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Trekkingräder um 1000 Euro im Test

Günstige Trekkingräder im Test: Tourige Tausender

Trekkingräder um 1000 Euro im Test

Der Spaßfaktor eines Fahrrads hängt ganz sicher nicht vom Geld ab. Seine Qualität aber schon. Ob und wie sich der Gegenwert verändert, kann man ganz gut an so markanten Preispunkten wie bei unseren fünf tourigen Tausendern feststellen.
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Um festzustellen, wie hoch die Teuerungsrate ist, wird ein sogenannter repräsentativer Warenkorb zusammengestellt und sein aktueller Wert ermittelt. Darin befinden sich Güter des täglichen Bedarfs, Dienstleistungen und gelegentliche Anschaffungen wie eine Waschmaschine oder ein Auto. Die empfundene oder „gefühlte Inflation“ gibt der Warenkorb daher nur bedingt wieder.Sogenannte Eckpreislagen können da manchmal direkter und aufschlussreicher Auskunft über Entwicklungen geben. Selbst wenn sie nur einen Aspekt beleuchten. Je nach Wert ist so eine Ausgabe zwar mal mehr mal weniger täglich. Aber einen Anhaltspunkt für den Wert und Gegenwert eines Produktes gibt sie allemal. Eine typische Eckpreislage sind etwa 999 Euro – in unserem Fall für ein Fahrrad.

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Günstige Trekkingräder: Umkämpfte Zone

Neunhundertneunundneunzig Euro sind für viele Kunden auch die absolute Schmerzgrenze und damit eine psychologische Grenze beim Erwerb eines neuen Trekkingrades. Das macht sie für den Handel und die Hersteller attraktiv und gefürchtet zugleich. Als Folge werden mit viel Eifer Fahrräder auf die Reifen gestellt, die unbedingt diese Marke halten müssen. Große Hersteller haben es aufgrund der Masse an Produkten und damit Einkaufsmöglichkeiten meist einfacher als kleine. Auch bei Versendern mit Direktvertrieb kann man von einem attraktiven Preis-Leistungsverhältnis profitieren.

Diese Räder haben wir getestet:

Modell Preis
Raleigh Rushhour 3.0 899 Euro Zum Hersteller
Winora Domingo 30 999 Euro Zum Hersteller
Batavus Ferino 899 Euro Zum Hersteller
Stevens Boulevard Luxe 1099 Euro Zum Hersteller
Radon Solution Sport 999 Euro Zum Hersteller

Unser Test vereint fünf Kandidaten aus meist größerem Umfeld. Dazu gehören das Raleigh Rushhour 3.0, das Winora Domingo 30, Batavus Ferino und Stevens Boulevard Luxe. Aus dem Direktvertrieb kommt das Radon Solution Sport. Allerdings sind wir den Herstellern etwas entgegengekommen und haben die Preisspanne von 899 bis 1099 Euro geöffnet. Das mag der hier skizzierten Idee zunächst widersprechen. Im Endeffekt sind die Preisdifferenzen aber gar nicht so offensichtlich.Was man auf jeden Fall feststellen kann – und dafür ist so eine Eckpreislage eben interessant –, ist, dass sich die Ausstattung der Räder in den letzten Jahren schon verändert hat.

Technische Veränderung bei Trekkingrädern

Vor nicht allzu langer Zeit waren die Trekkingräder regelmäßig, wenn nicht standardmäßig mit Shimanos Komponentengruppe Deore bestückt. Diese hochwertige Mittelklasse wurde nach und nach durch die im Portfolio darunter angesiedelte Alivio-Gruppe abgelöst. Zumindest wenn ein Rad ingesamt rund abgestimmt ist und von einem „normalen“ Anbieter kommt. Positive Ausreißer in Form von Deore und sogar Deore XT bekommt man nur vereinzelt und vor allem im Direktvertrieb. Das Radon ist ein gutes Beispiel dafür. Oder es geht zu Lasten anderer Komponenten, wie der Reifen, die dann nicht mehr so gut rollen oder der Beleuchtung, deren Leuchtstärke oder technische Features reduziert sind.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Hier hat er unbedingt eine wohltuende Wirkung.

Das doch so eindeutig anmutende Bild von der Verschiebung im Preis-Leistungsverhältnis bekommt aber einen Knick, wenn man ins Detail geht. Denn dann weiß man, dass sich nicht nur die Preise erhöht haben, sondern auch das technische Niveau. So ist eine Alivio-Schaltung von heute auf dem technischen Niveau einer Deore von vor wenigen Jahren. Inklusive der damals in der Mittelklasse noch aktuellen 3×9-Schaltung.

Zuverlässig und leichte Technik: Gutmütige Tourer

Was die Praxisprüfung angeht, können uns alle fünf Räder voll überzeugen. Große Schwächen braucht man in dieser Preisklasse nicht zu erwarten. Wer rund einen Tausender auf den Tisch legt, bekommt eine insgesamt zuverlässige und ausreichend leichte Technik. Wartungsarme Scheibenbremsen gehören auch hier zum Standard und geben einen sportlichen Look. Toll ist, dass alle Rahmen einen wirklich hochwertigen – und zunehmend besseren – Eindruck machen, teils mit schönen Lösungen, die das Auge und die Werkstatt erfreuen. Bis auf das ausgeprägt sportliche Radon, rollen alle Räder mit sehr gutem Komfort und lassen es zwar zügig, aber nicht hektisch angehen. Technisch betrachtet hat sich, bis auf einige Ausreißer zwischendurch, also eigentlich gar nichts verschlechtert. Nominell natürlich schon. Und das ist für den gefühlten Wert nicht unwichtig.

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Unsere Meinung: Weniger ist gleich

Auf den ersten Blick mag es vielleicht schwer fallen, eine Alivio anstelle einer Deore zu akzeptieren. Wer das Etikett aber beiseite schiebt, entdeckt darunter bekannte Technik. Wer mehr und Neueres will, muss nach wie vor tiefer in die Tasche greifen.

Alle Testbriefe gibts in der aktiv Radfahren 9-10/2018.

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