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Auch die Kleinen stellen beim Kinderrad schon Ansprüche.

Das Kinderrad: Worauf ist beim Kauf zu achten?

Die lieben Kleinen

Das Kinderrad: Worauf ist beim Kauf zu achten?

Für unsere Kinder wollen wir nur das Beste, doch beim Kauf von Fahrrädern verhalten wir uns manchmal eher knauserig. Dabei muss Qualität nicht teuer sein. Wir geben Tipps, worauf beim Kinderrad zu achten ist.
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Das Quengeln kennt wahrscheinlich jeder: Die Kinder legen größten Wert auf eine fetzige Optik oder eine Federgabel. Die Eltern argumentieren vernünftig mit Sicherheitsaspekten, blicken auf hochwertige Bremsen und Licht. Weiter soll die Anschaffung die Familienkasse nicht zu arg strapazieren. Der Kauf von Kinderrädern ist immer eine Gratwanderung und eine verzwackte Angelegenheit. Im Vorfeld treffen zwei grundsätzlich verschiedene Meinungen aufeinander. Da müssen Kompromisse getroffen werden – das ist an sich nichts schlechtes, sondern gelebte Demokratie.

Grundsätzlich muss man zwischen zwei Kategorien unterscheiden: Spielrad und Kinderstraßenfahrrad. Ersteres ist für Kinder im Vorschulalter gedacht und sollte nur abseits des öffentlichen Straßenverkehrs bewegt werden. Licht und Komplettausstattung sind nicht nötig. Das Kinderstraßenfahrrad hingegen muss nach der StVZO ausgerüstet sein, d. h. betriebssicheres Licht, Reflektoren, Klingel und gut funktionierende Bremsen müssen vorhanden sein. Die Ausnahme wären nur sportliche Mountainbikes oder Rennräder. Die Komplettausstattung be­inhaltet noch Schutzbleche, Kettenschutz, Seitenständer und Gepäckträger.

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Schwerwiegendes Thema

Niedriges Gewicht ist für die Kinder der Spaßfaktor Nummer eins, es verbessert Handling und Fahrdynamik – und damit auch die Sicherheit. Leider sind gerade Kinderräder oft vergleichsweise schwer. Jonglieren wir doch etwas mit Zahlen, um das Ausmaß des Dilemmas aufzuzeigen. Das Kind ist 9 Jahre alt und wiegt 32 Kilogramm, sein 24-Zoll-Fahrrad 14 Kilogramm. Das sind 44 Prozent seines Körpergewichtes! Übertragen wir dieses Verhältnis auf einen Erwachsenen mit 75 Kilogramm, so müsste sein Rad mit 33 Kilogramm die Waage belasten. Das tut es natürlich nicht, denn er gönnt sich ein teures Sportrad mit gerade einmal 11 Kilogramm. Das entspricht nur mageren 15 Prozent seines Körpergewichts. Würde das Kinderrad auch nur 15 Prozent vom Körpergewicht seines Fahrers wiegen, so ergäbe das ein superleichtes Vehikel mit gerade einmal 5 Kilogramm! Vor dem Hintergrund dieser Zahlenspiele müssten wir unseren Nachwuchspiloten feinste Leichträder gönnen. Eine teure Sache, da die lieben Kleinen nach rund drei bis vier Jahren wieder rausgewachsen sind. Wir denken, ab rund 400 Euro erhalten Sie einen tragbaren Kompromiss. Und für gute und gepflegte Qualitätsräder lässt sich immer ein fairer Wiederverkaufswert erzielen.

Die Nutzungsdauer eines Rades lässt sich durch „mitwachsende Rahmengeometrien“ steigern. Das Sitzrohr ist stärker nach hinten geneigt, beim Herausziehen der Sattelstütze nimmt der Abstand vom Sattel zum Lenker deutlich zu. Winkelverstellbare oder herausziehbare Vorbauten unterstützen diesen Effekt. Kaufen Sie nicht aus Sparzwängen ein zu großes Rad – Unsicherheiten und Stürze sind damit vorprogrammiert.

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Sind Federgabeln sinnvoll?

Ein weiteres, oft und ausgiebig diskutiertes Thema sind Federgabeln. Haben Sie schon einmal im Baumarkt bei einem Billigrad kräftig auf den Lenker gedrückt, um die Federgabel zu testen? Da muss man selbst als Erwachsener schon kräftig hinlangen, bis sich was bewegt. Grundsätzlich sollten Federungen schon beim Aufsitzen rund 20 Prozent des gesamten Federwegs verbrauchen. Doch leider sind die meisten Federgabeln von Kinderrädern weit davon entfernt. Für Straßen- und Schulfahrräder ist eine Frontfederung nicht nötig. Zumal man bei den engen Preiskalkulationen in der 400-Euro-Klasse auch keine gute Qualität erwarten darf.

Wenn es denn trotzdem unbedingt eine Federgabel sein soll, dann sollte sie nicht nur selbstverständlich einwandfrei funktionieren und fein ansprechen. Sie sollte auch unbedingt an das Gewicht des Kindes anpassbar sein. Schließlich wird das Rad wahrscheinlich drei bis vier Jahre genutzt. In der Zeit legt unser Nachwuchs gut und gerne 30 bis 50 Prozent an Gewicht zu. Eine nicht einstellbare Federgabel kann diesen weiten Bereich kaum abdecken. Dabei ist das Einstellen der Gabel technisch recht simpel: Mit einem drehbaren Knauf am oberen Gabelholm wird das innenliegende Federelement vorgespannt.

Die sinnvolle Alternative sind breite Reifen. Sie sorgen für kleinen aber meist ausreichenden Komfort und sparen gegenüber der Federgabel ein knappes Kilo an Gewicht. Apropos Reifen: Fein profilierte Pneus laufen leichter, grobe Stollen sind wirklich nur im Gelände von Vorteil.

Die wichtigen Komponenten

Üblicherweise sind Kinder- und Jugendräder mit Komponenten von Shimano bestückt. Je höher die einzelnen Bauteile in der Shimano-Hierarchie angeordnet sind, desto besser. Die Qualität ist hier gekennzeichnet durch geringes Gewicht, Abdichtung und Funktion; sie nimmt bei den wichtigsten Gruppen in folgender Reihenfolge zu: „Altus“, „Acera“, „Alivio“, „Deore“ und „SLX“. Allerdings steigt auch der Preis entsprechend. Bei einem 400-Euro-Rad sind deshalb natürliche Grenzen gesetzt.

Ein Aspekt, der sehr gerne vernachlässigt wird, ist die richtige Kurbellänge. Die Kurbeln der Erwachsenenräder sind meist 170 bis 175 Millimeter lang. Das ist sinnvoll für Kinder ab einer Körpergröße von 1,60 Meter.

Kleinere Kinder können mit dem Laufrad erste Fahrten wagen.

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Kette oder Nabe?

Fast immer stellt sich die Frage: Ketten- oder Nabenschaltung? Für die Kettenschaltung sprechen ein meist niedriger Preis sowie geringes Gewicht. Von Nachteil ist die Defektanfälligkeit des Schaltwerks bei Stürzen oder im Gewusel auf dem Schulhof – ein kleiner Schutzbügel verhindert hier das Schlimmste. Für kleine Kinder reicht zunächst eine einfache 8-Gang-Schaltung mit nur einem Kettenblatt vorne. Später kann man auf 2 x 8 aufrüsten. Aber das Schalten mit einer Kettenschaltung ist nicht ganz einfach und intuitiv. Lassen Sie Ihr Kind üben. Dann beherrscht es das auch, wenn die Aufmerksamkeit bei allen anderen Dingen ist. Weiterhin ist es gerade bei einer Kettenschaltung wichtig, dass die Kette gepflegt wird. Ansonsten läuft sie schlecht und quietscht. Auch, wenn Kinder das nicht so genau nehmen. Mehr Spaß macht es anders. Alternativ bietet sich die unkompliziert zu bedienende Nabenschaltung an. Sie ist zwar schwerer und meist teurer. Dafür ist sie sehr wartungsarm und robust genug im rauen Kinderalltag. Oft reicht den Kindern auch eine einfache Dreigangnabe. Ob die Gänge per Drehgriff oder Hebeln geschaltet werden ist eher zweitrangig. Bei Drehgriffen ist es wichtig, dass sie leicht zu drehen sind und die Kinder die Gänge ohne Nachgreifen wechseln können. Schalthebel sollten sie gut mit Daumen und Zeigefinger erreichen. Letztendlich sollte das Kind nach ausgiebigen Probefahrten mitentscheiden, mit welchem System sein Traumrad schaltet.

Wichtig ist natürlich auch die Bremse. Sich auf eine Rücktrittbremse zu verlassen, die es oft in Einheit mit einer Nabenschaltung gibt, können wir nicht empfehlen. Sie hat nur eine schwache Bremswirkung und die Kinder sind vielleicht überfordert mit dem Rückwärtstreten. Die immer öfter montierten Scheibenbremsen sind eher von einfacher Qualität und daher auch keine empfehlenswerte Alternative. Besser sind gute, stabile V-Bremsen. Eine regelmäßige Kontrolle vorausgesetzt. Auch die Bremshebel müssen optimal greifbar sein. Achten Sie darauf: Meist kann die Bremshebelweite mit einem Inbusschlüssel angepasst werden. Auch das ist ein Vorteil, wenn das Rad mitwachsen soll.

Die Sitzposition

Das Kind sollte entspannt und aufrecht auf dem Rad sitzen. Durch die aufrechte Sitzposition wird es auch besser im Straßenverkehr gesehen und hat auch selbst einen besseren Überblick. Bei der korrekten Sattelhöhe ist das Bein in der untersten Pedalstellung fast durchgestreckt. Zum passenden ergonomischen Sitzen gehört auch der Abstand vom Sattel zum Lenker, bei zu geringem Abstand entsteht ein runder Rücken. Richtig sind hier fast ausgestreckte Arme.

Wo gibt’s das Magazin ElektroRad zu kaufen?

Sinnvolles Zubehör

Sättel mit einer Vertiefung oder Aussparung in der Mitte sorgen für Komfort und Ergonomie. Weiche oder flossenförmige Lenkergriffe erhöhen die Auflagefläche der Hände. Beides kann problemlos nachgerüstet werden. Die Klingel sollte unbedingt mit dem Daumen erreichbar sein, ohne die Hand vom Lenker zu nehmen. Von Propellern, Hupen und anderen Gimmicks am Lenker raten wir ab, da diese die Aufmerksamkeit einschränken. Lenkerkörbe beeinträchtigen das Lenkverhalten und könnten beim Sturz verletzen.
Wenn ein Gepäckträger am Rad sein soll, dann bitte ein stabiler. Denn auch wenn es verboten ist, wird in der Praxis auf dem Heimweg vom Bolzplatz der Kumpel auf dem Gepäckträger mitgenommen.

Schnellspanner an den Laufrädern erleichtern Ein- und Ausbau enorm, etwa bei Plattfüßen oder beim Verstauen in die Familienkutsche. Als Nachteil erweist sich hier der „Schnellklau“ der Laufräder.

Skalierungen an der Sattelstütze sind schon Luxus, sie helfen aber bei der Höhenverstellung – immerhin befinden sich unsere Kinder im Dauerwachstum. Jeder Teilstrich mehr beim Hochziehen der Sattelstütze zeigt uns Eltern, dass die Kinder größer und erwachsener werden und das Quengeln bald ein Ende hat.

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