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Verkehrswende, Task Force, Radfahren, Reutlingen

Reutlingen: Eine Großstadt gestaltet die Verkehrswende

Task Force Radverkehr: Reutlingen plant die Verkehrswende

Reutlingen: Eine Großstadt gestaltet die Verkehrswende

In Reutlingen treibt eine Task Force bereits seit September 2019 die Verkehrswende voran und kümmert sich um alle Belange des Radverkehrs der Stadt in der Neckar-Alb-Region. Und hat damit schon vor der Corona-Krise nachhaltig die Weichen Richtung Fahrrad-City gestellt.
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Angekündigt hatte es der SPD-Politiker Thomas Keck bereits im Wahlkampf: Die Verbesserung des Radverkehrs und die Verkehrswende in Reutlingen liege ihm am Herzen. Nach seiner Wahl zum Oberbürgermeister im Februar 2019 ließ er ein gutes Halbjahr später Taten folgen und hob die Task Force Radverkehr aus der Taufe.

Verkehrswende in Reutlingen

Ein bisher fünfköpfiges Kompetenzteam aus Ämtern für Stadtentwicklung und Vermessung, für öffentliche Ordnung und Tiefbau, Grünflächen und Umwelt. Geleitet von Philipp Riethmüller, einem aktiven Radfahrer, der sich in Reutlingen auch mit dem Auto fortbewegt.

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„Dienstleistungs- und Arbeitsmarktzentrum im Landkreis, großes Bosch-Werk, Einkaufsziel für umliegende Kleinstädte und Gemeinden“, so fasst der 37-Jährige Reutlingen zusammen. Und skizziert damit bereits die Notwendigkeit einer Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur.

Verkehrswende, Task Force, Radfahren, Reutlingen

Fahrradfahren soll in Reutlingen zukünftig noch komfortabler werden.

Task Force Radverkehr

Zum Start der Task Force habe er noch nicht genau gewusst, wohin die Reise gehen würde. Knapp acht Monate später liegt dem Bauausschuss ein ausgearbeitetes Maßnahmenpaket zur Förderung des Radverkehrs vor, das den Ausbau von fünf Routen im Stadtkern beinhaltet. Anvisierte Fertigstellung: Bereits Ende 2022.

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„Neben Infrastrukturmaßnahmen planen wir flächendeckende Radabstellanlagen und Servicestationen“, so Riethmüller, der mit jeder Faser seines Körpers überzeugt sei, dass dieser Weg der richtige für die Großstadt am Rande der Schwäbischen Alb mit seinen knapp 116.000 Einwohnern ist.

Das Fahrrad müsse fortan bei sämtlichen Baumaßnahmen mitgedacht werden. Nicht zuletzt durch die Unterstützung des Oberbürgermeisters nehme er diesbezüglich auch einen Mentalitätswandel innerhalb der Verwaltung wahr.

Politik, Verwaltung und Radfahrer im Dialog

Mit Fahrradverbänden trifft sich die Projektgruppe alle vier Wochen, Radfahrer mit jahrzehntelanger „Reutlingen-Erfahrungen“ sitzen ebenfalls mit am Tisch. „Der Dialog ist wichtig, um alle Seiten mitzunehmen“, sagt Riethmüller, der in seiner Task Force auch das Bindeglied für gegenseitiges Verständnis zwischen Radfahrern sowie der Politik und Verwaltung sieht.

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Oberbürgermeister Thomas Keck (links) und der Leiter der Task Force Radverkehr Philipp Riethmüller (rechts).

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Ein entscheidende Erfolgsfaktor sei das „enge Vertrauensverhältnis“ zum Oberbürgermeister. „Die Verwaltungsspitze muss hinter so einem Projekt stehen“, erklärt Riethmüller, der überzeugt davon ist, dass sich in den kommenden zehn Jahren „richtig was verändern“ wird.

Radwegkonzept für Reutlingen

Die Anbindung der zwölf Stadtbezirke mit einem durchdachten Radwegkonzept für die Beschleunigung der Verkehrswende zum Beispiel. Oder der bereits von der Landesregierung bis 2025 geplante Radschnellweg ins 15 Kilometer entfernte Tübingen.

Wenn es die knapp bemessene Freizeit von Oberbürgermeister Thomas Keck zulässt, ist der 57-Jährige selbst mit dem Fahrrad durch seine Heimatstadt unterwegs. „Ich habe das Glück in einer wunderbaren Region zu leben, die sich sehr gut mit dem Fahrrad erschließen und erleben lässt“, so der zweifache Familienvater.

Oberbürgermeister Keck lobt Projektgruppe

Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern zum Thema Radverkehr leitet er stets direkt an die Task Force weiter. Über alle aktuellen Maßnahmen hält ihn Riethmüller auf dem Laufenden. „Das Team hat so viele gute eigene Ideen, dass sie auf meinen Rat nicht angewiesen sind“, betont Keck und bekräftigt auch seinerseits die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Projektgruppe.

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Die Werbefigur der Kampagne „Reutlingen radelt!“

Angesprochen auf die langfristigen Ziele über 2022 hinaus, soll der Anteil des Radverkehrs am Modal Split (Verkehrsmittelwahl) von heute 15 auf 25 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts gesteigert werden.

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Ob Reutlingen ein Paradebeispiel für andere Städte und Kommunen sein kann, wie eine erfolgreiche Verkehrswende in die Wege geleitet wird? Kecks gegenwärtiger Eindruck ist, dass sich in den meisten deutschen Städten die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass nach Jahrzehnten der Planung an der autogerechten Stadt, in Zukunft umweltfreundlichere und platzsparendere Verkehrsarten im Fokus stehen müssen.

Verkehrswende durch Fahrrad

Eine maßgebliche Rolle dabei spielt: das Fahrrad.

„Das Tempo, in dem einzelne Städte diesen Wandel vollziehen, ist sehr unterschiedlich“, beobachtet er. Die Gründe dafür sieht er in erster Linie im Willen der politischen Entscheidungsträger sowie der Verwaltungsspitze.

„Wenn man sich da einig ist, wohin die Reise gehen soll und dabei die Bürgerinnen und Bürger mit ins Boot holt, kann man vieles bewegen“, beschreibt Keck abschließend das Reutlinger Erfolgsrezept für eine nachhaltige Weichenstellung Richtung Fahrrad-Stadt.

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