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Heilige Corona, Tagestour, Radtour, Radfahren

Die Heilige Corona: Mit dem Fahrrad auf Entdeckungstour

Eine Fahrradtour zur Heiligen Corona

Die Heilige Corona: Mit dem Fahrrad auf Entdeckungstour

Südlich von München erfreut sich eine kleine Kapelle einer besonderen Widmung: Die der Heiligen Corona. Eine dortige Rast auf einer Tagestour lohnt sich allemal.
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„Müder Radler stehe still, mach bei Sankt Corona Rast!“

Nach gut 50 Kilometern auf unseren Gravelbikes eine gute Idee, was die Tafel auf der Stirnseite der Kapelle rät, die wir soeben erreicht haben: Rast bei der Heiligen Corona.

Heilige Corona südlich von München

Zugegeben, da steht eigentlich „müder Wanderer“. Aber wir sind nun mal mit dem Radl da. Und erstaunlich viele andere Radler/innen sind an diesem schönen Herbst-Sonntag auf der kleinen Straße durch den Wald zwischen Gumpertsham und Arget südlich von München unterwegs – doch keine/r macht bei Sankt Corona Rast.

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Eine Radl-Wallfahrt nach Gumpertsham – zur einer der neun der Heiligen Corona geweihten Kirchen in Deutschland.

Haben die alle keine Sorgen? Denn der Rat an der Corona-Kapelle geht weiter: „Dich im Gebet ihr fromm empfiehl, wenn Du manch Kummer und Sorgen hast.“ Aber vermutlich wissen die meisten Vorbei-Radler/innen nicht, dass die eher unscheinbare Kapelle der Heiligen Corona gewidmet ist.

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Und vielleicht wissen sie ja nicht mal, dass es überhaupt eine Heilige Corona gibt. Immerhin ist der Name der Märtyrerin seit Jahresbeginn eher als Bezeichnung für einen Virus bekannt – der vielen von uns durchaus „manch Kummer und Sorgen“ bereitet.

Kapelle und Kerzen

Damit uns Kummer und Sorgen erspart bleiben, zumindest in Sachen Covid-19, haben wir vorsichtshalber mal eine Kerze im Vorraum der Kapelle angezündet – wo schon zahlreiche andere brennende Kerzen davon zeugen, dass man wieder verstärkt auf die Fürsprache der Heiligen Corona vertraut.

Laut einem ausliegenden Faltblatt ist sie die Patronin der Metzger und Schatzgräber, zudem zuständig in Geldsachen, sowie bei Krankheiten und Seuchen. Ein Zufall aber auch…

Eine Kerze schadet also sicher nix, und kann vielleicht zumindest die Psyche stärken, im Kampf gegen den C-Virus. Maske und Abstand bleiben natürlich obligatorisch – wie vorbildlich zwei fromme Wanderer demonstrieren, die nun an der Kapelle ankommen, die Kerzen bereits in der Hand.

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Schnell die Maske aus dem Rucksack gezupft, und Platz gemacht in dem engen Vorraum; die eigentliche Kapelle mit einem schönen Altarbild der Hl Corona aus dem 18. Jahrhundert ist leider nicht zugänglich.

Heilige Corona: Eine Spurensuche

Wer war die Heilige Corona nun eigentlich? Es gibt verschiedene Quellen: Eine Märtyrerin, die im zweiten oder dritten Jahrhundert nach Christus in Damaskus in Syrien oder in Alexandria in Ägypten lebte, und gerade mal 16 Jahre alt wurde. Sie musste zusehen, wie der spätere Heilige Victor wegen seines christlichen Glaubens gefoltert und umgebracht wurde.

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Die Wald-Kapelle wurde schnell zu einem beliebten Ziel von Wallfahrten.

Dabei hatte das Mädchen eine Erleuchtung: Kronen schwebten vom Himmel hernieder (daher ihr Name, lateinisch für Krone), auf Victor und auf sie – und so bekannte nun auch sie ihren Glauben.

Die Folge: Sie wurde gleichfalls zum Tod verurteilt. Vollstreckt wurde nach einer besonders grausamen Methode: Man ließ Corona zwischen zwei herabgebogenen Palmen festbinden, die dann auseinander schnellten, und ihren Körper in Stücke rissen. Auf vielen Bildern wird sie daher mit zwei Palmen dargestellt.

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Vor allem in Bayern und Österreich wurde die Heilige Corona insbesondere im Mittelalter verehrt,  Reliquien der Märtyrerin werden seit dem 10. Jahrhundert im Dom von Aachen aufbewahrt.

Das Blei-Reliquar mit einigen Knochen der Hl Corona, aber auch des Hl Victor (wie Untersuchungen in den 80er Jahren ergaben), wurde erst kürzlich restauriert, und soll Mittelpunkt einer St-Corona-Ausstellung werden, die das Bistum im kommenden Jahr eröffnen will.

Der Weg in den Gumpertshamer Wald

Wie aber kam Sankt Corona in den Gumpertshamer Wald?

Der Legende nach fand dort im Jahr 1599 ein Ehepaar ein Heiligenbild und nahm es mit nach Hause. Auf wundersame Weise gelangte das Holzbild jedoch immer wieder zurück an den Fundort, so dass man dort auf Initiative des Pfarrers von Arget 1648 mit dem Bau der Kapelle begann, die 1671 geweiht wurde.

Wallfahrt und Ausgelassenheit

Die Wald-Kapelle war schnell ein recht beliebtes Ziel von Wallfahrten – allerdings offensichtlich nicht nur das…

Man mag angesichts der derzeitigen Diskussionen um die richtige Bekämpfung der Pandemie kaum glauben, was der Argeter Pfarrer um 1800 über die Zustände rund um die Kapelle notierte, vor allem an Kirchweih: „Die Jungen trinken, tanzen und springen, raufen und schlagen.“

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Die Kapelle wurde 1820 wieder aufgebaut, nachdem sie 13 Jahre zuvor wegen „unchristlicher Umtriebe“ abgerissen worden war.

1807 ließ er die Kapelle abreißen, da sie durch diese Umstände entweiht sei; die Steine soll der Wirt von Arget für seinen neuen Schweinestall verwendet haben. Das hat ihm wohl die Hl Corona übel genommen: Die Schweine sollen immer wieder krank geworden sein, etliche verendeten.

Wiederaufbau der Kapelle

Und auch die Argeter bekamen bald ein schlechtes Gewissen der Heiligen gegenüber: Schon 1820 wurde die Kapelle wieder aufgebaut, der Wirt rückte freiwillig die alten Steine raus.

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So steht die Kapelle der Heiligen Corona heute noch recht rüstig (die letzte Renovierung liegt immerhin schon über 30 Jahre zurück) im derzeit herbstlich bunten Laubwald bei Gumpertsham, und erfreut sich vor allem seit einigen Berichten in diversen Lokal-Medien im Frühjahr wieder neuer Beliebtheit.

Bleibt zu hoffen, dass der Seuchenzug, der die Welt seit Jahresbeginn heimsucht, so allmählich mal vorübergeht – ob mit oder ohne Hilfe der Heiligen Corona. Wer auf ihre Fürsprache vertraut, kann übrigens in acht weiteren ihr geweihten Kirchen und Kapellen in Bayern eine Kerze anzünden – vielleicht ja verbunden mit einer Rast auf einer kleinen Radl-Runde… 

Die Radl-Wallfahrt zur Hl Corona im Gumpertshamer Wald:
München-Pasing – Neuried – Forstenrieder Park – Schorn – Kloster Schäftlarn – Deining – Eulenschwang – Gumpertsham – Arget – Altkirchen – Dingharting – Grünwald – Solln – Hadern – Pasing (87 km, 890 hm)

Weitere der Hl Corona geweihte Kirchen und Kapellen in Bayern:
Unterzarnham/ Unterreit (Landkreis Mühldorf, Oberbayern)
Handlab/ Iggensbach (Lk. Deggendorf, Niederbayern)
Patriching/ Passau
Koppenwall/ Pfeffenhausen (Lk. Landshut, Niederbayern)
Bubach/ Mamming (Lk. Dingolfing, Niederbayern)
Staudach/ Massing (Lk. Rottal/ Inn)
Altenkirchen/ Frontenhausen (Lk. Dingolfing)
Niederaich/ Pleiskirchen (Lk. Altötting)

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