Das Lidl-Gravelbike Prophete 1.BTM.15 im Schnäppchen-Check

Lidl-Gravelbike: Billiges Gravelbike vom Discounter

Das kann das Discounter-Spaßrad

Lidl-Gravelbike: Billiges Gravelbike vom Discounter

Der Discounter Lidl bietet derzeit ein Prophete-Gravelbike zum Schnäppchenpreis von 699 Euro an. Wir haben uns das Prophete-Rad genauer angeschaut und gecheckt, ob das Lidl-Gravelbike das Zeug zum echten Schnäppchen hat.
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Vorneweg das Wichtigste: Test gefahren sind wir das Lidl-Gravelbike nicht. Wir haben aber das nahezu identisch ausgestattete Prophete Graveler 21.BTM.10 für unseren Radfahren-Megatest 2022 ausprobiert und ausgiebig bewertet. Das Ergebnis fällt recht gut aus. Hat das Lidl-Gravelbike also das Zeug zum Schnäppchen?

Lidl-Gravelbike: Hersteller Prophete

Das Lidl-Gravelbike stammt vom altbekannten Hersteller Prophete aus Rheda-Wiedenbrück. Die Niedersachsen haben sich vor allem als Produzent von preisgünstigen Großserienrädern einen Namen gemacht. Diese werden direkt über Prophete.de sowie jenseits des Fahrrad-Fachhandels in Baumärkten und Discountern verkauft. Ihr Gravelbike „Graveler 21.BTM.15“ ist derzeit im Lidl-Onlineshop für 699 Euro zu haben. Das sind ganze 200 Euro weniger als auf der Prophete-Homepage als UVP angegeben sind. Dort ist das Rad zudem derzeit nicht verfügbar.

Das Lidl-Gravelbike im Radfahren-Check

Das Lidl-Gravelbike im Radfahren-Check

Was macht das Lidl-Gravelbike so günstig?

Im jüngsten Radfahren-Gravelbike-Test aus dem Heft 6/2021 waren keine Räder der bekannten Marken-Hersteller günstiger als 1449 Euro (Cube Nuroad EX). Das Gros der Bikes bewegte sich im Preisrahmen zwischen 1900 und 3000 Euro. Nach oben hin gibt es (fast) keine Grenzen. So kostet das Falkenjagd Aristos CX sagenhafte 7578 Euro. Warum also ist das Lidl-Gravelbike so günstig? Das liegt zum einen an der Großserie: Prophete hat einen Einheits-Alurahmen mit einer Sitzrohrlänge von 55 Zentimetern. Der ist im Lidl-Gravelbike 21.BTM.15 augenscheinlich identisch mit dem von uns getesteten 21.BTM.10. Dazu kommen einfache Komponenten, ebenfalls in großen Stückzahlen hergestellt. Das drückt den Preis. Das bedeutet gleichzeitig nicht per se, dass es sich hierbei um minderwertige Qualität handelt.

Namhafte und weniger bekannte Teile am Lidl-Gravelbike

Schaltung von Shimano, Reifen von Continental, Bremsen von Tektro: Die Hersteller der Komponenten sind im Markt etabliert und bürgen für hohen Produktionsstandard. Gleichzeitig sind die verwendeten Teile einfach: Weder legen die Hersteller in diesen „Einsteiger-Gruppen“ viel Wert auf Gewichtsersparnis, noch sind die Materialien, die dafür eingesetzt werden, auf extreme Langlebigkeit und Robustheit getrimmt: Viel einfacher Stahl, Aluminium und Kunststoff findet sich so am Rad. Dazu kommt: Bei einigen Komponenten fehlen genauere Angaben. So sind Aluminium-Hohlkammerfelgen zwar Standard bei (einfacheren) Fahrrädern. Da der genaue Typ fehlt, erfahren wir aber nichts über das Gewicht, die Herkunft und die womöglich bereits ausgiebig getesteten Eigenschaften. Vorteil Prophete und Lidl: Der Zulieferer kann schnell gewechselt werden, wenn es etwa zu Lieferengpässen kommt. Auch lässt sich so der Preis drücken: Dem Kunden sind ja keine speziellen Felgen versprochen.

Der Lenker gefällt uns gut

Der Lenker gefällt uns gut

Spritzig und mit Grip: Die Conti-Pneus

Spritzig und mit Grip: Die Conti-Pneus

Zweifach-Kurbel vorn

Zweifach-Kurbel vorn

Bremsleistung gut, Dosierbarkeit im Vergleich zu hydraulischen Discs unterdurchschnittlich

Bremsleistung gut, Dosierbarkeit im Vergleich zu hydraulischen Discs unterdurchschnittlich

Vertriebsweg und Service drückt den Preis

Auch der Vetriebsweg hat Einfluss auf den Preis: Online-Shops, Direktvertrieb und der Verkauf über Disounter und Baumärkte sind billig. Der Fachhandel braucht Laden- und Werkstattflächen sowie ausgebildetes Fachpersonal. In einem Baumarkt oder auf der Lidl-Homepage gibt es hingegen keine oder nur sehr beschränkt eine qualifizierte Beratung. Beispiel gefällig: Lidl schreibt in seinem Online-Shop von acht Gängen. Abgebildet ist aber ein Bike mit 16 Gängen. Auch auf der Internetseite von Prophete ist beim Graveler 21.BTM.15 von 2×8, also 16 Gängen die Rede.

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Fahrbericht zum Lidl-Gravelbike

Im großen Radfahren-Test Anfang des Jahres testeten wir das Prophete Graveler 21.BTM.10 ausgiebig getestet. Das auf dem Papier im Vergleich zum 21.BTM.15 augenscheinlich nahezu baugleiche Gravelbike erhielt die Radfahren-Note Gut (2,3). Wir lobten den 430 Millimeter breiten Lenker und die flinken Conti-Reifen. Eher negativ fiel uns der Einheitsrahmen auf, der nicht für kleinere Fahrer geeignet ist. Die mechanischen Scheibenbremsen entsprechen nicht der Höhe der Zeit. An den meisten (teureren) Gravelbikes sind hydraulische Scheibenbremsen verbaut. Sie bieten eine bessere Dosierbarkeit und höhere Bremswirkung bei feuchten Bedingungen. Die mechanischen Stopper brauchen mehr Kraft, sind dafür aber leichter zu warten.

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Lidl-Gravelbike: Insgesamt eher schwer

Das Gewicht des Lidl-Gravelbikes liegt bei etwas mehr als zwölf Kilogramm. Hier machen sich die einfachen, nicht gewichtoptimierten Komponenten bemerkbar. Im Radfahren-Gravelbike-Test 2021 wäre das Prophete mit das schwerste Rad im Testfeld gewesen. Nur besondere Spezialisten waren da schwerer als 12,5 Kilogramm. Das leichteste Rad im Test, das Parapera Anemos (4152 Euro), bringt gerade einmal 8,3 Kilo auf die Waage, also nur zweidrittel des Gewichts des Prophetes.

Den gesamten Test aus dem Sommer 2021 gibt es hier.

Fazit

Das Lidl-Gravelbike ist kein echtes Schnäppchen. Es ist aber auch kein Flop. Wer ein günstiges Rad für spaßige Offroad-Touren sucht, dabei keine hohen Ansprüche an die Komponenten, das Gewicht und die Fahrperformance hat, der kann mit dem Bike seine Freude haben. Für gelegentliche Ausfahrten in nicht allzu herausforderndem Terrain eignet es sich allemal. Es ist aber völlig klar: Für knapp 700 Euro gibt es kein High-Performance-Gravelbike für Supersportler.

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