Bei der Aktion Radmesser wurde überprüft, wie eng Berliner Autofahrer Radfahrer überholen.
Radmesser

Aktion Radmesser zeigt: Autofahrer überholen Radfahrer zu eng

Aktion Radmesser: Autofahrer überholen Radfahrer viel zu nah

Die Aktion "Radmesser" vom Berliner Tagesspiegel hat zwei Monate lang ermittelt, wie eng Radfahrer von Autos überholt werden. Die ersten Ergebnisse.
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Radfahrer haben oft dieses unangenehme Gefühl, dass sie von Autos viel zu dicht überholt werden. Aber wie sieht die Realität aus? Zwei Monate lang waren 100 Berliner Radfahrer mit Abstandsmessern im Straßenverkehr unterwegs und ermittelten, wie viel Abstand Autofahrer beim Überholen wirklich einhalten.

Wie viel Abstand ist nötig?

Zunächst einmal: Wie viel Abstand wird eigentlich empfohlen? Autofahrer, die einen Radfahrer überholen müssen nach § 5, Absatz 4 der Straßenver­kehrs­ordnung einen Sicherheitsabstand einhalten. Da heißt es: „Wer zum Überholen ausscheren will, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung des nachfol­genden Verkehrs ausge­schlossen ist. Beim Überholen muss ein ausrei­chender Seiten­ab­stand zu anderen Verkehrs­teil­nehmern, insbe­sondere zu den zu Fuß Gehenden und zu den Rad Fahrenden, einge­halten werden.“

Eine genaue Meterangabe gibt das Gesetz leider nicht an, die Rechtsprechung in den letzten Jahren hat dies allerdings klar definiert: Beim Überholen eines Fahrrads muss der Autofahrer mindestens 1,5 Meter Abstand halten. Auch größere Abstände von etwa 2 Metern können geboten sein, zum Beispiel bei widrigen Straßen- oder Wetterbedingungen oder auch wenn ein Kind auf dem Fahrrad transportiert wird. Das Bußgeld bei zu engem Überholen liegt bei 30 Euro.

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Radmesser: Autofahrer überholen mit zu wenig Abstand

100 Berliner Radfahrer wurden für das Projekt Radmesser vom Berliner Tagesspiegel mit Abstandssensoren ausgestattet. Zwei Monate lang und auf insgesamt 13.300 km prüften sie, wie eng sie von Autofahrern überholt wurden. In der ersten Analyse wurden 16.700 Überholmanöver von Autos, aber auch LKWs, Bussen und Rollern ausgewertet. Dabei wurde 9402 mal zu eng überholt, das heißt mit einem Abstand von weniger als 1,5 Metern. 3019 mal hielten Autofahrer sogar weniger als einen Meter Abstand ein, was bereits als sehr gefährlich zu sehen ist. 192 Autofahrer gingen noch weiter bzw. dichter: Weniger als 50 Zentimeter Abstand hielten diese beim Überholmanöver ein und riskierten damit schwere Unfälle!

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Selbstbewusstes Fahren schützt

Die Aktion Radmesser zeigt deutlich, dass die Mehrheit der Autofahrer beim Überholen eines Fahrrads nicht ausreichend Abstand hält. Sie zeigt dank weiteren Daten auch, dass Radfahrer sich teilweise davor schützen können. In der Analyse wird nämlich klar: Wer nah an parkenden Autos vorbei fährt, wird ebenfalls dicht überholt. Wer selbstbewusst mittig auf der Fahrbahn fährt und selbst ausreichend Sicherheitsabstand zu parkenden Autos hält, wird beim Überholen mehr respektiert. Keinen Unterschied beim Überholvorgang machten hingegen das Tragen einer Warnweste, das Geschlecht oder das Alter.

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Umfrage für Berliner Radfahrer

Weitere Teilnehmer werden für die Aktion Radmesser erstmal nicht gesucht. Wer sich trotzdem einbringen will, kann an der Umfrage unter Berliner Radfahrern teilnehmen, die hier zu finden ist. Auch dabei geht es um das Thema Sicherheit und wo die Stadt Berlin beim Radverkehr Nachholbedarf hat. Umso mehr Menschen bei der Umfrage mitmachen, umso aussagekräftiger wird sie!

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