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Interview der Frankfurter Rundschau (Redakteur Joachim Wille) mit Verkehrsforscher Professor Helmut Holzapfel
"In der Klimadebatte werden Illusionen verbreitet"
Frankfurter Rundschau: Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger fährt seinen Riesen-Geländewagen "Hummer" neuerdings mit Wasserstoff. Er sagt: Das ist zukunftsweisend, weil er kein CO2 ausstößt. Die richtige Strategie?
Helmut Holzapfel: Ein schwerer Hummer verbraucht immens Energie, Wasserstoff muss auch erst erzeugt werden, das kostet CO2. Leider ist in den letzten Wochen der Klimadebatte kaum etwas von Fortschritten beim Verkehr zu sehen, stattdessen werden Illusionen verbreitet.
Im Verkehr steigt der CO2 Ausstoß weltweit am rasantesten, etwa durch die Motorisierung in Ländern wie China. Bis 2050 ist laut UN-Klimarat IPCC eine Verdreifachung auf zwei Milliarden Autos denkbar. Das geht nur, wenn alle Drei-Liter-Autos fahren?
Das reicht längst nicht. Ohne eine Veränderung unseres Verhaltens und der Einstellung zum Auto wird der notwendige radikale Rückgang verfehlt. Sparsame Autos können sogar Scheinerfolge sein: Die Leute fahren sie öfter und weiter, weil es ja so günstig ist. Die Erneuerung der Auto-Flotte braucht zudem lang, neue Pkw halten 13 Jahre und mehr. Ein heute gekaufter Geländewagen kann also auch 2020 noch mit 15 Litern Verbrauch unterwegs sein.
Heute verkaufte Autos haben durchaus bessere Verbrauchswerte als die Vorgänger-Typen von vor 20 Jahren.
Die Einsparung durch Technik wird überschätzt. Wenn ab sofort alle neuen Autos einen Liter weniger verbrauchten, würde dies pro Jahr weniger als 0,1 Liter Fortschritt für die gesamte Flotte bedeuten. Zudem: Die Normverbrauchswerte der Autos sind besser geworden, aber sie geben nicht den realen Spritkonsum wieder. Sie werden in konstanten Fahrzyklen ermittelt. In der Praxis fahren die Leute aber schneller und beschleunigen stärker. Das kompensiert die Einsparungen fast wieder.
VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat bereits 2002 den Prototypen eines Ein-Liter-Autos vorgestellt und gefahren. Es geht also doch.
Es ginge, wenn wir uns radikal umstellen. . .
Piëch sagt: Leichtbau-Karosserien werden bald erschwinglich sein.
Piëchs Zweimannwagen hätte längst als Serienauto da sein sollen. Aber auch er verlangt ganz andere Einstellungen und Verhaltensweisen, wenn ihn einer kaufen soll.
Was müsste also getan werden, um im Verkehr schnell zu einer CO2-Minderung zu kommen?
Neben wirklich besserer Autotechnik mit viel leichteren Fahrzeugen müssen die Bürger ihr Mobilitätsverhalten umstellen. Wer immer kann, sollte auf Bus und Bahn oder das Fahrrad umsteigen. Es muss die "Stadt der kurzen Wege" in der Planung die Regel werden, in der Autoverkehr automatisch abnimmt. Diese Änderungen im Verhalten und in der Stadtplanung müssen durch öffentliche Kampagnen und Forschung stimuliert werden.
Wie groß kann denn der Beitrag zum Klimaschutz sein, wenn die Leute weniger fahren oder in Bus und Bahn umsteigen?
Wenn nur jede zehnte Autofahrt unterbliebe, eine weitere mit dem Rad erledigt würde und nur jede zwanzigste mit Bus und Bahn erfolgte, würde das fast 25 Prozent der CO2-Emissionen einsparen. Die gleiche Minderung durch bessere Autotechnik zu erreichen, würde viel länger dauern. Das wäre keine Revolution, es gibt schon Städte, die solche Werte realisieren. Es ist ein Märchen, zu glauben, alles ginge durch Technik. Verhaltensänderungen sind in der Regel billiger zu haben als technische Maßnahmen, ja sie können sogar Gewinn bringen: Städte mit weniger Autoverkehr wie Münster besitzen oft eine höhere Lebensqualität.
Wie könnten denn positive Anreize aussehen, um die Bürger zum Umdenken zu bringen?
Es geht um positive Vorbilder: Schwarzenegger auf dem Fahrrad, ein Wahlkampfzug wie noch bei Willy Brandt, Prominente, die, statt große Autos zu fahren, Städte auszeichnen, in denen der Verkehr CO2-sparend abgewickelt wird.
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