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Die Pariser steigen vom Auto um auf das Vélo
Fährt man zum Montmartre hinauf, sieht man sie schon: Fein eingerastet im Halter der Fahrradstation stehen fünf weitere Fahrräder. Alle haben das gleiche Design: ein stabiles aber weich geschwungenes Gestell, metallic-grau lackiert, einen großen, flügelartigen Lenker, an dem ein Korb befestigt ist. An der Seite steht in bunten Buchstaben: Vélib.
Viele Pariser haben erst kürzlich ihre Fahrradtaufe bestanden und ein Vélib benutz. Ein bisschen gefährlich ist der Umstieg in Paris schon, denn die Autofahrer sind noch nicht so an die Fahrräder gewöhnt. Doch was sich die Stadt Paris da für ihre Einwohner ausgedacht hat, ist etwas ganz neues: ein enormes Fahrradausleihsystem als Ergänzung zu den traditionellen Transportmitteln. Das Projekt heißt Vélib, abgeleitet von dem französischen Wort für Fahrrad: Vélo. Matthieu Fierling, stellvertretender Leiter des Projekts: "Vor Vélib lag der Anteil von Wegen, die mit dem Fahrrad zurückgelegt werden im Straßenverkehr bei ein bis zwei Prozent. Mit Vélib verfolgen wir die Idee, die Nutzung des Fahrrads zu fördern. Das Projekt gehört zu einem größeren politischen Vorhaben des Bürgermeisters: den Autoverkehr um 40 Prozent innerhalb von zehn Jahren zu reduzieren." Kaum vorstellbar für diejenigen, die eine Rushhour auf Pariser Straßen kennen. Aber gerade die Staus und dieses Chaos sind ein Grund, ab und zu auf das Fahrrad umzusteigen.
Netz von Fahrradstationen Die Stadt will es jedem Pariser ermöglichen, quasi von Haustür zu Haustür zu radeln. Deshalb hat sie ein Netz von Fahrradstationen entwickelt, das dichter ist als das der Metro. An fast jeder Straßenecke sieht man seither elektronische Ausleihstationen, an denen mindestens 20 Fahrräder stehen oder abgestellt werden können. Dunkelgrau, mit einem unverkennbaren lila Leuchtstreifen, hat jede Station eine Stationssäule. Dort kann man per Touchscreen ein Rad ausleihen, indem man ein Tagesabonnement für ein Euro oder ein Wochenabonnement für fünf Euro kauft.
Matthieu Fierling: "Die Idee von Vélib ist speziell für die Nutzung kurzer Strecken gedacht. Natürlich, das System steht auch Touristen offen. Aber man sollte sich bewusst sein, dass Vélib nicht für ganztägige Radtouren durch Paris gemacht ist. Das beweist schon der Tarif: Die erste halbe Stunde ist gratis, die zweite halbe Stunde kostet einen Euro, die dritte halbe Stunde zwei Euro und alle darauffolgenden vier Euro." Zum Ausleihen braucht man eine Kreditkarte mit Chip. Die Wochenkarte kostet 7 Euro, die Monatskarte liegt bei 29 Euro.
Dass Vélib trotz einiger Probleme bereits jetzt, drei Monate nach der Eröffnung der ersten Fahrradstationen, ein voller Erfolg ist, beweisen die Zahlen. Mehr als fünf Millionen Mal wurden die Räder bereits genutzt, täglich sind das an die 80000. Und es werden immer mehr. In Paris spricht man schon längst von einer wahren Revolution, einer Vélorution.
Übrigens: Auch andere große Städte wie Chicago oder London haben schon ihr Interesse bekundet. Wie sagen die Experten in der Seine-Stadt? "Vélib führt wirklich etwas ganz neues in der Stadt ein und es kann eine Antwort auf die Verkehrsprobleme vieler Metropolen sein." Der Paris "Vélib Service" (Vélib ist eine Kurzform für “Velo Liberte” oder auf deutsch "Fahrrad-Freiheit".
aktiv Radfahren Service: Mit 20.600 Leihrädern, erhältlich an 1.451 Stationen, ist "Vélib" das größte Fahrrad-Verleihprojekt der Welt.
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