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Zwolle, Hanseradweg, Reise

Hanseradweg: Mit dem Fahrrad von Deutschland in die Niederlande

Von Hansestadt zu Hansestadt

Hanseradweg: Mit dem Fahrrad von Deutschland in die Niederlande

Wie könnte man die Hansestädte besser erkunden als auf dem Rad? Auf einer Strecke von insgesamt 450 Kilometern führt Sie der Weg grenzüberschreitend in die historischen Zentren der Hansestädte.
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Erleben Sie auf dem Hanseradweg Geschichte hautnah und authentisch: Laufen Sie über die ­uralten Sträßchen, berühren Sie die Überreste mittelalterlicher Stadtmauern und betreten Sie die einstigen Speicherhäuser. Der historische Glanz des mächtigen Handelsverbunds offenbart sich hier in all seiner Pracht. Dabei sind Gastronomie und reizvolle Einkaufsgelegenheiten nie weit.

Stromabwärts auf den Spuren der Hanse

Los geht es im niederrheinischen Neuss und dann stromabwärts über Wesel und Kalkar, bis Sie hinter Emmerich die Grenze zu den Niederlanden überqueren.

Hier folgen die niederländischen Hanzesteden mit wohlklingenden Namen wie Kampen, Hattem, Elburg oder Doesburg. Insgesamt reihen sich auf dem Hanseradweg 13 dieser pittoresken Städte wie Perlen hintereinander auf – bis zum krönenden Abschluss in Harderwijk.

Hattem, Kleine Veer, Hanseradweg

Stromabwärts auf den Spuren der Hanse

Natur pur

Auf dieser abwechslungsreichen Route mit insgesamt acht Etappen kommen auch Naturfreude nicht zu kurz: Es geht durch abwechslungsreiche Landschaften, etwa durch die Auen an Rhein, IJssel und Zwarte Water. Alles Flüsse, die der Region viel Reichtum bescherten.

Auf beiden Seiten der Grenze wird nach Knotenpunkten gefahren. Auf deutscher Seite kann man zudem auch teilweise der Beschilderung des Rheinradweges folgen.

Es geht auch kürzer

Wer es lieber etwas kürzer haben will, kann sich auch nur eine Etappe der Route vornehmen. Es gibt insgesamt acht Etappen, und mit jeder Etappe legt man ein kleines Stück der gesamten Route zurück. Jede Etappe führt durch zwei oder drei Hansestädte, so dass man viel zu sehen bekommt. Zudem gibt es noch sechzehn zusätzliche Hanse­runden: Rundwege, bei denen man wieder am Startpunkt auskommt. Sie führen durch das Hinterland der Hansestädte und vermitteln einen wunderbaren Eindruck der Natur. Es ist also für jeden etwas dabei. Eine dieser Hanserunden führt etwa nach Maasbommel. Diese kleinste niederländische Hansestadt ist äußerst malerisch an der Maas gelegen.

Die gesamte Route, einzelne Etappen und die Hanserunden lassen sich hier herunterladen: Hanseradweg.de. Auch Übernachtungstipps finden Sie hier.

Aufladestationen auf niederländischer Seite sind hier zu finden. Ladestationen in Deutschland auf www.fahrrad.de.


Hanseradweg: Etappe 1

Neuss → Wesel
Länge: 85 Kilometer

Der Hanseradweg startet in Neuss, einer der ältesten Städte Deutschlands, wo die Römer bereits vor mehr als 2000 Jahren an der Erft-Rhein-Mündung den Grundstein der Legionsbasis Novaesium legten. Von Neuss geht es weiter nach Wesel. Besonders sehenswert ist hier das LVR-Niederrheinmuseum in der historischen Zitadelle mit seinem begehbaren Panorama der Hansestadt Wesel im 16. Jahrhundert. Anschaulich können Sie hier auf Ihrem Ausstellungsrundgang 700 Jahre deutsch-niederländischer Geschichte erleben – keine schlechte Vorbereitung für den Rest Ihrer Tour.


Hanseradweg: Etappe 2

Wesel → Kalkar → Emmerich a. R.
Länge: 50 Kilometer

Von Wesel geht es weiter nach Kalkar. Unvergleichlich der Hochaltar der St. Nicolai-Kirche mit seinen mehr als 200 geschnitzten Figuren, monumental das strenge mittelalterliche Rathaus aus Backstein. Sehenswert: das idyllische Grieth am Rhein. Die im Jahre 1250 gegründete Stadt bietet historische Atmosphäre. Durch das gut ausgebaute Radwegenetz in der Region zeigen sich auf dem Weg nach Kalkar die zahlreichen Facetten der schönen niederrheinischen Landschaft: grenzenloses Flachland mit Pappelalleen, geduckte Kirchtürme und eingesprenkelte Gehölze. In Kalkar finden Sie neben der historischen Stadtwindmühle auch eine Brauerei mit Biergarten, wo man sich wunderbar ausruhen kann. Empfehlenswert sind die hausgemachten Kartoffelröstis. Die Etappe endet in Emmerich mit seiner beeindruckenden Rheinbrücke und Rheinpromenade.

Emmerich am Rhein, Hanseradweg

Radeln auf der Gastronomischen Meile: Emmerich am Rhein


Hanseradweg: Etappe 3

Emmerich a. Rhein → Nimwegen
Länge: 40 Kilometer

Von Emmerich aus fahren Sie am Rhein entlang, bis Sie die Grenze überqueren und schließlich die älteste Stadt der Niederlande erreichen: Nimwegen, von den Römern vor rund 2000 Jahren gegründet. Wer über die Waalbrücke ins Zentrum einfährt, bestaunt die Waalkade, die repräsentative Straße entlang des Flusses, und die Silhouette der Innenstadt. Hier geht die historische Altstadt mit moderner Architektur Hand in Hand. Ein weiteres Plus für Nimwegen: Die Stadt liegt mitten in der Natur, mit viel Grün und Wasser. Werfen Sie unbedingt einen Blick in die Sint-Stevenskerk, die älteste Kirche der Stadt, in der sich eine Orgel des berühmten Kölner Orgelbauers Ludwig König aus dem Jahr 1776 befindet. Bevor Sie weiterfahren, sollten Sie noch einen Kaffee in einem der Außencafés auf dem wunderschönen Grote Markt trinken.


Hanseradweg: Etappe 4

Nimwegen → Arnheim → Doesburg
Länge: 48 Kilometer

Von Nimwegen geht es weiter nach Arnheim. Ein Spaziergang durch die Innenstadt wird zur Reise in eine längst vergangene Zeit: Verwinkelte Gassen mit Kopfsteinpflaster und mittelalterliche Häuser, malerische Renaissancebauten und Überreste der Stadtbefestigung. Ein besonderes Highlight ist der Besuch der spätgotischen Eusebiuskirche: Hier befördert ein gläserner Fahrstuhl die Besucher*innen 73 Meter in die Höhe. Von den Glasbalkonen aus hat man eine spektakuläre Aussicht auf die Hauptstadt der Provinz Gelderland und ihre Umgebung. Die Radtour endet in Doesburg, wo man nach dem Absteigen vom Rad aber nicht stillsitzen muss: Wer noch Energie hat, sollte einen Spaziergang durch die Stadt machen und das Senfmuseum und die Senffabrik besuchen, wo noch immer nach einem jahrhundertealten Rezept Senf hergestellt wird.

Doesburg, Hanseradweg

Das Stadsbierhuys De Waag in der Hansestadt Doesburg


Hanseradweg: Etappe 5

Doesburg → Zutphen → Deventer
Länge: 40 Kilometer

Von Doesburg, was übrigens gesprochen wird mit langem „u“ und „ü“ [Duusbürch], geht es nach Zutphen, die Turmstadt: Schon von weitem fällt das Panorama der Stadt auf, das zahlreiche große und kleinere Kirchtürme zieren. Im alten Stadtkern angekommen, fühlt man sich um viele Jahrhunderte zurückversetzt: Packhäuser, Kaufmannsresidenzen, Kirchen, Innenhöfe, Plätze und Gässchen vermitteln eine heimelige Atmosphäre. Wer schon eine Stärkung braucht, dem sei das Genietcafé im Oude Bornhof empfohlen. Das Café ist in einem wunderschönen, jahrhundertealtem Innenhof gelegen. Die historischen Gebäude dienten im 17. Jahrhundert als Altenheim für Bedürftige. Weiter geht es nach Deventer, der letzten Stadt auf dieser Etappe. Von der Tour erholen können Sie sich in einem der gemütlichen Außencafés auf dem historischen Stadsplein de Brink, der schon zu Hansezeiten der absolute Treffpunkt in Deventer war. Nach der Errichtung der neuen Stadtmauer um 1350 wurde der Schiffsverkehr von der IJsselkade in den Hafen verdrängt. Und so entwickelte sich der günstig gelegene de Brink  zum Handelszentrum der Stadt, an dem die Hansekaufleute zusammenkamen. Diese Atmosphäre lässt sich noch heute erahnen.


Hanseradweg: Etappe 6

Deventer → Hattem → Zwolle
Länge: 42 Kilometer

Auf dieser Etappe können Sie einem der schönsten Flüsse der Niederlande folgen: Die IJssel führt Sie durch wunderschönes Naturschutzgebiet. Los geht es in Deventer, einer echten Veranstaltungsstadt. Zu den größten Publikumsmagneten zählt der jährliche Büchermarkt, der der größte Europas sein soll und jedes Jahr am ersten Sonntag im August stattfindet. Es geht vorbei an historischen Kirchen, jahrhundertealten Plätzen und monumentalen Giebelhäusern. Dann verlassen Sie die Stadt und nähern sich dem pittoresken Städtchen Hattem. Hier ist das Bäckereimuseum sehr empfehlenswert, denn neben der Geschichte des Backwesens bietet es auch die Möglichkeit, sich ein prächtiges Patrizierhaus aus dem Jahr 1618 anzusehen: So wohnten die mächtigen Hansekaufleute. Die Etappe endet in Zwolle, wo hübsche Boutiquen, gemütliche Cafés und erstklassige Restaurants auf Sie warten, etwa die „gillende Keukenmeiden“ (= schimpfenden Küchenmägde) auf dem Merminneplein, die hausgemachte Kuchen, Torten und Brote anbieten.

Besuchen Sie auch den Sassenpoort, der um 1409 erbaut wurde. Die Stadtwächter in diesem Pförtnerhaus hatten zu Hansezeiten die Aufgabe, verurteilte Straftäter an ihren abgeschnittenen Ohren oder Brandmalen zu erkennen und gar nicht erst in die Stadt zu lassen.

Hattem, Hansestadt, Außengastronomie

Genießen Sie bei ­einem Stadtbummel die Außengastronomie in der ­Hansestadt Hattem


Hanseradweg: Etappe 7

Zwolle → Hasselt → Kampen
Länge: 43 Kilometer

Von Zwolle geht es weiter nach Hasselt, einer Stadt, die mitunter als Klein Amsterdam beschrieben wird – ihrer schönen Hausfassaden und versteckten Winkel wegen. Auch hier hat sich die historische Altstadt nahezu lückenlos erhalten. Im Mittelalter war Hasselt im Norden der Provinz Overijssel ein bedeutendes religiöses Zentrum. Die Wallfahrtskapelle De Heilige Stede war festes Ziel auf Pilgerreisen. Hasselt befindet sich sogar an einem Knotenpunkt von mehreren Pilgerrouten. So treffen hier der Habichtsweg aus Friesland und der Jakobsweg aus Groningen zusammen und münden in den internationalen Pilgerweg nach Santiago de Compostela in Spanien. Im Hafen von Kampen angekommen, lohnt ein Besuch der Kamper Kogge, eines Nachbaus einer mittelalterlichen Hansekogge. So nannten sich die kleinen Segelschiffe, mit denen die Hansekaufleute ihre Waren über die IJssel und die Nordsee transportierten. Von April bis Oktober können Sie Fahrten auf ihr buchen.

IJsseldelta, Hanseradweg

Entdecken Sie das IJsseldelta, hier die malerische Umgebung Kampens


Hanseradweg: Etappe 8

Kampen → Elburg → Harderwijk
Länge: 39 Kilometer

Von Kampen führt die Tour weiter nach Elburg, einer charmanten Festungs- und Fischerstadt, in der man sich auf eine Reise in die Vergangenheit begibt. Der Weg durch das mittelalterliche Stadttor führt Sie direkt in die historische Innenstadt, die gerade einmal 250 mal 350 Meter misst und einen Besuch dennoch mehr als wert ist. Danach geht es weiter nach Harderwijk, der letzten Hansestadt auf dem Hanseradweg. Ein Spaziergang durch die Stadt führt unweigerlich an der Onze Lieve Vrouwekerk vorbei, einer Basilika mit dreiteiligem Aufriss aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Sehen Sie sich auf jeden Fall auch innen die christlichen Darstellungen aus dem 16. Jahrhundert an. Wer Haute Cuisine schätzt, kann sich zur abgeschlossenen Radroute mit einem exzellenten, wenn auch nicht ganz günstigen Essen belohnen: Im Basiliek am Vischmarkt.

Elburg, Hanseradweg

Radfahrer in der Hansestadt Elburg, im Hintergrund der historische Vischpoort

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