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Verplant: Film über eine verrückte Fahrradreise um die Welt

Mit dem Rad nach Vietnam: Interview zum Film "Verplant"

Verplant: Film über eine verrückte Fahrradreise um die Welt

Ein verrückter Roadtrip von jungen Typen auf dem Rad, durch zahlreiche Länder und Klimazonen: Dies zeigt der Film "Verplant". Einige Infos über die neue DVD und ein Gespräch mit den Protagonisten des Films.
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Zwei junge Männer, untrainiert aber unstoppbar: Otti und Keule wollen mit dem Fahrrad bis nach Vietnam fahren. Und es klappt: Die beiden zeigen, dass eine Radreise um die Welt auch ohne großes Training und viel Vorbereitung funktioniert. Aber natürlich geraten sie auch immer wieder in überraschende Situationen.

„Verplant“ – jetzt als Film erhältlich

„Verplant“ heißt der Film, der auf ihrer ungewöhnlichen Reise entstanden ist und ab dem 5. November als DVD und BlueRay erhältlich ist.

Radreisen optimal vorbereiten: Unsere Tipps

Radfahren.de-Interview mit den Progatonisten Otti und Keule

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, diese Reise zu machen?

2008 haben wir zusammen unsere erste große Fahrradtour gemacht. Otti, Waldemar und ich (und noch ein weiterer Schulfreund, der allerdings nach vier Wochen wegen einer Verletzung abbrechen musste) sind im Jahr nach unserem Schulabschluss in Heiligenstadt gestartet, sind dann über Luxemburg, Belgien, Frankreich und Spanien nach Portugal gefahren und dann wieder über Spanien, Südfrankreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Ungarn und Tschechien wieder nach Deutschland gekommen. Wir waren insgesamt vier Monate unterwegs und haben dabei etwas über 8.000 km zurückgelegt.

Für den Sommer 2018 (also genau zehn Jahre nach dem Ende der Europatour) haben wir uns vorgenommen, noch einmal loszufahren – diesmal sollte aber alles eine Spur größer sein. Wir haben eine größere Herausforderung gesucht, wollten noch weiter fahren, noch mehr Länder besuchen und dabei eben diese Länder mal aus der Fahrrad-Perspektive kennenlernen, weil man mit dem Rad ja sehr langsam unterwegs ist und außerdem eine Kultur abseits der großen Städte und touristischen Attraktionen kennenlernen kann. Saigon haben wir uns als Ziel relativ schnell festgelegt, weil ich zur Zeit der Tourplanung dort gelebt und gearbeitet habe. Otti war also in Heiligenstadt, ich in Saigon – warum dann nicht mit dem Fahrrad von Deutschland nach Vietnam fahren?

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Welche Erfahrungen mit dem Radreisen hattet ihr davor?

Waldemar und Otti sind irgendwann vor 2008 schon mal mit dem Rad quer durch Holland gefahren. Dann war da natürlich die Europatour 2008. Ein paar Jahre später bin ich mit Otti nach Vannes in die Bretagne zu einer Geburtstagsfeier gefahren (und wieder zurück). Und ansonsten mal ein paar kleinere Touren in Deutschland, mit dem Fahrrad waren wir vorher außerhalb von Europa noch nicht unterwegs.

Wie war eure Ausstattung, eure Räder? Habt ihr euch das alles neu gekauft?

Uns war wichtig, dass wir eine komplette Camping- und Schlechtwetter-Ausrüstung dabei haben. Man weiß ja nie, wann man mal überrascht wird, nicht weiter kommt und dann irgendwo im Nirgendwo übernachten muss. Einen Teil der Ausrüstung mussten wir uns dafür neu kaufen, weil wir einige Sachen noch gar nicht hatten (z.B. winterfeste Schlafsäcke) und andere Sachen einfach schon soweit abgenutzt waren, dass sie die Tour nicht überstanden hätten (z.B. das Zelt).

Die Fahrräder haben wir neu gekauft und dafür dann die gängigsten Verschleißteile als Ersatz mitgenommen: Wir hatten Flickzeug, Schläuche, Ketten, Speichen und ein bisschen anderen Kleinkram, damit wir uns bei den häufigsten Pannen selbst helfen konnten.

Was war das kurioseste Erlebnis auf eurem Trip?

Als wir Teheran verließen, hatten wir Probleme, einen Schlafplatz zu finden, weil das Umland stark von Industrie und Landwirtschaft geprägt ist und sich die Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen in Grenzen halten. Es war nicht einmal möglich, irgendwo sein Zelt aufzubauen, da es einfach keine freien Flächen gab. In einem Vorort von Teheran hat uns dann ein Iraner mit seinem Auto angehalten und uns irgendwie zu verstehen gegeben, dass er uns gerne über Nacht bei sich zu Hause aufnehmen möchte. Nach einem kurzen hin und her mit mehrfachem höflichen Ablehnen und wiederholten Einladungen wussten wir, dass die Einladung ernst gemeint war und haben sie angenommen.

Also haben wir den Abend bei ihm und seiner Frau in der Wohnung verbracht und mangels Sprachkenntnissen und Internet nur mit Händen und Füßen die wichtigsten Informationen ausgetauscht. Da unser neuer Freund der Milchmann des Ortes war, hat er uns dann schon morgens um vier aus dem Bett geworfen, weil er zur Arbeit musste. Der Vorteil war, dass an diesem Tag unsere Fahrradetappe schon um halb zehn zu Ende war – eine Zeit zu der wir normalerweise noch nicht mal gestartet sind.

Welche die größte Herausforderung?

Meiner Meinung nach gab es nicht DIE größte Herausforderung, sondern verschiedene Begebenheiten, die alle auf ihre Weise herausfordernd waren. Zwei Sachen, die allerdings ganz vorne stehen sind: 1. Der Winter in Zentralasien mit Nachttemperaturen bis -30°C und Bergpässen über 3.600 m und 2. Der extreme Polizeistaat in der Uighuren-Provinz Xinjiang im Westen Chinas

Und welche Erfahrung macht euch besonders „reich“?

Ich denke, man nimmt sowohl von den positiven als auch den negativen Sachen etwas mit. Einerseits ist natürlich die Gastfreundschaft der Leute im Iran sehr beeindruckend – wer würde schon hier in Deutschland zwei wildfremde Leute zu sich in die Wohnung einladen? Andererseits lebt so eine Reise nicht nur von den positiven Erlebnissen. Der zentralasiatische Winter und der chinesische Polizeistaat haben auch ihre Eindrücke hinterlassen. Das mag jetzt vielleicht etwas abgedroschen klingen, aber man lernt dadurch etwas mehr die Dinge zu schätzen, die man hat: ein Bett, eine Heizung und die Tatsache, dass man nicht 24 Stunden am Tag an jedem Ort überwacht wird.

Wir sind ja letztendlich auch nicht losgefahren, um uns nur die schönen Ecken der Welt anzuschauen und am Strand Cocktails zu trinken. Die körperliche und vor allem mentale Herausforderung waren uns auch wichtig.

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