Rückspiegel fürs Fahrrad im Test: Mehr Sicherheit für Radfahrer?

Spiegel, Blinker, Schulterblick: Elf Rückspiegel im Test

Rückspiegel fürs Fahrrad im Test: Mehr Sicherheit für Radfahrer?

„Spiegel, Blinker, Schulterblick.“ So lernen es angehende Autofahrer in der Fahrschule. Inzwischen sind auch Blinker am Fahrrad offiziell erlaubt. Trotzdem heißt es beim Fahrrad dann doch eher „Spiegel, Handzeichen, Schulterblick“. Wir haben elf Rückspiegel getestet.
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Moment – Rückspiegel am Fahrrad? Tatsächlich fahren viele Tourenfahrer mit der „Sehhilfe“ am Lenker, um im immer dichter werdenden Verkehr den Überblick zu behalten. Die Zahl der Fahrradfahrer steigt rasant, leider verbessert sich die Fahrradinfrastruktur derweil kaum. So werden die Radwege, wenn es sie denn gibt, immer voller. Damit erhöht sich auch die Unfallgefahr. Und dort, wo es keine Radwege gibt? Teilen wir uns die Fahrbahn mit Autos, Kleintransportern, Lastwagen, Bussen, E-Scootern und anderen Radfahrern. Da die Übersicht zu behalten ist nicht leicht.

Rückblick ohne den Kopf zu wenden

Aufs Gehör können wir uns nicht allein verlassen, wenn es um den rückwärtigen Verkehr geht. E-Autos, Radfahrer und Scooterfahrer nähern sich fast lautlos. Ständig den Kopf zu drehen lenkt vom vorausfahrenden Verkehr ab, lässt uns sich nähernde Hindernisse vielleicht übersehen. Hier greifen Rückspiegel, die uns einen kurzen Augenblick nach hinten schauen lassen, ohne dass das große Ganze aus dem Blickfeld verschwindet. Wichtig ist: Die Spiegel sollen möglichst wackelfrei sein, ein klares, nicht verschwommenes Sichtfeld bieten und richtig eingestellt sein.

Wir haben uns insgesamt elf Rückspiegel von sieben namhaften Herstellern angesehen. Zehn davon werden direkt am Fahrrad befestigt, einer – der Zefal Z Eye – wird an den Helm geklettet. Sieben der zehn herkömmlichen Spiegel können sowohl im Lenkerende als auch am Lenker befestigt werden. Bei der Innenmontage wird ein Klemmadapter in das Lenkerende geschoben, fixiert und daran dann der Spiegel montiert. Die Griffe brauchen in diesem Fall eine Öffnung, die in der Regel mit einer Plastik- oder Gummikappe abgedeckt ist. Griffe aus einem Guss eignen sich nicht. Wird der Spiegel direkt am Lenker befestigt, müssen zuerst die Bremse, etwaige Schalt- oder Remotehebel sowie die Griffe gelöst und etwa zwei Zentimeter nach innen geschoben werden, um die Spiegel am Lenkerende zu montieren. Die Griffposition links und rechts wird also minimal asymmetrisch. Soll der Spiegel mit seinem Haltearm zwischen Griff und Hebeln montiert werden, nimmt man den Griff ab, verschiebt die Hebelgarnitur etwas nach innen, montiert den Spiegel und steckt schließlich den Griff wieder auf.

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Gewicht bringt Stabilität

Je schwerer der Spiegel, das zeigt unser Praxistest, desto sicherer und wackelfreier sitzt er in der Regel am Lenker. 255 Gramm für den schwersten Spiegel (Ergotec M-99) sind allerdings auch kein Pappenstiel. Zusätzlich Stabilität schafft, wenn der Spiegel nach dem korrekten Einstellen am Kugelkopf, der Arm und Spiegelfläche miteinander verbindet, fixiert werden kann. Das bieten Decathlon, M-Wave und Contec. Ergotec verbaut sehr stabile Kugelköpfe aus Metall. Der Ergon ist ebenfalls stabil, aber aus Kunststoff. Eher wackelig ist der ZL Tower 80 von Zefal.

Wichtig für den Kauf des Rückspiegels sind die eigenen Blickgewohnheiten. Einige Spiegel bieten einen breiten, weitwinkligen Blick zurück, die Objekte im Spiegel erscheinen dann allerdings tendenziell kleiner. Andere, allen voran der Ergotec M-88, haben einen deutlichen Zoom-Effekt. Die Objekte im Spiegel sind etwas bis deutlich vergrößert. Bei diesen Spiegeln ist das Sichtfeld aber auch deutlich verkleinert. Wer den fokussierten Blick entlang einer Achse sucht, ist mit diesen Spiegeln gut bedient.

Das Sichtfeld hängt auch von der Spiegelgröße ab. Die variiert im Test zwischen 4×3 cm (Zefal Z Eye) und 13×8,5 cm (Decathlon City Bike 520). Der Z Eye sitzt dabei sehr nah am Auge, was das Sichtfeld in der Praxis deutlich größer macht als es die schiere Größe vermuten lässt. Die am Lenker und damit weit vom Auge entfernt montierten Spiegel bieten in der Praxis ein ähnliches Sichtfeld.

Das richtige Einstellen

Rückspiegel bringen nur dann was, wenn sie auch richtig eingestellt sind. Das ist gar nicht so einfach, denn ob er richtig sieht, erkennt der Fahrer erst beim Fahren. Im Stand schon kann der Fahrer grob darauf achten, dass der eigene Arm das Sichtfeld nicht beeinträchtigt. Nicht direkt beim Blick auf den Spiegel und nicht im Spiegelbild. Montieren Sie nun den Spiegel so fest am Lenker, dass er nicht sofort verrutscht, aber auch so locker, dass sie den Sitz des Spiegelarms während der Fahrt noch leicht verändern können. Ist der Arm korrekt eingestellt, ziehen Sie die Montageschrauben fest. Nun kann während der Fahrt über den Kugelkopf das Sichtfeld so eingestellt werden, dass der Fahrbahnbereich hinter dem Fahrrad gut zu erkennen ist. Das Einstellen sollte auf einer ruhigen Straße mit wenig Verkehr erfolgen.

Rückspiegel fürs Fahrrad: Diese Modelle haben wir getestet

Marke Modell UVP Bezug
Decathlon City Bike 520 12,99 Euro Jetzt bestellen
M-Wave Spy Space In 23,90 Euro Jetzt bestellen
Zefal ZL Tower 80 27,95 Euro Jetzt bestellen
Contec E-View King 29,95 Euro Jetzt bestellen
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Rückspiegel im Test: Testergebnisse

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alps Alpine Ride Safety-System: Mehr als ein digitaler Rück­spiegel

Alps Alpine kennen viele aus der Car-HiFi-Szene. Mit dem Ride Safety RS 1000 stellen die Japaner einen digitalen Rückspiegel fürs Fahrrad vor.

Alps Alpine Ride Safety-System

In einer mit einem Rücklicht gekoppelten Box sitzt die Kamera, die sich über dessen Hotspot-Funktion mit dem Smartphone koppelt. Dort wird das Kamerabild über die Ride Safety-App wiedergegeben. Eine KI-gesteuerte Sensorik warnt dabei je nach Verkehrssituation vor sich schnell nähernden Objekten, etwa Autos. Die Warnung wird auf dem Bildschirm als oranger Kasten um das Videobild dargestellt. Die Gefahrerkennung funktioniert erstaunlich gut. Sie unterscheidet etwa zwischen Autos, die mit gebührendem Abstand den Radfahrer überholen und solchen, die sehr schnell und zu dicht am Radfahrer vorbeifahren. Das Weitwinkelbild der Kamera ist durchweg klar, fast ohne Bildrauschen, und funktioniert bis tief in die Dämmerung hinein sehr gut. Einmal eingerichtet, verbinden sich Kamera und Smartphone automatisch. Die Ride Safety-App gibt es für iOS und Android, bei Letzterem gibt es auch eine Split-Screen-Funktion, sodass die Dashcam auch parallel etwa zum Navi genutzt werden kann. Zusätzliche Sicherheit bietet das mehrstufige Bremslicht, das Alps Alpine dem RS 1000 verpasst hat. Rücklicht und Kamera sind StVZO-konform. So speichert das System nicht dauerhaft. Registriert die interne Sensorik einen Unfall, so werden die letzten zehn Sekunden bis zum Crash auf der Kamera gespeichert. Dieses Bildmaterial kann dann beispielsweise vor Gericht verwendet werden. In erster Linie ist das Ride Safety RS 1000 für den Einbau in neuen Fahrrädern ab Werk vorgesehen, es gibt das System aber auch zum Nachrüsten. Die Kameraeinheit ist mit einem internen Akku ausgestattet, der etwa vier Stunden lang hält. Sie lässt sich aber auch ans E-Bike-System anschließen. Dafür nutzt Alps Alpine im RS 1000 die weit verbreitete Netzspannung von 12 Volt.

 

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