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Erwachsene auf dem Lastenrad mitnehmen? Personentransport beim Cargobike

Erwachsene auf dem Lastenrad mitnehmen? So gehts!

Erwachsene auf dem Lastenrad mitnehmen? Personentransport beim Cargobike

Kinder auf dem Fahrrad mitzunehmen, das ist das normale Bild - auch auf dem Cargobike. Seit 2020 erlaubt es der Gesetzgeber unter bestimmten Voraussetzungen auch Erwachsene zu transportieren. Was bedeutet das und was ist dabei zu beachten?
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Lastenräder sind genial – zum Transport von Einkäufen und Co., aber auch zur Mitnahme von Kindern. Erwachsene sieht man in Deutschland eher selten als Sozius auf dem Cargobike, obwohl das durchaus erlaubt ist. Vielleicht liegt es daran, dass vieles bezüglich Personentransport auf dem Fahrrad unübersichtlich ist.

Das ist der Gesetzes-Text der StVO, § 21 Personenbeförderung:

(3) „Auf Fahrrädern dürfen Personen von mindestens 16 Jahre alten Personen nur mitgenommen werden, wenn die Fahrräder auch zur Personenbeförderung gebaut und eingerichtet sind. Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr dürfen auf Fahrrädern von mindestens 16 Jahre alten Personen mitgenommen werden, wenn für die Kinder besondere Sitze vorhanden sind und durch Radverkleidungen oder gleich wirksame Vorrichtungen dafür gesorgt ist, dass die Füße der Kinder nicht in die Speichen geraten können. Hinter Fahrrädern dürfen in Anhängern, die zur Beförderung von Kindern eingerichtet sind, bis zu zwei Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr von mindestens 16 Jahre alten Personen mitgenommen werden. Die Begrenzung auf das vollendete siebte Lebensjahr gilt nicht für die Beförderung eines behinderten Kindes.“

Was bedeutet das? Eine kurze Zusammenfassung:

  • Lastenräder werden nicht extra erwähnt und wie andere Fahrräder behandelt.
  • Die Fahrer müssen für Personenmitnahme mindestens 16 Jahre alt sein.
  • Die Räder müssen zur Personenbeförderung gebaut und eingerichtet sein.
  • Kinder unter acht Jahren benötigen besondere Sitze (das ist nicht näher definiert) und es muss sichergestellt sein, dass die Füße der Kinder nicht in die Speichen geraten können.
  • Es gibt für die Passagiere keine Altersbeschränkung nach oben oder unten – d.h. auch Erwachsene können mit!
  • Es gibt keine Beschränkung der Anzahl der Passagiere auf dem Rad.
  • Im Anhänger dürfen maximal zwei Kinder unter acht Jahren mitgenommen werden.
  • Die Altersbeschränkungen gelten nicht für Kinder mit Behinderung.

Es ist also mit diesem Paragrafen der StVO erlaubt, auch Erwachsene auf dem Fahrrad mitzunehmen, wenn dieses dafür „gebaut und eingerichtet“ ist. Die Formulierung „zur Personenbeförderung gebaut und eingerichtet“ schließt damit übliche Fahrräder für den Personentransport aus, außer mit geeigneten Sitzen für unter achtjährige Kinder. Auch wenn es viel Spaß macht, aber der Gepäckträger ist normalerweise nicht als Sitzplatz ausgelegt. Auch das oft bei höchstens 130 kg (mehr als die DIN-Norm vorschreibt) liegende Gesamtgewicht steht also zwei, oder mehr, Personen auf einem Rad entgegen. Besser oder überhaupt geeignet sind demnach Cargobikes oder Familienräder.

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Lastenräder: Eine Frage des Typs

Bei Cargobikes gibt es grob zwei Typen: sogenannte Long Johns (Box oder Ladefläche vorne) und Long Tails (verlängerter Hinterbau und Gepäckträger, meist mit Sitzbank). Mehrspurige Transporträder mit Frontbox sind in dieser Übersicht mit den Long Johns gleichgestellt.

Vor allem die üblichen Transportboxen sind vom Platz außer für Einkäufe eher für Kinder ausgelegt. Können im Einzelfall, wenn der Zugang und der Komfort entsprechend gestaltet sind, auch von Erwachsenen mit oder ohne Behinderung genutzt werden. Idealerweise sollten Sicherheitsausstattung wie etwa Gurte vorhanden sein. Pflicht sind sie aber nicht. Besondere Sitze sind nur für Kinder unter 8 Jahren vorgeschrieben. Es würde für Erwachsene also theoretisch die nackte Box ausreichen, wenn man das bequem findet.

Bei den extra für Personentransport (auch in erster Linie Kinder) gestalteten Longtails ist der Gepäckträger nicht nur verstärkt, sondern auch verlängert und mit einer Art Sitzbank, gepolstert oder nicht, versehen. Eine optional montierbare Reling kann die Sicherheit erhöhen. Für die Füße gibt es wenigstens Rasten oder, in der Mehrzahl, längere Fußbretter. Idealerweise ist, für Kinder ja vorgeschrieben, ein Schutz montiert, der verhindert, dass die Füße in die Speichen kommen.

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Die Rechnung machen: Wann können Erwachsene mitgenommen werden?

In jedem Fall ist die Grundvoraussetzung für die Mitnahme eines Erwachsenen ein hohes Gesamtgewicht von mindestens 200, besser 250 Kilogramm, die für Lastenräder nach DIN 79010 erlaubt sind. Ideal ist eine gleichmäßige Verteilung der Belastung auf beide Achsen. In der Realität ist das aber nicht immer und genau umzusetzen. Mal sind die Fahrer schwerer, mal die Passagiere. Und je nach Bauteilen und Konstruktion geben die Hersteller andere Werte an. Nach der Rechnung

Gesamtgewicht – Radgewicht – Fahrergewicht – Gepäck = max. Passagiergewicht

ergibt sich zum Beispiel für das Tern GSD S00, ein typisches Longtail, folgendes, grobes Ergebnis:

200 kg – ca. 35 kg – 80 kg – 15 kg = ca. 60 kg für die Passagiere

Für das Tern HSD, einer kürzen Variante, bei dem das Gewicht auf dem Gepäckträger auf 60 kg begrenzt ist:

170kg – ca. 30kg – 80kg – 15kg = 45 kg;

oder andersherum gedacht: bei 60 kg schweren Passagieren dürfen Fahrer höchsten 80 kg wiegen (170-60-30=80), ohne Gepäck.

Urban Arrow Family als typisches Long John erlaubt insgesamt 250 kg und verteilt diese theoretisch optimal auf je 125 kg für Fahrer und Front.

Man sollte also immer die Angaben der Hersteller erfragen und berücksichtigen.

So ist beim Klassiker Yuba Mundo die Last hinter der Hinterachse auf 50 Kilogramm limitiert. Zur Sicherheit ist das auf dem Rad selbst gut zu lesen.

Damit das Thema nicht zu einfach wird: Auch die Reifenhersteller geben eine Höchstbelastung für ihre Modelle an, die aber wieder je nach Größe variiert. So ist der Schwalbe Pick-Up als E-Cargo-Reifen in der Spitze bis 170 kg einzeln belastbar. Beim schmalen 20-Zöller (55-406) schrumpft das je Reifen dann auf 115 kg. Während er mit 60er Breite (60-406) bereits wieder 125 kg trägt, womit er zu einer aussichtsreichen Transport-Lösung wird.

Alles rund ums Cargobike

Erwachsene mitnehmen: Interessante Details am Lastenrad

Gut sichtbare Angaben zur Personenbeförderung beim Yuba Mundo.

Kleine Reifengrößen sorgen für niedrigen, sicheren Schwerpunkt.

Ein stabiler Zweibeinständer hilft beim Aufsatteln.

Ein kräftiger Motor als willkommene Unterstützung.

Kindertransport mit dem „normalen“ Fahrrad

Auch für die Mitnahme von Kindern auf „normalen“ Fahrrädern gibt es einige Eckpunkte in Bezug auf das Fahrrad zu beachten. Geeignete Sitze für Kinder bis zum vollendeten 7. Lebensjahr sind zwar nicht näher definiert. Der typische Kindersitz hinter den Fahrern ist doch der direkt ins Auge springende. Der Frontsitz ist aus mehreren guten Gründen nicht sehr verbreitet und bleibt hier außen vor. Fahrradkindersitze für hinten gibt es für die Montage auf dem Gepäckträger oder am Fahrradrahmen, in der Regel dem Sattelrohr. Bei der Gepäckträgermontage ist das zulässige Höchstgewicht der Träger selbst zu beachten, und ob sie für Kindersitze freigegeben sind. Manche schlanken Modelle bieten nur 20 oder sogar 15 Kilogramm an. Ein Trekking-Gepäckträger trägt üblicherweise 25 Kilogramm. Offiziell bleiben selbst die robustesten, reisetauglichen Modelle unter der Marke von 26 kg. Denn darüber wären sie automatisch für den Einsatz von Kindersitzen freigegeben. Die Hersteller behelfen sich hierbei mit einem Trick, indem sie die offizielle Traglast angeben und gleichzeitig kommunizieren, dass der Gepäckträger aber zum Beispiel bis 40 Kilogramm getestet ist.

Umgehen lässt sich diese Schwierigkeit mit Modellen, die am Sitzrohr geklemmt werden. Theoretisch. Denn außer dem nötigen Platz gilt es auch hier, die Freigaben der Hersteller zu beachten. Einige geben sie nur für bestimmte Marken oder Modelle. Andere erlauben das aufgrund empfindlicherer Konstruktionen gar nicht. Welche und ob Kinderanhänger offiziell für spezifische Modelle freigegeben sind, behandeln die Hersteller analog. Aus dem großen Angebot greifen sie sich bestimmte Marken an Sitzen und Anhängern heraus und testen ihre Fahrräder damit. Wer sich als Anwender oder Händler darüber hinaus für andere Modelle entscheidet, handelt letztlich auf eigenes Risiko.

Übung bringt Sicherheit

Wichtig: Beim Transport von Kindern und erst recht von Erwachsenen oben auf dem Heck verändert sich der Schwerpunkt und damit das Fahrverhalten aller Fahrräder deutlich. Daher: Üben Sie das Fahren mit Sozius! Das macht Sie in Kurven, bei langsamem und hohem Tempo und beim Anhalten sicherer. Auch das Aufsteigen bei hohem Schwerpunkt will geübt sein.

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