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Reiseräder: E-Bikes und Randonneure für die große Reise

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Reiseräder: E-Bikes und Randonneure für die große Reise

Weltreisen auf zwei Rädern waren bisher dem klassischen Fahrrad und Motorrädern vorbehalten. Inzwischen aber ist die ganz große Tour mit elektrischer Unterstützung keine Utopie mehr. Wir zeigen, welche Reiseräder sich bestens eignen.
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Mit dem klassischen Weltreiserad gibt es nur eine natürliche Grenze: das Meer. Denn tatsächlich waren Fahrräder schon (fast) überall auf der Welt: am Nord- und am Südpol, auf den höchsten Passstraßen der Welt und in den unwirtlichsten Wüsten. Nur die höchsten Gipfel der Erde hat noch niemand auf einem Fahrrad bezwungen. Gut so, möchte man sagen.

Die natürliche Grenze eines E-Bikes ist da schon enger gesteckt: Wer nicht gerade die schweren Räder plus Gepäck ganz ohne elektrische Unterstützung bewegen will, für den endet der Radius dort, wo es keine Steckdosen mehr gibt. Seien Sie unbesorgt. In Europa werden Sie sicher nicht in Verlegenheit kommen, im zumutbaren Umkreis keine zu finden. Auch die bei Deutschen beliebtesten Fernreiseziele USA und Kanada, Australien und Neuseeland sind inzwischen Eldorados für E-Biker. Selbst exotische Ziele wie der Himalaya, Indien sowie viele Länder Afrikas und Lateinamerikas lassen sich problemlos mit dem E-Bike erfahren. Was – außer der aktuellen Pandemielage – hält uns also auf? Wir präsentieren in der ElektroRad 4/2021 die passenden Räder und viele Tipps rund um die Organisation einer Radreise.

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Reiseräder: Akku als mehrfache Hürde

Der Akku setzt uns also die Grenze – zumindest der Tagesetappe. Er kann aber auch den Startpunkt der Radreise beeinflussen. Denn anders als klassische Reiseräder lassen sich E-Bikes nicht ohne weiteres in ein Flugzeug packen. Und wenn, dann nur ohne Akku. Der müsste per Post verschickt werden – im Extremfall als Gefahrguttransport.

Wer mit einem E-Bike für viele Tage oder gar Wochen oder Monate unterwegs sein will, der hat auf mehr zu achten als „nur“ auf die richtige Handhabung des Energiespeichers.

Auch wer direkt von der Haustür aus aufbricht, braucht eine gewisse Vorbereitung. Und die fängt schon mal mit der Wahl des richtigen Rads an. Denn was im Alltag auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen taugt, ist womöglich auf einer langen Tour mit Reisegepäck heillos überfordert. Nicht umsonst gibt es spezielle Reiseräder. Und genau solche haben wir uns genauer angesehen. Wir unterscheiden zwei Arten: das klassische Reiserad und den leichten Randonneur.

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Die klassischen Reiseräder

Reinrassige E-Reiseräder sind Exoten. Denn sie passen schon rein optisch nicht unbedingt in die aktuelle Pedelec-Ästhetik mit voll in den Rahmen integriertem Akku. Passionierte Weltreisende setzen auf robuste, wartungsarme Komponenten. Beim Rahmen bedeutet das vor allem: Stahl ist die Wahl. Der nämlich ist unverwüstlich, verträgt hohe Zuladungen und lässt sich im Notfall schnell reparieren.

Die teurere Alternative zum Stahl ist Titan. Es ist noch robuster und etwas leichter. Auch daraus werden Reiseräder gebaut. Optischer Nachteil: Die Akkus werden bei Stahl und Titan meist aufs Unterrohr aufgesetzt. Das gefällt nicht jedem.

Fahrer hochwertiger Reiseräder schwören beim Antrieb auf Getriebeschaltungen von Rohloff mit einem kräftigen Mittelmotor oder Heckmotor und Pinion-Getriebe. Vorn wird oft eine Starrgabel verbaut, denn da lassen sich problemlos zusätzliche Gepäcktaschen, so genannte Lowrider anbringen. Der Gepäckträger hinten sollte robust sein, mindestens 25 Kilogramm schultern können und mehrere Streben zum Einhängen von Packtaschen aufweisen.

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Reiseräder: viel Gepäck

Echte Reiseräder sind auf viel Gepäck ausgelegt: Ein zulässiges Gesamtgewicht von 150 Kilogramm und (viel) mehr sind keine Seltenheit. Mit einem solchen Rad sind Sie für die allermeisten Fahrsituationen gewappnet.

Die Geometrie unterstützt den Gepäcktransport, sorgt für eine ruhige, souveräne Straßenlage. Natürlich gibt es auch Reiseräder mit Aluminium-Rahmen. Sie sind oft ähnlich robust, haben aber einen vollintegrierten Akku. Hierzulande und insgesamt in Europa kein Problem, für Weltreisende aber das Ausschlusskriterium: Aluminium ist deutlich schwerer zu reparieren. Denn nicht jede Schlosserwerkstatt kann Alu schweißen.

Der Randonneur

Randonneure sind Reiseräder auf Basis der klassischen Rennradgeometrie, heute auch in Gravelbike-Ausführung. Auch sie gibt es mit elektrischer Motorunterstützung. Die fällt aber meist etwas schwächer aus, auch steckt oft deutlich weniger Saft im Akku als bei den „großen Brüdern“.

Sie sind insgesamt leichter, und so sollte auch der Radreisende unterwegs sein: Bikepacking statt Backroller, Rahmentasche statt Lowrider – auch wenn Lowrider durchaus auch hier möglich sind. Gesteuert wird mit Rennradlenker, die Geometrie ist deutlich sportlicher. Dazu passen auch die Antriebe: Fazua, Mahles Mittelmotor oder leichte Heckmotoren sind hier die erste Wahl. Genauso wie die Kettenschaltung. Randonneure eignen sich für die so genannten Mikroabenteuer: Kurze Ausflüchte aus dem Alltag, Overnighter, Kurztrips. Manch einer hat aber auch schon Expeditionen auf (E-)Randonneuren bestritten.

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Mit dem richtigen Rad ausgestattet, gibt es unterwegs fast keine Grenzen mehr

Reiseräder aus dem Trekkingrad-Segment

Natürlich taugen aber auch herkömmliche Trekkingräder als Reisemobile. Nicht jeder, der auf Radwegen die Alpen überqueren oder die Donau erkunden will, braucht ein Expeditionsrad. Tourenräder sind ebenfalls robust, zuverlässig und voll ausgestattet. Gleiches gilt für die relativ neue Klasse der so genannten SUV-Bikes. Sie sind meist etwas geländegängiger als klassische Tourenräder, haben sportlichere Komponenten. Teils sind sie vollgefedert und kommen als die zivilere Variante des E-Mountainbikes daher.

Und so zeigt sich: Am Ende kommt es auf den eigenen Geschmack an – und auf die Art der Radreise. Die beiden Abenteurer Tanja und Denis Katzer (siehe auch Seite 50) setzen inzwischen auf robuste, leistungsstarke E-Bikes von Riese & Müller. Echte Reiseräder mit der Extraportion Akkuleistung. Sie absolvieren Extremtouren etwa durch die Wüste Gobi.

Randonneure sind als Reiseräder gefragt

Andere Weltreisende wie die Schweizerin Andrea Freiermuth sind mit klassischen Trekkingbikes unterwegs. Ihr Flyer Up­street ist natürlich ebenfalls voll tourentauglich, aber eben auch für den Alltag und die kleine Tour vor der Haustür entwickelt.

E-Randonneur-Reisende sind hingegen noch rar gesät, denn diese Radgattung ist recht frisch. Deren Absatz aber zeigt: Diese Klasse ist gefragt. Denn kleinere Motoren, geringere Akkukapazität und dadurch deutlich geringeres Radgewicht kommen an. Auch im Alltag.

Und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Social­Media-Fotos und Reiseberichte vom Pamir, der Panamericana oder vom Nordkap die Runde machen. Vielleicht machen Sie ja den Anfang!

Auch die Planung ist wichtig

Neben dem richtigen Reiserad gibt es noch andere Punkte, die auf der Liste der Reisevorbereitung abgehakt werden sollten: Eng mit der Wahl des Rads verknüpft ist die Reiseroute: Sind Sie in Deutschland, Europa oder anderen Erdteilen unterwegs? Fahren Sie vor allem auf Asphalt oder auch auf unbefestigten Wegen? Haben Sie einen Gepäcktransport oder muss alles für die Reise am Rad Platz finden? Wo und wie wollen Sie übernachten? All diese Fragen haben Einfluss auf die Vorbereitung, etwa was Ihre Ausrüstung angeht.

Darum bieten wir Ihnen auf den nächsten Seiten nicht nur eine Hilfestellung, was Ihr Reiserad betrifft. Wir lassen erfahrene Radreisende zu Wort kommen, die mit Ihnen ihre Planungstipps teilen. Anhand einer Checkliste lernen Sie, worauf es insbesondere mit dem E-Bike auf Reisen zu achten gilt. Und schließlich haben wir in unserem prall gefüllten Reiseteil genau die richtigen Anregungen für Ihr Fernweh.


Reiseräder – für den Fall der Fälle

Zweifellos: Randonneure sind schnittige, schöne, schnelle Reiseräder. Mit Gravel-Bereifung sind sie genau richtig für das Mikroabenteuer vor der Haustür. Den schnellen Wochenendtrip in die nahe Wildnis.

Reiseräder hingegen sind schwerer, grober, kurz: robuster. Es sind pragmatische Arbeiter, auf die sich Radreisende in jeder Lebenslage verlassen können. Und genau das ist meiner Meinung nach der Vorteil gegenüber dem Randonneur.

Reiseräder, Definition, Meinung

Klassische Reiseräder haben Vor- und Nachteile

Auf einer Radreise, insbesondere wenn es in etwas abgelegenere Gefilde geht, möchte ich möglichst wenige Gedanken an die Technik verschwenden. Ich will die Landschaft genießen, mir keine Sorgen um die Route machen, Land und Leute kennenlernen. Dazu gehören ein unverwüstlicher Rahmen, eine Starrgabel, viel Platz für Gepäck, pannensichere Reifen und beim E-Bike ein starker Motor und eine einfache Handhabung des Akkus.

Dazu als Sahnehäubchen die aufrechte, effiziente Sitzposition und komfortable Kontaktpunkte. So will ich unterwegs sein. Und genau das bieten mir die hochspezialisierten Reiseräder. Da schlag ich gerne zu!

Meinung von ElektroRad-Redaktionsleiter Stephan Kümmel


Randonneure – weniger Gepäck, mehr Freiheit

Wer schon mal auf mehrtägigen Radtouren oder monatelangen Radreisen unterwegs war, kennt sie wahrscheinlich: die zeitintensive Gepäckplanung im Vorfeld. Während klassische Reiseräder als robuste Packesel zum Beladen einladen, strahlen Randonneure schon beim ersten Anblick überschaubaren „Stauraum“ aus. Gut so, schließlich gehe ich auf Reise, um Freiheit zu genießen. Und zu spüren. Bei fast zehn Stunden täglich im Sattel. Ich möchte Meter machen und durchweg flott unterwegs sein.

Randonneure, Definition, Meinung

Was spricht für einen Radonneur?

Die sportliche Sitzposition durch den Rennradlenker zahlt genau darauf ein. Um Kontaktpunkte zu schonen, können Greifpositionen verändert werden, zusätzlich die Vorbaulänge angepasst werden. Ich bin bereit für Anstiege, für Höhenmeter in bergiger Natur, dank sportlichen Antriebseinheiten und auf Klettern ausgelegte Kettenschaltungen.

Dass ich abends nur das Nötigste zum Auspacken habe, rundet das Glücksgefühl eines ambitionierten Reisetages perfekt ab. Ich schwelge ohnehin viel lieber in Erinnerungen an das Erlebte, als darüber nachzudenken, in welchen Taschen ich nach was zu suchen habe.

Meinung von ElektroRad-Redakteur Tobias Jochims


In der ElektroRad 4/2021 finden Sie alles rund ums Thema Reiseräder und Radreisen. Woran Sie Reiseräder und Randonneure erkennen und worauf Sie achten müssen. Impressionen von Radreisen nah und fern. Tourenrad und SUV als Alltagsalternativen zum Reiserad, 18 Minipumpen im Test sowie einen ausführlichen Ratgeber, woran Sie bei der Planung Ihrer Radreise denken müssen. Hier können Sie die Ausgabe als Printmagazin oder E-Paper bestellen.

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