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Leichte E-Bikes im Test: Pedelecs mit geringem Gewicht

Leicht ist schwer in Ordnung

Leichte E-Bikes im Test: Pedelecs mit geringem Gewicht

E-Bikes werden immer schwerer. Mehr Akku, mehr Zuladung bedeutet meist auch mehr Pfunde auf dem Rahmen. Die Gegenbewegung ist leicht, handlich und reduziert. Sie findet immer mehr Fans. Wir haben sieben leichte E-Bikes getestet.
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26 Kilogramm. So schwer war das durchschnittliche E-Bike im großen ElektroRad-Test 2021. Und da haben wir die ohnehin sehr schweren Cargo-Bikes gar nicht mitgerechnet. Ähnlich wie beim Auto geht der Trend scheinbar in Richtung immer mehr: mehr Akku, mehr Drehmoment, mehr Zuladung. Das bedeutet meistens auch ein Mehr an Gewicht. Im Windschatten dieser SUVs mit Doppelakku und Vollfederung geht ein Trend aber auch in die andere Richtung: hin zu weniger Gewicht, weniger Wattstunden, weniger Motor-Power. Aber auch leichte E-Bikes haben einen Mehr-Wert: nämlich mehr Flexibilität und mehr klassischem Fahrrad-Gefühl.

Einerseits freuen sich diejenigen darüber, die keine ebenerdige Garage haben, um die knapp 30-Kilo-Wuchtbrumme unterzustellen, sondern ihr Bike in den Keller oder in die Wohnung tragen müssen. Andererseits begeistern sich so auch mehr und mehr klassische Radfahrer für das E-Bike. Denn den schlanken Pedelecs sieht man oft gar nicht an, dass sie einen Motor an Bord haben. Außerdem fahren sie sich so natürlich wie Bio-Bikes, also klassische Fahrräder ohne Unterstützungshilfe.

Leichte E-Bikes: Vorreiter Coboc aus Heidelberg

Schon in der Anfangszeit des E-Bikes – damals noch als Rentnervehikel verspottet und weithin verschmäht – erkennen Pius Warken und David Horsch aus Heidelberg das Potenzial für leichte E-Bikes. Die beiden entstammen der Fahrradkurier-Szene und erhoffen sich mit dem E-Motor Erleichterungen im Alltag. Sie wollen gleichzeitig ihren Style nicht aufgeben: Coole Bikes mit minimalistischem Design und sportlichen Fahrleistungen.

Seitdem hat sich der Markt der leichten E-Bikes fortwährend weiterentwickelt. In diesem Segment gibt es mit Ebikemotion, Fazua und einigen weiteren eine große Bandbreite an Motorenherstellern, die im Vergleich zu Bosch, Shimano und Co. eher unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit fliegen. Aber auch die Großen mischen inzwischen im Markt für leichte E-Bikes munter mit.

Dafür tragen die Fahrradhersteller selbst die Verantwortung. Denn mit altbekannten Leichtbau-Methoden wie Carbon, leichten Komponenten und einer gewissen Reduzierung in der Ausstattung finden auch größere Akkus und stärkere Motoren inzwischen Platz in leichten E-Bikes.

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Wissen, was man braucht

Viele, die ein leichtes E-Bike suchen, sind Zweitkäufer. Sie lieben die Freiheit, die ein E-Bike schenkt. Denn der steile Anstieg am Ende der Tour verliert seinen Schrecken. Gleichzeitig haben diese Fahrer aber auch schon die Erfahrung mit unhandlichen, schweren Bikes gemacht, die sich kaum am Bahnhof die Treppe hinauftragen, in den Fahrradkeller, auf den Heckträger oder ins Wohnmobil wuchten lassen. Sie kennen ihre Fahrgewohnheiten und wissen genau, dass sie keine extragroßen Akkus brauchen.

Klar, ein Doppelakku mit 1200 Wattstunden bringt ebenfalls Freiheit. Die Reichweite ist schier grenzenlos. Diese Bikes schultern meist auch enorm viel. Eine Radreise mit Hundeanhänger und Campingausrüstung? Gar kein Problem. Auch besonders große oder schwerere Fahrer freuen sich über die robusten Bikes, die dann aber selbst oft an die 30 Kilogramm wiegen. Die leichten E-Bikes sprechen eindeutig andere Nutzer an.

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Kaum ein leichtes E-Bike hat ein vollwertiges Display. Die wichtigsten Daten gibt es trotzdem – per LED und App

Leichte E-Bikes: Erwartungen von Pendlern und Freizeitfahrern

Viele Pendlerstrecken sind kaum länger als zehn Kilometer. Auch der Weg zum Bahnhof, zum Einkaufen oder in der Freizeit bewegt sich in diesen Dimensionen. Die Feierabendrunde ist ebenfalls selten länger als anderthalb, zwei Stunden.

Und insbesondere in der Freizeit erwarten die Nutzer leichter E-Bikes keine Kraftmeierei, sondern moderate Unterstützung und das Gefühl, selbst Fahrrad zu fahren. Und genau das liefern die leichten Pedelecs. Die Akkus bewegen sich zwischen 125 (Sushi) und 380 Wattstunden (Schindelhauer, Cannondale). Nur Storck kommt im Testfeld auf das „Standardmaß“ von mehr als 500 Wh. Auch die Motoren unterstützen im Vergleich zum Bosch CX oder Shimanos EP8 eher dezent. Das aber reicht aus, um am Morgen unverschwitzt zur Arbeit zu gelangen und auch an der Supermarktkasse keine Sturzbäche übers Gesicht rinnen zu lassen.

Dass selbst mit reduzierter Leistung und geringerer Unterstützung lange Tagestouren drin sind, lesen Sie in der nächsten Ausgabe. Dort haben wir auch die leichten Motoren unserem jährlichen Reichweitentest unterzogen – mit zum Teil bemerkenswerten Ergebnissen.

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Leichte E-Bikes haben im Alltag einen hohen Wert

Alltagstauglichkeit und Fahrleistungen

Jetzt aber haben wir uns erst einmal auf die Alltagstauglichkeit und die Fahrleistungen konzentriert. Und da gibt es ganz klar deutliche Unterschiede. Cannondale und Urwahn bedienen eindeutig die sportlicheren Fahrer, die Wert auf Fitness und Tempo bei gleichzeitig hohem Alltagsnutzen auf Pendlerstrecken legen. Hier sind keine Gepäckträger nötig, denn der sportive Fahrer zieht die Bikepacking-Tasche oder den Rucksack jedem klassischen Backroller vor.

Der Fahrer des Schindelhauer Arthur schlägt in eine ähnliche Kerbe, ihm ist aber auch der optische Auftritt wichtig: Weniger sportlich funktional als mit klassischer Eleganz will er unterwegs sein. Das ganze ist gepaart mit Hightech nicht nur beim Motor: Die Pinion-Getriebenabe und der Gates-Riemen machen das Rad sehr wartungsarm.

Coboc stellt sich mit dem Brixton noch einmal breiter auf. Das Rad ist zwar immer noch sehr schlank, puristisch und stylisch. Mit den beiden Racktime-Gepäckträgern wird das Brixton aber für Coboc-Verhältnisse fast schon zum Lastenrad.

Leichte E-Bikes für Einsteiger

Vor allem E-Bike-Einsteiger ansprechen will das Sushi-Bike. In das Start-up hat unter anderem Entertainer Joko Winterscheid investiert und rührt dafür kräftig die Werbetrommel. Mit weniger als 1000 Euro ist es mit Abstand auch preislich das größte Leichtgewicht im Test. Das bedeutet aber mitnichten Abstriche bei den Fahrleistungen.

Einen im Testfeld gänzlich anderen Weg als die sechs weiteren Bikes geht Storck mit dem Urban CTS. Das Rad mit Carbonrahmen und extrem leichten Komponenten verbindet als einziges Rad ein Gewicht unter 18 Kilogramm mit einem „vollwertigen“ E-Bike-Antrieb mit mehr als 500 Wattstunden im Akku.

Gleich eine ganze Reihe leichter Bikes hat Specialized im Angebot. Viele ihrer bewährten Modelle liefern sie inzwischen auch in der Superlight- (SL-) Version an. So auch das Como SL, das eine Kombination aus Stadt- und Tourenrad ist.

Technische Kompromisse

Die Vorteile der leichten Wilden liegen auf – oder besser in – der Hand: Sie sind handlich, tragbar und effizient.

Optisch sind sie viel mehr klassisches Fahrrad als viele ihrer schweren Artverwandten. Und auch die Fahrleistungen – sprich Agilität, Spurtstärke, Wendigkeit, Bremsperformance – ist viel näher dran am Bio­bike. Das freut vor allem Umsteiger sehr.

Leichte E-Bikes haben ihren Preis

Gleichzeitig kommt das geringe Gewicht mit einem gewissen Preis. Vor allem an steilen Anstiegen fehlt den leichten Motoren der letzte Bums, um den sprichwörtlichen „Uphill-Flow“ zu erfahren. Auch lässt sich nicht in jedem Bike der Akku entnehmen. Mit Ausnahme des Sushi, bei dem der Akku wie eine Trinkflasche auf dem Unterrohr sitzt, sind die Energiespeicher fest verbaut, das ganze Rad muss zum Laden an die Steckdose.

Auch fehlt den meisten Leichten ein vollwertiges Display. Das stört viele nicht, denn die grundlegenden Infos – Unterstützungsstufe und Akkustand – werden per LED angezeigt. Weitere Fahrdaten gibt es per App. All diejenigen, die beim Gepäck nicht aufs Gramm achten wollen, sollten besser zu einem klassischeren E-Bike mit starkem Mittelmotor greifen. Denn auch die Zuladung ist bei den leichten Bikes reduziert. Nur selten überschreitet das zulässige Gesamtgewicht die 125 Kilogramm.

Trotzdem schließen die leichten Bikes eine lange klaffende Lücke im E-Bike-Spektrum. Sie sind eine wichtige Alternative für alle, die eben nicht immer mehr und immer schwerer wollen.

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Viele leichte E-Bikes verzichten auf ein großes Display. Sie lassen sich aber meistens mit dem Smartphone koppeln

Leichte E-Bikes: Diese Pedelecs haben wir getestet

Marke Modell Gewicht (mit Pedalen) Preis
Sushi California Roll C2 16 kg 999 Euro
Cannondale Quick Neo SL 2 14,5 kg 2499 Euro
Coboc Brixton 18,4 kg (inkl. Korb) 3999 Euro
Specialized Como SL 5.0 21,6 kg 3999 Euro
Storck Urban CTS 19,4 kg 3999 Euro
Urwahn Platzhirsch 14,3 kg 4499 Euro

Die ausführlichen Testberichte der leichten E-Bikes finden Sie in der ElektroRad 5/2021. Hier können Sie die Ausgabe als Printmagazin oder E-Paper bestellen.

Die getesteten E-Bikes in der Bildergalerie

Sushi California Roll C2, Test, E-Bikes, E-Bike-Test, Pedelec

Sushi California Roll C2

Cannondale Quick Neo SL 2, Leichte E-Bikes, E-Bike-Test, Test, Kaufberatung

Cannondale Quick Neo SL 2

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Coboc Brixton

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Storck Urban CTS

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