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Stahlräder, Test, Kaufberatung

Stahlräder im Test: Trekkingräder aus Deutschland und Europa

Lokale Schönheiten

Stahlräder im Test: Trekkingräder aus Deutschland und Europa

Die ganze Welt ist unser Zuhause! Das hat Corona etwas durcheinander gebracht. Daher steht nicht nur Urlaub daheim hoch im Kurs. Auch die Fahrradproduktion vor der Haustür hat Konjunktur. Obwohl einige Hersteller schon immer „hier“ waren. Das gilt besonders für Stahlrahmenbauer.
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Man liest es dieser Tage öfter: Die Produktion von Fahrrädern wird wieder verstärkt nach Europa geholt. Sicher sind auch rein wirtschaftliche Gründe dafür verantwortlich. Aber auch von Nachhaltigkeit ist oft die Rede. Schließlich verkürzt eine, nennen wir es regionale Produktion auch die Transportwege zum Hersteller und zu den Kunden. Manch einer argumentiert allerdings ähnlich für eine rein taiwanesische Fertigung. Immerhin müssen dort die vielen asiatischen Komponenten tatsächlich nur kurze Wege zurücklegen. Und das Knowhow für Fahrradfertigung ist in Asien in der Breite längst besser als in Deutschland oder Europa. Aber wie gesagt: Hier wächst wieder was heran.

Stahl regional

Besonders im Gegensatz zu Aluminiumrahmen werden Stahlräder gerne noch lokal produziert. Das legierte Eisen ist aufgrund seiner guten Verarbeitbarkeit, seiner klassischen Aura und seinen für Fahrräder sehr positiven Eigenschaften sehr beliebt bei kleineren und mittelgroßen Manufakturen sowie bei einer wachsenden Zahl anspruchsvoller Kunden.

Und so gibt es in Deutschland und in Europa eine mehr als attraktive Auswahl an feinen Rädern. Denn oft geht auch ein allgemeiner Anspruch an eine gehobene Qualität mit den handwerklich feinen Rahmen einher. Dieses Angebot und die Qualität wollen wir mit dem Testfeld abbilden.

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Stahlräder: Schwer zu bekommen

Unter der aktuellen Marktsituation – leider ist es immer noch so – kommen gerade die kleinen Anbieter kaum hinterher. Auch sonst haben sie eher selten gerade ein passendes Musterrad zur Verfügung. Daher freuen wir uns umso mehr über die sieben Kandidaten, die an diesem Test teilnehmen und vergessen auch nicht die, die gerne gewollt hätten.

Mit Rotor, Hardo Wagner und Norwid sind drei eher kleinere Vertreter mit deutscher oder mehrheitlich europäischer (Hardo Wagner) Fertigung dabei. Patria ist zahlenmäßig schon eine Nummer größer. Die Firma fertigt ihre Räder händisch bei Bielefeld und setzt teils auch auf die Stahlrohre des deutschen Stahlanbieters Poppe & Potthoff. Mit Moulton ist ein in England fertigender Kompaktradspezialist dabei, der bekannt ist für seine filigranen, teilbaren Gitterrohrrahmen.

Urwahn aus Magdeburg druckt Teile seiner Rahmen gleich selbst, die dann regional verschweißt werden. Mit der vsf Fahrradmanufaktur ist insofern ein ungewöhnlicher Teilnehmer an Bord, als dass die Stahlräder meist in Asien gefertigt werden. Anlässlich ihres 35-jährigen Bestehens kehrt die Marke aber zu ihren Wurzeln zurück. In limitierter Stückzahl entstehen in einer Manufaktur in Pforzheim ein Jubiläums-Trekkingrad und eine Vor-Serien-Edition ihres ersten Gravelbikes, dem GX-1200, das diesen Test vervollständigt. Ein spannendes Projekt und, wer weiß, vielleicht sind die beiden Sondermodelle ja so attraktiv, dass die Firma in Zukunft noch öfter wieder regional als Manufaktur produziert.

Stahlräder, Test

Nicht nur Urlaub zu Hause hat Konjunktur – auch Fahrräder aus Deutschland und Europa. Das gilt insbesondere für Stahlräder

Stahlräder: Absolut modern

Die traditionelle Arbeit mit dem klassischen Rahmenmaterial wird kunstvoll gepflegt und ist dennoch nicht museumsreif. Denn Stahl ist zwar der klassische Werkstoff, aber dabei hochmodern. Aus erwähnten Gründen ist er top angesagt und erfüllt höchste Qualitätskriterien.

Solange man zu hochwertigen Stählen greift, wie sie im Markt gut verbreitet sind. Dedacciai, Reynolds oder Columbus sind bekannte Anbieter. Welchen man wählt, ist eigentlich egal. Manche Hersteller haben auch noch andere Stähle im Programm, die den Marktführern aber nicht nachstehen müssen.

In den Rahmenbauwerkstätten werden die Rohre entweder klassisch gelötet oder geschweißt. Beides hat Vor- und Nachteile. Gelötete Rahmenrohre werden oft mit Hülsen, den Muffen, verbunden und wirken dadurch noch klassischer.

Als Krönung wird allgemein ein Rad aus langlebigem, rostfreiem Edelstahl betrachtet. Für dessen Verarbeitung benötigt es aber erfahrene und oft auch zertifizierte Rahmenbauer.

Hochwertig, individuell

Wenn die Rahmenbauer ohnehin in Einzelstücken fertigen und einen direkten Kontakt zu Kunden pflegen, bieten sie meist auch maßgeschneiderte Rahmen an, was mehr Aufwand und einen höheren Preis zur Folge hat, sich aber in Form perfekter Räder und langanhaltender Freude lohnen kann.

Auch die Ausstattungslisten sind, mal mehr, mal weniger umfangreich individualisierbar mit entsprechenden Auswirkungen auf den Endpreis. Auch die Bestückung der Testräder ist daher mehrheitlich nur eine von zahlreichen Optionen.

Tourig und sportlich

Gehen wir noch auf die Testräder ein. Die siebener Riege setzt sich zusammen aus drei klar erkennbaren Trekkingrädern (Norwid, Patria, Rotor). Sie haben wir entsprechend nach Trekkingkriterien bewertet. Die übrigen vier sind recht deutlich dem Gravel-Sektor zuzordnen und ebenfalls entsprechend bewertet. Dennoch sind die Übergänge teils fließend und abhängig von der gewählten Ausstattung. So kann der Graveler von Hardo Wagner zum Beispiel genauso gut ein tauglicher Randonneur sein und das Gravelbike von Urwahn ist im Test schon ein sportliches Urbanbike.

Immerhin ist es mit einer Dynamo-Lichtanlage ausgestattet. Mit dem 20-zölligen Moulton XTB steht ein Rad im Test, das nach Eigenbekunden als vollgefedertes Gravelbike einsortiert werden kann. Es wird vermutlich öfter als wendiges und komfortables Alltagsrad mit Wald- und Wiesen-Qualitäten genutzt werden. Das GX-1200 ist dagegen eine sehr sportliche, klar antrittsfreudige Version der Schotterräder.

Stahlräder mit Rohloff-Getriebe-Nabe

Erfreulich ist der Einsatz der Rohloff-Getriebe-Nabe als Schaltung in den drei Trekkingrädern. Nicht nur, weil sie in Deutschland gefertigt wird, sondern auch weil sie für Qualität und Verlässlichkeit steht, und damit wiederum zum hohen Anspruch an die Rahmen und Rahmenbauer passt. Das soll die Kettenschaltungen aber nicht diskreditieren. Auch die sportlichen Räder im Test zeigen, dass sie für hohe Qualität stehen. Mit Hardo Wagner haben wir zudem einen Vertreter, der zeigt, dass Stahlräder aus Europa nicht teuer sein müssen und dennoch anspruchsvoll bleiben können.

Schön, dass manche Hersteller mit ihrer Produktion einfach hiergeblieben sind oder sich hier aufgebaut haben. Dann sind die Wege kurz und die Kontakte direkt. Wenn so etwas, wie diese Testräder, dabei herauskommt, ist das alle Mühen und Kosten wert.

Diese Stahlräder haben wir getestet

Marke Modell Preis Prädikat
Hardo Wagner TC G 2520 Euro Preis/Leistung
Rotor Meteor 3799 Euro
Alex Moulton Bicycles XTB 4300 Euro
Patria Touros 4510 Euro
VSF Fahrradmanufaktur GX-1200 5999 Euro Empfehlung
Norwid Aaland 6239 Euro Empfehlung
Urwahn Acros EDT Gravel 8499 Euro

Die ausführlichen Testbriefe der Stahlräder lesen Sie in der Radfahren 11-12/2021. Hier können Sie die Ausgabe als Printmagazin oder E-Paper bestellen.

Die getesteten Stahlräder in der Bildergalerie

Hardo Wagner TC G, Stahlräder, Test

Hardo Wagner TC G

Rotor Meteor, Stahlräder, Test

Rotor Meteor

Alex Moulton Bicycles XTB, Stahlräder, Test

Alex Moulton Bicycles XTB

Patria Touros, Test, Stahlräder

Patria Touros

VSF Fahrradmanufaktur GX-1200, Stahlräder, Test

VSF Fahrradmanufaktur GX-1200

Norwid Aaland, Test

Norwid Aaland

Urwahn Acros EDT Gravel, Test, Stahlräder

Urwahn Acros EDT Gravel

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