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Interview

Fahrrad-Wetter im Winter: Interview mit Wetter-Experte Dr. Andreas Becker

Fahrrad-Wetter in Deutschland: „90 Prozent der Zeit ist regenfrei“

Es regnet seltener als man denkt und eine App kann Radler vor Regen schützen. Sagt Meteorologe Dr. Andreas Becker vom Deutschen Wetterdienst DWD. Er weiß, wie kalt es im Winter wird und wo Schnee zu erwarten.
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Wann gibt es Fahrrad-Wetter? Eine Frage, die Dr. Andreas Becker beantworten kann. Wie das funktioniert, erklärt der Meteorloge im Interview mit aktiv Radfahren.

aktiv Radfahren: Dr. Becker, fahren Sie eigentlich Fahrrad?

Dr. Andreas Becker: Eher gelegentlich. Aber viele Kollegen bei uns kommen mit dem Rad zur Arbeit und biken in der Freizeit. Der Deutsche Wetterdienst DWD wurde sogar schon mal als „Fahrradfreundlicher Betrieb“ ausgezeichnet.

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Regenbekleidung, Regenradar und Schauer

Wie informieren sich radelnde Meteorologen über das Wetter?

Wie es jeder Radfahrer tun kann: jeden Morgen vor der Arbeit per Smartphone. Über eine Wetter-App, die es auch vom DWD gibt. In der Regel haben diese Apps ein Regenradar mit Vorhersagefunktion, die die Bewegung der Niederschlagsmuster interpolieren, wir nennen das „NowCasting“. Die Voraussage für die nächste Stunde ist ziemlich gut. Mit Apps können die Kollegen auch abschätzen, ob sie trocken nach Hause kommen.

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Unterscheiden sich Herbst/Winter-Regen von Sommer-Schauern?

Im Winter haben wir eher leichteren, aber länger anhaltenden Regen, den man landläufig mit „Landregen“ bezeichnet. Vereinfacht gesagt: In Deutschland regnet es im Winter am häufigsten und im Sommer am meisten. Radfahrer bekommen im Winter vergleichsweise häufiger Regen ab, der mit Regenbekleidung gut zu meistern ist. Während man im Sommer bei einem richtigen Gewitterschauer bis auf die Haut durchnässt sein kann. Deshalb mein Tipp: unterstellen, abwarten, den Schauer abziehen lassen. Bei einem Gewitter besser unter einer Brücke als unter einem Baum, in den der Blitz einschlagen könnte. Im Sommer kann man davon ausgehen, dass ein normales Gewitter in rund 30 Minuten durchgezogen ist.

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Fahrrad-Wetter: Wann regnet es am meisten?

„Landregen“ sind da ausdauernder …?

Ja, im Winter können Sie durchaus mal zwei, drei Stunden lang Niederschläge haben. Aber die verlaufen eher leicht, manchmal auch als eine Art Nieselregen. Diese leichten Niederschläge lassen sich mit Regenkleidung prima abwehren.

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Regnet es morgens häufiger als am Abend?

Das ist von Oktober bis März generell schwer zu sagen. Von April bis September haben wir meist konvektive Niederschläge. Die ganz klar gehäuft am Nachmittag auftreten, weil sich dann der Boden aufgeheizt hat. Natürlich ist dieser Effekt im Hochsommer am stärksten. Im Winter ist das eher zufällig, weil sich die Niederschläge an Kalt- und Warmfronten orientieren.

Winterprognose und Fahrrad-Wetter

Regnet es in Deutschland viel? Es heißt ja immer, Radfahrer sind regenempfindlich.

Wenn man den generellen Niederschlag in Deutschland insgesamt mittelt – das haben wir anhand der seit 17 Jahren erhobenen Radar-Daten gemacht – kommt man auf 15.000 Stunden Regen. Da 17 Jahre knapp 150.000 Stunden bedeuten, kann man sagen: In nur 10 Prozent der Zeit regnet es. Oder anders herum ausgedrückt: In 90 Prozent der Zeit regnet es einfach gar nicht.

Dr. Andreas Becker ist Leiter des Referats Niederschlagsüberwachung beim Deutschen Wetterdienst DWD.

Überraschend. Gibt’s regionale Unterschiede?

Ja. Der Osten ist deutlich trockener, da sind es vielleicht nur 8 Prozent. Im Westen liegen wir im Mittel von 10 Prozent. Im Alpenvorland geht es deutlich nasser zu. Da liegen wir über diesem Durchschnitt … bei 13, maximal 15 Prozent. Auch der Norden liegt im Mittel. Im Winter sind dort allerdings Landregen stärker verbreitet. Im Süden gibt es die sogenannten Stauregen, an denen es den ganzen Tag durchregnet. Wie das Wetter am nächsten Tag werden wird, sehen Radfahrer abends in den Abendnachrichten. Denn die großen Hochs und Tiefs und die Staulagen an den Bergen sind heutzutage sehr gut vorausgesagt. Da können sich Fahrradfahrer ziemlich genau darauf verlassen.

Radfahr-Wetter: Wie wird der Winter?

Erwartet die Radfahrer ein milder Winter?

Saisonale Voraussagen können wir leider kaum machen. Es gibt zwar erste Vorhersage-Systeme, die bis zum Dezember reichen und einen etwas milderen Winter als normal voraussagen. Aber die Belastbarkeit der saisonalen Voraussage ist gerade über Europa relativ schlecht. Vergleicht man die Wetterdaten mit Daten von 1960 bis 1990, dann sind die Winter immer milder als normal – aufgrund der Klimaerwärmung.

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Wie kalt kann es im Winter werden?

Wenn Sie ein Hoch über Skandinavien haben und ein Tief im Süden Europas kann über eine östliche Strömung russische Polarluft nach Deutschland einfließen. Dann können wir auch Eistage bekommen, wo die Temperatur am Tag nicht über –5 Grad geht. Nachts bei –25 Grad. Das ist alles möglich. Auch im nächsten Winter.

Fahrrad-Wetter im Winter?

Wird es Schnee geben, der Radfahrer behindern kann?

Schwer zu sagen. Aber schaut man zurück auf die letzen Jahre, zeigt es sich, dass Schnee eher im Januar zu erwarten ist. Das Aufkommen von Schnee ist natürlich stark von der Höhe abhängig. Wir unterscheiden Regionen unter 300 Meter. Von 300 bis 800 Meter. Und darüber. Über 800 Meter können Sie ganz sicher davon ausgehen, dass es Schnee gibt im Januar. In der Mittellage gibt es zwischen Dezember und März mittlerweile nur noch eine 50:50-Chance, dass der Schnee liegen bleibt. Unter 300 Meter ist es relativ unwahrscheinlich, dass wir länger eine durchgängige Schneedecke haben. Aber Schneedecke heißt ja nicht, dass man nicht fahren kann. Es ist eher eine Frage der Bereifung und der Übung, vor allem wenn der Schnee in Matsch übergeht.

Zusammengefasst: Wie wird das Winterhalbjahr 2018/19 für Radfahrer?

Sehr ähnlich zu dem, was sie in den letzten Jahren angetroffen haben. Im Flachland vermutlich nicht mehr als maximal 10 Tage mit Schnee. In Regionen wie der Kölner Bucht könnte es gar keinen Schnee mehr geben. In Regionen von 300 bis 800 Meter Höhe wird es schneien, dort wohl bis zum Februar. Die Temperaturen werden wie in jüngster Zeit im Flachland im Mittel bei +5 Grad liegen, also 2 – 3 Grad zu warm gegenüber der alten Referenzperiode (1961–1990). Bei einem milden Winter sind im Januar 20 Grad Höchsttemperatur möglich – ideal um die erste Ausfahrt ins Jahr 2019 zu starten.

Fazit: Es ist auf jeden Fall möglich, auch im Winter Rad zu fahren. Eine passende Regen- oder Winter-Bekleidung, gute Reifen, sichere Bremsen und ein gut gewartetes Rad würde ich auf jeden Fall empfehlen. Egal wie das Wetter wird.

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