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Corona, Fahrradbranche, Radfahren, Lieferengpässe

Fahrradbranche in Corona Zeiten: Wie steht es um die Lieferverfügbarkeiten?

Lieferengpässe in Corona-Zeiten: Ein Stimmungsbild der Fahrrad-Industrie

Fahrradbranche in Corona Zeiten: Wie steht es um die Lieferverfügbarkeiten?

Seit Beginn der Corona-Pandemie erfährt die Radbranche eine überwältigende Nachfrage. Zudem ist von massiven Lieferengpässen der asiatischen Zulieferer die Rede. Noch nie zog der Fahrradkauf eine derart lange Wartezeit mit sich - auch die Preise steigen an. Genug Gründe also, sich in der Industrie mal genauer umzuhören.
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Ausnahmezustand in der Fahrradbranche?

Sätze wie „Da muss ich Sie enttäuschen, das Rad bekommen wir nicht vor Juli!“, „…leider ausverkauft!“ oder „Das hätten Sie schon im Winter vorbestellen müssen, so wird das leider nichts!“ bekommen diese Tage Kunden in Radgeschäften häufiger zu hören.

Fahrradbranche und Corona

Und auch bei Onlinehändlern stehen einige Produkte auf „nicht lieferbar“ oder sind mit teils langen Wartezeiten gekennzeichnet. Das sorgt für Verdruss und Enttäuschung bei vielen Endverbrauchern.

Doch nicht nur die Endkunden sind die Leidtragenden. Händler und Großhändler können auch nichts für die teils ellenlangen Wartezeiten und Lieferverzögerungen.

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Lieferverzögerungen oder leere Lagerflächen sind Teilbestand der Fahrrad-Industrie im Frühjahr 2021.

Die Gründe dafür sind vielschichtig: Covid-19 brachte die Lieferketten ordentlich durcheinander, viele Firmen investieren in Heimarbeitsplätze, aktuelle Soft- und Hardware. Im Alltagsleben ist die Nachfrage an Rädern und Radzubehör durch den Shutdown und den damit verbundenen Natur-Boom quasi explodiert.

Die Zulieferer investieren kräftig in Maschinen, Fertigungsstraßen und Personal. Auch das treibt den Preis und geht nicht von heute auf morgen. Dazu gesellen sich leicht gestiegene Rohstoffpreise.

Gestiegene Kosten in der Fahrradbranche

Die Preise für die Fracht und Logistik sind derzeit explodiert. Frachtkosten per Schiff sind im Faktor zwei bis fünfzehn gestiegen, zudem gehen mancherorts die Container aus. Und was viele nicht wissen: Das Ausbleiben der Passagierflüge ist auch ein Problem, denn im Frachtraum vieler Jets befindet sich Luftfracht.

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Dazu gesellen sich die Währungsschwankungen beim Zahlen der Ware. Meist wird in US-Doller und Chinesischen Yen gezahlt Je nach Währungskurs hat das für den Endverbraucher positive oder negative Folgen.

Unter dem Strich haben schon einige Hersteller Preissteigerungen von circa vier bis sieben Prozent angekündigt.

Um Ihnen einen kleinen Überblick zu geben, haben wir bei Radherstellern, Großhändlern und Komponenten- wie Zubehörherstellern nachgefragt, wie diese die aktuelle Situation sehen.

Paul Lange / Shimano

Michael Wild: „Schon in den Jahren vor 2020 hat sich das Radfahren positiv entwickelt und die gesamte Industrie war auf ein gewisses Wachstum eingestellt und vorbereitet. Was indes niemand erwarten konnte, ist, dass dieses im Zuge der Corona-Pandemie buchstäblich und weltweit explodiert.

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Michael Wild ist für PR und Pressearbeit bei Importeur und Großhändler Paul Lange & Co. OHG zuständig.

Das hat den Bedarf an Fahrrädern und Teilen auf ein Vielfaches jeglicher Erwartung getrieben. Die produzierenden Betriebe haben in allen Stadien der teils komplexen und langen Lieferketten ihr Möglichstes getan, Kapazitäten zu erweitern, den Output zu erhöhen und die Situation unter Kontrolle zu haben.

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Shimano beispielsweise hatte im zweiten Halbjahr 2020 einen höheren Output als je zuvor innerhalb von sechs Monaten und wird die Produktionskapazitäten 2021 noch einmal um das eineinhalbfache im Vergleich zu 2020 steigern. Dennoch blieb und bleibt das Angebot hinter der exorbitanten Nachfrage zurück, die auch 2021 im Fahrradmarkt herrscht.“

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Thomas Eichentopf ist Brand Manager für die Fahrradmarke Diamant.

Diamant

Thomas Eichentopf: „Die Pandemie hat das Bedürfnis nach Freiheit und Unabhängigkeit gesteigert. Der Trend zum Rad ist ein positiver Ausdruck davon. Im letzten Frühjahr hab ich flapsig gesagt: Fahrräder sind das neue Toilettenpapier.

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Wir haben bei Diamant zusätzliche Fertigungslinien in Betrieb genommen und auch im Frühjahr jeden einzelnen Tag Fahrräder produziert. Klar: Wer jetzt Räder bestellt, muss lange warten. Wir liefern aber kontinuierlich Räder für den freien Verkauf an Händler.

Qualitätsanspruch der Fahrradbranche

Tools wie unsere Online-Verfügbarkeitsanzeige können bei der Orientierung zumindest helfen, auch wenn die Wege zum neuen Rad etwas länger sind als gewohnt. Eins ist sicher: wir bauen so viel wir können, aber wir bauen mit der gleichen Qualität.“

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Tobias Hild (auf dem Foto zu sehen) bildet gemeinsam mit Annette Hild die Geschäftsführung der SQlab GmbH.

SQlab

Tobias Hild: „Die Corona Krise hat den gesamten Fahrradmarkt vom Rennrad, über des Trekkingrad bis zum MTB beschleunigt und uns das Wachstum beschert, dass sich normalerweise auf die nächsten drei bis fünf Jahre verteilt hätte.

Die gute Nachricht: Es wird produziert und die Laufzeiten der Container aus Fernost normalisieren sich langsam wieder. Es kommt laufend Ware rein und es wird jeder ein Bike bekommen. Allerdings kann das dauern, man sollte lieber keine ganz so exakte Zeitvorstellungen haben.

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Ein gutes Verhältnis zu seinem Händler und ein frühestmöglicher Bestelltermin für das Wunschrad ist ebenso hilfreich. Hinfahren und kaufen wird dieses Jahr nicht funktionieren. Und wer lange wartet, den treffen dann auch noch die steigenden Preise durch die höheren Kosten bei Rohstoffe, Produktion, Fracht und Montage.

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Ich sehe das größte Problem in der Ersatzteilversorgung. Es kann sinnvoll sein, sich die gängigsten Verschleißteile auf Vorrat zu kaufen.

Unsere Händler haben schlau vorgeordert und wir haben noch während der ersten Welle die Produktion hochgefahren. Trotzdem können wir die Nachfrage nicht vollständig bedienen. Unser Lager ist leer und alles was wir produzieren geht umgehend in den Handel.

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Bereits weit vor Corona haben wir zudem angefangen, eine Sattelproduktion in Deutschland aufzubauen. Leider haben wir auch hier mit längeren Lieferzeiten bei Rohstoffen zu kämpfen und so können wir die ersten Sättel erst Ende April ausliefern.

Trotz engagiertester Mitarbeiter werden wir nur die Hälfte des möglichen Outputs produzieren können. Dafür sind wir nicht auf Container angewiesen und können den Handel ohne Unterbrechung direkt aus der Fertigung beliefern.“

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Thorsten Lewandowski ist seit Februar 2017 Global Communications Manager bei der Canyon Bicycles GmbH.

Canyon

Thorsten Lewandowski: „Covid-19 beschäftigt die Welt nun seit rund einem Jahr, und auch die Fahrradbranche muss sich weiterhin damit auseinandersetzen. Während wir sowohl rück- als auch vorausblickend sagen dürfen, dass es großartig ist, die steigenden Zahlen von Fahrradfahrern zu beobachten, stellt Corona uns als Hersteller erkennbar weiterhin vor besondere Herausforderungen.

Produktions-Lockdowns in der Fahrradbranche

Denn der gestiegenen und weiter steigenden Nachfrage steht eine teils eingeschränkte Verfügbarkeit an Zulieferkomponenten gegenüber – 2020 als direkte Folge des Lockdowns auch in Produktionsstätten etwa in Fernost, 2021 durch eine deutlich höhere Abfragerate als die Produktionspartner herstellen können.

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Denn Produktionskapazitäten lassen sich eben nicht „über Nacht“, und das bedeutet sogar: nicht innerhalb eines halben Jahres beliebig erhöhen. Als Direktanbieter mit eigener Lagerhaltung und Montage kann Canyon allerdings flexibler agieren als vergleichbare Fachhandelsmarken – wir schauen aufgrund einer smarten Planung deshalb grundsätzlich positiv ins Fahrradjahr 2021.

Gleichwohl gehen aber auch wir davon aus, über so manches Modell hinweg früher ausverkauft zu sein als erwartet.“

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Guido Müller ist Geschäftsführer von Busch und Müller sowie der Enkel von Unternehmensgründer Willy Müller.

Busch & Müller

Guido Müller: „Unsere Produkte haben aktuell eine Lieferzeit von zehn Wochen. Um das in dieser nie dagewesenen Boom-Phase sicherstellen zu können, haben wir unsere Kapazitäten in Meinerzhagen signifikant erhöht, sowohl Personal als auch Anlagen.

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Diese Lieferzeit ist jedoch vorbehaltlich dessen, dass wir alle Teile pünktlich bekommen. Wenn es terminlich hakt, dann bei den Elektronikplatinen in unseren Scheinwerfern. Die werden zwar in unserem Schwesterunternehmen im Oberbergischen Land hergestellt, aber die darauf enthaltenen „Kleinteile“ kann man nur importieren.

Dort explodieren aber aktuell nicht nur die Lieferzeiten, sondern auch die Preise. Selbst per Auftragsbestätigung bereits festgehaltene Lieferzeiten und auch Preise werden im Nachhinein erhöht. Das könnte zudem Auswirkungen auf unsere Preisstruktur haben.“

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Jens Stahlschmidt ist Vice General Manager der Wilhelm Humpert GmbH & Co. KG. mit seiner Hausmarke Ergotec.

Ergotec

Jens Stahlschmidt: „Wir waren und sind sehr gut vorbereitet für die kommende und auch für die nächste Saison. Aber die Rohmaterialversorgung in Deutschland, Europa und Asien ist sehr angespannt. Dazu kommt, dass auch die Bearbeitungen wie Schmieden, CNC, Schleifen, Polieren und die Veredelungen von Oberflächen nicht in ausreichenden Kapazitäten zur Verfügung stehen.

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Der Markt benötigt in zu kurzer Zeit so viel mehr als in den Vorjahren. Darauf konnten unter Berücksichtigung von Covid 19 nicht alle sofort reagieren.

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Hinzu kommt die große Verschiffungsproblematik aus Asien. Entweder gibt es keine Container oder nicht den gewünschten Platz zum gebuchten Preis. Meistens werden Container rolliert und oft zu zehnfach höheren Containerpreisen verschifft.

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Die Eigenfertigung in Deutschland wird aktuell gestärkt, aber leider fehlen auch hier in Europa die Rohmaterialien in ausreichenden Mengen zum richtigen Zeitpunkt. Daher haben wir drastische Preiserhöhungen seit letztem Jahr in Kauf nehmen müssen. Weitere Ankündigungen sind bei uns eingegangen.

Engpässe in der Fahrradbranche bis 2022

Ein Ende ist leider nicht in Sicht und wird sicherlich bis ins zweite Halbjahr und hoffentlich nicht noch weiter bis ins Jahr 2022 gehen.

Grundsätzlich haben wir seit circa vier Jahren das Thema Made in Germany/ Europa bei Ergotec auf der Agenda. In den nächsten Jahren werden wir einige Produkte mehr in Deutschland oder mindestens Europa fertigen.

Hier hoffen wir, dass unsere Kunden dies auch honorieren und dann auch wenn nötig etwas mehr für ein Produkt bezahlen werden. Denn nicht immer geht es rein um den Preis, sondern um das Gesamtpaket des Herstellers!“

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Mit Fabian Auch, Urenkel von Gustav Magenwirth, ist mittlerweile die vierte Familiengeneration bei Magura vertreten.

Magura

Fabian Auch: „Grundsätzlich sind unsere Lieferketten intakt, und damit ist die Versorgung unserer Kunden mit Magura Produkten gewährleistet.

Allerdings ist die Nachfrage weiterhin deutlich höher als in den vergangenen Jahren, sodass auch trotz eingeleiteter Erweiterungen der Kapazitäten für 2021 die Herausforderung sein wird, die Kundenwunschtermine vollumfänglich zu erfüllen.“

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Markus Krill zählt zur dreiköpfigen Geschäftsführung der Croozer GmbH.

Croozer

Markus Krill: „Im letzten Jahr ist die Nachfrage nach unseren Produkten enorm gestiegen – und das nicht nur durch die Pandemie und ihre Folgen wie beispielsweise die Vermeidung des ÖPNV. Auch der schon länger andauernde gesellschaftspolitische Wandel hin zu klimaneutraler Mobilität und die verstärkte Beschäftigung mit dem Thema Nachhaltigkeit haben dazu beigetragen.

Fahrradbranche ringt um Frachtplätze

Darauf haben wir natürlich reagiert: Wir sind sehr früh in die Planung für 2021 gegangen, viel früher als zuvor, und haben die Produktion deutlich erhöht. Durch die starke Nachfrage in der gesamten Branche ist 2020 ein wahres Ringen um einen Platz auf den Schiffen und um die Ware generell entstanden.

Daher wurde viel mit dem Zug von Asien nach Deutschland geliefert – mittlerweile kommt die Ware aber auch wieder per Schiff. Für uns bei Croozer hat die Warenverfügbarkeit gegenüber dem Kunden immer oberste Priorität – für den ersten Rutsch sind wir auf jeden Fall voll lieferfähig.“

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Dennis Schömburg ist Managing Director bei der Messingschlager GmbH & Co. KG.

Messingschlager

Dennis Schömburg: „Die Industrie und der Handel lernt gerade, wie wichtig frühzeitige Planung ist. Das ist generell positiv. Gerade die Bestände von Shimano-Produkten sind im Handel historisch niedrig. Hier müssen sich die Endverbraucher auf teils lange Wartezeiten einstellen.

Und auch die Logistik bereitet Sorgen: Vor dem Chinese New Year am 12. Februar drängelte sich einiges an den Nadelöhren wie den Häfen. Dieser Zeitraum war aber auch schon vor Covid problematisch.

Dazu kommt, dass Covid ein Katalysator für Veränderungen in den Bereichen Verkehrswende, Gesundheit und Wirtschaft ist. In Österreich wird etwa die Mehrwertsteuer für Werkstattleistung reduziert. Diesen Vorstoß begrüßen wir sehr!“

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Dr. Ing. Thomas Leicht leitet den Geschäftsbereich Antriebstechnik bei der Brose Fahrzeugteile SE & Co. KG.

Brose

Dr. Ing. Thomas Leicht:  „Die rasante Entwicklung letztes Jahr hat uns positiv überrascht. Damit war zu Beginn der Corona-Pandemie nicht zu rechnen. Ich gehe fest davon aus, dass die erhöhte Nachfrage noch lange anhalten wird.

Wir erwarten erneut ein sehr gutes Jahr! Brose wächst derzeit überproportional zum Markt. Das hat zur Folge, dass unsere erst 2019 ausgebaute Fertigung fast schon wieder am Limit ist. Bei uns kommen etwa 90 Prozent der Komponenten aus der EU, knapp 80 Prozent sogar aus Deutschland.

Aber gerade bei elektronischen Bauteilen wie Chips, die fast ausschließlich aus Asien kommen, ist die Versorgungslage momentan global angespannt. Auch wir spüren die Engpässe am Weltmarkt deutlich, deshalb verwenden wir viel Energie darauf, die Versorgung von Microprozessoren sicherzustellen.

Dazu zeichnet sich ab, dass es 2021 Lieferengpässe bei einigen Komponentenlieferanten gibt, weil die Nachfrage stärker gewachsen ist als das Angebot. Zu diesen Bauteilen zählen auch Federgabeln und Schaltungen. Teilweise haben diese Lieferzeiten von 500 Tagen!

Für den Endverbraucher dürfte die aktuellen Entwicklungen leider erstmal zu längeren Wartezeiten und höheren Preisen führen.“

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Peter Bretz ist Chief Sales Officer (CSO) der RTI Sports GmbH.

RTI-Sports

Peter Bretz: „Die ganze Welt ist nun schon seit einem Jahr in einer Krise. Hierbei erlebt die Bikebranche einen noch nie dagewesenen Boom. Im letzten Jahr konnten wir die Nachfrage noch recht gut aus komfortablen Lagerbeständen bedienen, die nun aber komplett aufgebraucht sind.

Aufgrund der Covid-19-Krise stockt es in allen Produktionsstätten, sowie den Lieferketten. Auch ohne diese Einschränkungen wäre die aktuelle Nachfrage nicht zu bewältigen. Aufgrund all dieser erschwerten Einflüsse stellt sich auch die Preisgestaltung vom Rohstoff über Produktion bis zur Lieferkette angespannt dar.

Aktuell arbeitet die komplette Bike-Branche sehr partnerschaftlich zusammen, um trotz aller Widrigkeiten möglichst viel Ware zu der bekannt zuverlässigen Qualität bereitzustellen. Wir appellieren an alle Kunden diese Ausnahme-Situation sowie besonders die Lieferzeiten zu verstehen und besonders den Einzelhandel nicht hierfür verantwortlich zu machen.“

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Michael Waldmann verantwortet die Produktpolitik und Vermarktung der beiden Premium-Marken S100 und F100 der Dr. O.K. Wack Chemie GmbH.

Dr. Wack/ F100

Michael Waldmann: „Wir versuchen immer, mit allen F100 Produkten stetig lieferbar zu sein. Fast immer gelingt das auch! Wir hatten im letzten Jahr eine Phase, als uns der Fahrrad-Boom und die gestiegene Nachfrage überrascht hat und die Lieferungen bei einigen Artikel länger gedauert hat. Mittlerweile haben wir uns aber auf die gestiegene Nachfrage eingestellt.

Unser Problem liegt vor allem in der Beschaffung von Verpackungsbestandteilen. Durch die gestiegene Nachfrage von Desinfektionsmitteln und damit auch Sprühpistolen ergeben sich für uns deutliche längere Lieferzeiten und Preissteigerungen.

Das macht es noch schwerer, auf neue Marktsituationen flexibel zu reagieren. Trotzdem versuchen wir, die Preise unserer Produkte stabil zu halten. Der Ausblick für 2021 ist für uns recht positiv, denn wir haben mit der Einführung unserer neuen Bio-Linie wichtige Weichen für die Zukunft gestellt.“

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Alexander Kraft ist Pressesprecher der HP Velotechnik GmbH & Co. KG.

HP Velotechnik

Alexander Kraft: „Als kleiner Spezialradhersteller haben wir Vor- und Nachteile. Ein großer Vorteil ist sicher unsere Flexibilität. So ziehen wir wegen der Lieferprobleme im Elektronikbereich gerade Trikes ohne Motor in der Produktionsschleife nach vorne.

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Zusätzlicher Vorteil: Bei unseren Liegerädern lässt sich der E-Motor auch später nachrüsten. Wir haben zudem vorausschauend und umfangreich eingekauft. Aber auch etwas Flexibilität beim Kunden, etwa im Bereich Bremsen, vereinfacht die Verfügbarkeit. Preisanpassungen werden bei uns wohl bis Herbst nicht vorgenommen. Und dass, obwohl Frachtkosten sich zum Teil verzehnfachen!“

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Sarah Baukmann arbeitet im Bereich Sales und Marketing von SKS Germany.

SKS

Sarah Baukmann: „Da wir bei SKS Germany 95 Prozent der Produkte in Sundern im Sauerland produzieren, können wir schnell und flexibel liefern. Somit haben wir durch unseren Standortvorteil im Jahr 2020 einige Kunden neu hinzugewonnen.

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Wir produzieren im Dreischichtbetrieb, trotzdem hat sich für manche Produkte die Lieferzeit von circa einer Woche auf 3-4 Wochen erhöht. Das Vorordervolumen ist einfach so groß wie nie zuvor!“

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Dominik Ruiz Morales ist Brand Manager von BH Bikes Deutschland.

BH Bikes

Dominik Ruiz: „Die aktuelle Situation stellt nicht nur Händler und Endkunden, sondern auch uns als Hersteller vor eine besondere Situation. Durch vorausschauendes Ordermanagement konnten wir zwar einen Großteil der durch den Fachhandel vorbestellten Räder ausliefern, haben jedoch durch die in ihrer tatsächlichen Größe nicht vorhersehbare Nachfrage mit teils weit nach hinten verschobenen Liefertermine für weitere Räder zu kämpfen.

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Dies liegt zum einen an der kompletten Auslastung im Bereich unserer großen Zulieferer, als auch am nun stark verzögerten Transport der Räder oder Rahmen von den Produktionsstätten hin zu unserer in Europa gelegenen Produktionsstätten und Lagern.

Wie sich die Lage in den nächsten Monaten weiter entwickelt, ist nicht zu 100% vorherzusehen; jedoch werden sich potentielle Kunden gegebenenfalls 2021, sowie im nächsten Jahr, weiter auf eine eingeschränkte Verfügbarkeit und längere Lieferzeiten einstellen müssen.“

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Frank Greifzu ist Produktmanager der Fahrradmarke Cube.

Cube

Frank Greifzu: „Leider können wir als Fachhandelsmarke die Fragen nicht pauschal beantworten. Der Begriff „verfügbar“ ist nicht eindeutig. Die Frage müsste eher lauten: Wo ist was verfügbar? Ist im Bike-Store Ware vorrätig? Hat der Händler noch freie Kapazitäten aus seiner Vororder oder kann gar Ware nachziehen?

Wir als Hersteller haben keinen Bestandsüberblick über jeden Händler, den wir beliefert haben. Während ein Händler ausverkauft ist, kann es in der Nachbarstadt Shops geben, die das gewünschte Bike noch anbieten.

Wir haben seit kurzem die dritte Montagelinie. In Zeiten, in denen wir mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen haben, hilft uns das, unsere Fachhändler bestmöglich zu bedienen.‘‘

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Sebastian Böhm ist Leiter Test und Technik der beiden Fachmagazine Radfahren sowie ElektroRad.

Radfahren/ Elektrorad

Sebastian Böhm: „Unterm Strich müssen wir uns wohl alle auf längere Lieferzeiten und höhere Preise von Rädern, Teilen und Zubehör einstellen. Da bleibt nur, möglichst gelassen zu bleiben.

Es hilft ja auch nichts. Bleibt wenigsten zu hoffen, dass der Fahrradhype auch vor der regionalen und überregionalen Politik nicht Halt macht und für uns Radfahrer kurz-, mittel- und langfristige einige Verbesserungen bringt.“

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