Kettenöle fürs Fahrrad im Test: Schmierverhalten, Leistung, Schutz
Das läuft ja wie geschmiert! Kettenöle im Test
Kettenöle fürs Fahrrad im Test: Schmierverhalten, Leistung, Schutz
in Test & Teile
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Nur eine gut geschmierte, saubere Kette surrt leise und geschmeidig über die Ritzel. Nicht jeder aber will nach jeder Ausfahrt zu Bürste, Putzlappen und Ölfläschchen greifen. Klar, das wäre das Optimum. Seien wir aber ehrlich: Fast alle wünschen sich nach einer langen, schönen Tour aufs Sofa statt in den Fahrradkeller. Wir freuen uns also, wenn das Kettenöl möglichst lange und zuverlässig seinen Dienst tut. Das Angebot im Fachhandel, im Baumarkt um die Ecke und – natürlich – im Internet ist riesig. Es gibt Öle für trockene Bedingungen, für feuchtes und nasskaltes Wetter und Allround-Schmiermittel für alle Bedingungen. Wir haben 18 Kettenöle für alle Bedingungen ins Testlabor geschickt. Gekostet haben die Öle zwischen 6,72 Euro und 19,90 Euro pro 100 ml. Drei Öle haben Bio-Siegel.
Die Testverfahren
Wir haben die 18 Kettenöle vier verschiedenen Prüfstandtests unterzogen. Unterstützt hat uns dabei das Labor von Tunap in Wolfratshausen. Die Experten des Schmierstoffherstellers haben ihr Know-how und ihre Prüfstände zur Verfügung gestellt. Wir haben den Ablauf überwacht und beaufsichtigt. Die ermittelten Testergebnisse ausgewertet und benotet hat die Radfahren-Redaktion selbständig und unabhängig. Wir danken dem Tunap-Team für die transparente und offene Zusammenarbeit.
Den Verschleiß haben wir nach DIN 51347 auf einem Brugger-Prüfgerät getestet. Ein Metallzylinder wird dabei 30 Sekunden lang mit 400 Newton auf einen sich mit 960 U/min drehenden Ring gedrückt, der mit einer genau bemessenen Menge Schmierstoff benetzt ist. Das Ergebnis ist der so genannte Belastbarkeitskennwert in N/mm². Je höher der Wert, desto belastbarer das Kettenöl. Atlantic schneidet hier mit 186,4 N/mm² mit Abstand am besten ab. Die Schlusslichter sind Muc-Off, Pedro’s, WD-40 und Zefal mit jeweils unter 30 N/mm².
Das Schmierverhalten haben wir mithilfe eines SRV-Prüfstands nach DIN 51834 untersucht. Eine Stahlkugel wird dabei mit 200 Newton auf eine mit Schmiermittel benetzte Stahlscheibe gedrückt und mit einem Millimeter Schwingweite für zwei Stunden hin und her bewegt. Anschließend wird nanometergenau gemessen, wie tief und breit sich die Stahlkugel in die Stahlscheibe „gefressen“ hat. Je geringer der Durchmesser und die Tiefe, desto besser das Reibverhalten. Auch hier gehen die Ergebnisse weit auseinander. Beispiel Verschleißtiefe: Die mit dem Contec-Öl geschützte Kugel reibt sich gerade einmal 0,08 Mikrometer in die Stahlscheibe, die Kugeln benetzt mit F100, Liqui Moly, Pedro’s, Stan’s und WD-40 arbeiten sich teils deutlich mehr als einen Mikrometer tief in die Scheibe.
Verlustleistung auf Tour
An einem speziell für Tunap entwickelten Prüfstand ermittelten wir die Verlustleistung der Öle auf einer simulierten Fahrradtour über gut 180 Kilometer. Über die gesamte Distanz wird sechsmal ermittelt, welcher Tretwiderstand in Watt von der Kette ausgeht – nach 30, 60, 90, 120, 150 und 180 Kilometern. Der Durchschnitt aller sechs Prüfungen ergibt die Verlustleistung in Watt (siehe Diagramm auf Seite 30). Die mit Atlantic geschmierte Kette verursacht im Test einen Tretwiderstand von im Schnitt 1,84 Watt. Mehr als vier Watt verursachen Ketten geschmiert mit Brunox, Contec, Hanseline, Liqui Moly, Stan’s und Finish Line. Eins ist dabei klar: Diese Werte spielen bei Alltagsfahrern kaum eine Rolle. Eine schlecht geschmierte Kette oder zu niedriger Luftdruck in den Reifen sorgen für merklich größere Reibungsverluste.
Für den Korrosionsschutz-Test werden nach DIN EN ISO 9227 jeweils zwei normierte Metallplatten pro Kettenöl mit dem Schmiermittel benetzt und anschließend in einer Salzsprühkammer für drei Stunden bei 35 Grad Celsius mit Kochsalzlösung benebelt. Die Platten werden anschließend mit entionisiertem Wasser gereinigt, um lose anhaftende Rückstände zu entfernen. Die dann verbleibende Korrosion wird visuell bewertet. Atlantic, Ballistol, Brunox, Contec, F100, Motorex, Tunap und WD-40 geben sich keine Blöße. Die Metallplatten zeigen keinerlei Spuren von Rost. Die Platten benetzt mit Antidot, Finish Line, Motul, Muc-Off, Stan’s und Woshup hingegen zeigen deutliche Rostspuren über die gesamte Platte. Vor allem Alltagsfahrer, die bei jedem Wetter mit ihrem Fahrrad unterwegs sind, sollten beim Kauf auf diesen Parameter achten.
Die Viskosität schließlich haben wir nach DIN 51810-1 ermittelt. Dabei wird ein Zylinder auf eine mit dem Schmiermittel benetzte Fläche gedrückt. Der Zylinder wird gedreht, aus dem sich ergebenden Drehwiderstand lässt sich die Viskosität bestimmen. Je geringer der Widerstand, desto geringer die Viskosität. Schmierstoffe mit geringer Viskosität kriechen schneller in enge Spalten, also etwa zwischen die Kettenglieder.
Schutz für Mensch und Umwelt
Anhand der Etikette der Kettenöle haben wir die Gefährdung für Mensch und Umwelt bestimmt. Auch mögliche Warnhinweise haben wir kontrolliert. Grundsätzlich empfehlen wir Öle, die Mensch und Umwelt möglichst wenig belasten. Erschrocken waren wir beim Contec und beim Muc-Off, die laut Warnhinweise stark gesundheitsgefährdend sind.
Leider sind auch die Produktbeschreibungen nicht durchweg auf hohem Niveau. Während Contec und Motorex Hinweise zu Gesundheitsgefahren und zur Gefährdung von Kindern, außerdem Verhaltensregeln bei Missbrauch und Inhaltsstoffe in 24 Sprachen auf den Etiketten abdrucken, sind die Angaben auf einigen Etiketten nur in einer Sprache, und dann auch nur beschränkt auf eine einfache Gebrauchsanweisung.
Immerhin neun Öle drucken auf ihren Etiketten einen UFI-Code ab. Mit diesem erfährt der Giftnotdienst exakt die im Kettenöl enthaltenen Stoffe, selbst wenn die Rezeptur eigentlich geheim ist. Bei Missbrauch, etwa Verschlucken, können Ärzte dadurch sehr schnell und zielgerichtet handeln. Einen UFI-Code haben Antidot, Ballistol, Brunox, Contec, Finish Line, Motorex, Muc-Off, WD-40 (seit 1.1. 2025) und Woshup.

Kettenöle im Test: Die Ergebnisse
Ganz vorn landen Atlantic Dry 11 und Tunap Ultimate. Sie schlagen sich in allen Einzeltests überdurchschnittlich gut. Der Testsieg geht an Tunap wegen des laut Kennzeichnung etwas geringeren Gefährdungspotenzials. Ballistol, Contec, F100 und Motorex sind ebenfalls in fast allen Bereichen gut. Motorex ergattert sich daher den Testsieg bei den Bio-Ölen. Die übrigen Öle fallen jeweils in einem oder mehreren Parametern etwas ab. Und auch wenn der Korrosionsschutz des Hanseline niedriger ist als der Durchschnitt, verleihen wir diesem Öl den Preis-Leistungs-Tipp.
Diese Kettenöle hatten wir im Test
| Marke | Modell | UVP | Prädikat | Bezug |
| Hanseline | MTB Oil | 7 Euro (100 ml) | Preis/Leistung | Jetzt bestellen |
| Liqui Moly | Kettenöl Wet Lube | 7,29 Euro (100 ml) | Jetzt bestellen | |
| Ballistol | E-Bike Kettenöl | 7,95 Euro (65 ml) | Jetzt bestellen | |
| Pedro’s | Syn Lube | 8,95 Euro (50 ml) | Jetzt bestellen | |
| Atlantic | Dry 11 | 9,90 Euro (50 ml) | Jetzt bestellen | |
| Zefal | E-Bike Chain Lube All Conditions | 9,95 Euro (120 ml) | Jetzt bestellen | |
| Motorex | Chain Lube | 9,95 Euro (100 ml) | Testsieger | Jetzt bestellen |
| Contec | Care+Chain Grease | 9,95 Euro (50 ml) | Jetzt bestellen | |
| Motul | Bike Care Wet Lube | 10,90 Euro (100 ml) | Jetzt bestellen | |
| Brunox | Top-Kett | 11,95 Euro (100 ml) | Jetzt bestellen | |
| Finish Line | Kettenöl synthetisch | 14 Euro (120 ml) | Jetzt bestellen | |
| Tunap | Ultimate synthetisch | 15,95 Euro (100 ml) | Testsieger | Jetzt bestellen |
| Stan’s | Biobased Wet Lube | 15,99 Euro (120 ml) | Jetzt bestellen | |
| F100 | Kettenöl | 15,99 Euro (100 ml) | Jetzt bestellen | |
| WD-40 | Specialist Fahrrad Kettenspray | 16,79 Euro (250 ml) | Jetzt bestellen | |
| Woshup | Cat’n Oil | 16,90 Euro (100 ml) | Jetzt bestellen | |
| Muc-Off | E-Bike All Weater Lube | 17,99 Euro (250 ml) | Jetzt bestellen |





