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Lastenrad, Cargobike, Radfahren, E-Bike, Verkehrswende

Cargobikes und Lastenräder: Definition, Kaufberatung, Förderungen

Alles über Cargobikes: Kaufberatung, Kosten und staatliche Förderungen

Cargobikes und Lastenräder: Definition, Kaufberatung, Förderungen

Cargobikes und Lastenräder liegen im Trend - und sind ein wichtiger Faktor für die Verkehrswende. Welche Typen gibt es, was sollte man vor dem Kauf wissen und welche Förderungen können beantragt werden. Wir haben alles Wissenswerte ausführlich zusammengefasst.
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Die Bundestagswahl 2021 rückt immer näher. Bevor am Sonntag, den 26. September, der 20. Bundestag gewählt wird, greifen die Parteien nach und nach verschiedene  Wahlprogrammschwerpunkte auf. Einer davon: Mobilität und Verkehrsinfrastruktur in Deutschland. Genauer gesagt: Die Förderung von Cargobikes und Lastenräder

Cargobikes und Lastenräder: Die Forderung der Grünen

Die Grünen haben im Bundestagswahlkampf eine Förderung von 1.000 Euro für die Anschaffung von Lastenrädern als Auto-Ersatz auch für den Privatsektor vorgeschlagen. Jüngst sprach Annalena Baerbock im ARD-Sommerinterview von einem Ende der „Ungleichheit“ zur Förderung von E-Autos in Höhe von 6.000 Euro.

Bundestagswahl: Die Zukunft des Fahrrads

Mit einem Lastenrad könnten auch Menschen ohne Führerschein oder Auto etwa ihre Einkäufe transportieren, so die Kanzlerkandidatin .

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Das Thema Cargobikes und ihre Förderung wird im Vorfeld der Bundestagswahl vor allem von den Grünen stark thematisiert.

Die bisherige Förderung des Bundes für gewerblich genutzte Lastenräder durch Unternehmen, Kommunen oder Vereine sei dagegen kaum gefragt, wie eine Anfrage des Grünen-Haushaltpolitikers Sven-Christian Kindler ergeben hatte. Demnach seien lediglich 887 Räder in den zurückliegenden drei Jahren vom Bund gefördert worden.

Förderprogramme für Familien ausbaufähig

Allerdings gibt es auch zahlreiche lokale und regionale Förderprogramme, meist für gewerblich genutzte Cargobikes. Lastenrädern, insbesondere mit E-Antriebsunterstützung, kommt aus Sicht von Kindler eine zentrale Rolle bei der Verkehrswende zu, etwa im Handwerksbereich oder bei Kleinunternehmern. Die Förderung der Anschaffung für Familien würde dagegen „zu wenig gefördert“ werden.

Definition: Was genau sind Cargobikes und Lastenräder?

Die Basis aller Lastenräder in der Einsteigerklasse bildet zunächst ein normales Fahrrad, das durch Front- und Heckkörbe zum Cargobike wird. Den eigentlichen Transport leisten stabile Träger, die Körbe kommen aus dem klassischen Handel für Zubehör.

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Mehr Zuladekapazität bieten einspurige Lastenräder mit Frontladung. Hier sitzt der Fahrer hinten quasi auf einem halben Rad. Vor ihm zu sehen: eine mehr oder weniger schmale und lange Ladefläche.

Gleam Lastenrad: Starke Neigung

Weit entfernt sitzt ein kleines Frontrad. Die Lenkbewegung des Fahrers wird über ein Gestänge zum Vorderrad übertragen. Die Ladefläche kann flach sein oder seitliche Brüstungen besitzen. Für den Transport von Kindern gibt es spezielles Zubehör wie beispielsweise eine Wanne, Gurte oder Sitze.

Mehrspurige Cargobikes mit Frontladung

Die nächste Stufe stellen mehrspurige Lastenräder mit Frontladung dar. Vorteil dieser meist dreirädrigen Fahrzeuge: Beim Beladen sowie beim Stopp an der Ampel stehen sie von selbst. Kapazität: zwei Kinder (spezielle Aufbauten, auch mit Dach) oder hohe Zuladung.

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Eine beliebte Lastenrad-Variante: der Long John.

Die meisten Modelle sind inzwischen sogenannte Long Johns. Zweiräder, bei denen eine Ladefläche oder eine Transportbox zwischen Fahrer und Vorderrad sitzt.

Babboe Pro Bike Midmotor: Große Klappe

Die Lastenrad-Krönung sind Cargobikes für Kuriere, Lieferanten und Handwerker, die dem gewerblichen Einsatz entsprechend spezielle Boxen oder aufwändige Aufbauten besitzen. Da die hohe Zuladung die Fahreigenschaften träge macht, kommt bei Cargobikes mittlerweile mehrheitlich ein Elektromotor zum Einsatz.

Elektromotor beschert den Durchbruch

Und genau dieser Elektromotor hat den Cargobikes und Lastenräder zum großen Durchbruch in der breiten Masse verholfen. Wer vorher noch Angst hatte, statt gut gekühlt per Air-Condition, völlig verschwitzt im Büro anzukommen oder befürchtete, kurzatmig und mit hochrotem Kopf die Kinder in der Kita zu deponieren, freut sich nun über die freundliche Unterstützung elektronischer Schaltkreise und elektrochemischer Energiespeicher.

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Das Longtail Cargobike

Als weitere Bauart breitet sich immer mehr das sogenannte Longtail-Bike aus. Auch ein Zweirad, aber mit normaler Front, dafür mit verlängertem Heck. Darauf können mit zusätzlichen Polstern und Fußablagen sowie Kindersitzen Passagiere und in optionalen großen Taschen Einkäufe transportiert werden.

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Das Long Tail.

Im Grunde ist diese Art der Räder sogar Klassiker der Transporträder, wurden sie doch schon vor dem Zeitalter der E-Motoren unter anderem zum Reisen oder für den Surfbrett-Transport benutzt.

Cargobike Klassiker Christiana Bike

Die Klassiker schlechthin sind Cargobikes vom Typ Christiania Bike, benannt nach den ersten echten Transporträdern, die in der Kommune Christiania in Kopenhagen gebaut und genutzt wurden. Das sind Dreiräder in Tadpole-Form mit einer Box über der zweirädrigen Vorderachse.

Ein Gelenk hinter der Box ermöglicht es Kurven zu fahren. Wobei sich manchmal der Hinterbau samt Sattel in die Kurve neigt, während der Lenker starr an der Box sitzt. Die großen Vorteile sind der stabile Stand auf drei Rädern und die Möglichkeit, große Transportboxen für Güter und Kinder zu bauen.

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Wer sagt denn, dass man mit einem Transportrad in der Stadt bleiben muss?

Großer Stauraum

In die Ladeboxen der gewerblichen Lastenräder passen wenigstens 100 Liter Volumen oder 100 und mehr Kilogramm Masse. Bei Familien-Modellen sind dort Sitzbänke montiert, die ein bis zwei Kindern Platz bieten, manchmal kommt noch ein dritter Platz hinzu.

Yuba Mundo: Modularer Vorreiter

Verdecke schützen Passagiere und Frachtgut vor Wetter und Fahrtwind. Gurte, im besten Fall als 5-Punkt-System, sichern die Kinder während der Fahrt. Man sollte sie auch wirklich benutzen.

Sichere Box auf Cargobikes und Lastenräder

In der Box, je tiefer desto besser sind die Kinder auch bei Unfällen gut und besser geschützt. Es ist zwar nett, wenn die Kleinen und Größeren besser über den Rand rausschauen können. Aber eine hohe, nicht kantige, nicht harte Ladekante fängt auch seitliche Stöße auf der Cargobikes und Lastenräder auf.

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Cargobikes sind vor allem für Familien immer attraktiver geworden.

Als Material der Wahl für die schützende Box setzen viele Hersteller auf EPP, expandiertes Polypropylen, sozusagen die robustere Schwester von Styropor (EPS). Es ist leicht, wasserundurchlässig, isolierend, besitzt eine hohe Rückstellkraft (Eindrücke verschwinden wieder), ist trotzdem fest, stoßabsorbierend sowie ansprechend und funktional formbar. Manchmal kommt auch Holz (Bambus) oder schlichter Kunststoff zum Einsatz.

Tern GSD S00: Genialer Multi-Transporter

Die Boxen für Cargobikes und Lastenräder sind zum Beispiel aus Holz, Kunststoff oder Glasfaser-Verbünden (GFK). Ein großer Vorteil dieser Long-John-Räder ist der tiefe und damit stabile Schwerpunkt. Allerdings benötigen sie auch viel Platz im Fahrradkeller.

Preise der Cargobikes und Lastenräder

Die Preise für Cargobikes und Lastenräder variieren stark. Die günstigsten Modelle sind bereits ab 1000 Euro zu haben. Wer hingegen ein hochwertiges Rad mit leistungsstarkem E-Antrieb bevorzugt, startet bei etwa 4000 Euro.

Eine umfangreiche Marktübersicht bieten beispielsweise unser E-Bike Kaufberater 2021 sowie Lastenrad-Test 2021 aus der Radfahren Ausgabe 3/2021.

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Lastenrad ohne Motor? Warum nicht?

Die unmotorisierten Cargobikes und Lastenräder setzen als Beschleuniger auf sportliches Leichtgewicht und Leichtlauf. Auch sehr attraktive Attribute.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass sich einige der E-Bikes auch ohne Motor immer noch einigermaßen gut fahren lassen. Das zählt, wenn man über die Unterstützungsgrenze kommt oder der Akku doch früher leer sein sollte. Dem beugen einige Hersteller übrigens mit einem Doppelakku-System, das die Reichweite verdoppelt, vor.

Förderung für Unternehmen: Eine Übersicht

Seit März 2021 ist ein Förderprogramm in Kraft getreten, das Unternehmen beim Einführen des klimafreundlichen Transportes mit E-Lastenrädern weiter unterstützt.  Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und der kommunale Bereich können von der Prämie im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des BMU profitieren. Diese Prämie betrifft speziell kleineren Lieferbikes und Mikro-Depots, die in der zukünftigen Logistik sowie im Alltagsverkehr ihren Beitrag leisten sollen.

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Das Kettler Familiano L-N.

In Frage kommen für die Förderung: E-Cargobikes, E-Lastenfahrradanhänger und Mikro-Depots. Die zu erfüllenden Anforderungen sind jeweils eine Nutzlast von mindestens 120 Kilogramm, die Transportmöglichkeit muss unlösbar verbunden sein und das Gefährt muss serienmäßig und fabrikneu sein.

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Die Förderhöhe beträgt bis zu 25 Prozent der Anschaffungskosten oder maximal 2500 Euro für Lastenfahrräder bzw. – anhänger. Oder: Bis zu 40 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben oder maximal 20000 Euro für das Mikro-Depot.

Übersicht über die Antragssteller

Den Antrag stellen können folgende Personen und Gruppierungen: Private Unternehmen unabhängig von ihrer Rechtsform (einschließlich Genossenschaften) und der Art ihrer Tätigkeit (einschließlich freiberuflich Tätigen), Unternehmen mit kommunaler Beteiligung, Kommunen (Städte, Gemeinden, Landkreise), Körperschaften / Anstalten des öffentlichen Rechts (z.B. Hochschulen), Rechtsfähige Vereine und Verbände.

Der Antrag für die Förderung von E-Lastenfahrrädern für den fahrradgebundenen Lastenverkehr in der Wirtschaft und in Kommunen kann über ein elektronisches Antragsformular bei der Bewilligungsbehörde (BAFA) gestellt werden.

Lastenrad Förderung für Privatpersonen: Eine Übersicht

Mittlerweile gibt es in fast jeder deutschen Großstadt eine Lastenrad-Förderung. Das Gute: Immer mehr Städte schließen sich dieser Entwicklung an. Geregelt werden die Förderungen auf Landes- sowie Kommunalebene. Eine Übersicht hierzu finden Sie hier.

Wer einen Antrag stellt, kann mit einer Fördersumme zwischen 500 Euro und 1000 Euro rechnen. Neben Deutschland existiert auch eine Vielzahl an Förderprogrammen in Österreich und der Schweiz.

Cargobike Förderung: Blick auf Baden-Württemberg und München

In Baden-Württemberg steht seit Juni 2020 beispielsweise ein Fördervolumen von insgesamt 500000 Euro zur Verfügung. Unterstützt werden private Cargobikes und Lastenräder mit Pedelec E-Antrieb (auch S-Pedelec) mit maximal 500 Euro. Förderberechtigt sind alle E-Zweiräder und Pedelecs. Das Besondere an diesem Programm ist der Förderkreis: 15 bis 21-jährige junge Erwachsene mit Hauptwohnsitz im ländlichen Raum.

Auf kommunaler Ebene können seit Januar 2020 in München Privatpersonen, Unternehmen, gemeinnützige Organisationen und Wohnungseigentümergemeinschaften eine Lastenrad-Förderung mit 25m Prozent der Nettokosten bis maximal 1000 Euro erhalten. Inkludiert sind zwei- als auch dreirädrige Elektroleichtfahrzeuge und Lastenpedelecs. Beratungsleistungen für Elektromobilität werden mit 80 Prozent bis höchstens 6000 Euro durch die Stadt München gefördert.

Lastenrad-Förderprogramm der Aktion Mensch

Die Aktion Mensch unterstützt seit Mai 2021 mit dem „Förderprogramm Barrierefreiheit für alle“ die Mobilität von Menschen mit Behinderung, Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten sowie Kindern und Jugendlichen.

Eines der Förder-Modelle ist die Mikroförderung, welche sich für vielfältige, lokale Projektideen, die klein und niederschwellig sind eignet. Die Eckdaten lauten: Maximaler Zuschuss von 5000 Euro, keine Eigenmittel notwendig, Laufzeit bis zu einem Jahr.
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Das Winther Kangaroo Luxe.

Weiter gibt es eine Projektförderung für Barrierefreiheit. Zeitlich befristete, größere Vorhaben mit dem Ziel, die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung, Kinder und Jugendliche oder Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten langfristig zu verbessern sollen. Hier beläuft sich der maximale Zuschuss auf 350000 Euro. Eigenmittel von mindestens zehn der förderfähigen Kosten. Laufzeit bis zu fünf Jahre.

Rechtliche Rahmenbedingungen der Cargobikes und Lastenräder

Rechtlich gelten Cargobikes und Lastenräder ohne oder mit Tretunterstützung bis maximal 25 km/h als Fahrräder. Wer mit dem Lastenrad unterwegs ist, hat also die gleichen Rechte und Pflichten wie ein Radfahrer.

Lastenradler müssen bei entsprechender Ausschilderung den Radweg benutzen. Sie dürfen nur dann auf die Fahrbahn ausweichen, wenn es unzumutbar ist, auf dem Radweg zu fahren – zum Beispiel, wenn dieser für das jeweilige Lastenrad nicht breit genug ist. Ansonsten droht ein Bußgeld ab 20 Euro.

E-Lastenräder: So lief das Pilotprojekt auf Spiekeroog

Anders als Fahrräder dürfen Cargobikes und Lastenräder auch auf der Fahrbahn geparkt werden. Wer das Lastenrad auf dem Gehweg parkt oder dort hält, darf damit keine Fußgänger behindern. Das heißt, der Gehweg muss genauso genutzt werden können wie ohne abgestellte Räder. Ladezonen zum Be- und Entladen dürfen Lastenradler ebenso wie Kraftfahrzeugführer nutzen, um zügig schwere Gegenstände auf- und abzuladen.

Lastenräder – nicht nur was für Lifestylehipster

Ein Kommentar von Radfahren und ElektroRad Redaktionsleiter Stephan Kümmel:
Wow: Ein Fahrradthema bestimmt über mehrere Tage die öffentliche Debatte im Wahlkampf. Das ist neu. Ich werte es als Fingerzeig, dass ohne das Fahrrad, in welcher Form auch immer, die Verkehrspolitik der Zukunft nicht mehr funktionieren wird. Im Fokus der Debatte steht das Lastenrad. Es ist ein Baustein, der das Aussehen unserer Städte und Gemeinden verändern kann. Es ist ein Transportmittel für (fast) alle.

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Radfahren und ElektroRad Redaktionsleiter Stephan Kümmel hat eine klare Meinung zu Lastenrädern und der Verkehrspolitik in Deutschland ansich.

Ich reibe mir immer wieder verwundert die Augen, mit wie viel Halbwissen über Verkehrsthemen diskutiert wird. Autoarme Innenstädte ließen diese veröden, heißt es da. Das ist seit Jahren widerlegt! 

Mehr Fahrspuren sorgen für weniger Staus – auch das ist ein urbanes Märchen, dass schon in den 1960er Jahren enttarnt worden ist.

Derzeit laufen viele gegen den Vorschlag der Grünen Sturm, den Kauf eines Lastenrads bundeseinheitlich mit 1000 Euro zu fördern. Damit würde das einfache Leben gut betuchter Hipster in Innenstädten subventioniert, nicht aber das der breiten Masse. Das ist schlicht falsch. Denn einige Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen liebäugeln ernsthaft mit dem Kauf eines solchen Rads. Die Vorteile liegen ja auf der Hand: Geringe Kosten, viel Stauraum, keine Parkplatzsorgen, nicht zuletzt auch geringere Auswirkungen auf die Umwelt als ein Auto – ob nun E oder Verbrenner.

Cargobikes keine Randerscheinung

Die Attraktivität von Lastenrädern zeigt sich auch an den Verkaufszahlen. 2020 registrierte der Zweirad Industrie Verband (ZIV) erstmals mehr als 100.000 verkaufte Lastenräder in Deutschland. 2016 waren es gerade einmal etwas mehr als 15.000. Wir reden hier nicht über eine Randerscheinung. Wir reden inzwischen über ein Massentransportmittel. Dessen Nutzer pauschal als „Öko-Spinner“ oder gar als „Fahrrad-Taliban“ zu bezeichnen, geht an der Realität meilenweit vorbei.

Das Lastenrad hat enormes Potenzial, nicht nur in Städten. Denn ein erheblicher Teil der täglich mit dem Auto zurückgelegten Wege sind kürzer als fünf Kilometer. Selbst abseits der Ballungsräume haben die allermeisten Menschen Zugang zu den alltäglichen Dingen im direkten Umkreis kleiner dieser fünf Kilometer. Gerade einmal 15 Prozent der Menschen hierzulande leben in Dörfern kleiner 5000 Einwohner. Und selbst darunter werden sich viele finden, die zumindest einige ihrer täglichen Wege auch ohne Auto, dafür mit Lastenrad zurücklegen können.

Geforderte Fördersumme weiterhin überschaubar

Auch die von den Grünen geforderte Summe von einer Milliarde Euro ist vergleichsweise überschaubar. Verstehen Sie mich nicht falsch: Eine Milliarde ist eine verdammt große Summe. 50 Milliarden allerdings kostet uns der motorisierte Individualverkehr – also Autos. Vielleicht sparen wir da einfach zwei Prozent ein, schon ist die Lastenradförderung gegenfinanziert.

Dass nun zahlreiche Politiker diese Förderung ins Lächerliche ziehen, so etwa der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, macht mich obendrein fassungslos. Denn es gibt diese Förderungen schon. Cargobike.jetzt etwa zählt mehr als 100 Förderprogramme in allen Bundesländern Deutschlands und Österreichs auf. Beteiligt daran sind Regierungen, ob auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene, an denen alle demokratischen auch im Bundestag vertretenen Parteien beteiligt sind. Alle!

Fazit: Lastenrad wird ernsthafte Alternative sein

Und damit kommen wir zum Fazit: Die Riesenwelle, die vor allem von konservativer Seite gerade über den Lastenrad-Debatte hereinbricht, ist ausgelöst von einem lauen Wahlkampf-Lüftchen. Denn wenn wir alle Fakten zusammenpacken, wird sich das Lastenrad als ernsthafte Alternative für den Warentransport in Städten, aber auch als Einkaufs- und Kinderwagen auf dem Land durchsetzen.

Die Politik kann sich entscheiden, ob sie das aktiv unterstützen will – für mehr Lebensqualität im öffentlichen Raum, gesundere Menschen und eine sauberere Umwelt – oder ob sie all dies ablehnt für das Primat des Autos, dessen Zeit ohnehin langfristig abgelaufen ist.

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