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21.08.2008 | 08:57 h

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aR Recherche/bikesportnews.de

 
 
 

Fitness

 

»Styrkeproven«: 540 Kilometer Trondheim – Oslo, nonstop!

(21.08.08/kg) Michael Büttner hat diese unglaubiche Mutprobe gewagt. Sein Ziel: das Straßenrennen mit dem MTB nonstop in Rekordzeit zu finishen – als behinderter Radsportler. Hier sein spannender Report!

So etwas darf man einfach nicht in seine Psyche lassen, sonst hat man hier schon verloren. Nur nicht darüber nachdenken, wie viele Kilometer oder Stunden noch vor dir liegen. Dein Kopf muss jetzt der stärkste Teil deines Körpers sein, nur dann kommst du letztlich in Oslo an. Ich habe ja in dieser Beziehung den starken Vorteil, dass ich letztes Jahr bei Paris-Brest-Paris die 1228 Kilometer in 78 Stunden nur mit einer sechsstündigen Schlafpause gefinisht habe. Dieses Extremerlebnis ist jetzt meine »Moralpeitsche«. Immer wenn ich denke, es geht nicht mehr, sage ich mir: Wer 1228 Kilometer bewältigt, wird doch wohl vor läppischen 525 nicht kapitulieren.



Nach etwa fünfzig Kilometern habe ich die ersten eingeholt, die vor mir gestartet waren – und das macht mich heiß auf mehr. Etwas steht jedoch im Vordergrund meiner Teilnahme: Ich möchte träumen können und meiner Seele wieder etwas Gutes tun. Das ist es, was ich an solchen Strecken liebe. Eine Selbsttherapie, die mich seit meinem Schlaganfall immer wieder aus psychischen Tiefs holt oder mein Selbstwertgefühl wieder stabilisiert und stärkt. Ich habe einen Traum, der erst in über 20 Stunden enden soll, und immer wieder bringt mich dieser Gedanke näher an das, was ich mir so wünsche: die Rekordzeit mit dem MTB!



Nachts um zwei Uhr sehe ich diesmal leider keine Elchkuh wie damals im Jahr 2005, aber ein Angler steht oberschenkeltief im Fluss, der mir glasklar entgegenkommt. Das ist Norwegen! Unendliche Weite und Stille.




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Fast könnte man denken,

der Wind hätte 36 Monate lang nur auf mich gewartet,

um es mir jetzt richtig heimzuzahlen.


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Du merkst auch, dass am Beginn eines solchen Mega-Races kaum gesprochen wird, denn jeder schein sich erst selbst darüber klar werden zu müssen, was er vor sich hat. Ich selbst mache mir schon wieder mal Gedanken, wie krank es doch ist, ein Straßenrennen mit dem Mountainbike zu bestreiten: Aber da muss ich jetzt durch.



Der Wind am Hochplateau wartet schon wieder auf mich ...


Schon nach vier Stunden ziehe ich mir Windstoppersocken an, weil ich eiskalte Füße habe. Nach gut sechseinhalb Stunden und 170 Kilometern stetiger Bergauffahrt bin ich in Hjekinn am Beginn des Dovrefjell-Hochplateaus, und jetzt geht es mir das erste Mal richtig schlecht. Ich bin einfach über meinen Verhältnissen unterwegs. Pulsbereiche, die hart an der Grenze meiner ärztlichen Vorgabe liegen, machen mich weich wie eine faule Banane. Jetzt beginnt ein erster Kampf um die eigene Psyche, denn es geht – so weit das Auge reicht – geradeaus, und der Wind, den ich so von 2005 her kenne, wartet schon wieder auf mich und stemmt sich gegen meinen Vortrieb, der ja durch meine Übersetzung eh schon untermotorisiert zu sein scheint. Fast könnte man denken, er hätte 36 Monate lang nur auf mich gewartet, um es mir jetzt richtig heimzuzahlen.



Aber es ist ein traumhaft schönes Erlebnis, ins Hochplateau einzufahren. Da vergisst du einfach, wie schlecht es dir gerade geht. Eine komplette Packung Traubenzucker mit Magnesium macht meinen Kadaver wieder geschmeidig. Erst eine lange, lange Rechtskurve leicht bergab, die ich mit weit über 40 km/h nehme, und dann breitet es sich vor mir aus.

(Quelle: (#. 4468))

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