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Kettenöl-Test

Kettenöle fürs Fahrrad im Test: Anwendung, Schmierverhalten, Tipps, Preis

Kettenöl-Test: Wer gut schmiert, der gut fährt

Kettenöle werden extremen Verhältnissen ausgesetzt und müssen enorme Leistung erbringen. Wir haben die gängigsten Produkte aufwendig in Praxis und Labor getestet. Auf welches Sie am besten abfahren? Lesen Sie weiter.
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Die Kette meines Tourenbegleiters quietscht erbärmlich im monotonen Einklang der Tretbewegung. Meine Ohren leiden. Ich muss zu geben: Die Arme tut mir wirklich leid! Wie gerne würde ich sie erlösen und jetzt meinem Kollegen eine schmieren. Da stellt sich die Frage der richtigen Kettenöle.

Keine Frage, die Fahrradkette ist ein technisches Meisterwerk und hoch beansprucht. Sie überträgt die Antriebskraft des Fahrers und ist den Elementen wie ­Hitze, Kälte, Sonne, Regen und Dreck fast schutzlos ausgeliefert.

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Eine ungepflegte Kette strapaziert nicht nur die Nerven von Radkollegen. Sie macht den Antrieb bezüglich Kraftübertragung und Funktion auch ineffizient. Dabei ist die Lösung so simpel wie einfach: Regelmäßige Pflege und Wartung mit Kettenöl!

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Eigenschaften von Kettenöl: Die Reibungslehre

In der Wissenschaft gibt es mit der Tribologie eine Lehre, die sich genau mit den wichtigen Eigenschaften eines Kettenöls befasst.

Wikipedia schreibt dazu: „Die Tribologie befasst sich mit der wissenschaftlichen Beschreibung von Reibung, der Berechnung und Messung von Reibungskoeffizienten, dem Verschleiß und der erforderlichen Schmierung zwischen aufeinander einwirkenden, in Relativbewegung befindlichen Oberflächen. Dies schließt auch die Entwicklung von Technologien zur Optimierung von Reibungsvorgängen ein, die sich als ‚wechselwirkende Oberflächen in relativer Bewegung‘ oder ‚tribologisches System‘ beschreiben lassen.“

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Woraus bestehen Kettenöle?

Entgegen der weitläufigen Meinung, dass Kettenöle ausschließlich aus Mineralöl gewonnen werden, bestehen heutige Öle im Grunde aus verschiedenen Komponenten.

Als Basisstoff kommen synthetische, biologische Öle oder Wachse zum Zug. Diese werden mit Zusätzen wie PTFE (Teflon), Wachs, Keramik, Graphit, MOS2 (Molybdändisulfid) angereichert, um ­spezielle Eigenschaften zu erzielen. In kleinen Mengen werden noch andere Zusatzstoffe wie Additive zum Korrosionsschutz, Verschleißschutz und zur Wasserverdrängung beigemengt.

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Das Lastenheft eines Kettenöls

Damit es die Kette bestmöglich schützt und pflegt, muss ein Öl mehrere Kriterien erfüllen Es muss optimal schmieren, den Verschleiß verringern, die Oberflächen vor Korrosion schützen, wenig Schmutz anziehen, eine gute Kriechfähigkeit besitzen und einfach in der Handhabung sein.

Zur genauen Beleuchtung dieser Details haben wir diese Punkte im Test jeweils einzeln betrachtet und getestet.

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Diese Kettenöle haben wir getestet

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Kettenöle im Test: Der Aufbau des Tests

Um den Verschleißschutz zu testen, setzen wir auf einen Brugger-Test. Den Testaufbau dazu erarbeitete unser Testlabor der Dr. O.K. Wack Chemie mit der TU Mannheim, Fachbereich Tribologie.

Hierbei kann man das Kettenöl auf einen genormten Reibkörper in Form eines Stahlrings aufbringen, damit es ausreichend Zeit zum Ablüften bekommt. Einen ebenfalls genormten Prüfblock setzen wir mit 400N Anpressdruck auf. Ein Computer steuert den Testablauf und nimmt verschiedene Daten wie die Temperatur auf. Anschließend folgt die Vermessung und Umrechnung der Schadensfläche des Prüfblocks unter dem Mikroskop.

Das Schmierverhalten errechnet sich aus diesem Test nach der Summe aus Reibungskoeffizienten und der Temperaturzunahme.

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Kettenöle im Korrosionstest

Beim Korrosionstest reinigen und benetzen wir genormte, blanke Metallplättchen. Dann bekommen diese eine Stunde zum Ablüften. Unter ständigem Rühren hängen wir sie für 24 Stunden in eine fünfprozentige Kochsalzlösung.

Die Kochsalzlösung wirkt wie ein Zeitraffer. Das Verhalten ist ähnlich wie bei einer winterlichen Ausfahrt auf mit Salz bestreuter Straße. Anschließend reinigen wir die Plättchen mit Wasser und untersuchen die Oberfläche auf Korrosion.

Um die Schmutzanhaftung eines Öls festzustellen, reinigen wir die blanken Metallplättchen, benetzen sie mit Öl und hängen sie nach einer definierten Ablüftzeit in Normsand. Die Sandentnahme messen wir auf 1/100 Gramm. Das Ergebnis zeigt, wieviel Schmutz das Öl an das Metall bindet.

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Kriechfähigkeit: Wie lange brauchen Kettenöle zum Einziehen?

Bei der Untersuchung zur Kriechfähigkeit kann das Öl nach Aubringung auf der Schnittstelle von zwei Glasplatten 15 Minuten einziehen. Die penetrierte Fläche zeichnen wir auf Millimeterpapier auf, schneiden sie aus, wiegen sie und rechnen sie um.

In der Praxis spielt die Kriechfähigkeit eine eher untergeordnete Rolle. Denn Kettenöl sollte generell viel Zeit zum Einwirken bekommen. Öle aus Tropfflaschen benötigen meist etwas mehr Zeit zum Einziehen. Dagegen sind Öle aus Aerosolflaschen mit Benzinen verflüssigt, ziehen schneller ein, benötigen aber Zeit zum Ablüften.

Da viele Öle mit flüchtigen Stoffen versetzt sind, haben wir die reelle Ergiebigkeit getestet. Dazu sind alle Gebinde komplett entleert worden. Anschließend haben wir die Ölmenge gleich nach der Entleerung sowie 20, 50 und 70 Stunden später gemessen. Die Differenz gibt Aufschluss darüber, wie viel Öl am Ende wirklich auf der Kette zur Schmierung zur Verfügung steht.

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Anwendung der Kettenöle: Tropfflaschen und Aerosolflaschen

Bezüglich der Anwendung haben wir Tropf- und Aerosolflaschen getrennt bewertet. Untersuchte Punkte sind die Handhabung der Dose und Flasche, Auslaufsicherheit, die Dosiermöglichkeit aus dem Tropfzapfen oder der Dosierspritze auf die Kette, Sprühartefakte (bei Aerosol), die Viskosität und die Kriechfähigkeit.

Tropfflaschen bringen 100 Prozent des Öls auf die Kette, sind direkt und punktgenau aufzutragen. Darüber hinaus liefern sie keine Streudefekte auf anderen Bauteilen, sind meist einfacher in der Handhabung, umweltverträglicher und benötigen nur wenig bis keine Ablüftzeit.

Dagegen besitzen Aerosolflaschen eine meist höhere Kriechfähigkeit, kürzere Einwirkzeiten und das Öl ist einfacher aufzubringen. Allerdings sind sie durch Aerosole teils kennzeichnungspflichtig, weil feuergefährlich.

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Die Bewertungskriterien im Kettenöl-Test

Um alle Kettenöle bestmöglich miteinander vergleichen und die jeweiligen Kriterien in Relation zur Praxis werten zu können, nehmen wir eine Gewichtung vor. So wichten wir die Ergiebigkeit mit 5 Prozent, die Anwendung und Schmutzanhaftung mit je 10 Prozent, die Korrosion mit 15 Prozent sowie das Schmierverhalten und der Verschleißschutz mit je 30 Prozent.

Interessant: die Humanverträglichkeit

Bei der Humanverträglichkeit geht es um die Toxikologie von Schmierstoffen. Diese können Organismen angreifen, die Haut reizen, wassergefährdend, entzündlich oder entflammbar sein. Warnhinweise dazu müssen auf dem jeweiligen Gebinde angebracht sein.

Wir fragen uns an diesem Punkt, warum mancher Hersteller solche Stoffe einsetzt, wenn viele andere zeigen, dass es auch ohne problematische Stoffe geht.

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Kettenöl-Test: Das Fazit

Die Komplexität eines Kettenöls im Test abzubilden, war gar nicht so einfach. Doch die Ergebnisse lassen sich gut miteinander vergleichen und Rückschlüsse auf die jeweiligen Testkriterien zu. Im Detail gibt es oft große Unterschiede, die wir teils selbst nicht erwartet hätten. Am Ende stechen sechs Produkte aus der Masse heraus.

Die Öle von Holmenkol und MucOff gehören bei Verschleißschutz und Schmierverhalten zur absoluten Spitze und heimsen dadurch eine Empfehlung ein. Den Preis-Leistungstipp erarbeitet sich bei den Tropfflaschen Atlantic, bei den Aerosolflaschen TipTop. Testsieger in beiden Kategorien mit nur minimalen Abzügen im Detail werden die Öle von F100. Deshalb geben wir Ihnen den Ratschlag: Schmieren Sie gut, dann macht das Fahren mehr Spaß!

Kettenöle: Die Testbriefe in der Übersicht

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Dieser Artikel ist ein Beitrag aus der aktiv Radfahren Ausgabe 4/2018, dem Magazin für Trekking, Tests und Radkultur. Bestellen Sie sich jetzt die Ausgabe bei uns im Shop nach oder lesen Sie weitere spannende Tests im e-Paper.

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