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Energiekrise: Tempolimit und autofreie Tage

Die Energiekrise als Chance: Die Politik ist gefragt!

Energiekrise: Tempolimit und autofreie Tage

Öl und Gas werden teurer und viele fragen sich, ob wir in Deutschland demnächst unter einer Knappheit beider Rohstoffe leiden. Doch was ist zu tun? Während Politiker gerne den einzelnen Bürger in die Verantwortung ziehen, müssen aus Sicht unserer Redaktionsleiterin Johanna Nimrich dringend politische Entscheidungen her. Ein Kommentar zur Chance der aktuellen Energiekrise.
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EU-Kommisarin Ursula von der Leyen fordert Bürger dazu auf, Energie zu sparen und auch Ex-Bundespräsident Joachim Gauck hat bereits vom „frieren für die Freiheit“ gesprochen.

Ja, der Krieg in der Ukraine und ein vermuteter künftiger drohender Engpass an Gas und Öl treiben aktuell die Preise in die Höhe. Spekulationen und Hamsterkäufe tragen ebenfalls zur Energiekrise bei. Tanken ist aktuell so teuer wie nie zuvor. Doch anstatt die Verantwortung (wieder mal!) an das Individuum zu übergeben sind vernünftige politische Entscheidungen gefragt.

Tempolimit und autofreie Sonntage

Eine Möglichkeit wäre, wie es in Deutschland bereits während der Ölkrise 1973 gehandhabt wurde, Tempo 100 auf den Autobahnen sowie autofreie Sonntage einzuführen. Darauf hat kürzlich die Unternehmerin Sina Trinkwalder auf Twitter hingewiesen. Sie schreibt sehr treffend: „Haben alle überlebt. Heute messen wir Freiheit in km/h und die „Diktatur“ hat uns sonntags wie wochentags nichts zu empfehlen. Man nennt das Wohlstandsverwahrlosung. So einfach“.

Damals ging es nur um vier autofreie Sonntage und das Tempolimit war auf sechs Monate Dauer beschränkt. Heute kann man sich nicht mal das ernsthaft vorstellen – dabei wäre es eine sinnvolle Entscheidung und eine echte Chance. Die Abhängigkeit von Putins Energie hat viele Bürger fassungslos gemacht.

Die Energiekrise als Chance

Die gegenwärtige Situation könnte durchaus als Chance genutzt werden. Warum wagen wir nicht dieses Experiment? Das Tempolimit auf der Autobahn (ob jetzt 100 oder 130 km/h) wäre auch ein guter Test. Und die Möglichkeit, Tempolimit-Gegner zu überzeugen. Denkbar wären eine parallel laufende wissenschaftliche Untersuchung zu Staus und Geschwindigkeiten sowie Umfragen vor und nach dem Start dieser Aktion. So könnte man nicht nur die Energiekrise abschwächen, sondern auch neue Fakten schaffen.

Die Deutsche Umwelthilfe hat sich ebenfalls Gedanken dazu gemacht. In ihrem am Freitag veröffentlichten „15-Punkte-Plan“ spricht auch sie vom Tempolimit, aber auch von Solaranlagen auf Hausdächern, einer Sanierungswelle sowie einem Verbot von Inlands-Kurzstreckenflügen.

Und aktuell läuft auch eine Petition, die ein Sofortprogramm fordert, um die Abhängigkeit von russischem Öl zu reduziere und gleichzeitig die Mobilitätswende voranzutreiben.

Denn Fakt ist: Die Spritpreise wären auch ohne die aktuelle Situation in der Ukraine gestiegen und waren es in den letzten Monaten schon. Ein Umdenken wäre sowieso nötig gewesen, besser früher als später. Die vielbeschworene Verkehrswende könnte jetzt aber einen enormen Schub erhalten und die Politiker könnten dies für sich nutzen.

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Und dann kann doch jeder Einzelne was tun!

Die Politik ist am Zug. Und doch kann auch jeder was in seinem Alltag tun, davon bin ich überzeugt. Das Auto stehen lassen, so oft es nur geht. Stattdessen mit dem Fahrrad fahren oder die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Wer aufs Auto angewiesen ist: Geschwindigkeiten selbstverantwortlich reduzieren, um den Spritverbrauch zu senken. Die Heizungen runterstellen und bei technischen Geräten wie dem Computer den Standbye-Modus abschalten. Die klassischen Energiespartipps eben.

Auch der Fahrradclub ADFC weist in einer aktuellen Meldung darauf hin, was bei der Diskussion um drastisch steigende Benzinpreise aktuell gern vergessen wird: „Die Hälfte aller Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer, ein Viertel sogar kürzer zwei Kilometer – und viele davon ohne Gepäck oder Mitfahrende. Wir vom ADFC gehen davon aus, dass die meisten der kürzeren Autofahrten mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können“, so ADFC-Bundesgeschäftsführerin Ann-Kathrin Schneider.

Und sie ergänzt: „Wer eine Fahrt pro Tag auf das Fahrrad verlagert, tut nicht nur dem Geldbeutel etwas Gutes, sondern auch dem Klima und der eigenen Gesundheit. Voraussetzung ist allerdings, dass es ein attraktives Angebot für den Umstieg gibt. Deutschland muss allen Menschen ein gutes Mobilitätsangebot machen – besonders denen, die das Auto auch mal stehen lassen wollen.“

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Energiekrise: Verantwortung übernehmen

Und da dreht sich die Sache dann im Kreis. Denn Politiker können viel mehr tun, ihre Bürger zu energiesparendem Verhalten anzuregen als nur Reden schwingen …

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