Kind per Fahrrad mitnehmen: Kindersitz, Anhänger, Lastenrad

Kleines Glück auf großer Tour: Kindersitz, Anhänger, Lastenrad

Kind per Fahrrad mitnehmen: Kindersitz, Anhänger, Lastenrad

Mit dem Fahrrad genießen frisch gebackene Eltern die Freiheit, sich mit ihrem Nachwuchs in einem größeren ­Radius und flexibler zu bewegen als mit dem Kinderwagen oder Auto. Aber wie nimmt man sein Kind am besten mit? Wir betrachten die drei klassischen Transportmittel: Kindersitz, Kinder­anhänger und ­Lastenrad.
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Viele radfahrende Eltern wollen wissen, welches Transportmittel für Kinder das beste ist. Die Antwort ist zunächst einmal abhängig vom Alter des Kindes. Ein Säugling will am liebsten Körperkontakt. Von der Benutzung einer Babytrage auf dem Rad ist jedoch abzuraten: Zu hoch ist die Gefahr, dass das Kind bei einem Sturz verletzt wird. Auch ein Kindersitz ist frühestens ab ca. 9 kg Körpergewicht bzw. einem Jahr zu empfehlen. Mit einem hängematteartigen Babysitz wie z. B. von Croozer lassen sich Babys dagegen schon ab dem ersten Monat im Kinderanhänger sicher transportieren. Auch ein Lastenrad wie das Urban Arrow bietet dank Isofix-Befestigungen für den Maxi-Cosi einen sicheren Reiseplatz schon für die Kleinsten.

Die brennendste Frage, welches dieser Systeme die größte Unfallsicherheit bietet, ist damit aber noch nicht geklärt. Sie lässt sich auch nicht eindeutig beantworten. Denn es fehlt eine verwertbare Statistik. Zum einen liegt das daran, dass Kindersitze, Kinderanhänger und Kindertransporte mit Lastenrädern in der Unfallstatistik nicht separat aufgeschlüsselt werden. Und zum anderen – und das ist die äußerst positive Nachricht – gibt es so wenige Unfälle mit Kindern als Fahrrad-Passagiere, dass man keine statistisch begründete Aussage machen kann. Ein Unfalltest zu diesem Thema wurde 2008 vom ADAC durchgeführt. Und auch er kommt zum Fazit: „Ein klassischer Sieger lässt sich nicht küren – es kommt im Wesentlichen auf die Einsatzbedingungen an.“

Sicherheit fürs Kind: Nicht zu schnell unterwegs

Egal ob Kindersitz, Kinderanhänger oder Las­tenrad – Sicherheit schafft vor allem der rücksichtsvolle Umgang mit dem Kind. Um Erschütterungen so weit wie möglich vom Kind fernzuhalten, heißt es: Tempo rausnehmen! Radfahrende Eltern machen das automatisch und drosseln ihre Geschwindigkeit mit Nachwuchs auf maximal 15 km/h. Auch etwas Luft aus den Reifen zu lassen ist ein guter Tipp, um es dem Nachwuchs auf dem Rad oder im Anhänger etwas bequemer zu machen. Bei Kinderanhängern mit einstellbarem Federungssystem kann es zudem helfen, etwas Zusatzgewicht in Form einer gut gefüllten Wickeltasche etc. auf die Achse zu bringen, um das Ansprechverhalten der Dämpfer zu verbessern.

Die Eltern, die radelnd mit ihren Kindern unterwegs sind, fahren überlegter und defensiver als andere Verkehrsteilnehmer. Neben einer gut ausgebauten Fahrrad-Infrastruktur ist das eigene Verhalten der höchste Garant für die Unversehrtheit des Nachwuchses – egal für welches Transportsystem man sich entscheidet. Der ADAC meint: „Auf kürzeren Strecken und in der Stadt bietet sich eher der Sitz an. Auf längeren Ausflügen hat der Anhänger die Nase vorn!“ Wir nehmen noch das Lastenrad in die Auswahl mit auf und erklären die Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme.

Kindersitze gibts für vorne und hinten – sogar in dieser sportlichen Variante fürs Mountainbike!

Kindersitz: praktisch im Alltag

Es gibt zwei Arten von Kindersitzen fürs Fahrrad: Frontsitze und Hecksitze. Hecksitze sind populärer und werden entweder am Sattelrohr montiert oder am Gepäckträger. Da die Zuladung von Letzterem meist auf 20 – 25 kg beschränkt ist, ist die Montage am Sattelrohr vorzuziehen. Doch egal, für welche Befestigungsart man sich entscheidet: Hecksitze verfügen über hohe Kopf- und Rückenstützen. Der Nachwuchs kann also auf Hecksitzen auch mal ein Nickerchen machen. Das Kind ist meist mit 3-Punkt-Hosenträgergurten im Sitz gesichert. Der Gesetzgeber beschränkt das maximale Gewicht des Kindes in einem Hecksitz auf 22 kg und das Alter auf 7 Jahre.

Frontsitze werden hingegen am Oberrohr bzw. Lenkrohr des Radrahmens befestigt. Die Montage an schwenkbaren Lenkungsteilen ist verboten. In einem Frontsitz dürfen laut Gesetz nur Kinder bis zu 15 kg transportiert werden. Im Falle eines Unfalls ist das Kind jedoch kaum geschützt, da diese Sitze ­keine Nackenstützen haben und der Fahrer im ­Falle eines Unfalls auf das Kind stürzt. Daher raten wir von Frontsitzen ganz klar ab.

Beim Kauf eines Kindersitzes sollte man sowohl Kind als auch das Fahrrad unbedingt mit ins Fachgeschäft nehmen, denn nur so kann der passende Sitz gefunden und entsprechend angepasst werden. Bei der Auswahl eines Sitzes unbedingt darauf achten, dass die Bein- bzw. Fußstützen und die Rückenstütze ausreichend verstellbar sind! Auch Sicherheitszeichen, wie z. B. das GS-Zeichen, sollten vorhanden sein. Und wer einen gefederten Sattel oder eine gefederte Sattelstütze hat, der kann die Mechanik bzw. Sattelfedern gleich mit einem passenden Überzug abdecken lassen, damit sich das Kind nicht seine Finger quetschen kann.

Wenn man sich für einen passenden Kinder­sitz entschieden hat, sollte der kleine Beifahrer langsam, zunächst nur über kurze Fahrstrecken an den Transport gewöhnt werden. Das ist im Hinblick auf den veränderten Schwerpunkt am Fahrrad übrigens auch dem Fahrer zu empfehlen! Einfach mal ohne Kind die Einkäufe im Kindersitz verstauen und dann eine Gefahrenbremsung oder Ausweichsituation simulieren. Apropos Einkäufe: Jetzt ist übrigens genau der richtige Zeitpunkt, um auch über Gepäcktaschen fürs Fahrrad nachzudenken. Denn der Gepäckträger auf dem Fahrrad ist durch den Kindersitz belegt.

Wenn wir schon bei nützlichem Zubehör sind: Ein Zweibeinständer am Fahrrad erhöht die Kippsicherheit beim Abstellen, ein zusätzlich montierter Speichenschutz schützt die Füße des Kindes, ein kleines Nackenkissen bietet mehr Stabilität für den Kinderkopf und ein Rückspiegel am Lenker lässt Blickkontakt mit dem Sozius zu.

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Anhänger: ideal für Touren

Fahrradanhänger sind die beliebtesten Transportmittel für Kinder. Sie sind kleine einachsige Anhänger, die aus einer stabilen Kon­struktion aus Aluminium bestehen und mit einer Deichsel und Kupplung am Hinterrad des Fahrrades befestigt werden. Sie sind für die Mitnahme von bis zu zwei Kinder ausgelegt – von denen jedoch keines schwerer als 22 Kilogramm sein darf. Der Gesetzgeber gibt kein Mindestalter für ­Kinder im ­Anhänger vor – man darf also schon das Neugeborene im Anhänger mitnehmen. Man sollte sich jedoch klar sein, dass Erschütterungen gefährlich für die empfindliche Wirbelsäule des Babys sein können. Abhilfe kann man mit sogenannten Sitzverkleinerern schaffen und verhindern, dass das Kind im Sitz hin und her rutscht. Ein passendes Nackenkissen stützt zudem den Kopf des Babys. Für die Kleinsten gibt es Hänge­matten, in denen sie sicher im Anhänger „schweben“. Grundsätzlich ist es aber empfehlenswert zu warten, bis es selber sicher sitzen und seinen Kopf halten kann. Das ist ab ca. dem 9. Lebensmonat der Fall.

Beim Kauf eines Kinderanhängers empfiehlt es sich mitsamt Kind und Fahrrad ein Fachgeschäft zu besuchen, um eine Probefahrt zu machen. Aufgrund der Vielzahl verschiedener Achs-Systeme beim Fahrrad (QR-Achse, Steckachse verschiedener Systeme, Boost-Standard etc.) ist es zudem ratsam, einen Fachmann zu fragen, welcher Kupplungs-Adapter an das Rad passt. Bei der Auswahl des Kinderanhängers ist darauf zu achten, dass die Fahrgastzelle sich komplett schließen lässt. Eine Konstruktion mit Überrollbügel und genügend Kopf- und Beinfreiheit sollte es schon sein. Ein GS-Prüfzeichen oder TÜV-Siegel gibt zusätzliche Sicherheit. Ein 3-Punkt- oder 5-Punkt-Gurt ist Pflicht.

Hat man den richtigen Kinderanhänger gefunden, sollte man sich zunächst einmal allei­ne mit den Abmessungen des Gespanns vertraut machen. Das rechte Hinterrad läuft ungefähr auf Höhe des rechten Lenkerendes. Bei Kurvenfahrt ist zu beachten, dass der Anhänger einen engeren Radius beschreibt. Auch das Bremsverhalten ist anders, da die Last des Anhängers einseitig an der Hinterachse des Fahrrades wirkt.

Wer mit dem Kind unterwegs ist, sollte einen Rückspiegel am Fahrrad montieren, um den Nachwuchs im Blick zu haben. Klare Regeln wie „Schaukeln verboten, keine Raufereien“ helfen, wenn man mit zwei Kindern unterwegs ist.

Mit Kindern mobil: Fahrradanhänger im Test

Lastenräder liegen aktuell im Trend, gerade bei Familien in der Stadt.

Lastenrad: Eines für alles

Lastenräder sind nicht mehr nur Kurier-Fahrzeuge, sondern werden vor allem bei jungen urbanen Familien anstatt des eigenen Autos immer populärer. Und das aus gutem Grund: Ein Lastenrad ist ein nachhaltiges und umweltfreundliches Familienfahrzeug, das einen deutlich höheren Nutzwert als ein Anhänger hat. Alleine die Tragkraft eines Lastenrades ist enorm. Seine stabile Rahmenkonstruktion ermöglicht es nicht nur Passagiere mitzunehmen, sondern auch Großeinkäufe, Ausflugsgepäck oder Umzugskartons.

Anders als in Kinderanhängern dürfen im Lastenrad auch mehr als zwei Kinder mitgenommen werden. Manche Modelle bieten bis zu vier Sitzplätze für den Nachwuchs. Restriktionen wie eine Altersbeschränkung oder eine Gewichtsbeschränkung gibt es bei Lastenrädern nicht. Im Gegensatz zu Kinderanhängern dürfen Kinder über 7 Jahre mitgenommen werden, wenn es „einen geeigneten Sitzplatz“ gibt. Dann zählt das Lastenrad rechtlich als „Fahrradrikscha“. Und das Gewichtslimit für ein Lastenrad ist alleine sein zulässiges Gesamtgewicht. Das kann schon mal 200 Kilo und mehr betragen.

Lastenrad-Test 2022: Cargobikes für Familien

Unter den Lastenrädern unterscheidet man zwei Bauformen: die Long Johns und die Long Tails. Das Long John schiebt seine Ladefläche vor dem Fahrer her. Das einzelne Vorderrad (oder die paarweise angelenkten Vorderräder) ist weit nach vorne versetzt, was je nach ­Modell eine starke Umstellung der Lenkgewohnheiten vom Fahrer abverlangt. Erstkäufer sollten sich daher erst einmal mit den geänderten Lenk- und Bremseigenschaften ihres Gefährts vertraut machen, bevor sie ein Kind transportieren. Das Long Tail hat dagegen einen extrem verlängerten Hinterbau und einen besonders langen Gepäckträger. Auf ihm können bis zu drei Passagiere Platz nehmen, wie z. B. beim Yuba Mundo. Der komplette Vorderbau des Rades entspricht dem eines normal langen Fahrrades – entsprechend leicht fährt es sich. Mit unterschiedliche Zubehör kann sich das Lastenrad den individuellen Wünschen des Fahrers – und des kleinen Passagiers – anpassen lassen. Typisch ist das „Canopy“ Regendach, das einen großen wetterfesten Raum aus der offenen Ladefläche macht.

Große Übersicht: Alles rund ums Lastenrad

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