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Stephan Kümmel auf den ersten Trainingskilometern.

Mountainbike und Triathlon für Einsteiger: Endlich Sport

Trotz Plautze Rennluft schnuppern

Mountainbike und Triathlon für Einsteiger: Endlich Sport

Aktiv sein hält fit. Wer sich regelmäßig bewegt, den kitzelt immer mal wieder das Bedürfnis, vielleicht auch mal einen Schritt weiter zu gehen. Warum nicht mal an einem Wettkampf teilnehmen? Nicht um zu gewinnen. Sondern ganz nach dem olympischen Gedanken: Dabei sein ist alles. Denn auch bei Hobby-Sportlern, die nicht um jede Sekunde, jede Platzierung kämpfen, steigt der Adrenalinspiegel beim Start. Wenn auch nicht alles ganz so verbissen wie bei den wirklich ambitionierten Sportlern ist, das Miteinander und der faire Sportsgeist im Mittelpunkt stehen, ist eine gründliche Vorbereitung wichtig. ElektroRad-Redakteur und Freizeitsportler Stephan Kümmel zeigt, wie es geht. Auch ohne minutiösen Plan und vielen Stunden Training am Tag. Das Ziel: Ein olympischer Triathlon im Rhein-Main-Gebiet und ein Mountainbike-Marathon im Schwarzwald.
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Manche nennen es Midlife-Crisis, andere den Wunsch, nach vielen Jahren eingefahrener Wege mal was Neues auszuprobieren. Ich persönlich nenne es den nötigen Tritt in meinen Hintern, um überhaupt ein wenig in die Puschen zu kommen. Mit knapp 40 wird es langsam schwerer, die Rettungsringe um die Hüften nicht allzu prall werden zu lassen. Zwar fahre ich jeden Tag mit dem Fahrrad in die ElektroRad-Redaktion. Aber der Name unserer Zeitschrift zeigt schon das Problem: Ich fahre meistens mit dem E-Bike. So kann ich unterwegs schon meine Pendlerstrecke mit der Arbeit, dem Fahrrad-Testen, verbinden. Ambitionierter Mountainbike-Fahren oder gar einen Triathlon? Fehlanzeige.

Trachten auf dem E-Bike oder Funktionskleidung auf dem Mountainbike. Der Autor fragt sich: Ist E-Biken eigentlich Sport?

Trachten auf dem E-Bike oder Funktionskleidung auf dem Mountainbike. Der Autor fragt sich: Ist E-Biken eigentlich Sport?

Ist E-Biken eigentlich Sport?

Böse Zungen behaupten ja, E-Biken sei kein Sport. Ein ganz übellauniger Leserbriefschreiber nannte Pedelecs kürzlich gar „Mofas“. Ich weiß es zwar besser. Ich trete auf dem Weg zur Arbeit trotz Motor im Schnitt meine 140 bis 180 Watt ganz ohne E-Power, nur mit meinen Beinen. Ein kleines Männchen in meinem Hinterkopf aber macht mir ständig ein zumindest klitzekleines schlechtes Gewissen. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich will mal wieder eine sportliche Herausforderung meistern. Mein letzter Triathlon – Sprintdistanz – ist zwei Jahre her, mein letztes Mountainbike-Rennen – ein Sechs-Stunden-Rennen in der Viererstaffel – gar mindestens fünf. Ganz genau weiß ich es schon nicht mehr.

Wie sportlich ist eigentlich das E-Bike? Hier gibt’s die Antwort!

Nicht ganz unten anfangen: Zwei ambitionierte Ziele

Um nicht in der Jedermann-Disziplin anzutreten, suche ich mir zwei ambitionierte Ziele aus: Einen olympischer Triathlon im Sommer, einen Mountainbike-Marathon im Herbst. Gar nicht so leicht. Denn die Auswahl an interessanten Strecken und Veranstaltungen ist groß. Gerade Triathlons gibt es inzwischen zuhauf. Die MTB-Marathon-Szene hingegen schrumpft. So ist zumindest mein Eindruck. In meiner Heimatregion, dem hessisch-bayerischen Grenzgebiet im Spessart, sind in den vergangenen Jahren einige spannende Marathon-Rennen eingestellt worden. Enduro-Rennen sind offensichtlich lukrativer.

Trotzdem ist der Spessart weiterhin ein Eldorado für Mountainbiker!

Triathlon: Dreifache Herausforderung auf der olympischen Distanz.

Triathlon: Dreifache Herausforderung auf der olympischen Distanz.

Rodgau-Triathlon: Überschaubare Veranstaltung mit exzellentem Ruf

Beim Triathlon war die Entscheidung einfach. Den Rodgau-Triathlon hatte ich schon mehrmals im Blick. Geklappt hat es bisher nie. Aber der gute Ruf des Events im triathlonverrückten Rhein-Main-Gebiet eilt dem veranstaltenden TSV Dudenhofen voraus. Mit nicht einmal 500 Startplätzen für den offenen olympischen Wettkampf ist die Veranstaltung überschaubar. Schwimm-, Rad- und Laufstrecke sind eng beieinander, es gibt nur eine Wechselzone: Vor allem für Zuschauer ist das Event rund um den Rodgau-See eine wahre Pracht.

Ernüchterung: Das mit dem Kraulen wird wohl nichts

Die ersten Trainingseinheiten habe ich bereist hinter mir. Eine erste Ernüchterung: Ich finde keinen Schwimm-Trainer. Offenbar sind alle Kurse im weiten Umkreis um meinen Münchener Arbeitsplatz ausgebucht. Und ohne Trainer kein Kraul-Stil. Ich werde die 1,4 Kilometer lange Schwimmrunde wohl als Brustschwimmer absolvieren. Denn ganz alleine kann ich mir die Kraul-Technik im Leben nicht aneignen. Da ich aber ohnehin nicht unter die Top-100 des Triathlon kommen will (und werde), wird das schon klappen. Nur meine Knie sind schon jetzt nicht gerade amüsiert von diesem Plan. Apropos Plan: Wie ein Laie seine ersten Wettkämpfe angehen sollte, damit werde ich demnächst ein ausführliches Interview führen. Das wird, sobald es veröffentlicht ist, natürlich hier verlinkt.

Wie man ambitionierter ans Ziel kommt, berichtet uns Tagesschau-Sprecher und Ironman-Finisher Thorsten Schröder.

Anspruchsvolles Terrain: Der Schwarzwald ist für Mountainbiker nicht ohne!

Anspruchsvolles Terrain: Der Schwarzwald ist für Mountainbiker nicht ohne!

Trail Hype als Höhepunkt: 60 Kilometer, 2000 Höhenmeter, 60 Prozent Singletrail

Der eigentliche Höhepunkt meines Vorhabens soll der Mesa Parts Trail Hype in Titisee-Neustadt, ein Mountainbike-Marathon, werden. Start an der Hochfirst-Schanze, 60 Kilometer auf zwei Runden, insgesamt 2000 Höhenmeter. Das alles verteilt auf eine Strecke, die zu 60 Prozent aus Singletrails besteht. Die Beschreibung des Wegs hat mich sofort fasziniert. Ich habe aber bereits heute – noch sind es knapp 90 Tage bis zum Rennen – gehörig Respekt vor diesem Kurs. Aber auch enorm viel Lust. Denn ganz ehrlich: Für mich bringt das Mountainbike so viel mehr Spaß als das Rennrad!

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Ein Faulenzer wie ich taugt nicht als Vorbild

Warum schreibe ich das alles? Ein Vorbild will ich nicht sein. Denn dazu bin ich – ganz ehrlich – zu faul. Ich brauche die Herausforderung, etwas vor Augen, vor der Brust zu haben, um mich zumindest ein wenig zu motivieren. Denn einen Trainingsplan habe ich eigentlich auch. Nur halte ich mich zu selten daran. Klar ist aber auch: Hätte ich kein Ziel, ich würde mich noch mehr gehen lassen. Das haben mir die vergangenen zwei Jahre gezeigt. Ich versuche also sozusagen, hier eine Mogelpackung zu verkaufen: Den größtmöglichen Gewinn mit dem kleinstmöglichen Einsatz. Das gilt für den Triathlon ebenso wie fürs Mountainbike. Der Gewinn: Dieses tolle Gefühl, über die Ziellinie zu kommen und gemeinsam mit den vielen anderen Sportlern etwas geschafft zu haben. Den Sportsgeist an der Strecke zu spüren, wenn Fairness und gegenseitige Hilfe wichtiger sind als das Feilschen um Sekunden. Das sind die Dinge, die uns Freizeitsportler im hinteren Teil des Feldes zusammenschweißt. Denn da, wo ich mich tummeln werde, ringt jeder mit sich selbst, nicht gegen den anderen.

Start und Ziel des Trail Hype: Die Hochfirstschanze, Titisee-Neustadt

Start und Ziel des Trail Hype: Die Hochfirstschanze, Titisee-Neustadt

Ein gutes Pferd spring nur so hoch wie es muss

Aber als grundsätzlich fauler Mensch werde ich nur so viel ins Training für Triathlon und Mountainbike investieren, wie nötig ist, um mich nicht komplett zu zerstören. Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss, heißt es ja. Im Umkehrschluss zeigt das aber auch: Ohne Hindernis springt besagtes Pferd gar nicht. Ohne Ziel trainiere ich gar nicht. Was dabei herauskäme, mag ich mir nicht ausmalen.

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Mein Training und ich: Auf der Suche nach der faulsten Ausrede

Also besteht in dieser kleinen Serie für Sie die Möglichkeit, mich dabei zu beobachten, wie ich mir immer wieder mal neue Ausreden ausdenke, warum ich die eine oder andere Trainingseinheit verkürzt, abgesagt oder verschoben habe. Gleichzeitig werde ich die beiden Wettbewerbe in Rodgau (Triathlon) und Titisee-Neustadt (Mountainbike) vorstellen, um Ihnen wenn nicht für 2019, so aber vielleicht für 2020 Lust auf diese Events zu machen. Ich werde mit Trainern und Physiotherapeuten sprechen, die mir sagen werden, was ich eigentlich tun sollte, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Was ich dann vermutlich das eine oder andere Mal ignorieren werde. Und natürlich stelle ich auch mein Equipment vor, das mich auf meiner kleinen Reise begleitet.

Warten auf das Scheitern

Ich stehe nicht mehr ganz am Anfang, als ich diese Zeilen schreibe. Am Ende bin ich aber auch noch lange nicht. Ich bin gespannt, ob ich es schaffe, mir selbst den beschriebenen Tritt in den Hintern zu geben. Wenn nicht, werden Sie Zeuge meines Scheiterns. Ich will es nicht hoffen.

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