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Auf dem Fahrrad durch die Stadt: Gefahrenquellen, Risiken, Tipps

Diese Gefahrenquellen sollten Radfahrer kennen

Auf dem Fahrrad durch die Stadt: Gefahrenquellen, Risiken, Tipps

Millionen Menschen nutzen ihr Fahrrad tagtäglich in der Großstadt. Doch viele unter ihnen unterschätzen die alltäglichen Gefahren des Straßenverkehrs. Eine Übersicht macht deutlich, worauf Berufspendler und Radfahrer auf ihrem täglichen Weg durch die Großstadt achten sollten.
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Anstieg der Verkehrstoten im Straßenverkehr bietet Anlass zur Sorge

Ganze 44 Prozent aller Radfahrer würden ihr Fahrrad gemäß den zentralen Ergebnissen des Fahrradmonitors 2019 täglich oder mehrmals wöchentlich nutzen. Zudem zeigt die Studie, dass gut 20 Prozent der Befragten das Radfahren durch die Großstadt als gefährlich einstufen. Die Angst, in einen folgenschweren Unfall verwickelt zu werden, kommt nicht von ungefähr. Wie die Tagesschau berichtet, kamen 2019 auf deutschen Straßen elf Prozent mehr Radfahrer als im Vorjahr ums Leben.

Die Gründe dafür sind vielschichtig: So nehme beispielsweise das allgemeine Verkehrsaufkommen, wie die Sprecherin Julia Fohmann vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat angibt, kontinuierlich zu. Allein der Radverkehr hat zwischen den Jahren 2007 und 2016 um sechs Milliarden Personenkilometer zugenommen. Bisher sind die Großstädte jedoch relativ unzureichend auf diesen enormen Berufs- und Pendlerverkehr vorbereitet. Viele Radwege sind nur unzureichend von angrenzenden Straßen abgetrennt. Oftmals kommen Radfahrer nicht umhin, im hektischen Großstadtverkehr in einer brenzligen Situation auszuweichen. Hierdurch erhöht sich ihr eigenes Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden.

Immerhin hat die Politik reagiert und mit der angekündigten StVO-Reform konkrete Maßnahmen beschlossen. Für Berufspendler und Vielfahrer bedeutet diese Neuerung allerdings keineswegs, ausschließlich auf die neuen Gesetze vertrauen zu können. Vielmehr sind sie gefragt, sich selbst umfassend über die Gefahrenquellen des Straßenverkehrs zu informieren – und entsprechend verantwortungsbewusst zu fahren.

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Unterschätzte Gefahr: rechtsabbiegende Fahrzeuge

51 Prozent der Berufstätigen nutzen das Fahrrad mindestens einmal monatlich, um zur Arbeit zu fahren. Viele nutzen das Rad anstelle des Autos, um bereits auf der Hinfahrt auf gesunde Weise körperlich aktiv zu sein. Darüber hinaus ist ein bei Anbietern wie lease-a-bike beziehbares Dienstfahrrad als günstigere Variante ansehbar. Dennoch gilt es, auch auf dem vorteilhaften Dienstrad insbesondere bei rechtsabbiegenden Fahrzeugen genau hinzusehen. Im Straßenverkehr ist diese Situation, in der ein Autofahrer den Radfahrer im toten Winkel übersieht, eine der gefährlichsten überhaupt.

Zwar möchten die Politiker die Sicherheit erhöhen, indem sie LKW-Fahrer zukünftig lediglich im Schritttempo rechtsabbiegen lassen. Radfahrer, die an dicht befahrenen Verkehrsknotenpunkten und Kreuzungen unterwegs sind, müssen dennoch verstärkt vorausschauend fahren. Wer an einer solchen Kreuzung ankommt, sollte daher die Autos aufmerksam beobachten und möglicherweise rechts blinken. Falls heranfahrende Autos nicht von selbst ihre Geschwindigkeit drosseln, sollte ein Radfahrer unbedingt seine eigene Geschwindigkeit reduzieren. Im Zweifelsfall kann es manchmal besser sein, abzubremsen und erst zu überholen, nachdem Sichtkontakt bestand. Wer sich trotzdem unsicher ist, kann auf die altbewährten Handzeichen setzen. Diese sind alles andere als überholt, da sie im Ernstfall hilfreich sind, um Missverständnisse zu vermeiden.

Fahrrad in der Stadt: Straßenbahnschienen als Stolperfalle

Äußerlich erwecken Straßenbahnschienen nicht den Eindruck, für herankommende Radfahrer besonders gefährlich zu sein. Hier trügt der Schein, da die Rillenschienen den eigenen Reifen schaden können. Wer in kleinem Winkel die Schienen überquert, kann sich mit den Reifen in den Rillen verfangen. Sofern das Fahrrad unkontrollierbar ist, lässt sich ein schmerzhafter Sturz mitten auf der Straße oft nicht mehr vermeiden. Falls möglich, sollten Berufspendler und andere, die an Straßenbahnhaltestellen unterwegs sind, das Rad über die Straße schieben. Falls der Verkehr es erforderlich macht, fahrend die Straße zu überqueren, gilt: Möglichst im größeren 90-Grad-Winkel über die Schienen fahren, damit sich die Räder nicht einfädeln.

An einer Ampel besser nicht am rechten Fahrbahnrand, sondern in der Mitte des Fahrstreifens stehen. So bleiben Radfahrer jederzeit für andere Verkehrsteilnehmer sichtbar.

Parkende Autos verursachen Dooring-Unfälle

Zur Arbeit radelnde Berufstätige und Hobbyradler müssen aufgrund des Rechtsfahrgebots in der Stadt zwangsläufig an geparkten Fahrzeugen vorbeifahren. Leider führt dieser Umstand häufig zu sogenannten Dooring-Unfällen, bei dem ein Radfahrer mit einer abrupt öffnenden Fahrzeugtür kollidiert. Abgelenkte Autofahrer, die unbedacht die Tür öffnen, können einen Radler schwer verletzen. Insbesondere, wenn der Pendler ungebremst auf die Tür auffährt, kann er durch die Wucht des Aufpralls sogar nach vorn geschleudert werden.

Obwohl hier in erster Linie Autofahrer die Verantwortung tragen, schützen sich Radfahrer mit einigen Verhaltensregeln selbst. Sie sind in erster Linie dazu aufgefordert, ausreichend Abstand zu parkenden Fahrzeugen einzuhalten. Mindestens ein Meter ist ratsam, um im Notfall ohne Ausweichmanöver am parkenden Auto vorbeizukommen. Autofahrern rät der Deutsche Verkehrssicherheitsrat, um Dooring-Unfälle zu vermeiden, eindringlich zum Schulterblick bzw. „holländischen Griff“.

Handys und Kopfhörer beeinträchtigen die Konzentration auf den Verkehr

Zu den unterschätzten Gefahrenquellen im Großstadtverkehr gehören Smartphones und Kopfhörer. Auch wenn das Hören von Musik, Podcasts oder Nachrichten aus rechtlicher Sicht grundsätzlich erlaubt ist: Im Straßenverkehr sollten Radfahrer all ihre Sinne einsetzen, um konzentriert bei der Sache zu sein. Wenn überhaupt, sollte ein kurzes Telefonat nur via Headset erfolgen, damit beide Hände am Lenker bleiben.

Ohne Helm Fahrrad zu fahren, kann bei Unfällen schwere Kopfverletzungen nach sich ziehen

Die Tatsache, dass sich helmlose Radfahrer bei Unfällen schwere Verletzungen zuziehen, wird seit Jahren in der Öffentlichkeit debattiert. Die Bundesanstalt für Straßenwesen verzeichnete im Jahr 2018 lediglich 18 Prozent an Radfahrern, die im Straßenverkehr einen Schutzhelm trugen. Gleichzeitig weisen mehr als 70 Prozent aller in Lebensgefahr schwebenden Radfahrer nach einem Unglück Kopfverletzungen auf. Ärzte raten daher ausdrücklich dazu, „zum eigenen Schutz und im allgemeinen Verkehrsbewusstsein“ einen Helm aufzusetzen.

Falls es doch zu einem Sturz kommt, sollte auch ein äußerlich intakter Helm ausgetauscht werden.

Damit der Helm den täglichen Verkehrsweg zur Arbeit sicherer gestaltet, sollte er bequem auf den Kopf passen. Das nützliche Zubehör darf weder zu locker sitzen, noch den Gesichtsbereich einengen. Idealerweise lässt sich der Kopfschutz individuell einstellen sowie unkompliziert öffnen und schließen. Auch ist es ratsam, einen weniger als 300 Gramm schweren Helm, der die Nackenmuskulatur nicht belastet, auszuwählen. Um übermäßiges Schwitzen während der Fahrt zu unterbinden, bevorzugen Profis Helme mit bis zu 15 Belüftungslöchern. Von einem gebrauchten Gegenstand ist grundsätzlich abzuraten, da dessen Struktur möglicherweise nicht mehr intakt ist.

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