Falträder sind besonders in Städten sehr beliebt.
Falträder

Falträder – praktische Fahrräder für die Stadt im Test

Klappt richtig gut

Mit dem Rad zum Bahnhof, Bike zusammenklappen, mit der Bahn zum Zielort, Rad entfalten und weiter ans endgültige Ziel – so funk­tioniert urbane Mobilität heute. Mit welchem Falter geht das am besten? aktiv Radfahren hat acht aktuelle Falträder getestet.
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Meine erste Begegnung mit einem Faltrad hatte ich vor vielen Jahren bei einer Presse-Einladung zu ei­ner Giro-d’Italia-Etappe auf das Würzjoch in den Dolomiten. Um uns Journalis­ten die Gelegenheit zu geben, den Profis ein we­nig nachzufühlen, sollten wir den Pass, immer­hin über tausend Höhenmeter, selbst mit einem Rennrad hochfahren. Leider hatte der Veranstal­ter nur Räder für maximal mittelgroße Fahrer mitgebracht. Das einzige Bike, das mir wirklich passte, war kurioserweise ein Brompton-Faltrad mit einer extralangen Sattelstütze – das Privat-Rad des Busfahrers, das er immer dabei hatte, um mobiler zu sein. Immerhin passten meine Klickpedale dran – und ich kurbelte in voller Renn-Montur die gut 15 Kilometer auf den knapp 2000 Meter hohen Pass – auf einem Faltrad mit 16-Zoll-Laufrädern. Gott sei Dank kennt mich hier keiner, dachte ich beim Losfahren.

Das ging ja richtig gut!

Aber dann … Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich zwei – zugegeben etwas übergewichti­ge – Kollegen überholte, mir auch in den stei­leren Rampen keinen Wolf kurbelte, darüber staunte, dass selbst Wiegetritt ohne Probleme möglich war, und ich dann – unter anerken­nenden Blicken, sogar Applaus der ersten, früh angereisten Giro-Zuschauer – auf der Passhöhe über den Zielstrich rollte. Das ging ja richtig gut, dachte ich mir, und das auf einem Rad, auf das ich unter anderen Umständen niemals gestie­gen wäre. Mein Interesse war geweckt …

Brompton-Weltmeisterschaft

Vor drei Jahren lernte ich dann bei der Eröffnung des Münchner Brompton-Stores den Deutsch­land-Importeur Henning Voss kennen. Als ich ihm meine Südtiroler Faltrad-Geschichte er­ zählte, lud er mich spontan zu den „Brompton National Championships“ in Berlin ein, den na­tionalen Ausscheidungsrennen zur berühmten Brompton-WM in London. Mitte Mai traf mein Leihrad ein, ich schraubte die Schutzbleche ab und meine Klickpedale dran, übte den Auf- und Abbau und drehte ein paar Trainings-Runden. Dass mich dabei der eine oder andere Rennrad-Kollege „ertappte“, konterte ich lässig mit dem Hinweis auf meine Teilnahme an der Brompton-Meisterschaft in Berlin. An einem Samstag Ende Mai packte ich dann meinen Rucksack, buchte den ICE nach Berlin, fuhr zum Pasinger Bahnhof, faltete das Bromp­ton und stieg in den Zug. Das Rad fand seinen Platz an der Garderobe. Ich sperrte es mit einem Stahlseil an die Stange, misstrauisch beäugt vom Schaffner, der sich aber eines Kommentars enthielt. Ein paar Stunden später rollte der Zug fast pünktlich in den Berliner Hauptbahnhof, ich entfaltete flott mein Brompton, schulterte den Rucksack und fuhr einen schönen Radweg die Spree entlang zu einem Campingplatz in Tegel, wo ich direkt am Fluss ein Zelt mit Frühstück angemietet hatte. Das war schon mal eine coole Anfahrt, ohne Stress und Stau.

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Erst entfalten, dann starten

Am nächsten Tag dann das Brompton-Rennen, auf der für das Jedermann-Rennen „Velothon“ abgesperrten Straße des 17. Juni. Hunderte teil­weise skurril, aber immer ordentlich „british“ gekleidete Falter-Fans standen am Start – der im Le-Mans-Modus erfolgte: Die gefalteten Räder standen auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wir mussten – viele wie ich in Rennradschuhen – hinüberrennen, das Bike aufbauen und losfahren. Die echten Brompton-Profis schaffen das in unter 30 Sekunden; mir un­terlief vor Nervosität der klassische Fehler, nicht als erstes den Sattel hochzustellen. Dann lässt sich der Hinterbau nicht ausklappen. Als einer der letzten ging ich auf die Strecke und startete meine Aufholjagd. Aber leider hat es für das Fi­nale in London nicht gereicht … Die wichtigsten Vorteile der Falträder haben Sie nun also kennengelernt: leicht zu transportieren, und stress-reduzierend. Nun ein kleiner Exkurs in die Geschichte.

Geschichte der Falträder

Als Erfinder des Klapprads gilt der Brite William Grout, im Jahr 1878. Sein pa­tentiertes Folding Bike war ein Hochrad – und eigentlich weniger klapp- als zerlegbar: Das rie­sige Vorderrad konnte in vier Segmente geteilt und zusammen mit dem klappbaren Rahmen in einem Koffer transportiert werden. Knapp 20 Jahre später, 1896, wurde das „Faun“ patentiert, das erste Faltrad mit einem Diamant­rahmen. Es war in der Mitte zusammenklappbar, aber nicht sonderlich stabil. Im Jahr 1900 baute eine britische Fahrrad-Manufaktur nach Ideen des Offiziers und Pfadfinder-Gründers Robert Baden-Powell den Prototyp eines zerlegbaren Fahrrads für das Militär – das jedoch nicht inter­essiert war. Auch ein für die holländische Armee 1909 von Fongers entwickeltes Militär-Klapprad mit 16-Zoll-Rädern ging nicht in Serie.

Erst in den späten 30er Jahren wurde das französische „Pe­ tit Bi“ mit einer schon recht modernen Optik in die Produktion gebracht. Die Klappe zum Erfolg fiel dann Anfang der 60er Jahre: Der britische Ingenieur Alex Moulton ent­wickelte die „Stowaway“-Modelle, die teilbar und mit kleinen Rädern ausgestattet waren. Das Moulton war der Beginn einer ersten großen Klapprad-Welle. Leider wurden in Folge viele Nachbauten mit instabilen Rahmen, ohne Fede­rung und mit schlechtem Fahrverhalten auf den Markt geworfen. Das ruinierte für viele Jahre den Ruf der Klappräder. Erst das ab 1986 produzierte, schon in den 70ern entwickelte Faltrad „Brompton“ von Andrew Ritchie machte die „Folding Bikes“ wieder po­pulär – vor allem durch die schnelle Faltzeit, das geringe Packmaß und die guten Fahreigenschaften. In den 80er Jahren entwarf der Physik-Ingenieur David T. Hon in Los Angeles ein Faltrad, das mit nur zwei Verschlüssen auf- und abzubauen war – der Prototyp vieler heute produzierter Klapprä­der. Da die großen Rad-Produzenten an seinem Falter nicht interessiert waren, gründete Hon 1985 mit seinem Bruder Henry in Taiwan die Fir­ma Dahon, heute mit 250.000 Rädern im Jahr der größte Faltrad-Hersteller weltweit.

Das Moulton hat einen auch für Falträder ungewöhnlichen Look.

Das Moulton hat einen auch für Falträder ungewöhnlichen Look.

Klappräder oder Falträder?

Aber Moment mal – geht’s hier nun um Falträ­der oder Klappräder? Beide Begriffe, Faltrad und Klapprad, bezeichnen ein Fahrrad, das mit weni­gen Handgriffen via Gelenk, Scharnier oder an­derer Konstruktionen auf ein kleines Packmaß zusammengeklappt werden kann, um es in Auto, Bus oder Bahn zu transportieren. Was ist also der Unterschied? Das „klassische“ Klapprad aus den 60er- / 70er-Jahren hat einen meist tiefgezogenen Einrohr-Rahmen mit nur ei­nem Scharnier-Gelenk. Auch aktuelle, meist sehr preisgünstige, ähnlich konstruierte Räder werden oft noch Klapprad genannt. Sie fahren sich oft in­stabil, sind meist wenig ergonomisch, dazu schwer und haben selten eine Gangschaltung. Das Klapp-Scharnier ist oft der Schwachpunkt, das schon mal auseinanderbrechen kann. Hochwertige faltbare Fahrräder werden heute üblicherweise Falträder genannt. Damit soll der technische, konstruk­tive und qualitative Unterschied zu den „alten“ Klapprädern betont werden.

Verschiedene Einsatzzwecke

Moderne Falträder erreichen nicht selten das Fahrverhalten und die Technik guter Trekkingbikes. Sie haben oft die gleichen Schaltungen und Bremsen wie große Rä­der und sind sehr stabil sowie ergonomisch. Trotz der kleineren Laufräder kommen die Fahreigenschaften – je nach Konstruktion – den „Großen“ oft nahe, sind ihnen manchmal sogar ebenbürtig. Zu unserem Testfeld in der aktiv Radfahren 5-2018: Da finden sich so un­terschiedliche Räder wie das stylische Strida, schnelle Flitzer wie Tern oder Vello, Klassiker wie Moulton und Brompton, bewährte Alltags-Falter wie Dahon und Bernds, oder das Montague mit seinem einzigartigen 28-Zoll-Konzept. Wie bei jedem Rad-Kauf gilt es daher auch bei Klapp- Verzeihung Falträdern vorher genau zu überlegen, was man mit dem Bike denn so an­fangen will: Nur kurze Strecken zurücklegen, um andere, hauptsächlich genutzte Verkehrsmittel zu erreichen? Das Rad auch mal im Auto-Kof­ferraum mitnehmen, um etwa an einem Wochenend-Trip am Ziel mobiler zu sein – vielleicht sogar etwas sportlicher? Im Alltag meist längere Strecken zurücklegen, und nur bei Bedarf, etwa schlechtem Wetter, in die Bahn steigen? Oder einfach nur in der Stadt schneller und stressfrei­er von A nach B kommen?

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Fazit

Wie bei „normalen“ Rädern, gibt es auch unter Falträdern nicht wirklich die „eierlegende Woll­milchsau“ – wenn auch etwa das Bernds dem schon nahe kommt (wäre es, auch bedingt durch die Rohloff-Nabe, nicht so schwer). Das schicke Strida ist prima für Kurzstrecken und nicht zu große Menschen. Tern und Vello sind ideal für Puristen, die gern schnell unterwegs sind. Wer’s klassisch britisch mag, wählt das Brompton; soll noch ein Schuss Style dabei sein, ist das Moul­ton das Bike der Wahl. Vernunftmenschen grei­fen zum preis-leistungs-günstigen Dahon. Und wer fast wie mit einem „Großen“ unterwegs sein, aber trotzdem falten will, der ist mit dem Montague gut beraten. Dann steht Ihrer ersten Begegnung mit einem Faltrad nichts mehr im Weg, oder? Wenden Sie sich einfach an den Falt-, Verzeihung Fachhändler Ihres Vertrauens …

Diese Falträder waren bei uns im Test

Strida SX Zum Hersteller
Dahon Quix D8 Zum Hersteller
Tern Verge D9 Zum Hersteller
Vello Urbano Zum Hersteller
Brompton H6RD Zum Hersteller
Montague Allston Zum Hersteller
Moulton TSR11 Zum Hersteller
Bernds Rohloff Zum Hersteller

Alle vollständigen Falträder-Testbriefe finden Sie in der aktiv Radfahren 5-2018!

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