Winter: Radreise-Ziele fürs kalte Halbjahr
Raus aus dem Nasskalten: 6 Radreiseziele für Winterwettergeplagte
Winter: Radreise-Ziele fürs kalte Halbjahr
in Reise
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Der erfahrene Radfahrer weiß zwar, dass es kein falsches Wetter gibt, nur falsche Kleidung. Dennoch muss man schon einen ziemlich stoischen Charakter haben, um Radfahren im winterhalbjährlichen Deutschland wirklich zu genießen – ganz besonders dann, wenn Mutter Natur nicht mit stahlblauem Himmel und einer schön trockenen Kälte aufwartet.
Sich und seinem Fahrrad zwischenzeitlich mal eine Auszeit in milderen Regionen zu gönnen, ist daher ein mehr als verständlicher Wunsch. Doch wohin, wenn es nicht gerade andere Kontinente sein sollen? Wir haben sechs Reiseziele zusammengetragen, in denen selbst im Januar die Sonne lacht, die Temperaturen milde bleiben und die Radinfrastruktur stimmt – alle höchstens wenige Flugstunden entfernt.
Mallorca – der Klassiker unter den Sonneninseln
Insider wissen es längst: Kaum eine Mittelmeerinsel ist so eng mit dem Radsport verbunden wie Mallorca – ein absolutes Traumziel. Während man in Mitteleuropa versucht ist, heißen Tee in die Trinkflaschen zu füllen, bieten Radurlaube auf Mallorca im Schnitt Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad – perfekte Bedingungen für Kilometerfresser und Genussradler gleichermaßen.
Unter anderem rund um Alcúdia und Port de Pollença hat sich eine komplette Radkultur entwickelt: Spezialisierte Hotels, Werkstätten, Leihräder, GPS-Touren und Trainingscamps sind Standard. Wer sportlich unterwegs ist, findet in der Serra de Tramuntana anspruchsvolle Höhenmeter, etwa auf der legendären Sa-Calobra-Passstraße. Wer lieber gemütlich rollt, folgt der Küste über Campos bis Santanyí oder erkundet das Hinterland mit seinen Orangenhainen und Windmühlen.
Zusammengefasst: Im Winter ist Mallorca ruhig, die Straßen sind leer und die „normalen“ Touristen weit weg – genau das macht den besonderen Reiz aus.
Costa Blanca – Spaniens sonnigste Trainingsstrecke
Rund um Alicante hat sich in den letzten Jahren ein zweites Paradies für Winterradler etabliert. Die Costa Blanca punktet mit rund 320 Sonnentagen im Jahr, sanften Steigungen und wenig Verkehr abseits der Küstenorte.
Beliebte Routen führen von Alicante über Altea und Calp bis nach Dénia. Im Hinterland locken kleine Bergdörfer wie Guadalest mit Serpentinen und spektakulären Ausblicken aufs Mittelmeer. Besonders in der Nebensaison sind viele Straßen fast autofrei – ideale Bedingungen für alle, die ihre Grundlagenausdauer im Warmen pflegen möchten.
Tipp: Wer die Profis der Tour de France im Wintertraining treffen will, muss nur an einem milden Januarvormittag zwischen Benidorm und Jávea die Augen offenhalten – viele Teams nutzen die Region gezielt zur Vorbereitung.

Zypern – Sonne satt und ein Hauch Orient
Am östlichen Rand des Mittelmeers liegt die vielleicht unterschätzteste Radinsel Europas. Zwischen Dezember und März herrschen tagsüber 18 bis 22 Grad und selbst in den höheren Lagen bleibt es angenehm mild. Besonders rund um Paphos und Limassol finden sich zahlreiche ausgeschilderte Radstrecken entlang der Küste sowie durchs hügelige Hinterland.

Zusammengefasst: Zypern verbindet mediterrane Gelassenheit mit einer überraschend guten Infrastruktur – Mieträder, GPS-Tracks und geführte Touren sind vielerorts verfügbar.
Madeira – Bergauf, bergab im Atlantik
Zugegeben, die portugiesische Atlantikinsel ist nichts für Flachlandfahrer – dafür aber ein Traum für alle, die Abwechslung suchen, sich nicht davor scheuen, in die ganz niedrigen Gänge zu schalten und sich aus dem Sattel zu erheben. Madeira ist ganzjährig grün, die Temperaturen liegen auch im Winter meist zwischen 17 und 20 Grad. Doch so mild die Insel ist, so anspruchsvoll ist das Terrain: Kaum eine Straße bleibt lange eben.
Allerdings wird garantiert jeder Tropfen Schweiß mit spektakulären Panoramen belohnt. Besonders beliebt sind Touren entlang der alten Bewässerungskanäle, der sogenannten Levadas, sowie die Küstenroute zwischen Câmara de Lobos und Ponta do Sol.
Wer lieber Downhill fährt, findet im Westen und Norden mehrere Trails mit Meerblick – Leih-MTBs gibt es direkt in Funchal. Ausgesprochene Genussfahrer sollten indes über ein E-Bike nachdenken, um auch die steilsten Passagen noch genießen zu können.
Sizilien – Kultur, Küste und Sonne satt
Sizilien ist nicht nur für seine Küche berühmt, sondern auch für überraschend vielfältige Radstrecken. Im Winter herrschen meist 16 bis 18 Grad, dazu ist eine eine frische Brise vom Meer nahezu dauerhaft garantiert. Besonders reizvoll ist die Westküste rund um Trapani und Marsala. Dort wechseln sich Küstenebene mit sanften Hügeln ab und machen das Radfahren zu einem wirklich abwechslungsreichen Genuss.

Und nach der Tour sind ein Espresso auf der Piazza und Cannoli als Belohnung definitiv auch für die Sportlichsten erlaubt.
Algarve – Portugals Sonnenküste für Genießer
Das Schöne an vielen südeuropäischen Gestaden ist die Tatsache, dass sie sich im Winter auf der perfekten Grenze zwischen „etwas kühl“ und „ein bisschen zu warm“ befinden. Die ganz in Portugals Süden liegende Algarve ist ein weiteres perfektes Beispiel dafür: Im besten Sinn mildes Klima, winterlich leere Strände und obendrein ein endlos wirkendes Netz aus Küstenwegen. Im Winterhalbjahr ist die Region herrlich entschleunigt – die sommerlichen Touristenmassen sind weg, die Sonne aber nach wie vor da.
Eine der schönsten Strecken ist der Ecovia do Litoral, ein rund 215 Kilometer langer Radweg von der spanischen Grenze bei Vila Real de Santo António bis nach Sagres. Die Route führt durch Dünenlandschaften, kleine Dörfer und historische Orte wie Lagos.
Allerdings: Für Anwärter auf das gepunktete Trikot ist diese Strecke nichts – das Gelände ist weitgehend flach. Dafür sind die Straßen ruhig und selbst im Januar sind 18 Grad keine Seltenheit. Ideal für Genussfahrer, die dem Winterblues entkommen wollen – vielleicht bei einem Glas Vinho Verde zum Sonnenuntergang.
