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Die Watzmann-Hochkönig-Runde ist anspruchsvoll, belohnt aber mit toller Kulisse.
Watzmann-Hochkönig-Runde: Tolle Tour mit dem Mountainbike

Mit dem Mountainbike rund um zwei Giganten

Watzmann-Hochkönig-Runde: Tolle Tour mit dem Mountainbike

Einfach gigantisch: 12.000 Höhenmeter auf 436 Kilo­metern. Diese Zahlen flößen Bikern ordentlich Respekt ein, machen allerdings auch riesige Lust auf ein echtes Abenteuer: Die Watzmann-Hochkönig-Runde ruft!
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Dies sind die nackten Tourdaten der Watzmann-Hochkönig-Runde, die man am besten mit dem Mountainbike oder einem E-MTB unter die Stollen­reifen nimmt. Die Etappenfahrt macht auch vor Ländergrenzen keinen Halt und führt durch Traumregionen wie das Salzburger Land und das angrenzende Berchtesgadener Land sowie den Chiemgau. Die Watzmann-Hochkönig-Runde ist entweder in zehn Tagen komplett zu bewältigen, oder man entscheidet sich für eine der selbstgewählten ­Schmalspurvarianten, die deutlich weniger Zeit und logischerweise auch weniger Power erfordern.

Grandiose Bergkulisse wie aus dem Bilderbuch

Das markante Hochkönig-Massiv sowie der Watzmann begleiten uns auf dieser Radtour permanent als imposante Felskulissen. Eine Landschaft wie aus dem alpinen Bilderbuch: Eine grandiose Bergwelt, garniert mit faszinierenden Hochalmen und kleinen, verträumten Orten. Das alles kombiniert mit einer wundervollen Strecke fernab der Hektik unserer Tage. Biken Sie in aller Ruhe und mit viel Zeit durch diese immer noch heile Bergwelt. Es lohnt sich, denn es gibt ganz viel zu entdecken und erleben.

Die (E-)Mountainbiketour rund um die zentralen Gebirgsstöcke der Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen ist für Anfänger ebenso geeignet wie für ganz Sportliche. Wer es gemütlicher mag, nimmt die nördliche Runde unter die Reifen, im Süden bietet die Watzmann-Hochkönig-Runde anspruchsvolle Routen durch eine atemberaubende Bergwelt.

Nord- und Südschleife

Die Watzmann-Hochkönig-Runde wurde 2009 zum Leben erweckt. Die Nordschleife wird sehr gerne als Drei-Tages-Tour gefahren und hier ist die Tritt-Frequenz deutlich höher als auf der Südschleife, für die in der Regel die geplanten fünf Tagesetappen erforderlich sind. Die Nordschleife ist also die sportlich gesehen einfachere Wahl. Diese Schleife ist summa summarum 153 Kilometer lang, wobei auch stolze 4025 Höhenmeter zu überwinden sind. Die Südschleife stellt mit ihren 7975 Höhenmetern eine echte konditionelle Herausforderung dar. Wem diese fünf Etappen noch zu wenig sind, der kann die beiden alpinen Varianten radeln und sich so richtig verausgaben.

Bei der Watzmann-Hochkönig-Runde steht die Idee der hohen landschaftlichen Attraktivität der Tour im Vordergrund und zudem wird hier eine interessante Mehrtagestour durch teilweise noch unbekanntere Bikeregionen geboten. Je länger wir auf dieser Runde unterwegs sind, umso weiter entfernt sich die Hektik des Alltags. Sehr schnell sind wir voll in unser Bike-Abenteuer eingetaucht, eins mit dem Rad, eins mit der Natur.

Am höchsten Punkt der Watzmann-Hochkönig-Runde

Das Highlight im wahrsten Sinn des Wortes ist eine Übernachtung im Heinrich-Kiener-Haus auf dem Hochgründeck, mit 1792 Metern das „Dach“ der Watzmann-Hochkönig-Runde. Der Weg zum Heinrich-Kiener-Haus führt bis zum Schluss durch bewaldetes Terrain, das nur wenige Ausblicke auf die umliegende imposante Bergwelt gewährt. Umso erstaunlicher und als wahrer Augenschmaus präsentiert sich das Panorama, das uns auf der Hüttenterrasse geboten wird. Eine wahrhaft gigantische Felskulisse baut sich rund um die Hütte auf. Über das Salzachtal mit Hochkönig, Tennengebirge und Berchtesgadener Alpen, den Hohen Tauern mit dem Großglockner, dem Dachsteingebirge bis zu den Kärntner Gipfeln erfasst das Auge über 300 Bergspitzen. Wenige Gehminuten oberhalb der Hütte befindet sich die kleine Sankt Vinzenzkapelle, der man unbedingt noch einen Besuch abstatten sollte. Ein besonderes ­Schmankerl für Romantiker sind hier die spektakulären Sonnenuntergänge.

Einkehrmöglichkeiten an der Watzmann-Hochkönig-Runde gibt es viele.

Einkehrmöglichkeiten an der Watzmann-Hochkönig-Runde gibt es viele.

Die Nordschleife

Vom Dach der Tour zum Hintersee, dem Startort unser Runde auf der Nordschleife. Hier geraten Mountainbiker aber nicht nur über die imposante Bergwelt ins Staunen, sondern auch über die tierischen Bewohner. Der Steinadler zieht hier im Nationalpark Berchtesgaden seine majestätischen Kreise. Besonders gut lässt er sich im Klausbachtal beobachten, wo die Ranger der Nationalpark-Informationsstelle Klausbachhaus einmal pro Woche mehrstündige Wanderungen in den Lebensraum des Adlers anbieten. In nur wenigen Gehminuten vom Klausbachhaus entfernt erreichen wir eine Steinadler-Beobachtungsstation. Hier werden wir mit ausführlichen Informationen rund um den faszinierenden Greifvogel gefüttert.

Mit etwas Glück können Sie hier den „König der Lüfte“ in freier Wildbahn beobachten, wie er majestätisch über die Berggipfel segelt. „Mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 90 Prozent sieht man bei der Führung einen Adler“, so das Versprechen der Nationalpark-Ranger. Die kümmern sich intensiv darum, den Besuchern alles Wissenswerte zu Flora und Fauna zu vermitteln. Auf dem Gelände des Klausbachhauses erwarten uns außerdem ein traditioneller Bauerngarten sowie ein „Sinnesgarten“ mit Barfuß-Parcours, Klangstationen und vielen weiteren interessanten Angeboten. Der Besuch lohnt sich.

Sehenswert: Der historische Ortskern von Berchtesgaden

Ein Muss für alle, die noch etwas Zeit mitbringen: Statten Sie unbedingt dem historischen Ortskern von Berchtesgaden einen Besuch ab. „Und da Herrgott hat g’lacht, wia Berchtesgad’n hat g’macht“, sagen die Einheimischen und wahrlich, es ist etwas dran. Und dann dieser Königssee: Sein Echo ist weltberühmt, seine Forellen sind eine echte Delikatesse und eine Bootsfahrt mit der Bayerischen Seenschifffahrt über den See bleibt für immer in Erinnerung. Doch wir satteln wieder auf. Die Straße durch das Tal verläuft zunächst nur leicht steigend, wird aber zum Gasthof Hirschbichl hinauf steiler und serpentinenartig. Am Hirschbichl beginnt der richtige Mountainbiketeil der Etappe, der über Litzlalm und Wildental hinunter nach Lofer führt. Nach aussichtsreichen Stopps beim „Jagasitz“ und Obermayrberg erreicht man in Unken das Ziel der ersten Etappe.

Dort finden Biker die ideale Unterkunft beim Friedlwirt, der neben Radgaragen und einem Waschplatz auch jede Menge Tipps und Hintergrundwissen für Radtouristen im Angebot hat. Der Wirt verrät auch, wo der Ausblick auf der Runde am schönsten und die Einkehr am lohnendsten ist. Die Nordschleife ist für Einsteiger besonders gut geeignet. Hier sind eher in der Regel Biker unterwegs, die es gemütlich angehen lassen.

Drei bis fünf Etappen – je nach Kondition und Power

Die nördliche Schleife ist eigentlich in fünf Etappen eingeteilt, Sportliche schaffen sie aber auch in drei Tagen. Auf den insgesamt 153 Kilometern legen Mountainbiker 4025 Höhenmeter zurück. Von Unken aber geht es zunächst auf Etappe zwei der Nord-Runde moderat weiter nach Reit im Winkl und damit wieder vom Salzburger Land nach Bayern. Auf diesem Abschnitt passieren wir die bekannte Winklmoos-Alm, ein Hochplateau auf 1170 Meter Höhe zwischen dem Dürrnbachhorn (1778 m) und der Steinplatte (1870 m). Berühmt wurde die Winklmoos-Alm als Heimat von Skilegende Rosi Mittermaier – und natürlich für ihren Blick auf die gewaltige Kulisse der Loferer Steinberge. Ein Geheimtipp ist der Zenz-Kaser, eine einfache, typische Almhütte. Bei einer deftigen Brotzeit, Kaffee, selbstgebackenem Kuchen und Getränken kann man die herrliche Aussicht genießen – all das, was das Bikerherz begehrt.

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Mordau-Alm: Atemberaubende Aussicht und selbstgemachter Käse

Die Etappe von Reit im Winkl nach Ruhpolding steht im Zeichen der Almen. Sobald der Weit­see hinter uns liegt, geht es von Röthelmoosalm über Hinteralm, Gleichenbergalm und Steinbergalm zum Etappenziel. Auf dem Weg liegt Inzell, das Mekka des Eisschnelllaufs. Unbedingt sehenswert: der Frillensee und das Staufenmassiv. Das Forsthaus Adlgaß ist berühmt für seine leckeren Wildgerichte. Die Nordschleife endet mit einer mittelschwierigen Etappe zurück zum Hintersee. Der schweißtreibende Anstieg mit Tragepassagen hinauf zur Mordau-Alm lohnt sich wegen der Aussicht – und wegen des selbstgemachten Käses.

Die Südschleife

Wer sich für die Südschleife der Watzmann-Hochkönig-Runde entscheidet, dessen Kondition und Muskeln werden gleich zu Beginn auf die Probe gestellt. Hier bietet sich der Einsatz von E-MTBs ideal an. Von Bischofshofen nach Sankt Martin am Tennengebirge geht es steil hinauf zum schon erwähnten Dach der Tour, dem Heinrich-Kiener-
Haus und der Sankt Vinzenzkapelle – mit 1792 Metern liegt hier der höchste Punkt der gesamten Mehrtages-Biketour. Da lässt sich die lange Abfahrt auf Forstwegen hinunter nach Eben umso mehr genießen, bevor man bis Sankt Martin am Tennengebirge nochmal ordentlich in die Pedale steigen muss. Die Etappe ist mit rund 2150 Höhenmetern der Abschnitt mit den meisten Anstiegen der Watzmann-Hochkönig-Runde. Die nächste reiht einige kürzere Anstiege aneinander; bis man in Golling aus dem Sattel steigt, haben sich aber rund 800 Höhenmeter angesammelt.

Hübsch: Golling und Umgebung

Golling selbst ist ein sehr netter kleiner Ort, der sich durch die gute Bahnanbindung hervorragend eignet, um die Stadt Salzburg zu besuchen. Lediglich 25 Minuten braucht der Zug, um die Fahrgäste in die Festspielstadt zu bringen. Aber auch der Ort mit seiner Umgebung selbst hat einiges zu bieten: Das sehr nahe gelegene Bluntautal – die Variante zum Carl-von-Stahl-Haus führt hier übrigens durch – ist ein wahres Naturparadies und die Seen dort sind so kristallklar und rein wie bestes Trinkwasser. Neben dem Besuch der mittelalterlichen Burg ist auch die Wanderung zu den Salzach­öfen absolut lohnenswert. Vom nahe gelegenen Pass Lueg aus sind es nur ein paar Schritte in diese wildromantische Schlucht, die bis zu 80 Meter in die Tiefe führt.

Das Salzburger Land ist übrigens eine der attraktivsten Biker-Regionen Europas. Mit einem umfangreichen Mountainbike-Wegenetz, Top-Bike-parks, grandiosen Mehrtagestouren und Bike-Veranstaltungen mit internationalem Flair buhlt das Salzburger Land um Mountainbiker aus der ganzen Welt. Über 300 Ladestationen dieser Region Österreichs sowie zahlreiche Leihmöglichkeiten bieten eine ideale Infrastruktur für E-Bike-Liebhaber.

Ausblick auf den Watzmann

Am dritten Tag besteht Auswahlmöglichkeit für uns: Entweder man fährt die abwechslungsreiche Etappe über Hallein hinauf nach Bad Dürrnberg und sehr steil auf den Zinkenkogel, genießt dann die aussichtsreiche Rossfeld Höhenstraße mit Ausblicken in das Salzachtal und auf das Göllmassiv und fährt hinunter über den Königssee weiter zum Hintersee. Oder man strapaziert die Waden noch mehr und macht die direkte, aber umso sportlichere Variante über das Bluntautal und das Carl-von-Stahl-Haus. Die letzten 330 Höhenmeter von der Oberen Jochalm hinauf muss man das Bike allerdings schieben. Die Belohnung: der Ausblick auf den Watzmann von der Sonnenterrasse des Stahl-Hauses. Ein absolut atemberaubendes Erlebnis. E-Mountainbiker wählen die Variante über Bad Dürrnberg und das Rossfeld.

Eine Landschaft wie aus dem alpinen Bilderbuch.

Eine Landschaft wie aus dem alpinen Bilderbuch.

Das „Finale“ der Watzmann-Hochkönig-Runde

Für uns geht es bei bestem Wetter los. Der Himmel ist wolkenlos und tiefblau, schon am Vormittag klettern die Temperaturen auf knapp 20 Grad. Vorerst geht es noch recht flach bis Hallein, von hier aus führt der Anstieg über Bad Dürrnberg auf den Predigtstuhl und weiter auf den Zinkenkogel. Kurz bevor wir die Grenze nach Deutschland überqueren, wird es erneut richtig knackig und steil. Einige Rampen erreichen über 30 Prozent Steigung und diese fordern alle Kraft und Konzentration.

Der weitere Anstieg auf die Rossfeldhütte entpuppt sich dann noch einmal als echte Kraftprobe. Schier unendlich lange schrauben wir uns über Serpentinen gen Himmel, die Sonne brennt erbarmungslos herunter. So quälen wir uns weiter durch die Hitze auf knapp 1600 Meter über dem Meeresspiegel. Dort allerdings werden wir dann durch ein atemberaubendes Panorama mit Blick auf die umliegenden Bergriesen belohnt.

Anspruchsvolle Passagen und grandiose Ausblicke

Von Hintersee aus verläuft die nächste und kürzeste Etappe der Südschleife. Sie hat mit einem steilen Anstieg zum Hirschbichl und der Bikestrecke zwischen Saalfelden und Maria Alm auch herausfordernde Passagen. Die Abfahrt vom Hirschbichl bis Weißbach mit bis zu 30 Prozent Gefälle macht aber richtig Spaß. Apropos Herausforderung für Mountainbiker: Europas Bikepark Nr. 1 im Nachbarort Leogang ist nur 12 Kilometer entfernt!

Auf der Schlussetappe in der Region Hochkönig haben wir fast immer den gleichnamigen Alpenriesen im Blickfeld. Je mehr wir ihn umrunden, umso eindrucksvoller ist die Aussicht auf dieses gewaltige Gebirgsmassiv. Die alternative Variante verlässt kurz vor Dienten die Originalstrecke und weist rund 200 Höhenmeter weniger auf. Vor allem der idyllisch gelegene Böndlsee, die Fahrt auf der sogenannten Salzburger Sonnenterrasse bis St. Veit im Pongau und die Bergtour zur Pronebenalm haben ihren besonderen Reiz – wie die gesamte Watzmann-Hochkönig-Runde.

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Etappen der Tour gibts hier!

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