E-SUVs 2026 im Test: E-Bikes für alle Fälle
Auf allen Wegen zu neuen Horizonten
E-SUVs 2026 im Test: E-Bikes für alle Fälle
in Test & Teile
in Test & Teile
Wer in jüngerer Vergangenheit über die großen Fahrrad- und Mobilitätsmessen der Republik gelaufen ist und zahlreiche Fachgesprächen mit Branchenvertretern geführt hat, konnte sehr schnell heraushören, welche E-Bike-Konzepte unisono als die vielversprechendsten und von einer zahlungsbereiten Käuferschicht nachgefragten ausgemacht wurden. Auch die Marktdaten des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) für das zurückliegende Kalenderjahr bestätigen mit einem Verkaufsanteil der E-Trekkingräder, zu denen E-SUVs gezählt werden, von 24 Prozent den anhaltenden Trend der vollausgestatteten, gerne als die Alleskönner angepriesenen elektrifizierten Sport Utility Vehicles.
Auch in die Verkaufsspitzengruppe der E-Mountainbikes mit 38 Prozent Marktanteil in 2025 dürften sich auch eine Anzahl an schlussendlich mit einer Vollausstattung im Fahrbetrieb unterwegs seiende E-Sportbikes wiederfinden. Denn: Blickt man auf das aktuelle Modelljahr, wird schnell klar, dass E-SUV-Konzepte immer häufiger auf klassischen MTB-Fundamenten der Hersteller fußen. Rahmen, Fahrwerk oder Motor – die Kernbauteile sind bei beiden Gattungen nicht selten deckungsgleich. Was erstens nicht nur (logistische) Vorteile für die Hersteller hat, sondern zweitens auch dem E-SUV-Käufer dahingehend zugute kommt, dass längst im sportiven Offroad-Segment erprobte Komponenten und deren Zusammenstellung nun auch auf klassischen Tages- wie Mehrtagestouren ihre Stärken zur Geltung bringen –und das Fahrerlebnis vor allem in puncto Komfort, Geländepotenz und hoher Vielseitigkeit in neue Horizonte katapultieren.
E-SUV: Best-of aus (fast) allen Gattungen
Rein konzeptionell schicken sich E-SUVs an, die Grenzen zwischen Asphalt und Gelände komplett aufzulösen, womit sie sich neben Alltags-Pendler, die bei Wind und Wetter unterwegs sind, vor allem auch an Touren- und Reiseradler richten, die auch auf Schotterpassagen oder Waldwegen weder auf Komfort noch schweres Gepäck verzichten wollen. Technische Basis dafür liefert eine Systemarchitektur aus kraftvollen E-Mountainbike-Motoren der neuesten Generation, kapazitätsstarken Akkus und Schaltsystemen, die zunehmend – ganz gleich ob Ketten- oder Nabenschaltung – elektronisch wie automatisch arbeiten (können). Weiter garantieren breite, stark profilierte Reifen allerhöchste Traktion und Fahrsicherheit.
Kombiniert wird dieses sportive Fundament mit einer alltagstauglichen Vollausstattung, bestehend aus extrem leuchtstarken Lichtanlagen, robusten Spritzschützern und tragkräftigen, manchmal auch direkt mit dem Rahmen verschweißten, Gepäckträgersystemen. Für hohe (Fahr-)Komfortwerte sorgen großzügige Federwege, wahlweise „nur“ an der Frontgabel oder als sogenanntes Fully auch mit einem Heckdämpfer für noch mehr Fahrwerkskomfort und Offroadkompetenz.

Ob steiler Bergauffahrt oder rasante (Trail-)Abfahrt: E-SUVs markieren mit sehr potenten Fahrwerken und ausgeprägter Motorpower die Speerspitze der Pedelec-Einsatzvielfalt
Testfeld: Unterschiedliche Schwerpunkte
Bei all den klar definierten Merkmalen, zeigt unser Testfeld aus 13 aktuellen E-SUVs deutlich, wie differenziert die Industrie diese Radgattung interpretiert. Während Marken wie Stevens, Scott oder Kettler das E-SUV primär als sportiv-agilen, geländegängigen Offroad-Cruiser mit hoher Fahrdynamik auf Diamantrahmen-Basis definieren, rücken BH, Focus oder Bulls den Komfortgedanken (noch mehr) in den Fokus und konstruieren verwindungssteife Tiefeinsteiger mit sehr hochwertiger Vollfederung.
Alle wiederum eint, dass bei den Antriebssystemen durchweg auf drehmomentstarke Aggregate aus dem obersten Qualitätsregal gesetzt wird –und der Marktführer wenig überraschend auch dieses Testfeld dominiert. Quasi als Standard-Aggregat ist Boschs Performance Line CX gleich sieben Mal vertreten und lässt sich in sechs unserer Testbikes nach jüngstem Software-Update wahlweise per App auf einen maximalen Drehmoment von bis zu 120 Newtonmeter „tunen“. Seine Charakteristik einer brachialen, aber feinfühlig dosierbaren Leistungsentfaltung und enormer Elastizität im steilen Gelände prägt die SUV-Gattung seit Jahren und ist auch im E-MTB-Segment weiterhin dominanter Marktführer. Ergänzt wird die Bosch-Phalanx durch den kompakteren von Victoria, Conway und Gazelle verbauten Performance Line PX, der mit 90 Nm Drehmoment eine überaus homogene wie spritzige Kraftentfaltung bietet und die Rolleigenschaften vor allem im Flachen spürbar dichter an die eines klassischen Fahrrades ohne Motor rückt.
Einen völlig anderen, exklusiven Weg gehen Bulls sowie Riese & Müller, die auf Pinions revolutionäre Motor-Gearbox-Unit (MGU) E1.12 setzen. Das in einem geschlossenen Gehäuse mit einem bärenstark anschiebenden Mittelmotor sitzende 12-Gang-Getriebe bietet einen enormen Übersetzungsumfang von bis zu 600 Prozent, steuert die Gangwechsel auf Wunsch vollautomatisch und ist im Zusammenspiel mit einem Riemenantrieb extrem wartungsarm. Im Test überzeugt die MGU an den beiden Premium-Modellen durch enorme Bergpotenz und ein sehr harmonisches wie effizientes Fahrgefühl. Einziger Wermutstropfen ist das seit Markteinführung Mitte 2023 konstant hörbare bauartbedingte Mahlgeräusch. Abgerundet wird das Motoren-Feld vom leisen, effizienten Giant SyncDrive Sport 3 mit einem Drehmoment von 85 Nm, der vor allem auf langen Touren mit harmonischer Leistungsdosierung überzeugt.
Neue Horizonte dank hoher Reichweiten
Folgerichtig ob der durchweg leistungsstarken und demnach einen großen Stromvorrat auf langen Touren benötigenden Aggregaten verpassen die Hersteller ihren E-SUVs entsprechend hohe Energiespeicher. Im Test dominiert die Kapazität von 800 Wattstunden in acht Bikes. Aber auch schlankere Stromvorräte von 625 oder 600 Wh im Giant beziehungsweise Canyon und Victoria lassen sich bei Bedarf im Nachgang aufrüsten. Auch die geringste im Gazelle-Unterrohr mitfahrende Kapazität von 540 Wh kann erstens ebenfalls erhöht werden und reicht zweitens für den eher städtischen und Genusstour geprägten Einsatzbereich für die meisten Fahrer sicherlich aus.
Wer grundsätzlich (noch) mehr Reichweite anstrebt und bereits die Maximal-Akku-Kapazität ausgeschöpft, hat bei Rädern von Kreidler, Stevens oder Focus die Möglichkeit, mittels Range Extender zusätzliche 250 Wh aufs Unterrohr aufzustecken.

Entspannt über Holzbrücken: Motor- und reichweitenstarke E-SUVs taugen neben potenten Offroadtourern selbstredend auch als sehr komfortorientierte Ausflugsfahrzeuge
Schaltsysteme: Immer mehr Automatik
Die klassische Kettenschaltung ist im Testfeld nach wie vor stark vertreten: Shimano stellt mit seiner Deore XT (11- oder 12-fach) sowie SLX- und Cues-Reihe in Bikes von Canyon, Scott oder Kreidler das Gros der mechanischen Antriebe. Sie überzeugten auch dieses Mal gemäß ihrer von den Japanern eingeordnete Qualitätsstufe durch gewohnt knackige, präzise Gangwechsel und eine breite Übersetzung für Kletterpassagen. Der technologische Fokus verschiebt sich jedoch auch bei den E-SUVs weiter in Richtung Schaltautomation. Shimano stößt hier sowohl mit der Kettenvariante Deore Di2 (12 Gänge beim BH) als auch der Nexus 5 Di2 (Conway) in der Hinterradnabe das Tor zur intelligenten Automatikwelt auf. Der Fahrkomfort erhöht sich merklich: Nach vorheriger Definition der gewünschten Trittfrequenz steuern diese elektronischen Systeme die Gangwechsel vollautomatisch und überzeugend in Echtzeit.
Noch einen Schritt weiter geht die bereits erwähnte Pinion MGU im Bulls sowie Riese & Müller, die ein elektronisches 12-Gang-Getriebe direkt im Motorgehäuse integriert und ebenfalls vollautomatisch schaltet. Ebenfalls im Test vertreten ist die stufenlose Enviolo Automatic-Nabe, die mit dem Gazelle ohne jeden eigens ausgeführten Schaltvorgang eine majestätisch fließende Genussfahrt auf Asphalt ermöglicht.
Fazit: Vorab Einsatzbereiche definieren
So offenbart unser Test erwartungsgemäß, dass sich hinter der Begrifflichkeit E-SUV viel Ausdifferenzierung verbirgt. In zwei Testgruppen gegliedert, stehen auf der einen Seite acht frontgefederte Hardtail-SUVs, die mit hohem Nutzwert auf Trekkingtouren und im Alltag punkten. Ihnen gegenüber stehen fünf Fully-SUVs, die mit schluckfreudigen Fahrwerken viel Mountainbike-Komfort sowie -Fahrweise ins Segment bringen.
Bezüglich der Rahmenformen erleichtern sieben Modelle als komfortable Tiefeinsteiger das Aufsteigen, während sechs Bikes auf einem klassischen, verwindungssteifen Diamantrahmen fußen. Allein daraus ergibt sich bereits der spezifische Einsatzzweck. Käufer sollten daher im Vorfeld genau abwägen, wie geländeaffin sie wirklich sind, wie wichtig ihnen die Sitzhaltung ist und ob ihr neues E-SUV nah am Mountainbike oder doch eher im klassischen Trekking- und Alltagsbereich zu Hause sein soll.
Wo genau unsere 13 Testräder primär zu verorten sind, erfahren Sie in unseren detaillierten Testberichten, bei denen, neben der Benotung, vor allem ein genaues Lesen der Testfahrteindrücke unserer Redakteure lohnt. Denn: Hieraus geht klar hervor, in welchem Bereich die Räder ihre großen Stärken haben. Wohlgemerkt dessen, dass E-SUVs grundsätzlich aus (fast) keinem Einsatzbereich gänzlich auszuschließen sind.
Diese E-SUVs haben wir getestet
| Marke | Modell | Preis | Prädikat | Bewertung |
| Canyon | Pathlite:ON 8 SUVTestbrief | 3799 Euro | Preis/Leistung | 1,4 – Sehr gut |
| Victoria | Avyon 4 | 3799 Euro | 1,7 – Gut | |
| Giant | Anytour X E+ 3 | 3799 Euro | 1,6 – Sehr gut | |
| Scott | Axis 10 | 4199 Euro | 1,5 – Sehr gut | |
| Kettler | Transhill SUVTestbrief | 4799 Euro | Empfehlung | 1,4 – Sehr gut |
| Conway | Cairon SUV 6.0 B | 4899 Euro | 1,7 – Gut | |
| Gazelle | Avignon C380+ | 5199 Euro | 1,7 – Gut | |
| Kreidler | Vitality Eco 10 Cross | 5799 Euro | 1,5 – Sehr gut | |
| BH | Atom+ NX SUV Wave | 5999 Euro | 1,6 – Sehr gut | |
| Focus | Aventura² FS 6.9 | 5999 Euro | 1,4 – Sehr gut | |
| Stevens | E-Inception TR 8.8.1 FEQ | 6599 Euro | 1,4 – Sehr gut | |
| Bulls | Vuca Evo FS 2Testbrief | 6999 Euro | Empfehlung | 1,4 – Sehr gut |
| Riese & Müller | Delite5 Pinion | 7399 Euro | 1,4 – Sehr gut |
Die ausführlichen Testberichte der E-SUVs lesen Sie in der ElektroRad 5/2026. Hier können Sie die Ausgabe als Printmagazin oder E-Paper bestellen.

