Klever, E-Bikes, Pedelecs
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Klever in Köln: E-Bikes, Pedelecs, Urbanbikes, Firmenbesuch

E-Bikes von Klever: Mit Roller-Genen und aus einem Guss

Klever baut Elektroräder, die optisch polarisieren. Vom Fahrverhalten aber sind sie über jeden Zweifel erhaben – sagt General Manager Ruud Sjamaar. Sein Ziel ist es, die besten urbanen Pedelecs der Welt zu bauen.
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Die Klever Mobility GmbH aus Köln baut Elektroräder, die optisch auffallen und je nach Modell auch polarisieren. Vom Fahrverhalten aber überzeugen sie jeden schnell – sagt General Manager Ruud Sjamaar. Das Ziel von Klever und seines Mutterkonzerns, dem Rollerspezialisten Kymco, ist hoch gesteckt: Die besten Pedelecs für urbane Pendler zu bauen.

Klever baut heckgetriebe „Power E-Bikes“

„Power E-Bikes“ nennt Klever seine von einem Heckmotor aus eigener Produktion angetriebenen Pedelec- und S-Pedelec-Modelle, mit denen das Unternehmen sowohl optisch als auch technisch aus dem Markt heraussticht. Die Elektroräder von Klever brechen mit Sehgewohnheiten.

Das weiß das Team um Ruud Sjamaar genau. „Die Reaktionen auf unsere ersten Serienmodelle waren schon extrem.“ Aber das habe sich mit den geänderten Sehgewohnheiten inzwischen geändert. Und die auffällige neue X-Serie würde durchweg geliebt. „Vor allem von Freunden guten Designs“, sagt der Manager für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Benelux mit einem Augenzwinkern. „Es macht mich stolz, wenn ich in der Stadt auf unsere Räder angesprochen werde. Das passiert bei der X-Serie eigentlich dauernd.“

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Die Tiefeinsteiger der B-Serie von Klever

Seine Leidenschaft für Klever-Bikes ist spürbar. Dabei offenbart er gleichzeitig einen sehr analytischen Blick auf seine Produkte: Die vollgefederte B-Serie wirke auf viele Betrachter erst einmal gewöhnungsbedürftig. „Das Aha-Erlebnis kommt dann mit dem Fahren“, so Sjamaar. „Das überzeugt. Komfortabler und ergonomischer geht es fast nicht.“

Gepaart mit dem Biactron-Heckantriebssystem aus eigener Entwicklung ergebe sich ein Pedelec, das seinesgleichen suche. Die Elektroräder der taiwanesischen Kymco-Tochter sind zweifellos Hingucker: Das gilt für die ungewöhnliche B-Serie, einem modern interpretierten Tiefeinsteiger, aber vor allem für die mit international renommierten Designpreisen ausgezeichnete X-Serie mit ihrem extravaganten Rahmendesign in Form einer Raute. Entwickelt übrigens vom Darmstädter Designbüro Artefakt, das unter anderem auch für Canyon arbeitet.

Klever X-Speed: Das S-Pedelec im Test

E-Bikes im Test: Fahrgefühl überzeugt

Sie entwickele sich gerade europaweit zum Verkaufsschlager und ist deutlich sportlicher ausgelegt als die etwas nüchternen Räder der B-Serie. „Das Fahrgefühl überzeugt aber bei beiden Modellen“, sagt der Leiter der Kundenbetreuung und ehemalige Radsportler Stephan Roß. „Das Handling, die Leistung unseres selbst entwickelten Antriebssystems, der Komfort – die B-Serie ist einfach ein Top-Bike“, schwärmt er bei unserer Ausfahrt rund um die Kölner Klever-Zentrale.

Leuchtende Augen bekommt er beim X-Speed. Das urbane S-Pedelec zieht mächtig an, fährt sich sportlich, trotzdem sehr ausgewogen. „Es ist das ultimative Stadtrad. Wer es einmal gefahren hat, braucht fast kein Auto mehr.“ Seine Einschätzung kann ich nachvollziehen, denn die E-Bikes machen enorm viel Spaß.

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Klever-Akkus passen in jedes Rad. Sie sind wie der Biactron-Motor Eigenentwicklungen.

Drei Räder, eine DNA: B-, Q- und X-Serie von Klever

Zugegeben, das Design der urbanen Pedelecs ist gewöhnungsbedürftig. Das Fahrverhalten aber ist sensationell: Ergonomisch, komfortabel und absolut tourentauglich. In Kombination mit dem Biactron-Antrieb ist die vollgefederte B-Serie schwer schlagbar: Selbst Siege bei E-Bike-Rennen hat sie schon eingefahren.

Zum Verkaufsschlager entwickelt sich derzeit die X-Serie. Die coolen Urbanbikes bestechen zuerst durch das extravagante Design. Durch die inneren Werte, die alle Klever-Bikes auszeichnen, wird aber auch die X-Serie zu einem Langzeitbegleiter. Sei es in der Stadt, auf der Pendelstrecke oder bei längeren Touren.

Die Q-Serie schließlich ist besonders vielseitig, kann Lasten ziehen und Berge erklimmen. Ihr Lenker lässt sich wegklappen, die Sattelstütze tief einschieben und die Pedale hochklappen – so ist es kompakt und perfekt zu verstauen.

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Klever: Junge Marke mit starker Konzernmutter

Klever steht für „Kymco Light Electric Vehicles“. Konzernmutter Kymco ist mit mehr als 4000 Mitarbeitern an Standorten in etwa 90 Ländern einer der größten Motorrollerhersteller der Welt. Etwa 600.000 Roller, Leichtkrafträder und E-Scooter verlassen jährlich die Produktionshallen. Zudem ist Kymco Zulieferer für Kawasaki und BMW. Firmensitz und Entwicklungsstandort ist Kaohsiung im Südosten Taiwans.

Schon 1998 sammelte der 1963 gegründete Konzern erste Erfahrungen im Bau von E-Scootern. Die Klever Mobility GmbH wurde 2011 mit der Eröffnung der Europazentrale in Köln vorgestellt. Zwei Jahre später stellte das Unternehmen die S-Serie vor, die mehrfach mit internationalen Designpreisen ausgezeichnet wurde und die es leicht verändert auch heute noch gibt.

In Kaohsiung wird seit Oktober 2017 der Großteil der Elektroräder in einer neuen Fabrik auf dem Gelände der Konzernmutter produziert. Klever greift auf hauseigene Entwicklungs- und Prüfzentren bei Kymco zurück und arbeitet eng mit deutschen Instituten wie dem TÜV Rheinland zusammen.

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Endproduktion im neuen Werk in Kaohsiung.

Kymco pusht Klever

Zurück im Klever-Lager fällt auf, dass die Regale nur halb gefüllt sind. Dabei sei erst am Morgen ein Container aus Taiwan eingetroffen. „Auf den warteten wir sehnsüchtig, deshalb haben wir die meisten Räder direkt weiter zu den Händlern geschickt“, sagt Ruud Sjamaar.

Zurzeit müssten die Kunden zu lange auf die Auslieferung warten. „Das ist die Kehrseite des Erfolgs, aber dem muss man sich stellen und daran arbeiten.“ Belgien, die Niederlande und die Schweiz sind die Zugpferde von Klever in Europa. Deutschland hole aber mächtig auf.

Um den rasant wachsenden Pedelec-Markt bedienen zu können, habe die Mutter Kymco die Kapazitäten für Klever gerade versechsfacht. „Wir haben eine komplett neue Produktionsstätte geschaffen.“ Die Engpässe sollten also bald der Vergangenheit angehören. Der Roller-Riese Kymco mit weltweiten Produktionsstätten und seinem Hauptsitz in Taiwan, wo auch die Klever E-Bikes nach den Vorgaben aus Europa gefertigt werden, habe Klever gerade zum Start enorm gepusht.

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E-Bike: Bau als Herausforderung und Lernprozess

Ganz ohne Probleme sei das aber nicht verlaufen. „Ein E-Bike ist kein einfaches Produkt“, sagt Sjamaar. „Entscheidend sind hier viele Details.“ Ein Roller wiege zum Beispiel knapp 100 Kilogramm und sei meistens voll verkleidet. „Da kann man als Ingenieur vieles verstecken. Dazu kommt es bei einem E-Bike viel stärker auf das Gewicht an.“ Allein die Aufgabe, gleichzeitig stabile, leichte und formschöne Rahmen zu designen, sei nicht zu unterschätzen.

Das haben die Kymco-Ingenieure erst lernen müssen. Mit Erfolg. Das beweisen das Design der X-Serie und die Gewichtseinsparungen bei der überarbeiteten B-Serie eindrucksvoll. Auch weitere Details seien wichtig: „In der B-Serie steckte ganz am Anfang eine Federung, die hatte beim Anheben einen Millimeter Spiel, ganz ohne die Funktion zu beeinträchtigen. Das hat man aber gespürt und manche Kunden haben sie deshalb abgelehnt“, berichtet Sjamaar.

Radfahrer haben für solche Kleinigkeiten sensible Antennen. Da Klever sich der Kritik seiner Testfahrer immer offen stelle, hätten die Entwickler viel und schnell gelernt. Ein Weg, den das Unternehmen bis heute geht. „Wir wollen die engstmögliche Bindung zwischen den Käufern und uns erreichen. Unsere Verantwortung endet nicht mit dem Kaufvertrag“, verspricht der Manager. So bestehe ein sehr engmaschiges Netz aus Kunden, Händlern und Klever selbst.

Das Service-Team um Stephan Roß rückt bei Bedarf sofort aus, um Probleme an den Rädern möglichst am gleichen Tag zu beheben oder für Ersatz zu sorgen – das ist Klevers Mobilitätsgarantie.

Klever bietet lückenlosen Service für Räder

„Wir sind detailversessen“, nennt das Stephan Roß. Jede Anregung prüfe das rund 25-köpfige Team von Klever Mobility Europe auf seine Umsetzbarkeit hin. Wird sie für gut befunden, fließt sie in die neuen Räder ein. Doch nicht nur die Pedelecs selbst stehen im Fokus. Ziel sei es, den Kunden einen Rundum-Service zu bieten und etwa bei Defekten so schnell wie möglich ein Ersatzrad zur Verfügung zu stellen.

„Unsere Räder sind als das Hauptverkehrsmittel unserer Kunden ausgelegt. Ein lückenloser Service ist da unabdingbar.“ Einen Vorteil gegenüber Konkurrenten sieht Sjamaar darin, dass die E-Bikes als Gesamtkonzept aus einer Hand entwickelt würden. Motor, Akkus, Design, Rahmen. „Die Räder entstehen hier in Europa in den Köpfen unserer Mitarbeiter.“

Entwicklung von E-Bikes und Pedelecs

Das Team bündele die vielen Anregungen der Fahrer. „Gerade Kritik hilft uns enorm, die Räder zu verbessern.“

Regelmäßig seien Kollegen in Taiwan im Entwicklungszentrum, um sicherzustellen, dass die Räder auf die europäischen Wünsche maßgeschneidert werden. „Da, wo unser Know-how an seine Grenzen stößt, kooperieren wir mit renommierten europäischen Herstellern und kaufen Teile zu“, erklärt Finance Manager Niklas Lemm, gemeinsam mit Sjamaar und Roß der Kopf des Klever Mobility Europa-Teams.

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Klever: Qualität made in Europe

Zu den Partnern und Zulieferern gehören etwa Abus, Tubus und Magura, beim Licht ab 2019 Busch + Müller und Supernova. „Ohne Übertreibung können wir sagen: Unsere Räder sind zu 100 Prozent europäisch.“ Leichtgewichte sind Klever-Bikes übrigens nicht, aber auch das hat seinen Grund. „Uns geht es immer um die Fahrstabilität und den Komfort. Ein leistungsfähiges Fahrzeug für jeden Tag hat einfach sein Gewicht“, merkt Sjamaar an.

Dazu kämen die Themen Qualität und Langlebigkeit. „Ich kenne den ersten S-45-Fahrer persönlich. Das Rad ist immer noch voll einsatzbereit.“ Einen großen Anteil daran habe das hauseigene modulare Konzept. Um technisch auf der Höhe der Zeit zu bleiben, bedarf es keines neuen E-Bikes.

Tipps und Tricks für den E-Bike-Kauf: Fragen an den Händler

Kompatibilität der Pedelecs als Teil des Konzepts

Selbst die Räder der ersten Generation, die seinerzeit mit einem damals modernen 360-Wh-Akku ausgeliefert wurden, können mit einem Handgriff den aktuellen 850 Wh starken Akku aufnehmen, denn Form und Anschluss sind kompatibel. Nicht nur beim Akku, auch bei der Software, den Displays und Bedienelementen legt Klever Wert auf Kompatibilität. „Das gehört bei uns zum Konzept.“

Beispielhaft dafür stehen die Bluetooth-Verbindung zum Handy, die Steuerung des Rads per App sowie die GPS-Ortung, die in Kürze als Option verfügbar sein soll. Die Antriebe selbst seien auf 100.000 Kilometer ausgelegt – „mindestens“, wie Sjamaar betont. Zudem seien die Rahmen der B- und X-Serie die gleichen wie bei den S-Pedelecs und deshalb entsprechend stabil. Das Grundgerüst sei damit vollumfänglich langzeittauglich.

Finance Manager Niklas Lemm, General Manager Ruud Sjamaar und Customer Service Manager Stephan Roß (von links) sind sichtlich stolz auf ihre Klever-Bikes.

Innovationen stecken im Detail

Innovationen gebe es ständig. Sie fänden sich aber oft in Details, etwa der Diebstahlsicherung. Die steckt im Display am Lenker. Wird es abgenommen, aktiviert sich die Wegfahrsperre. Versucht nun jemand, das Rad zu bewegen, blockiert der Heckmotor, ein Alarmsignal ertönt. „Ich nutze das vor allem bei kleinen Besorgungen“, sagt Sjamaar. „Gehe ich zum Bäcker, muss ich nicht umständlich mit einem Schloss hantieren.“

Die 2019er Modelle bekommen eine Art Zündschlüssel. Der kompakte Stick wird ins Display geschoben, den der Fahrer zum Sichern des Rads nur abziehen muss. „Das ist noch einmal komfortabler.“ Wird das Rad doch einmal gestohlen, fällt das spätestens beim nächsten Händlerbesuch auf. Denn alle elektronischen Komponenten sind codiert und mit dem Eigentümer verknüpft.

Urbane E-Bikes mit Hinterradmotoren für die tägliche Nutzung

Das Gesamtkonzept bedingt, dass Klever nicht jedem Trend hinterherläuft. „Wir haben inzwischen etablierte Modellreihen. Die werden wir stetig weiterentwickeln. Die Palette aufzufächern, ist vorerst nicht geplant.“

Das liegt auch daran, dass Klever sich weiter auf urbane E-Bikes mit Hinterradmotoren für die tägliche Nutzung fokussieren will. „Das sehen wir derzeit in unserer Modellpalette gegeben. Und zwar absolut.“

ElektroRad, Klever, E-Bike, Pedelec, Interview

ElektroRad-Redakteur Stephan Kümmel traf Ruud Sjamaar zum Interview bei Klever.

Vier Fragen an Ruud Sjamaar über Klever, E-Bikes und Pedelecs

Sie sind von Ihren Rädern sehr überzeugt. Was macht Klever so besonders?

Das Gesamtkonzept. Unsere Pedelecs sind Fahrzeuge für urbane Pendler und Vielfahrer. Dafür haben wir alles aufeinander abgestimmt. Vom praktisch wartungsfreien Heckantrieb bis hin zu Detaillösungen wie unserer elektronischen Wegfahrsperre mit Alarmfunktion.

Liegt darin die Zukunft?

Wir sind davon überzeugt. Der E-Bike-Markt wird sich unserer Auffassung nach entwickeln wie der Automarkt. Der Kunde der Zukunft vergleicht auch beim Pedelec vor allem die Zuverlässigkeit des Produkts und den Service der Hersteller.

Werden sich die Städte dem Fahrrad anpassen?

Das wird zwangsläufig passieren. Oder anders gesagt: Die Städte wandeln sich schon heute. In Deutschland allerdings bislang langsamer als in den Nachbarländern.

Autofahrer loben Tempo und Komfort ihrer Fahrzeuge. Wie kann der Radmarkt da mithalten?

Durch Qualität. Wir haben schon viele Autofahrer von unseren Rädern überzeugen können. Zum Tempo: S-Pedelecs halten in der Stadt beim Auto locker mit. In der Schweiz und den Benelux-Ländern werden S-Pedelecs als Alternative zum Auto in den Ballungszentren sehr gut angenommen. Auch hier hinkt Deutschland bei der Entwicklung deutlich hinterher.

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