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Gravel: Technik von Gravelbikes – Material, Geometrie, Eigenschaften

Technik für jenseits des Asphalts

Gravel: Technik von Gravelbikes – Material, Geometrie, Eigenschaften

Gravelbikes stellen die derzeit vielleicht aufregendste Art dar, „offroad“ zu gehen. Was aber gilt es bei der Wahl des Materials zu bedenken? Eine technische Übersicht.
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Das Fundament: Der Gravelbike-Rahmen

Am Gravelrad kommen, preisabhängig, die vier populären Werkstoffe im Rahmenbau zum Einsatz: Alu, Stahl, Carbon und Titan. Standard-Rahmenmaterial an Gravelbikes der Einstiegs- bis der oberen Mittelklasse ist Alu. Das Leichtmetall punktet mit attraktivem Gewicht bei hoher Steifigkeit für effektive Beschleunigung. Manko stark überdimensionierter Alurohre: Sie geizen mit Komfort, fühlen sich auf holprigem Untergrund schon mal etwas harsch an. Ausgleichen lässt sich das mit breiteren Gravelpneus: Ihr erhöhtes Luftvolumen nimmt Fahrbahnstößen die Härte.

Carbon, Stahl und Titan für erhöhten Komfort

Ab der oberen Mittelklasse kommt Carbon ins Spiel (um 2500 Euro). Kohlefaserrahmen zeichnet häufig ihr verblüffend geringes ­Gewicht bei hoher Steifigkeit aus. Letztere ermöglicht top Beschleunigung und präzises Lenken. Clever konstruiert, generieren Carbon­chassis ferner ein hohes Maß an Eigen­dämpfung. Vorteilhaft, denn so reicht das Rad nicht jede Vibration an den Fahrer weiter, der somit langsamer ermüdet.

Stahlrohrsätze finden sich an günstigen Gravelflitzern genauso wie an teuren, gewichtsoptimierten Varianten. Obgleich tendenziell etwas schwerer, begeistern Stahlmodelle mit spürbarer Eigendämpfung auf gröberem Schotter, woraus ein sanft-komfortables Fahrgefühl resultiert. Auch die an Gravelbikes der High-End-Klasse eingesetzten Titanrahmen punkten mit beeindruckenden Dämpfungseigenschaften auf ruppiger Fahrbahn, filtern Stoßspitzen effektiv und glänzen mit lebendiger Fahrcharakteristik.

Entsprechend hoch sind Fahrkomfort und Fahrspaß. Ein Aspekt, der auf langen Strecken an Bedeutung gewinnt. Ferner spricht für die kostspieligen Chassis die Korrosionsbeständigkeit sowie die Unempfindlichkeit von Titan gegenüber unsanfter Behandlung – beste Voraus­setzungen für ein langes Rahmenleben.

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Agil-wendig oder laufruhig: Die Rahmengeometrie eines Gravelbikes

In puncto Geometrie ist ein guter Kompromiss aus Agilität und ausreichender Laufruhe gefragt. So wird der Graveler auf kurvigen, leichten Pfaden zum Spaßgerät, hält während schneller Abfahrten auf losem Schotter sicher die Spur. Von einer laufruhigen Geometrie – erreicht per flacherem Lenkwinkel um 70° bis 71° sowie längerem Radstand – profitiert, wer gern mit viel Gepäck zu Bikepacking-Trips aufbricht: Auch bei höherer Zuladung liegt das Rad dann sicherer.

Wer sein Gravelrad bevorzugt als sportiven Tourer auf diversen Unter­gründen nutzt, zieht einen echten Vorteil aus einem längeren, also höheren ­Steuerrohr. Dies kombiniert mit ­einem moderat langen Vorbau (80 – 110 mm, je nach Körpermaßen), fällt die Sitzposition weniger sportiv, dafür komfortabler aus. Perfekt für epische Tourenabenteuer! Wer als Rennradfahrer aufs Gravelrad umsattelt und gern sportlich sitzen wie fahren will, darf getrost zum Graveler mit steilem Lenkwinkel (72° – 72,5°) und stärkerer Sattel-Lenkerüberhöhung (= kürzeres Steuer­rohr) greifen.

Erfahrene Mountainbiker, die ihren Gravelspaß nicht zuletzt über steilere, herausfordernde Abfahrten definieren, wählen ein Bike mit progressiver, MTB-inspirierter Geometrie. Bei diesen Modellen steht der Lenkwinkel mindestens 70° flach, obendrein ist das vordere Rahmen­dreieck deutlich länger gezeichnet. Solche Gravelmodelle verwöhnen mit besserer Kontrolle und Manövrierfähigkeit in leichtem ­Gelände sowie bei Highspeed-Abfahrten.

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Technische Voraussetzungen von Gravelbikes: Robuste 28″- und 27,5″-Laufräder

Damit sich das Gravelbike in rauem Terrain dauerhaft behauptet, braucht es Laufräder, die robust sind – und gleichzeitig leicht, um das Rad mit geringem Krafteinsatz auf Tempo zu bringen. Zum guten Ton am Graveler zählen breitere Felgen (Maul­weite: 23 mm), dank derer sich die Traktionsvorteile breiter Pneus bestens nutzen lassen. Zumeist verbauen die Hersteller 28″-­Laufräder.

Einmal beschleunigt, hält man mittels großem Laufraddurchmesser das Tempo leicht hoch. Zudem laufen sie flüssiger über große Schlaglöcher sowie Geländestufen. Für die kompakteren, vom MTB inspirierten 27,5″-Laufräder spricht die tendenziell leichtere Beschleunigung und der geringere Laufraddurchmesser, der ein wendig-agiles Fahrverhalten unterstützt. Wer auf seiner Graveltour also gern kurvenreiche Geländepfade integriert, kann mit 27,5″-Pneus/ Laufrädern flott unterwegs sein.

Breite Reifen auf 27,5er Felgen für Agilität und Komfort. Schlanke 28er für sportliche Leichtigkeit.

Gravelbikes, Gravel, Kolumne

Bei variablen Modellen wie Falkenjagd Aristos CR oder Rennstahl 853 Gravel ist beides machbar.

Flinke Reifen bei Gravelbikes

Wesentlichen Einfluss auf die Fahrqualität haben die Reifen. Die Standardbreiten belaufen sich auf 35 bis 40 mm im 28″-Segment respektive 47 bis 50 mm fürs 27,5″-Format. Über unterschiedliche Breiten und Profile lassen sich Parameter wie Fahrkomfort und Traktion für die eigenen Bedürfnisse individuell optimieren. Lässt der Rahmen dank großer Reifenfreiheit beide Formate mit entsprechender Bereifung zu, kann man das System nach Bedürfnis einfach verändern.

Das Reifenprofil variiert je nach Modell stark. So profitieren Mountainbike-affine Fahrer auf anspruchsvolleren Waldpfaden und grobem Schotter von grobstolligen, bissigeren Pneus (WTB Resolute, Schwalbe G-One Bite). Fahrer mit entspannterem Trekking-/Touren-Hintergrund, deren Fokus auf leichten Schotter- und Asphaltstrecken liegt, werden mit schwächer bestollten Pneus wie Schwalbes G-One Allround glücklich. Umsteiger vom Rennrad, deren Asphaltanteil auf Tour meist überwiegt, greifen zum Minimalprofil eines Schwalbe G-One Speed.

Ketten- und Rohloff-Getriebeschaltung

Stark unterschiedliche Fahrsituationen verlangen nach einem großen ­Gangspek­trum. Das bieten bereits leichtere 11-Gang-Ketten­schaltungen (ein Kettenblatt, kein Umwer­fer). Kleinere Berggänge stellen leichte 1 × 12-Schaltungen à la Sram Eagle mit üppiger 500 % Gesamtübersetzung bereit. Mehr Bandbreite und größere Gänge für noch mehr Tempo bergab erwirbt man mit 22-Gang-Kettenschaltungen (zwei Kettenblätter).

Während diese Kettenschaltungen bei sportivem Gebrauch glänzen, stellt Rohloffs Getriebeschaltung (526 % Gesamt­übersetzung) eine attraktive Option, da extra robust und wartungsarm, für Gravel­biker dar, die gern zu Mehrtages­touren oder sogar längeren Reisen aufbrechen.

Alles denk- und machbar: ­reduzierte 1×11-Kettenschaltung...

...bis zur robusten ­Hecknabe von Rohloff

Nicht ohne (m)eine Tasche

Gemäß ihres Vielseitigkeitsanspruchs transportieren Gravelbikes bei Bedarf gleich mehrere Gepäcktaschen – perfekt also für mehrtägige Bikepacking-Abenteuer. Über Montagepunkte am Rahmen montiert man einen Gepäckträger oder – je nach Montageoption an der Gabel – sogar einen Low-Rider-Träger, der dann zum Beispiel zusätzliche Trinkflaschen aufnimmt.

Dank optionaler, durchdachter Halterungen parkt obendrein der Leichtschlafsack unterm Oberlenker, werden per Klett- oder Riemenverschluss Satteltaschen mit viel Ladevolumen rasch fixiert. Damit ist er frei, der Weg zum Gravel-Abenteuer!

Gravelbikes im Test

Rennstahl 853 Gravel
Falkenjagd Aristos CR Gravel

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