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Tiefeinsteiger sind für Männer und Frauen perfekt
Männer fahren Fahrräder für Frauen

Männer fahren gerne Fahrräder für Frauen

Männer fahren Fahrräder für Frauen

Dass ein Herrenrad stets ein Modell mit geradem oberen Rahmenrohr sein muss und die Damen nur Räder mit tiefen Durchstieg nutzen, bei denen Frau zum Aufsitzen kein Bein mehr über den Sattel schwingen muss, ist Schnee von gestern. Tiefeinsteiger sind für alle da!
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„Bei der Wahl der Rahmenform lässten sich nicht gleich auf das Geschlecht schließen“, weiß Rolf Lemberg, Geschäftsführer des Zweirad Industrie Verbandes (ZIV). „Vielmehr ist es eine Frage der Alterskategorien“, erklärt er. „Junge Frauen greifen ebenso selbstverständlich zum Mountainbike wie Männer. Die früher Damenräder genannten Tiefeinsteiger-Fahrräder werden heute von der Generation oberhalb von 50 Jahren gefahren.“ Auch von Männern der älteren Zielgruppe, bestätigt der nordrhein-westfälische Fahrradhersteller Kettler.

Grund dafür sind mit zunehmendem Alter eintretenden Bewegungseinschränkungen. Es ist halt deutlich einfacher, ein Bein über das niedrige Rahmenrohr zu heben, als es über den Gepäckträger auf die andere Seite zu schwingen. Experten meinen, dass die vermehrt zum Tiefeinsteiger greifende männliche Radel-Kundschaft auch Grund dafür ist, dass der Begriff Damenrad bald ausgedient hat. „Wir bezeichnen Tiefeinsteiger künftig nicht mehr als Damenrad, sondern wählen den Begriff ‚tiefe Rahmenform‘ . Bestimmt richtig, denn Männer können sich leichter mit dem Begriff „Unisex“-Rad anfreuden, als mit dem Gedanken, ein Damenrad zu fahren.

Tiefe Rahmenform auch für Familien interessant

Gerade beim Transport von Kindern im Kindersitz auf dem Gepäckträger, hat der tiefe Einstieg Vorzüge. Denn hier ist das Ein- und Aussteigen besonders leicht und ohne Gleichgewichtsprobleme schnell vollzogen – vor allem dann, wenn der Sprößling schon im Sitz sitzt. Auch spontanes Anhalten – etwa an einer Ampel oder wenn das Kind etwas sagen möchte oder sein Schnuller verloren hat – geht dank tiefer Rahmenform schnell, problemlos und sicher.

Wissen sollte man: Tiefeinsteiger sind keine Lastenesel. Durch das Einrohr sind solche Räder nicht so verwindungstabil wie Räder mit klassischem Diamant-Rahmen. Selbst wenn die Hersteller durch eingezogene Verstärkungsrohr im Tretlagerbereich, dickere Rohre oder Verstärkungsbleche diese Verwindungstendenz abzustellen versuchen. Daher kann ein Tiefeinsteigerrad nur für Stadtwege oder gemütliche Ausfahrten empfohlen werden, wo die Geschwindigkeiten naturgemäß niedriger sind.

Schlussbemerkung der aktiv Radfahren Redaktion: Eine Umfrage unter den Redakteuren unseres Hauses (über 10, Durchschnittsalter 32 Jahre) ergab, dass seit längerer Zeit jeder bei Stadt- und Besorgungsfahrten spontan trotz vielfacher Wahlmöglichkeit im Redaktionskeller zu einem Tiefeinsteiger greift. Räder mit gerader Stange sind verpönt.

Bei Sporträdern bevorzugen Frauen gerade Stangen

Interessant ist auch die Tendenz, dass bei der Wahl eines sportlichen Fahrradtyps (Crossrad, Fitnessbike, Mountainbike oder Rennrad) Frauen längst nicht mehr so auf Trapez-Rahmen (mit stark abgesenktem Oberrohr, das tief unten am Sitzrohr endet) Wert legen. „Wichtiger ist ein relativ steifes Rahmengestänge, das dynamische und keinesfalls „nervös-flattrige“ Fahreigenschaften garantiert“, sagt aktiv Radfahren Mitarbeiterin Marion Herlitze.

Fast alle Hersteller haben auf diesen veränderten Wunsch und Anspruch reagiert. Sie bieten Damen-Sporträder nur noch in Herrenoptik an, allerdings senken sie das Oberrohr minimal ab, um etwas mehr Schrittfreiheit zu gewährleisten. Zudem verändern sie die Rohrlängen entsprechend der weiblichen Korperform: So ist bei echten Damenrädern das Oberrohr kürzer, der Vorbau etwas steiler und länger. Mit dem Effekt, dass der Lenker etwas höher kommt – für eine ergonomisch günstigere, feminine Sitzposition.

Kompetente Hersteller gehen in punkto Damenbike sogar noch weiter. Konsequent passen sie die montierten Federgabeln auf das geringere Damengewicht an, die verbauten Sättel entsprechen weiblichen Formen, die Griffe sind etwas schlanker und die Bremsgriffe näher anstellbar – damit sich Frau auf dem Rad richtig wohl fühlt … was übrigens auch für kleine Männer zutrifft, die sich ruhig mal ein „Ladybike“ anschauen sollten …

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