Fahrradhelme für die Stadt: Sicher und stylisch unterwegs

Gut behütet: Fahrradhelme für die Stadt

Fahrradhelme für die Stadt: Sicher und stylisch unterwegs

Ein hochwertiger Fahrradhelm ist fürs Fahren in der Stadt unbedingt nötig, beschert seinem Träger essentielle Sicherheit und Sichtbarkeit. Wir haben 15 aktuelle Fahrradhelme praktisch getestet und zeigen deren Stärken und Schwächen auf.
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Abrupt im Nichts endende Radwege (wenn sie sich denn als solche bezeichnen lassen), dicht fließender Verkehr, wenig umsichtige Automobilisten oder ein schlechter Straßenbelag: Faktoren, die das Radfahren in der Stadt immer wieder durchaus zu einer Herausforderung machen, das Sturzrisiko selbst für routinierte Fahrer erhöhen können. Ein hochwertiger Radhelm bildet somit im Fall der Fälle die beste Versicherung gegen gravierende Kopfverletzungen und daraus resultierende, bleibende Schäden.

15 Fahrradhelme im Test: Bunt gemischt

Dass ein Helm mit effektivem Schutz seinen Träger nicht viel kosten muss, demonstriert Fischer eindrucksvoll mit dem sportiv gestylten Urban Plus mit 19 Belüftungsschlitzen für nur 60 Euro. Dafür bekommt man bereits ein umlaufendes Befestigungssystem, das Druckstellen vermeiden hilft, indem es den Druck gleichmäßig rund um den Kopf verteilt. Helme, wie die Modelle von Fischer, Uvex, Cratoni, Urge, Bell und Alpina setzen den Fokus auf geringes Gewicht und beste Belüftung. Qualitäten, die sie für den Einsatz auf der flotten morgendlichen Pendlerstrecke – bei der womöglich sogar ein paar schweißtreibende Höhenmeter überwunden sein wollen – prädestinieren. Zusätzlich lassen sich die erwähnten, sportiv gestylten Stadthelme locker mal bei der Rennrad- oder Gravel-Ausfahrt nutzen. So spart ein vielseitig genutzter Helm Geld und ist umweltfreundlicher.

Auf der anderen Seite des Testspektrums finden sich optisch gern etwas muskulösere, nochmals stabilere Fahrradhelme wie Bontragers Charge WaveCel oder Lazers Urbanize NTA. Sie lassen sich natürlich auf dem rein muskelbetriebenen Rad tragen; ihre massivere Konstruktion ist zudem aber mit der Norm NTA 8776 zertifiziert – und damit für das Fahren auch mit schnellen S-Pedelecs freigegeben. Die niederländische Zertifizierung NTA 8776 kennzeichnet also Fahrradhelme, die für die bis zu 45 km/h unterstützenden S-Pedelecs zugelassen sind. Dazu müssen die Helme im entsprechenden Labortest höheren Aufprallgeschwindigkeiten problemlos standhalten respektive die dabei entstehende Aufprallenergie in höherem Maße dämpfen, als dies bei einem „normalen“ Radhelm (konform zur Norm EN 1078) der Fall ist. Als Konsequenz daraus, setzen die Hersteller von NTA 8776 zertifizierten Helmen für nochmals höhere Stabilitätsreserven auf mehr Material, was Fabrikate wie den Bontrager Charge WaveCel mit 463 g schwerer macht als einen sportiven Luftikus à la Uvex.

Umfangreiches Testprozedere

Um die jeweiligen Eigenschaften und Qualitäten der 15 Testprobanden en détail herauszuarbeiten, wurden diese in sechs zentralen Aspekten miteinander verglichen: Nach der Anprobe und dem Fahrtest auf Asphalt und kurzen Schotter-/Feldweg-Intermezzi wurden die gewonnenen Erkenntnisse hinsichtlich Anpassbarkeit (Gewichtung: 15 Prozent), Tragekomfort (25 Prozent), Belüftung (15 Prozent), Halt (= Stirnabstreiftest, 15 Prozent), Details (20 Prozent) und Gewicht (10 Prozent) bewertet.

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Elementar für den Komfort: gute Anpassbarkeit

Essentiell für den Tragekomfort eines Helms ist dessen optimale Anpassbarkeit an den eigenen Kopf. Hilfreich ist es daher, wenn der Wunschhelm in möglichst vielen Größen verfügbar ist, die ein breites Größenspektrum abdecken. Drei Helmgrößen bieten im Test Alpina, Bollé, HJC, Bontrager, Electra, Met und Lazer feil, wobei Electra mit 48 bis 61 cm die breiteste Größenabdeckung parat hält. Darauf folgen Bontrager, HJC, Alpina und Met. Radfahrer mit kleinem Kopfumfang sollten den Electra genauer ins Auge fassen, solche mit besonders großem Kopf den Met respektive die Helme von Bontrager, HJC, Urge und Alpina (je bis 63 cm Kopfumfang). Recht überschaubar ist die Größenvarianz bei Rudy Project sowie Nutcase. Auf den eigenen Kopfumfang justiert man (fast) alle Helme per Verstellrad am Nackenhalter. Die Ausnahme stellt der HJC dar, dessen Nackenhalter sich automatisch an den Träger anpasst. Eine praktikable, weil gut funktionierende Alternative. Super präzise und daher besonders positiv bewertet ist das in kleinen Schritten justierbare BOA-Verstellsystem am Bontrager- und Ked-Helm.

Vorteilhaft ist eine Höhenverstellung im Nacken: Über sie passt man das Justagesystem der eigenen Kopfform an. Ein den Tragekomfort tendenziell erhöhender Pluspunkt, mit dem die Fahrradhelme von Electra, Bontrager, Lazer, Uvex, Alpina, Ked und Rudy Project aufwarten. Besonders leichtgängig: die Klick-Höhenjustage am Alpina, Uvex, Lazer und Bontrager.

Sichere Ausrichtung und finale Fixierung des Helms mittels Y-Riemen unterm Ohr und Gurtband gelangen bei allen Modellen sehr gut und fix. Ein Pluspunkt sind fixierbare Y-Riemen, die sich in ihrer Position nicht verstellen können. Vorfixierte und nicht variable Y-Riemen finden sich am HJC. Funktionell kein Problem, solange die edlen Lederriemen in ihrer Position nicht am Ohr stören. Deshalb: Helm im Laden anprobieren!

Stichwort Gurtband und Verschluss: Auch, wenn die immer noch häufig eingesetzten Klickverschlüsse (Bsp.: Urge, Bollé, etc.) tadellos funktionieren, bleibt festzuhalten, dass Fidlock-Magnetverschlüsse (Electra, Bontrager, Lazer, Met, Nutcase, HJC & Ked) verblüffend leichtgängig schließen. Noch etwas mehr Bedienkomfort erwirbt man mit Ratschenverschlüssen (Bsp.: Uvex, Alpina, Fischer), die sich während langer, langsamer Anstiege rasch um ein paar Rastpunkte lockern lassen.

Sicherheit auf dem Trail: MTB-Helme im Test

Tragekomfort für dauerhaften Fahrspaß

Eine wichtige Einflussgröße für den Tragekomfort eines City/Urban-Helmes bilden großflächige, qualitativ hochwertige Polster, wie sie etwa Ked, Bontrager oder Cratoni verbauen. Sie allein sind indes noch keine Garanten für besten Tragekomfort: Über diesen entscheidet letztlich ganz stark eine, von möglichst vielen Fahrern als gelungen empfundene, Passform. Störende, punktuelle Druckstellen an Stirn und Hinterkopf ließen sich im Test – abhängig von der Kopfform (!) – am Ked- und Electra-Helm ausmachen. Hier passt die Helmformgebung nicht immer optimal zu jedem Kopf. Ein Umstand, dem auch beim Met die Stirn-Druckstellen geschuldet sind. Beim Go! Mips von Electra reibt der Hinterkopf teils unangenehm an der unbequemen Mips-Kunststoff-Folie. Ganz anders hingegen die Komfort-Könner Uvex, Alpina, HJC und Cratoni, die mit leichtem, druckfreiem Tragegefühl glänzen.

Da letztlich nur der Helm getragen wird, der dauerhaft komfortabel ist, ist die Anprobe mehrerer (Wunsch-)Modelle im Radladen unerlässlich. Idealerweise nimmt man dazu seine Radbrille mit, um zu testen, ob diese platztechnisch auch optimal zum Wunschhelm passt und nicht etwa die tief heruntergezogene Helmunterseite unangenehm auf die Brille drückt.

Her mit der frischen Luft!

Gefördert wird dies im Falle des Uvex-, Alpina- und Cratoni-Helms in Form einer formidablen Belüftung im Stirn-/Nackenbereich. Hier machen sich die zahlreichen ausgeklügelten Lufteinlässe sehr positiv bemerkbar. Etwas wärmer wird der Kopf bei intensiver Belastung unter den Helmen von Lazer, Bontrager, Electra und HJC – der Tribut an eine teils tief heruntergezogene, massivere Kon­struktion, die weniger aufwändig belüftet wird.

Sicherheitsrelevante Details

Formschön ins Helmdesign integriert sich das LED-Rücklicht am Ked. Es verfügt über Normal- und Blickmodus und wird via Mini-USB-Port geladen.

Zusätzlich zum hellen Rücklicht integriert Alpina für top Sichtbarkeit am Haga LED stylische Front-/Rücklicht-LEDs in Helm-Oberseite wie -rückseite.

Auch am Urge STrail optimieren Reflektoren die Sichtbarkeit des Radlers bei Dunkelheit.

In Gestalt einer gelben Kunst­stofffolie kommt das Mips-System bei etlichen Herstellern zum Einsatz (hier: Uvex). Angebracht auf der Helminnen­seite, reduziert es im Sturzfall auftretende Scherbewegungen und damit Belastungen auf das Gehirn deutlich.

Großflächig auf der Innenseite des Bontrager-Helms integriert, soll die wabenähnliche WaveCel-Struktur die bei einem Sturz entstehende Aufprallenergie besonders effektiv absorbieren und dabei Scherkräfte aufnehmen.

Das großflächige, die Augen vor Fahrtwind und Staub effektiv schützende, Visier wird einfach und sicher per Magnet am Lazer-Helm fixiert.

Wünschenswert: geringes Gewicht und fester Halt

Ein leichter Helm ist grundsätzlich von Vorteil, nicht zuletzt auf längeren Cityfahrten: Er vermag den Tragekomfort nochmals zu steigern. Mit nur 274 g baut Cratoni das leichteste Modell, Bontrager mit 463 g das schwerste. Während leichte Testmodelle à la Cratoni mit luftigem Tragegefühl punkten, erfordern der Bontrager, Lazer (462 g) und Nutcase (448 g) eine kurze Gewöhnung ans höhere Gewicht. Ein Problem ist dieses aber nicht. Den händisch durchgeführten Stirnabstreiftest meisterten alle 15 Fahrradhelme sehr gut, garantieren so besten Halt. Lediglich der Electra lässt sich aufgrund des nicht perfekten Sitzes leicht aus seiner Position bringen.

Details: Licht und Reflektoren gefragt

Pluspunkte vergab die Redaktion in der Wertung Details etwa für ein am Helm verbautes Rücklicht und reflektierende Y-Riemen – beide steigern Sichtbarkeit und Sicherheit im Straßenverkehr bei Dunkelheit deutlich. Erfreulicherweise statten zehn Hersteller ihren Helm mit einem Rücklicht aus. Zwar verzichtet der HJC Calido Plus leider auf ein solches, gefällt aber mit der größten Detailtiefe im Test. Als Einziger wird er mit schützendem Transportbeutel geliefert.

Testergebnisse Fahrradhelme im Überblick

Für die komplette Ansicht bitte einmal durch die Bildergalerie klicken. Die Helme sind von günstig bis teuer sortiert.

 

 

 

 

Fahrradhelme im Test: Fazit

In der Gesamtschau fällt auf, dass sich alle 15 Fahrradhelme auf gutem bis sehr gutem Niveau bewegen, Ausreißer nach unten gibt es nicht. In Summe haben in besonderem Maß der prima tragbare Testsieger Uvex City I-Vo Mips, der Fischer Urban Plus als Preis-Leistungs-Tipp und der Cratoni Velo-X überzeugt, der sich eine Empfehlung verdient. Ihm folgt, knapp dahinter, Bells Avenue LED.

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