50 kg
8199 Euro
Chike Cargo Pro: Lastenrad im E-Bike-Test
in E-Bike
Chike Cargo Pro: Lastenrad im E-Bike-Test
Cargotrike
Auf drei Räder vertraut Cargobike-Hersteller Chike bereits seit 2017 und konnte sich schon einige Meriten verdienen. Das neue Chike Cargo Pro kommt für Handwerker wie Einkäufer genau richtig. Die großzügige Ladebox „frisst“ satte 320 Liter. Wow!
Als einer der wenigen Lastenradhersteller setzt Chike konsequent auf die Fahrstabilität eines zweispurigen Konzepts. Die Vorteile einer derartigen Konstruktion liegen auf der Hand: Bereits im Stand setzt man sich aufs Rad und stellt die Füße auf dem Pedal ab. Das nimmt dem Anfahren den bei einspurigen Cargos gefürchteten Schlenker oder Umfaller; man fühlt sich einfach von Beginn an auf dem zweispurigen Chike sicherer. Um den wie bei starren Dreirädern bekannten leichten Kipppunkt zu nehmen, ist das Chike (aus Children & Bike) mit einer ausgefeilten Neigetechnik ausgestattet, sodass sich das Dreirad mit den zwei Vorderrädern in die Kurve neigen lässt, damit der für Dreiräder nachteiligen Zetrifugalkraft entgegenwirkt und das Rad nicht umkippen lässt.
Ausstattung und Antrieb Chike Cargo Pro
Für ein zusätzliches Plus an Komfort ist die Einzel-Vorderradaufhängung ähnlich dem Auto mit einer Federung ausgestattet. Diese bietet nicht nur eine bequeme Dämpfung, sondern schafft auch beim Überfahren von Unebenheiten Sicherheit beim Lenken.
Ein weiterer Vorteil zweier Vorderräder ist die Bremswirkung. Während normale, einspurige Fahrräder respektive Lastenräder mit einem Bremssattel am Vorderrad auskommen müssen, ist die Doppelbremse gerade beim schwer beladenen Lastenrad ein Gewinn. Wie beim Test erfahren, verzögert die „doppelte“ Bremse enorm vehement. Gerade im verkehrsreichen Ballungsraum ein nicht zu unterschätzendes Merkmal. Als weiteres Feature lassen sich die beiden Vorderradbremsen im Stand mit einem kleinen zusätzlichen Hebel am linken Bremsgriff blockieren. Das Chike rollt nicht weg und kann be- und entladen werden.
Beim Antriebssystem setzt Chike auf Shimanos EP6, das eben auch speziell fürs Lastenrad getrimmt ist und den Fahrer gezielter beim Transport von Ladung unterstützt. Seinen Leistungspeak erreicht der EP6 Cargo früher als sein Trekking-Pendant EP6. Damit erleichtert er u. a. das Anfahren und die Bergfahrt. Die Kombination mit der Nexus 5 Di2 Automatik-Nabenschaltung harmonisiert die Kurbelei unterwegs und man kann sich ganz auf Strecke und Verkehr konzentrieren. Mit einem Übersetungsumfang von soliden 263 % wechselt die elektrische Nexus die Gänge automatisch oder alternativ manuell. So schaltet die Di2 beim Anhalten in den vordefinierten Gang zurück, um fürs erneute Anfahren die passende Übersetzung bereits gekettet zu haben.
320 Liter-Box am Cargo Pro
Extra für Gewerbetreibende, Auslieferer oder für den privaten Transport bietet Chike sein Cargobike in der Cargo Pro-Variante mit einer üppigen Box an: 320 Liter Volumen schluckt die witterungsresistente und abschließbare Box. Die Handhabung ist einfach, der große Riegel entsperrt die Box im Handumdrehen, dann hebt man den Deckel an und der Inhalt ist frei.
Chikes Neigetechnik in der Praxis
Mit knapp 80 kg unter der Haube starteten wir unsere Testfahrt. Im Gegensatz zu den einspurigen Cargobikes lässt sich das Chike dank dreier Räder und dem zweispurigen Konzept ganz easy anfahren: Aufsitzen und Beine auf die Pedale stellen, Bremse entriegeln und lostreten.
Nach wenigen Metern, sobald sich das Chike stabil vorwärts bewegt, lässt sich zum freien Fahren die Neigetechnik entsperren. Wann man schlussendlich den mechanischen Entsperrhebel betätigt, stellt sich nach ein paar Versuchen von selbst ein. Die Eingewöhnungsphase bzw. Lernkurve mit der Neigetechnik ist recht steil. Dennoch empfiehlt es sich vor der Tour durch die pulsierende Stadt mit derart viel Gepäck ein paar Schleifen auf einem leeren Parkplatz zu drehen.
Das Handeln der ganzen Fracht gelingt dennoch erfreulicherweise recht leicht. Die Neigetechnik funktioniert wirklich gut, man muss sich nur trauen. Enge Kurven mit viel Zuladung sind nicht so ganz die Schokoladenseite des Chikes, mit entsprechender Routine und konsequent vorausschauendem Fahren ist das Chike in Kurven sehr fahrstabil. Beim Herausbeschleunigen lässt sich der Shimano-Cargo-Antrieb nicht lumpen, lediglich bergauf im Ecomodus ist er „not amused“. In der Trail- oder Boost-Unterstützungsstufe bringt der Bosch die Transportfuhre locker in Fahrt.
Wie schlägt sich die Schaltung?
Shimanos Nexus 5-Gang Automatik-Schaltung passt mit seiner für städtische Anforderungen konzipierte Entfaltung beeindruckend gut. Gerade in den im Transportwesen wichtigen und meistbenutzen kurzen Gängen eins bis drei lässt sich das vollbeladene Chike leicht anfahren und beschleunigen. Automatik-Nutzern empfehlen wir, die für die Gangwechsel ausschlaggebende Trittfrequenz auf die eigenen Vorlieben anzupassen; bei einem normeln Stadtrad ist diese eher weniger wichtig, beim Lastenrad umso mehr, es lässt sich dann eben einfacher fahren.
Wer grundsätzlich lieber selbst bestimmt, welcher Gang gerade gebraucht wird, kann mit einem kurzen Knopfdruck auf den winzigen mittleren Taster zwischen Automatik und manuellem Schalten wählen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Di2 beim Schalten die Kraft vom Riemen nimmt und man einfach weitertreten kann. Exkurs: Bei den mechanischen Nabenschaltungen muss beim Schalten kurz der Zug von Kette oder Riemen genommen werden, damit das Planetengetriebe reagieren und schalten kann.
Gebremst werden beim Chike alle drei Räder mit einer hydraulischen Scheibenbremse. Die Bremskraft bzw. Bremswirkung verteilt sich so auf die drei Bremsen, das Chike steht bei einer vehementen Verzögerung wirklich sofort.
Chike Cargo Pro im Test: Fazit
Chike produziert mit dem Cargo Pro mit der großzügigen Transportbox ein Lasten-E-Bike mit üppigem Platzangebot für allerhand Sperriges, das dank des verschließbaren Deckels sicher und witterungsgeschützt in der Box verwahrt werden kann. Die Neigetechnik bietet unkompliziertes und einfaches Anfahren, bei schweren Ladungen erleichtert eine Portion Routine den Umgang. Für flache und leicht wellige Topographie ist die Kombi Nexus Inter5 Di2-Schaltung und Shimano Cargo-Motor ein wirklich gelungener Antrieb.
Sie haben Interesse am Chike Cargo Pro? Mehr Infos gibt es auf der offiziellen Website des Herstellers.
Detailaufnahmen des Chike Cargo Pro
Chike Cargo Pro im Test: Technische Daten
| Preis | 8199 Euro |
| Gewicht | 50 kg (Herstellerangabe) |
| zulässiges Gesamtgewicht | 200 kg |
| Einheitsgröße | 1,60 bis 2,00 m Körpergröße |
| Rahmen | Aluminium |
| Gabel | Elastomer-Dämpfung |
| Schaltung | elektr. Nabenschaltung, Shimano Inter 5E Di2, 5 Gänge |
| Reifen | Schwalbe Big Ben; v: Active Line, 20″, 50 mm / h: Performance Line, 20″, 55 mm |
| Bremsen | hydr. Scheibenbremsen Tektro HD-T525 |
| Sattelstütze | Aluminium |
| Sattel | Contec NTEC Volare City EL |
| Lichtanlage | v: B&M IQ-XS E 70 Lux / h: Spanninga Pimento XE |
| Motor | Mittelmotor Shimano EP600, 85 Nm |
| Display | Shimano SC-EN610 (2,8 Zoll) |
| Akku | 630 Wh |
| Sonstiges | Klingel, Beleuchtung, abschließbare Box |



