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E-Biker gegen Rennradfahrer

S-Pedelec oder Rennrad: Wer ist schneller?

Überflügelt das schnelle E-Bike das Rennrad?

S-Pedelec oder Rennrad: Wer ist schneller?

Chefredakteur Daniel O. Fikuart fordert Technikredakteur und Rennradliebhaber Georg Zeppin erneut heraus. Wird er ihn dieses Mal mit dem bis 45 km/h schnellen S-Pedelec schlagen?
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Mensch gegen Maschine: S-Pedelec gegen Rennrad. Chefredakteur Daniel O. Fikuart und Technikredakteur Georg Zeppin fahren mit dem Rad zur Arbeit über 120 km.

Mittwochmorgen, 8.08 Uhr. Start des Projekts „Mit dem Rad zur Arbeit“, auf der 120 Strecke von Regensburg nach Ismaning bei München. Südwärts, fast Luftlinie, schätzt über 4 Stunden. Auffällig: der gewiefte Rennradfahrer zieht von Anfang an in den Windschatten – taktisch klug, denn so spart er von Anfang an Kraft ein. Das Schnelle Pedelec nimmt zunächst das Rennrads ins Schlepptau.

S-Pedelec gegen Rennrad

Noch fährt der S-Pedelec-Fahrer vorn.

Erster Akkuwechsel beim S-Pedelec nach 56 Kilometern

Das Schnelle E-Bike von HNF mit Bosch 350 W Motor schießt zunächst im „Tour“-Modus davon. Um das zwischen 34 – 36 km/h pendelnde Tempo halten zu können, ist – eine erste Erkenntnis – trotzdem ordentlich Beinkraft nötig. Der Rennradfahrer hängt hinten drin und kann auf seiner 7,0 Kilo Maschine (Cannondale, Alu) so perfekt entspannt dahingleiten.

Aber das hohe Tempo (Durchschnitt: 32,5 km) rächt sich, die Akku-Anzeige geht schneller gegen Null als geplant. Bereits nach nach 56 Kilometern ist ein Akkuwechsel (Ersatzakku im Rucksack transportiert) fällig. 10 Kilometer weniger als vermutet. Und weitere 70 Kilometer liegen noch vor uns. Das geht sich nicht aus ….

Akkutausch

Akkutausch

Eco-Modus beim HNF Heisenberg XD1 Urban S-Pedelec

Deshalb ist für den E-Biker eine Änderung der Taktik nötig: Hauptsächlich in Eco fahren „und den Tour-Modus meiden wie der Teufel das Weihwasser.“ Kapazität sparen für den Schluss-Sprint auf den letzten 25 Kilometern.

Unmittelbare Folge: In „Eco“ kann man zwar noch gut dahingleiten, aber an Ansteigen wird der HNF-Überflieger trotz 350 W-Antrieb zur flügellahmen Gans. Trotz energischem Beineinsatz zieht der Rennradfahrer gnadenlos davon. Um die – immer wieder – aufreißenden Löcher zuzufahren, muss der E-Biker notgedrungen die „Tour“-Taste drücken. Ansonsten ist die folgenden 50 Kilometer „Eco“ die priorisierte Wahl. Erkenntnis des E-Bikers: Im Windschatten des Rennradfahrers ist ein gemeinsamer Speed von 32 km/h zu halten. Allerdings zieht aus Kurven der Rennradfahrer leichtfüßig davon. Auch da muss der „Tour“-Modus helfen, um zurück in den Windschatten zu kommen.

E-Rennrad vs. Rennrad: Wer ist schneller?

Rennrad schneller als S-Pedelec

Erkenntnis im letzten Drittel unserer „Fahrt zur Arbeit“: Bei einer einmaligen Batteriefüllung über 50 Kilometern ist ein schnelles E-Bike gleich schnell/stark wie ein gut trainierter Rennradfahrer. Beide können eine gute Partnerschaft und Wechselspiele praktizieren: Der E-Biker kann dem Rennradfahrer Windschatten geben.

Ist man aber gezwungen – um Strom zu sparen – in den Energiespar-Modus „Eco“ zu wechseln, kann der Rennradfahrer seine auf Dauer länger haltende Muskelkraft ausspielen. Zugegeben: Auf lange Sicht ist der Mensch stärker als die Maschine.

E-Bike im Windschatten

E-Bike im Windschatten

Windschatten für den E-Biker

Um den geplant hohen Schnitt von 30 km/h halten zu können, musste letztendlich der Rennradfahrer dem E-Biker über unglaubliche 40 Kilometer permanent Windschatten bieten. Denn nach gefahrenen 60 Kilometern waren – aufgrund des hohen Gewichts des HNF von 26,3 Kilogramm und zunehmend steigenden Temperaturen (letztendlich hoch bis 32 Grad) sämtliche Körner des E-Bikers pulverisiert.

Lichtblick auf den Schluss-Kilometern: Die Spar-Taktik des E-Bikers zahlte sich aus. Denn auf den letzten 25 Kilometern konnte der E-Biker – dank 18 km Restreichweite in „Tour“ – wieder Gas geben, den Rennradfahrer überholen und diesem kurzfristig vier Mal über jeweils 3 Kilometer Windschatten bieten. Eine Wohltat für den tapferen Rennradler. Mit 34 km/h flogen die beiden Rad an Rad hintereinander her – da hättek kein Papier mehr dazwischen gepasst. Aber schon bei zäheren, langsameren 32 km/h zog der Rennradfahrer wieder vor um wie selbstverständlich die Führungsarbeit zu übernehmen. Ein wahrer Kamerad.

PS. Google sagte für die Strecke mit dem Fahrrad 6:49 Stunden voraus. Unsere reine Fahrzeit fürs Schnelle Pedelec/Rennrad betrug jedoch 4 Std. 05 Minuten. Fahrdauer: Genau 5 Stunden (von 8:08 bis 13:08 Uhr) und damit eine Stunde länger, weil wir Fotos für diese Reportage schießen mussten. Diese erscheint in ElektroRad 2/18, ab 6. April 2018 im Kiosk. Am Drücker: Fotograf Gideon Heede.

Infos zum Rad/HNF Heisenberg über: http://www.hnf-heisenberg.com/

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