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Autowerbung in Frankreich muss Alternativen zeigen

Autohersteller werben fürs Radfahren

Autowerbung in Frankreich muss Alternativen zeigen

In Frankreich gelten künftig neue Regelungen für Autowerbung. So muss auf Plakaten und in Werbeclips über umweltfreundlicheres Verhalten aufgeklärt werden, auch dürfen Pkw nur in realistischem Setting gezeigt werden. Eine Erklärung plus Kommentar unserer Redaktionsleitung Johanna Nimrich.
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Sämtliche Werbeformen für Autos müssen ab März 2022 Hinweise auf umweltfreundliche Transportmittel enthalten, beispielsweise auf öffentliche Verkehrsmittel, Carsharing, Radfahren oder Zu-Fuß-Gehen hinweisen. Ganze sieben Prozent der Werbefläche müssen für diese Ergänzungen Platz bekommen – ähnlich wie Warnhinweise auf Tabakwaren sowie stark zuckerhaltige Lebensmittel.

Autowerbung stärker reglementiert

Außerdem gibt es Regeln für die Darstellung selbst. Pkw sollen künftig nur in ihrer natürlichen Umgebung gezeigt werden; überall dort, wo man fahren darf und realistischerweise auch fahren kann. Damit ist vor allem befestigter Untergrund gemeint. Wildes Cruisen über Wüstensand, Blumenwiesen oder Gletscher ist also nicht mehr erlaubt. Ein Hinweis auf die CO2-Emmissionsklasse sowie der Hashtag #SeDeplacerMointsPolluer (deutsch: „Sich bewegen und weniger Verschmutzen“) sind ebenfalls Pflicht.

Autohersteller, die sich nicht an die neuen Regeln halten, müssen mit harten Bußgeldern bis zu 50.000 Euro rechnen. Die französische Regierung möchte mit dem neuen Gesetz einen Beitrag zur Verkehrswende hin zu umweltfreundlichen Verkehrsmitteln leisten.

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„Achtung, Autofahren schadet!“

Ein Kommentar von Redaktionsleitung Johanna Nimrich

In Frankreich gelten generell strenge Regeln für Werbung. Ob stark zucker- oder fetthaltige Lebensmittel, alkoholische Getränke oder Tabak – Warnhinweise zur Schädlichkeit des jeweiligen Produktes sind Pflicht. Dies soll nun ab März 2022 auch für Autowerbung gelten. Die Hersteller dürfen dabei zwischen drei Slogans wählen, die in der Werbung enthalten sein müssen. Sie lauten übersetzt etwa „Ziehen Sie Fahrgemeinschaften in Betracht.“, „Nehmen Sie für den täglichen Gebrauch öffentliche Verkehrsmittel.“ und „Gehen Sie kurze Strecken zu Fuß oder fahren Sie mit dem Fahrrad.“.

Die Parallelen zur Tabakwerbung sind offensichtlich und in der Tat haben Rauchen und Autofahren einiges gemein, sie schaden passiv und aktiv, dem Individuum und der Gesellschaft: Wer im Alltag viel oder lange das Auto nutzt, bewegt sich wenig. Wer Autoverkehr regelmäßig ausgesetzt ist, atmet ungesunde Abgase und Feinstaub ein. Wie wäre es also, gesundheitsbezogene Warnhinweise in der Autowerbung noch auszuweiten? Abschreckende Fotos mit Unfallopfern wären geschmacklos. Aber schwarz umrandete Hinweise wie „Autofahren fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu“ oder „Autofahren kann tödlich sein“, wär das nicht was? Auch eine Möglichkeit wäre „Raser sterben früher“. Ob das helfen würde?

Allen, die den Pkw verteidigen wollen: Niemand will das Autofahren verbieten, weder die französische Regierung noch ich. Na klar gibt es Menschen, die aufs Auto angewiesen sind. Natürlich gibt es Situationen, wo der Pkw die beste Option ist. Doch seine grundsätzliche regelmäßige Nutzung während es interessante Alternativen gibt kann man aus meiner Sicht nicht oft genug in Frage stellen. Und daher werden wir auch künftig immer wieder die Großartigkeit des Fahrrads betonen. Oder wie man es auch ausdrücken könnte: „Ihr Arzt, Apotheker oder Radfahren.de können Ihnen dabei helfen, das Autofahren aufzugeben.“

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