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Hipbags im Test: Hüfttaschen mit Flasche oder Trinkblase

Freier Rücken? Kann entzücken!

Hipbags im Test: Hüfttaschen mit Flasche oder Trinkblase

Hipbags liegen im Trend. Der Rücken bleibt frei und das Notwendigste passt auch in die kompakten Begleiter. Doch welches Trinksystem funktioniert und wie komfortabel und praktikabel sind sie wirklich? Wir haben 22 Modelle getestet.
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Früher waren Hipbags grell, bunt und für die meisten einfach nur eines: uncool! Mittlerweile erfreuen sie sich in verschiedenen Outdoorsportarten aber einer immer größeren Beliebtheit und sind jetzt auch im Mountainbikesport auf breiter Basis angekommen. Doch was macht den Reiz der teils minimalistischen Hüfttaschen aus?

Gerade auf der kurzen Feierabendrunde, der kompakten und intensiven Trainingseinheit oder dem Hobbyrennen wird die komplette Tourenausrüstung meist nicht gebraucht. Reduzierung auf das Wesentliche ist für viele das Motto. Dass der große Rucksack dabei vielen ein Dorn im Auge ist, scheint verständlich. Doch wohin mit Smartphone, Multitool, Riegel und Getränk, wenn am E-MTB kein Platz dafür ist? Hier schlägt die Stunde der Hüfttaschen, die im Volksmund auch Wimmerl, Hipbags, Hippacks, BumBag oder WaistBag genannt werden.

Vorteile von Hipbags

Die Vorteile liegen auf der Hand: Rücken und Schultern bleiben frei, die Bewegungsfreiheit steigt, das Schweißmanagement und der Wohlfühlkomfort am Rücken sind deutlich besser. Da das Gewicht zentral über das Becken abgeleitet wird, sind gut gemachte Modelle zudem komfortabel zu tragen und fast nicht zu spüren.

Wer am Ende doch mehr Platz benötigt, kann die Hipbag mit einer kompakten Sattel- oder Rahmentasche, Zubehörstraps und cleverer Werkzeugintegration am Rad ergänzen.

Auf dem Markt finden sich kompakte und leichte Modelle für Racer, bis hin zu luxuriösen und voluminösen Tourenmodellen sowie Ausführungen für Trinkflaschen oder -blasen. Teils sind sie auf Mountainbiker abgestimmt, meist sind die Modelle aber Outdoor-Universalprodukte, die auch beim Wandern, Trailrunning, Skaten oder sogar Klettern eine gute Figur machen. Bei allen Sportarten sind die Ansprüche aber dieselben: Die Taschen müssen sich perfekt auf der Hüfte zentrieren lassen, dort stabil und möglichst wackelfrei sitzen. Der Inhalt muss sauber zu verstauen sein und darf später nicht verrutschen.

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Zubehör zu Hipbags: Flasche oder Trinkblase?

Eine Festlegung auf Flasche oder Trinkblase ist nötig. Im Test finden sich je zehn Modelle jeder Kategorie, einzig Evoc Pro und Patagonia ermöglichen die Mitnahme beider Flüssigkeitsspender. Für klassische Trinkflaschen sprechen die einfache Verfügbarkeit, Handhabung, Reinigung und der günstige Preis. Allerdings gibt es in der Praxis deutliche Unterschiede beim Ausziehen, Einstecken und beim Halt.

Trinkblasen können mehr Flüssigkeit aufnehmen und erleichtern das Trinken während der Fahrt. Aufgrund ihrer Eigenheiten beim Befüllen, Trinken und Reinigen haben wir im Detail aber genau hingesehen und Mundstück, Schlauch und die Blase selbst betrachtet. Abdeckkappen, die das Ventil vor Dreck schützen, finden sich nur bei Leatt und Source. Ventile, die die Blase vor dem Auslaufen schützen, fehlen bei ION und Leatt. Die Durchflussmenge ist vor allem bei Leatt etwas begrenzt. Beim Schlauch findet sich ein UV- und Abriebschutz nur bei Source. Ein Schnellverschluss zum Abnehmen des Schlauchs fehlt nur bei Camelbak, Osprey und Thule. Zum Festmachen des Schlauchs auf Tour setzen alle bis auf ­Leatt (Clip) auf Magneten. Eine große Öffnung zum Befüllen und Reinigen besitzen alle, außer Leatt.

Ein technisches Highlight ist die Zwischenwand bei ION, sie verhindert ein zu starkes Aufblähen der Blase. Und ein Fragezeichen hinterließ die um 90 Grad verdrehte Montagerichtung bei USWE, die eine einfache Entleerung der Blase erschwert. Generell finden sich im Test Trinkblasen-Modelle von Camelbak, Source, Leatt und Hydrapak (Evoc, ION, Osprey, Patagonia, Thule, USWE). Bei den Modellen von Hydrapak gibt es im Detail aber sehr große Unterschiede.

Hipbags im Test: Passform, Komfort, Details

Wie gut eine Hüfttasche sitzt, liegt an vielen Details. Dazu zählen die Körperform der Nutzer, Modell, Größe und die Beladung. Damit der Druck bestmöglich auf die Hüfte übertragen wird, sollte der Rückenteil eine gute Grundstabilität aufweisen und im besten Falle trotz voller Beladung nicht zu stark ausbeulen. Hier bieten Modelle für Trinkflaschen generell deutliche Vorteile.

Die Hüftflossen spielen eine elementare Rolle, denn durch die Anpassung an die runde Körperkontur tragen sie entscheidend zur Sitzstabilität bei. Vorteilhaft sind auch zusätzlich angebrachte Kompressionsriemen, denn damit lässt sich das Gewicht perfekt verteilen und stabilisieren. Hüftflossen und Gurte sollten ein ausgewogenes Verhältnis von Stabilität und Breite besitzen, damit das Gewicht einerseits flächig abgeleitet werden kann, andererseits aber auch der Tragekomfort, die Bewegungsfreiheit der Beine und die Atmung am Bauch nicht zu stark eingeschränkt werden. Und obwohl die Gewichte der Bags von 109 (Vaude) bis 432 Gramm (Evoc) sehr stark variieren, spielt das Eigengewicht an sich in der Praxis quasi keine Rolle.

Belüftung, Schweißtransport, Trocknungseigenschaften

Beim Tragekomfort sind Belüftung, Schweißtransport und die Trocknungseigenschaften enorm wichtig. Hier gehen die Hersteller verschiedene Wege: 3D-Meshelemente, mit Schaumstoff hinterlegte Netze und Kombinationen aus beiden sorgen für mehr oder weniger gute Ergebnisse. Die besten Modelle kommen hier von Deuter, Evoc, ION, Osprey, Platypus und Thule. Pfiffig ist das Gurtsystem von Evoc und ION, das eine stärkere Belüftung bergauf ermöglicht.

Bei Volumina von weniger als einem (Tatonka) bis zu acht Litern (Patagonia) unterscheidet sich das Platzangebot enorm. Ein Grundsatz gilt immer: Je weniger in der Tasche ist, umso höher wird der Tragekomfort. Das Material passt sich den Körperkonturen besser an, die Tasche steht weniger ab und verrutscht auch in ruppigen Passagen nicht so stark. Im Zweifel also eine etwas größere Hipbag wählen und diese dann luftiger packen.

Test des Platzangebotes

Zum Test des Platzangebotes haben wir zwei Pakete geschnürt: Eine 602 Gramm schwere Grundausstattung und ein 439 Gramm schweres Zusatzset. Beide sind auf den obigen Abbildungen samt Beschreibung zu finden. Je nach Fachaufteilung, Platzangebot und Benutzerfreundlichkeit der Fächer gibt es große Unterschiede, die meist mit dem Grundvolumen und Formschnitt zusammenhängen.

Die Knackpunkte sind durch das sperrige Design meist die Platzierung des Smartphones, der Minipumpe und des EH-Sets. Bei Modellen mit Trinkblasen kommt es zudem zu Kannibalisierungseffekten: Entweder passt die Blase oder das Zubehör perfekt. Die Modelle mit Trinkflaschen haben es hier generell leichter.

Bei den Fächern selbst achten wir auf eine gute Unterteilung und Strukturierung mit Trinkblasen-, Netz-, Reißverschluss-, gefütterten Fächern und hellem Innenleben. Bei den Hüfttaschen spielen Platzierung, Größe, Verschluss und Platzangebot eine Rolle.

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Minimalausstattung: Schlüssel, Ersatzschaltauge, Smartphone, Klopapier/Tempo, Minitool, TLR-Würste, Riegel, CO2-Kartusche.

Kür, Hipbags, Test

Die Kür: Windjacke, Mini-Ölflasche, kompaktes Erste-Hilfe-Set, Ersatzschlauch, Reifenheber, Minipumpe mit Panzertape

Materialqualität, Verarbeitung und mehr

Bestimmte Details wie Schlüsselhalter, Trageschlaufe, Montagepunkt für ein Rücklicht und Reflektoren sind für uns ein Muss. Ein Feature wie ein Haltesystem für Zusatzgepäck ist in der Praxis durchaus sinnvoll, ist aber nur bei ION, Scott und Source gut gelöst. Für lange Freude an den Hüfttaschen spielen Materialqualität, Verarbeitung, Schmutz- und wasserabweisende Oberflächen eine wichtige Rolle.

Sollte doch eine Naht aufgehen, gefällt die 25-jährige Garantie bei Camelbak. Osprey und Platypus bieten erweiterte Garantieleistungen, teils mit nötiger Registrierung. Patagonia bietet seit Jahren einen Reparaturservice, Vaude glänzt mit umweltfreundlicher und nachhaltiger Herstellung (Green-Shape-Programm).

Tester und Testzeitraum

Um ein bestmögliches Gesamtergebnis zu erhalten, bringen groß, klein, schlank, weniger schlank, Männlein, Weiblein, Racer und Tourer ihre Meinungen ein.

Der Testzeitraum erstreckt sich bei einigen Modellen über knapp elf Monate. Dabei wurde eine lange Liste an Kriterien abgearbeitet, die am Ende für ein solides Urteil sorgt.

Hipbags im Test: Fazit

Schon lange gab es keinen Test mehr, wo die Meinungen teils so weit auseinandergingen wie bei den Hüfttaschen! Im Detail gab es Licht und Schatten. Die in der Praxis an sich unauffälligsten waren am Ende die beliebtesten und besten. Bei den Modellen für Trinkflaschen geht preislich kein Weg am Vaude vorbei. Wer indessen einen guten Allrounder sucht, sollte zu Bontrager oder Thule greifen. Testsieger wird Mavic, weil sich der Bag quasi keine Schwäche leistet.

Bei den Trinkblasen heimst der Dauerbrenner von Camelbak den begehrten Preis-Leistungstipp ein. Die besten Tourer kommen von Deuter und vor allem Osprey. Der Testsieg geht an den Evoc Pro mit einer fulminanten Gesamtvorstellung.

Hipbags mit Flasche im Test

Marke Modell Preis Prädikat
Bontrager Rapid Pack 49,99 Euro Empfehlung
Camelbak Podium Flow Belt 49,95 Euro
Deuter Pulse 2 29,95 Euro
Jack Wolfskin Cross Run 2 49,95 Euro
Mavic XA Belt 40,00 Euro Testsieger
Platypus Chuckanut 50,00 Euro
Scott Trail FR 5 49,95 Euro
Tatonka Hip Bottle Single 22,00 Euro
Thule Rail 2Testbrief 59,95 Euro Empfehlung
Vaude Little Waterboy 25,00 Euro Preis/Leistung

Hipbags mit Trinkblase im Test

Marke Modell Preis Prädikat
Acepak Lumbar 39,99 Euro
Camelbak Repack LR 4 79,95 Euro Preis/Leistung
Deuter Pulse 3 49,95 Euro Empfehlung
Evoc Hip Pack 3L ab 70 Euro/Blase plus 30 Euro
Evoc Hip Pack Pro 3L ab 90 Euro/Blase plus 30 Euro Testsieger
ION Traze 3 Plus 89,95 Euro
Leatt Hydration Core 2.0 DBX 84,90 Euro
Osprey Seral 7 80,00 Euro Empfehlung
Patagonia Nine Trails Waist Pack 110,00 Euro
Source Hipster Ultra 99,90 Euro
Thule Rail 4Testbrief 99,95 Euro
USWE Zulo 2 79,95 Euro

Der Test der Hipbags erschien in der bikesport e-mtb 4/2020. Hier können Sie die Ausgabe als E-Paper oder Printmagazin bestellen.

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