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R200: Der genormte Reichweitentest für E-Bike-Akkus in der Praxis

R200: Zustände wie bei Dieselgate

R200: Der genormte Reichweitentest für E-Bike-Akkus in der Praxis

Der genormte Reichweitentest R200 ist eine gute Idee – die Umsetzung lässt bislang allerdings zu wünschen übrigen. Ein Kommentar von Test-&-Technik-Leiter Georg Zeppin.
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Der Ansatz ist großartig. An der Umsetzung aber hapert es leider. Vergangenes Jahr stellte der Zweirad-Industrie-Verband den neuen, genormten Reichweitentest R200 vor. Anhand eines festgelegten Testmusters sollte die Reichweite eines jeden Testrads bestimmt werden. Ziel: Vergleichbarkeit. Doch zurzeit stellen sich die Ergebnisse dar wie beim Dieselgate. Vergleichbarkeit gleich Null. Dafür Verwirrung beim Endverbraucher.

Beispiele aus dem Großen ElektroRad-Test gefällig? Ein Urbanbike mit 23 Kilogramm Gewicht kommt beim R200 auf eine Reichweite von 66 Kilometern – mit Bosch‘ Active Line Plus-Motor und 500 Wh im Akku. Ein Cargobike wiegt das Doppelte, also 46 Kilogramm. Es hat den kräftigen und entsprechend mehr Energie saugenden Bosch Performance-Line CX-Motor an Bord, außerdem ebenfalls einen 500-Wh-Akku. Ergebnis des Reichweitentests R200? Klar: 70 Kilometer.

Noch krasser: Zwei ähnliche City-Räder mit ähnlichem Gewicht, beide mit Active Line Plus, beide mit 500 Wh, beide mit Nabenschaltung. Rad 1 schafft laut R200 140 Kilometer, Rad 2 „nur“ 84. Wie kann das sein?

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Ziel des R200

Eigentlich war es das Ziel des ZIV, dass „der Kunde verschiedene Fahrräder inklusive Antrieb/Antriebsstrang/Reifen und so weiter miteinander vergleichen“ kann. Das Ergebnis solle „für den Kunden intuitiv und leicht verständlich“ sein. Nämlich eine Angabe in Kilometern laut R200. Dieses Ziel hat der ZIV verfehlt. Denn wenn so offensichtlich etwas nicht stimmen kann, ist der ganze Test Murks.

Der Prüfstandtest beinhaltet viele festgelegte Parameter: Unterstützungsfaktor 200 Prozent, Gesamtgewicht, 20 Stundenkilometer Geschwindigkeit, Trittfrequenz und -leistung, Geländeart, Untergrund, Anfahrhäufigkeit und vieles mehr.

Nebulös

Doch schon beim Gesamtgewicht geht es los. Das ist auf 100 Kilogramm normiert. Bei unserem Lastenrad bedeutet das: Der Fahrer wiegt maximal 54 Kilogramm, Zuladung gibt es nicht. Wie die krassen Unterschiede bei den fast identischen Cityrädern entstehen können, bleibt dabei weiterhin nebulös.

So kann der Test nicht funktionieren. Offenbar geht es nicht „leicht verständlich“. Schlicht und ergreifend ist am Ende wohl unser System das einfachste: Wir fahren in unseren Reichweitentests die Räder einfach auf der Straße. Das nächste Mal übrigens für unsere Ausgabe 6/2020. Und die erscheint im August.


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