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Ärzte, Sportwissenschaftler, Hebammen – sie alle konnten mir damals keine wirklich zufrieden-stellenden Antworten geben. Also nahm ich die Herausforderung an und probierte vieles einfach aus. Die Basis dafür bildete meine damals 20-jährige Bike-Erfahrung. Tatsächlich bereitete mir das Radfahren in der Schwangerschaft so viel Freude und gab mir ein derart gutes Gefühl, dass ich meiner besten Freundin eines versprechen musste: „Nein, ich werde nicht mit dem Rad zur Entbindung zu fahren.“ Sport und Schwangerschaft sind zwei Begriffe, die für viele Menschen nicht zueinander zu passen scheinen.
„Sicher ist, dass viele in der Schwangerschaft auf sportliche Aktivitäten verzichten und sich schonen. Grund dafür sind teils falsche Informationen“, weiß Dr. med. Anton Fechtig aus seiner Praxis. Der niedergelassene Gynäkologe hat häufig beobachtet, dass allein deshalb zahlreiche Frauen übermäßig Gewicht zulegen. Zehn Kilo oder mehr als vorher wiegen manche nach der ersten Schwangerschaft. Ein Horror-Szenario, das sich keine Frau wünscht. Einige Wissenschaftler vermuten ein verhängnisvolles Gen hinter der Gewichtszunahme. Andere geben genetischen Faktoren die Schuld. Schlechte Ernährung und inaktives Verhalten – da sind sie sich alle einig – begünstigen diese Entwicklung, selbst bei weniger veranlagten Frauen. Sport hilft also definitiv. Und sogar das Baby profitiert davon.
 Wundermittel Radfahren
In der Praxis zeigte sich, dass ich zu Beginn meiner Schwangerschaft mit den Veränderungen in meinem Organismus zu kämpfen hatte. Vor allem Wassereinlagerungen machten mir zu schaffen. Es war manchmal so schlimm, dass mir meine Schuhe nicht mehr passten. Das Radfahren wirkte wie ein Wunder. Auch wenn ich dabei kurzatmiger war als vor der Schwangerschaft – was übrigens ganz normal ist. „Durch die ‚normalen’ Wassereinlagerungen quellen auch die Schleimhäute etwas auf, sogar in den Bronchien“, erklärt Dr. Fechtig. Die Folge: ein subjektives Gefühl von Kurzatmigkeit. Durch regelmäßiges Radeln blieb mein Blutdruck die ganze Schwangerschaft hindurch stabil, und die dicken Beine lösten sich sozusagen in Luft auf.
Schwangere Bikerinnen fühlen sich oft nur dann wirklich wohl, wenn sie ihren Sport weiter betreiben können. „Es spricht sogar vieles dafür, sich gezielt fit zu halten“, ergänzt Dr. Fechtig. „Sport unterstützt den beanspruchten Skelettapparat, kann die häufig auftretenden Rückenschmerzen reduzieren und kurbelt Kreislauf und Stoffwechsel an.“ Das hilft oft bei Übelkeit und Schwindel. Radfahren und auch Schwimmen beugen Thrombosen und Krampfadern vor und reduzieren die schwangerschaftstypischen Wassereinlagerungen im Gewebe. „Das Training verbessert auch die Sauerstoffversorgung des Körpers - und damit die Versorgung des Kindes. Und körperliche Aktivität kann sogar dem Schwangerschaftszucker ‚Diabetes mellitus‘ entgegenwirken“, ergänzt Dr. Fechtig. Denn die Bewegung aktiviert große Muskelgruppen, und der erhöhte Blutzuckerspiegel wird durch kontinuierliches Verbrennen gesenkt. Außerdem schone das Radeln die Sehnen, Bänder und Gelenke, die sich lockern.
 Auf Nummer sicher
Sicherlich ist Biken, vor allem im Gelände, nicht ohne Risiko. Stöße und Sturzrisiko sind relativ hoch und damit gefährlich für das Ungeborene. Biken auf gemäßigten Wald- und Wiesenwegen dagegen ist meist kein Problem. Vorausgesetzt, du hast ein gutes Gefühl dabei. Sowieso sollte jede Schwangere ihrer inneren Stimme vertrauen und auf ihren Bauch hören. Bei mir war im fünften Monat der Punkt erreicht, wo ich vom Mountainbike auf ein bequemeres Rad umsattelte.
Diese Erfahrung teilen auch Worldcup-Profi Gun-Rita Dahle Flesjå, die dreifache Tansalp-Gewinnerin Karen Eller und Iris Bieker, Downhillerin und Physiotherapeutin (siehe Info-Kästen). Bei der gestreckten Sitzposition ist langsam aber sicher der Bauch im Weg. Der schmale Sattel übt einen unangenehmen Druck aus. Mein Wegbegleiter in dieser Phase wurde ein Beach Cruiser, mit dem ich fortan alle Wege zurücklegte. Der breite Lenker, die aufrechte Sitzposition und der breite Sattel machen das Radfahren sehr komfortabel. Bei Tagesausflügen am Wochenende legte ich rund 60 Kilometer zurück. Natürlich nicht mehr so schnell und mit mehr Pausen – also ganz anders als sonst bei einer Bike-Tour.
Viel trinken
Eine Pulsuhr hilft dabei, die Herzfrequenz zu überwachen, „denn die sollte 130 Schläge nicht übersteigen”, lautet die Empfehlung des Sportärztebundes Nordrhein-Westfalen e.V. Auch das Trinken ist von immenser Wichtigkeit. Viele Frauen schwitzen mehr, als vor der Schwangerschaft. Dieser Flüssigkeitsverlust muss durch eine höhere Zufuhr ausgeglichen werden. Mit der Flüssigkeit können auch wichtige Nährstoffe zugeführt werden. „Da Natrium Wasser im Körper bindet, sollte das Getränk natriumarm sein“, lautet Dr. Fechtigs Empfehlung. Am besten geeignet sind Mineralwasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees und Fruchtschorlen. Ernährungsexperten geben für Schwangerschaft und Stillzeit einen Richtwert von rund zwei Litern Mineralwasser pro Tag. Bei körperlicher Aktivität steigt dieser Grundwert natürlich entsprechend an.
Alles Ammenmärchen Prominente Gynäkologen warnten früher regelrecht vor zu viel Bewegung in der Schwangerschaft, da Sport die Beckenbodenmuskulatur verhärte und die Geburt vielfach komplizierter verliefe. „Eine untrainierte, werdende Mutter kann sogar durch angstbedingte Verspannungszustände der Beckenboden-, aber auch der Rückenmuskulatur Probleme bei der Geburt haben“, klärt Dr. Fechtig auf. Auch ich hatte Angst vor einem Geburtsmarathon, der letztlich nicht eintrat. Genauso wenig wie das gefürchtete Mehrgewicht, das sich dank regelmäßigem Radfahren in überschaubaren Grenzen hielt. Beim anschließenden Stillen hilft das Baby sogar dabei, die überschüssigen Kilos schnell wieder aufzusaugen. Die verloren gegangene Muskulatur kommt dann beim gemeinsamen Radfahren (siehe „Biken mit Kind“ BSN 04/2011) zurück.
Extra-Tipp:
Schnell wieder fit Karen Eller, Inhaberin der MTB-Schule „Die Rasenmäher“ (schwanger 2005 und 2009) über zu viel Training und den Neustart nach der Schwangerschaft.
Meine erste Schwangerschaft mit Leni fiel genau in der Bike-Hochsaison. Bis Ende des fünften Monats – als mein Bauch noch sehr klein war und man fast noch nichts gesehen hat – war ich lediglich kurzatmiger. Doch dann verkürzte sich von heute auf morgen der Gebärmutterhals – ein Anzeichen dafür, dass ich mir zu viel zugemutet hatte. Also habe ich öfters mal die Beine hochgelegt. Nach der 32. Woche musste ich zwei Wochen lang strikt liegen – Frühgeburtstendenz. Weil mich die Geburt körperlich arg mitgenommen hatte, traute ich mich erst nach sechs Wochen wieder aufs Rad. Da das super klappte, habe ich parallel zur Rückbildungsgymnastik, die ich strikt eingehalten habe, was ich nur empfehlen kann, mit moderatem Biken begonnen. Das brachte mich ziemlich schnell zu meinem ursprünglichen Fitness- und Fahrtechnikstand zurück. Bei meiner zweiten Schwangerschaft war ich viel gelassener. Als Lois vier Wochen alt war, begleitete ich unser erstes Camp als Co-Coach. Weil ich auch mit der Rückbildungsgymnastik schon früh beginnen konnte, war ich wirklich super-schnell wieder fit. Dass meine Bikesaison erst im August angefangen hat, habe ich deshalb kaum gemerkt. Also keine Angst: Alles kommt wieder – auch der geliebte Sport.
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Zum richtigen Bike geht's übrigens hier ...
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