. Sie passt zum Auftreten von Hövding. Schließlich hat „Hövding sich zum Ziel gesetzt, beim Thema Kopfschutz die sicherste und natürlichste Wahl für urbane Alltagsradfahrer zu sein, weltweit“, formuliert Geschäftsführer Fredrik Carling die Vision der Firma mit dem Airbag-Helm.

Hövding ist eine vergleichsweise kleine Firma. Ein kleines Team residiert im Hafen der schwedischen Stadt Malmö, fast vis-à-vis der Öresund-Brücke. In einem etwas älteren, flachen Bau mit Glasfassade haben sie wie einige andere Unternehmen ihren Sitz bezogen. Dort, wo früher Schwerindustrie war, entwickelt sich heute ein urbanisierter Hafen rund um die unbelegten Kais.

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Im ersten Stock ist das kleine Großraumbüro. Seine hohe Decke schafft Raum und durch die hohe Fensterfront schweift der Blick über das Hafengelände. Es ist so eine typische, kreative Start-Up-Atmos­phäre. Dazu passt auch die gemütliche Sofa-Ecke mit dem leicht psychedelischen Bild im Vorraum. Nur, so jung ist Hövding gar nicht mehr. Immerhin läuft das ganze Projekt schon über zehn Jahre, seit 2005, um genau zu sein.

So sieht sie aus, die Start-Up-Atmosphäre von Hövding im schwedischen Malmö.

Zweite Version des Airbag-Helms: Weicher Stoff, anderer Schnitt

Auf dem Markt ist der Airbag-Helm seit 2012. Mittlerweile ist er im Vergleich zum Vorgänger etwas leichter und straffer geschnitten, sein Design leicht verändert und der Stoff weicher. Der Auslöse-Algorithmus umfasst neben Trekking- und Cityrädern nun auch Falt- und Miniräder, für die andere Bewegungsmuster gelten. Diverse Stoff-Überzüge, Schals, schützen den eigentlichen Kragen und sehen auch hübscher aus.

Auch wenn es im Moment vor allem schwarze Varianten gibt. Dafür gibt es aber Überzüge für den Helm. Manche reflektieren Licht, wenn es dunkel ist, und sorgen damit dafür, dass der Radfahrer besser gesehen wird. Mittlerweile wird das Airbagsystem, das den Kopf laut einer Studie der Stanford University sogar achtmal mehr schützt als gewöhnliche Helme, in drei verschiedenen Größen angeboten.

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Der Airbag-Helm: Die etwas andere Lösung

Eine drohende Helmpflicht und „die absurde Bedrohung, mit einem Styropor-Helm durch die Gegend zu fahren“ brachte die beiden Designstudentinnen Anna Haupt und Terese Alstin 2005 dazu, nach Alternativen zu suchen. Umfragen ergaben, dass viele Radfahrer zwar gerne einen Kopfschutz hätten, aber aus verschiedenen Gründen ebenfalls keinen Helm tragen wollen. So entstand die Idee vom unsichtbaren Helm.

Ein Airbag-Kragen stellte sich in einem jahrelangen Prozess schließlich als die perfekte Lösung für dieses Problem heraus. Der weltweit erste Airbag für Radfahrer war geboren. Erste Tests bescheinigten ihm obendrein ein weitaus höheres Sicherheitspotenzial, als es Fahrradhelme üblicherweise besitzen.

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Dass sie ihm den Namen Hövding gaben, zeugt vom hohen Anspruch, aber auch dem Vertrauen in das Produkt. Schließlich bedeutet er „Häuptling“ oder „Anführer“. Dass dieses Selbstbewusstsein nicht ganz unberechtigt ist, unterstreichen auch die Daten, die das schwedische Versicherungsunternehmen Folksam in eigenen Tests ermittelt hat. Die beiden Gründerinnen überraschten die Ergebnisse allerdings wenig.

Die Sofa-Ecke unterstreicht die gemütliche Einrichtung der Firma.

Airbag-Helm bietet mehr Schutz als herkömmliche Helme

In Schlagprüfungen, wie sie für Helme üblich sind, dämpft demnach der Airbag die Beschleunigung am Kopf mindestens dreimal besser ab als herkömmliche Helme und bleibt mit einem Wert von 65 g  weit unter dem erlaubten Grenzwert von 250 g.

Allerdings fanden die Tests bei einer erhöhten Fallgeschwindigkeit von 25 anstatt der vorgeschriebenen 20 km/ h statt. Bezogen auf typische, kategorisierte Unfallszenarien, lässt sich laut Folksam die Schutzwirkung des Hövding noch klarer belegen. Mit einem Fahrradhelm treten schwere Verletzungen zu 90 Prozent auf, tödliche immerhin noch zu 30 Prozent. Der Airbag reduziert das Risiko dagegen auf unter zwei beziehungsweise auf fast null Prozent.

Zulassung und rosige Zukunft für den Hövding

Dr. Maria Krafft, Forschungsleiterin bei Folksam und Dozentin für Verkehrsmedizin, nennt den Hövding daher „die größte Revolution in der Geschichte des Fahrrades“ und sieht in ihm einen Meilenstein, wie es die Airbags für Autos waren. Für Fredrik Carling macht der Hövding nicht weniger als den „Unterschied zwischen Leben und Tod“ aus. Er ist deshalb auch überzeugt, „dass Helme in 15 Jahren deutlich anders aussehen werden und mehr auf das Airbag-Prinzip zurückgreifen“.

Um den Hövding verkaufen zu können, benötigt er eine Zulassung. Für das erste Produkt seiner Art muss das Schwedische Technische Forschungsinstitut ein neues Prüfverfahren entwickeln, das die wichtigen Aspekte für Helme und für Airbags umfasst. Der Hövding bekommt schließlich die CE-Kennzeichnung als Beleg, dass er die europäischen Richtlinien für persönliche Schutzausrüstung erfüllt. Seit 2012 wird der Radfahrer-Airbag nun verkauft.

Schützt den Kopf besser als übliche Helme: Der Airbag-Helm „Hövding“.

Die Flecken da, ist das …?

„Ja, das ist altes Blut von einem Unfall. Aber von den Händen, nicht vom Kopf“, kommentiert Computer-Experte Mikael Sundin zwinkernd die etwas verblichenen Flecken auf der sonst so weißen Hülle. Überprüfen kann ich das zwar nicht, aber ich will es ihm glauben.

Dann schließt er den erschlafften Airbag mit einem – natürlich gelben – USB-Kabel an den Rechner an und liest die Daten der Blackbox aus. Die sitzt hinten im Kragen und zeichnet permanent die letzten zehn Sekunden der Faktoren auf, die der Prozessor 200 Mal pro Sekunde erfasst: Geschwindigkeit, Beschleunigung und Rotation in jeweils drei Dimensionen.

Datenauswertung zur Produktoptimierung

Einen davon sehen wir jetzt auf dem Monitor. Blau, grün, rot zeigen sich die Werte als gezackte Linien. Erst ganz gleichmäßig aber am Ende schlagen sie deutlich höher aus. Das Kopfkino kann die Fahrt ganz gut nachvollziehen: erst entspannt und gleichmäßig, dann plötzlich …

Ausgelöste Airbags, sei es aus Unfällen oder anderen Situationen, sammelt die Firma ein und wertet die Daten aus. Daraus will man lernen, um den Auslöse-Algorithmus weiter zu verfeinern und an weitere Situationen anzupassen. Entsprechend viele einmal stramm gefüllte Hüllen sammeln sich in Regalen und auf Tischen. Einige davon werden als Vorführmuster für den Handel präpariert.

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Selbstversuch mit dem Airbag-Helm

Dann bin ich dran. Aber anstatt mich vom Fahrrad zu stürzen, probieren wir es an einem präparierten Modell per Fernzündung aus, wie es sich anfühlt, wenn der Airbag aufgeht. Ich habe den Kragen umgelegt und den Druckknopf geschlossen. Ein Piep-Ton und eine gelbe LED signalisieren mir, der Airbag ist jetzt scharf gestellt. Im Ernstfall sollte er mich jetzt bei einem Unfall schützen, so das Versprechen.

Stattdessen schützen mich jetzt die gelben Ohrenstöpsel vor den 140 Dezibel, die entstehen, wenn das Gas schlagartig die Hülle füllt. Der Schalldruck ist zwar hoch, soll aber nicht schädlich sein, sonst hätte der Airbag keine Zulassung bekommen. Und wer in einen Unfall verwickelt ist, hat in dem Moment eher andere Probleme und nimmt den Knall wohl nicht war.

Aber hier in der hohen Halle verstärkt er sich noch. Also besser Ohrenstöpsel benutzen. Alle anderen halten sich auch die Ohren zu. Im Gegensatz zu mir, wissen sie aber ganz genau, was mich in wenigen Sekunden erwartet.

Mit einem dieser Airbag-Helme machen wir den Selbstversuch.

Hövding-Airbag entfaltet sich innerhalb einer Zehntelsekunde

Ein  lauter Knall, der Airbag sprengt die Sollbruchnähte im Kragen und entfaltet sich innerhalb einer Zehntelsekunde als pralle Haube. Er umgibt so noch vor einem Aufprall den kompletten Kopf, das Gesicht bleibt dabei frei. Durch die schirmartige Form sorgt er aber auch vorne für Schutz. Er umschließt auch den Hals komplett.

Dass das anfangs schon unangenehm stramm ist, ist sogar gewollt, denn so stabilisiert der Airbag auch den Nacken. Eine kleine, eingebaute Öffnung lässt das Gas anschließend langsam entweichen und der Airbag entspannt sich allmählich wieder.

Airbag-Helm wie der Auto-Airbag

Aufgeblasen wird er mit Helium, das dank kleiner Moleküle schnell genug aus der Gaskartusche strömt. Der Airbag selbst ist aus typischem Airbag-Gewebe gefertigt, das nur etwas dünner und leichter ist, als in PKWs. Er löst auch langsamer aus als ein PKW-Airbag: 110 statt 20 Millisekunden.

Am Anfang fühlt sich der Kragen noch etwas sperrig an. Ansonsten ist er ein sehr unproblematisches Produkt: Er verrutscht nicht, man kann Mützen tragen oder unter dem Kragen Kapuzen und Schals. Eine Brille stört ebenso nicht.

Wenn man es persönlich aushält, könnte man ihn bei Temperaturen zwischen -20 und +50 Grad Celsius benutzen und auch bei starkem Regen. Gerade im Sommer wird  er manchen Radfahrern aber vielleicht zu warm sein. Aber auch für Helme gibt es ungünstiges Wetter.

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Hat der Airbag-Helm von Hövding Nachteile?

Wir denken, dass der Hövding einen Nachteil gegenüber herkömmlichen Helmen hat: Wenn man gegen ein Hindernis in Kopfhöhe fährt, kann der Airbag nicht auslösen. Als weitere, kleine Einschränkung kommt hinzu, dass man ihn gelegentlich aufladen muss. Für den Geschäftsführer wiegen aber die viel größeren Vorteile die wenigen Nachteile mehr als auf.

Trotzdem wird der Kopf-Airbag nicht jedermanns Sache sein. Zunächst ist er ja auch vor allem für die aufrecht sitzenden Alltagsradfahrer gemacht, die bisher immer ohne Helm gefahren sind, nicht unbedingt für sportliche Fahrer, denen auch das Technikpaket umso mehr an den Hinterkopf drückt, je weiter sie den Kopf in den Nacken legen.

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Hoher Preis, großes Einsatzgebiet

Und auch, wenn die Verkaufszahlen geradezu zu explodieren scheinen, gibt es natürlich zahlreiche Skeptiker, die vor allem dem Kragen nicht trauen. „Er ist eine Art Theorie, die Vertrauen in die Praxis benötigt“, fasst Exportmanager Per Agren das treffend zusammen. Hövding ist daher ein Produkt, das man sich nicht nur leisten können, sondern auch leisten wollen muss. Nach dem Kauf denkt man über den Preis von fast 300 Euro auch vermutlich nicht mehr nach.

Und für Fredrik Carling ist der Hövding ein Produkt, das „zu einem 18-jährigen Technologie-interessierten Menschen genauso passt wie zu einem 80-Jährigen, der sich unsicher fühlt. Ich habe noch nie ein Produkt getroffen, das so demokratisch ist“. Außer für Radfahrer sieht er viel Potenzial für den Hövding auch auf anderen Feldern. Etwa beim Skifahren, für Epileptiker oder für Menschen, die generell sehr unsicher auf den Beinen sind.

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Hövding: Antworten in Gelb

Die Firma bekommt Anfragen von Interessierten aus aller Welt. Aber man will erst einmal den europäischen Markt entwickeln und ist außerdem gerade in Japan gestartet. Viele der Fragen beschäftigen sich auch damit, ob und wann der Airbag auslöst und was man damit machen kann und was nicht.

Die Antwort gibt Hövding in einigen sehr witzig gemachten Videos mit den Titeln „Will it pop?“ – Wird er aufgehen? Anstelle langweiliger Technik werden typische Situationen mit Humor simuliert. Natürlich von einem Typen im gelben Overall auf einem gelben Fahrrad.

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