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Kinderanhänger fürs Fahrrad im Test: Mit Kindern mobil

Anhänger fürs Rad: Mit Kindern modern mobil

Kinderanhänger fürs Fahrrad im Test: Mit Kindern mobil

Kinderanhänger fürs Fahrrad sind ideal für den flexiblen Familienalltag: Ein bis zwei Kinder haben darin Platz, sie eignen sich zum Einkaufen und für größere Transporte, man kann sie als Buggy nutzen. Und weitere Sets ­machen sie zum Multisportler für aktive Familien. Wegen dieser Vielseitigkeit haben wir uns als Zugpferd für neun Zwei­sitzer ins Zeug gelegt.
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Wenn der Nachwuchs sein „Schneller, Papa!“ ruft, dann fühlt man sich schon mal wie ein klappriges Kutschpferd. Das spornt den Widerstand und das Ego an. Also wirft man die Mähne in die Luft, wiehert kurz und rührt die Hufe. Im gestreckten Galopp gehts rasant vorwärts. Bis zur nächsten Ampel, an der man unbemerkt ­wieder verschnaufen kann. Denn das Gewicht ist ordentlich. Vielleicht auch das eigene, aber gemeint ist hier das Zuggewicht. Wenn ein Kinderanhänger so viel wie oder mehr als das Fahrrad davor wiegt, plus Kinder und den Einkauf, kommt was zusammen.

Also, wirklich leicht sind Kinderanhänger nicht, erst recht nicht mit Beladung. Sie ­haben andere, sehr schätzenswerte Vorteile. Für diesen Test haben wir uns auf die Zweisitzer konzentriert. Denn diese haben für uns das größte Nutzenpotenzial. Sie bieten ein bis zwei Kindern reichlich Platz und eine gewisse Bewegungsfreiheit. Für Einkäufe und Transporte haben sie das größere Raum­angebot und die höhere Zuladung. Auf der anderen Seite sind Zweisitzer etwas schwerer, breiter und etwas teurer als Einsitzer.

Mehrheitlich um 1000 Euro

Kinderanhänger haben auch einen hohen Anschaffungspreis. 1000 Euro sind schnell erreicht. Wenn sie funktional und stabil sind, dann halten sie aber auch sehr lange. Dann können sie problemlos für mehrere Geschwister und anschließend eben als reiner Transporter genutzt werden. Unser Testfeld reicht preislich von 599 (Taxxi) bis 1399 Euro (Thule).

Üblicherweise lassen sich alle Kinderanhänger auch als Buggy nutzen und können einen Kinderwagen ersetzen. Anhängen und Schieben, das sind die beiden häufigsten Anwendungen, entsprechend haben wir darauf im Test Wert gelegt. Die nötigen Buggy-Räder, eins oder zwei, sind neben der Deichsel schon im Basispaket enthalten. Manche Hersteller liefern ihre Modelle zusätzlich mit einem – größeren – Jogger-Rad aus, eine passende Handbremse inklusive. Mit Ski- und Walking- oder Wander-Sets können die ­Aktivitätsfelder weiter ausgebaut werden.

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Einfacher Wechsel

Das Umrüsten zwischen Fahrrad- und Buggy-Modus lässt sich in den allermeisten Fällen einfach bewerkstelligen. Gerade wenn, wie bei Burley und Kindercar, die vormontierten Buggy-Räder nur noch umgeklappt werden müssen, geht das wirklich schnell. Bei den anderen müssen die Räder erst eingesteckt werden. Das geht bei Thule dann am schnellsten, weil die Räder schon griffbereit sind. Überhaupt hat Thule praktische Verstaumöglichkeiten für die Räder und die Deichsel parat. Bei fast allen anderen muss die Deichsel irgendwie in der Kabine unterkommen. Das Buggy-Rad findet auch mal in einer Tasche Platz. Bei schmutzigen Rädern aber auch nicht optimal. Und bei einem Unfall mag man über lose verstaute Räder und Deichseln lieber nicht nachdenken. Hier besteht eindeutig Nachbesserungsbedarf! Eine kluge Lösung kommt auch von Kettler. Die fest montierte Deichsel wird bei Nichtgebrauch unter den Wagen geklappt. Dabei dreht sich die Buggy-Rad-Aufnahme mit nach unten. Beim Fahrradeinsatz könnte das kleine Rad auch einfach darin sitzen bleiben und dann nach oben stehen.

Apropos Buggy-Rad: Oft sind die eher klein und mit festen Reifen ausgestattet. Dann rollen sie entsprechend holprig. Besser und komfortabler, allerdings auch pannenanfällig sind größere Luftreifenräder wie bei TFK oder Kindercar. Beruhigend ist es auch, die Räder feststellen zu können, wie ebenfalls bei Kindercar und TFK sowie bei Qeridoo. Denn vor allem bei Entlastung neigen die Fronträder zum nervösen Flattern.

Viel Komfort

Für Komfort sorgen Federn und die Lauf­räder. Je nach Breite dämpfen die Pneus ordentlich. Die üblichen 20 Zoll rollen leicht und gut über die üblichen Hindernisse. Als Feder sind drei Systeme verbreitet: Am Croozer, Kindercar und TFK dämpfen Elastomere dynamisch. Burley, Taxxi, Kettler und Hamax haben einstellbare Spiralfedern. Am Burley lässt sie sich besonders leicht einstellen. Thule und Qeridoo bieten eine einstellbare Blattfeder, die sich gut bedienen lässt. Qeridoo ergänzt ein Elastomer. Im Test haben uns alle Systeme ausreichend überzeugt.

Vielleicht wollt ihr lieber den Hund per Anhänger transportieren? Dann könnte das hier was für euch sein!

Diese Kinderanhänger fürs Rad haben wir getestet

Marke Modell Preis Prädikat
Taxxi by S’cool Elite for two 599 Euro
Qeridoo Kidgoo 2Testbrief 699 Euro Preis/Leistung
Burley D’Lite XTestbrief 899 Euro Kauftipp
Hamax Outback 899 Euro
Croozer Kid Vaaya 2 999 Euro
Kettler Quadriga 999 Euro
TFK Joggster Velo 1018 Euro
Kindercar Twin XLTestbrief 1248 Euro Kauftipp
Thule Chariot Sport 1399 Euro

Die ausführlichen Testberichte dieser Kinderanhänger finden Sie in der aktiv Radfahren 5/2020. Hier können Sie das Magazin als Printausgabe oder E-Paper bestellen.

So haben wir getestet

Neben Schieben und Fahren haben wir die einzelnen Funktionen wie Umbau, Anhängen, Anschnallen, Einstellen, Falten praktisch ausprobiert und bewertet. Um den Platz im Innenraum einschätzen zu können, haben zunächst zwei einen Meter große Kinder ohne Helm in den Anhängern Platz genommen. Zusätzlich wurde die Sitzhöhe (von der leicht eingedrückten Sitzfläche bis unter das Dach oder unter Kanten und Rahmenrohre) entlang der Rücklehne gemessen. Für die Schulterbreite wurde auf entsprechend eingestellter Höhe der Gurte die Innenbreite gemessen. Für kleinere oder größere Kinder kann der Wert variieren. Die Werte sind nicht 100 Prozent exakt, aber ein sehr starker Näherungswert.

Für eine weitere Einschätzung des Platz­angebotes wurden je eine Norm-Puppe mit 18 kg, entsprechend 105 cm Körpergröße (D18) und mit 22 kg, entsprechend 117 cm Körpergröße (D22) nach Möglichkeit und Hersteller-Vorgabe nebeneinander mit Helm in die Sitze gesetzt.

Um die Sicherheit bei Sturzszenarien einschätzen zu können, wurden diese beiden Dummies ebenso in die Anhänger gesetzt und so fest wie möglich angeschnallt. Die Sitze wurden so straff wie möglich vertikal und horizontal gespannt. Anschließend wurden alle Anhänger zunächst auf die Seiten gekippt und dann auf den Kopf gedreht. Nach Möglichkeit und Vorgabe wurde vorher jeweils der Schiebebügel über den Anhänger geklappt, um als Überrollbügel zu fungieren. Aus Interesse wurde auch der Fehlgebrauch ohne Überrollbügel betrachtet.

Erschreckend knapp!

Die Norm (DIN EN 15918) fordert bei umgedrehtem Anhänger fünf Zentimeter Abstand des unbehelmten Puppenkopfes zum Boden. Mit Helm ist der Raum natürlich ein gutes Stück kleiner. Aber wenn der Kopfschutz den Boden berührt, wird es mit der erforderlichen Distanz zum Kopf wenigstens knapp. Besondes bei größeren „Kindern“. Zwar schützen die Überrollbügel wirksam und erhöhen den Bodenabstand auf dem Dach und auch zur Seite deutlich. Aber nur, wenn sie auch genutzt werden. Seitlich funktionieren die Kopfprotektoren von Qeridoo effektiv. Auch der stabile Sitz bietet bei ihm den besten Rückhalt und vermag die Kinder über dem Boden schweben zu lassen. Wenn die Rückenlehne nämlich nicht stabil ist, kommt der Boden den Kindern beim Sturz noch ein Stück näher.

Einen Helm im Kinderanhänger zu tragen ist weder gesetzlich noch in der DIN vorgeschrieben. Oft lässt man das aus Bequemlichkeit und der Kinder zuliebe sein. Auch Anschnallen ist bei Kindern und Erwachsenen unbeliebt, weil es meist als umständlich und einschränkend betrachtet wird. Oft dient auch eine nur kurze Strecke als Argument. Aber: Kinder anzuschnallen und ihnen einen Helm aufzusetzen erhöht die Sicherheit massiv! Das zeigt unser Test eindeutig.

Gemeinsam mehr erleben dank Kinderanhänger.

Gefühl fürs Gespann bekommen

Die beruhigende Tatsache dabei ist: Unfälle passieren nur sehr selten! Mit E-Bikes kann einem aber das Gefühl für das Gespann fehlen. Wer dann zu schnell in die Kurven fährt, riskiert ein Umstürzen. Hier sollte man also noch aufmerksamer fahren. Der Sicherheit und einer guten Straßenlage dient ein breiter Radstand. Die Außenbreiten im Test variieren von 72 bis 87 Zentimeter. Ab 80 Zentimeter kann es an Supermarktkassen und einigen Türen aber eng werden. Breiter als 90 cm – so groß sind Norm-Außentüren – sollte ein praktischer Kinderanhänger nicht sein. Diese Breite muss man beim Fahren auch berücksichtigen. Als Hilfe zur Orientierung am rechten Fahrbahnrand laufen die meisten leicht links versetzt. Sie sind dann rechts nahezu bündig mit dem Fahrrad­lenker. So kann man den Abstand auch ohne ständige Kontrollblicke gut einschätzen. ­Gewöhnungsbedürftig ist auch die Länge des Gespanns. Im Einzelfall misst der Anhänger von der Fahrradachse ab fast 1,90 Meter! Das Fahren sollte man in jedem Fall erst einmal üben und bei kleinräumigen Manövern aufmerksam sein.

Auch die Gewichte sind eine neue Erfahrung. Zum Glück sind die Kinder erst noch leicht. Trotzdem muss man die Gesamtbeladung im Blick haben. Manche Anhänger sind nur für 45 Kilogramm Gesamtgewicht ausgelegt. Bei acht und zwölf Kilogramm Kind und 20 Kilogramm Anhänger wären fünf Liter Milch das offizielle Limit. Praktischer also, wenn bis 60 Kilogramm möglich sind. Gleichzeitig der Höchstwert in der DIN. Bei Kettler geht die Freigabe darüber hinaus. Beim Beladen nicht unwichtig: Die Stoffböden sind oft nur mit fünf Kilogramm belastbar, manche Taschen nur mit zwei. Eine stabile Wanne, wie bei Kindercar, verträgt deutlich mehr. Ein weiterer Punkt ist die Stützlast an der Fahrradachse. Die darf acht Kilogramm nicht überschreiten und muss, Achtung, beim Gesamtgewicht des Fahrrades mit eingerechnet werden.

Fazit: Geld ist beim Kinderanhänger nicht entscheidend

Die neun Anhänger sind praktische, vielseitige Helfer für den Familienalltag und bieten den Kindern viel Komfort. Egal ob günstig oder hochpreisig, das Thema Sicherheit sollte nochmal angegangen werden. Tragen die Kinder einen Helm, sind sie gut geschützt. Sehr gute Modelle gibt es für wenig und für viel Geld. Um den passenden zu finden, nimmt man am besten Fahrrad und Kinder mit zum Einkauf. Dann kann der Nachwuchs Probe sitzen und das Peitscheschwingen üben.

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